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Erstes Blatt.

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vierteljährlich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für auS- «ärtige Wonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, er. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Deraniwortl. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hana«,

Nr. 177

Fern sprech aElnß Nr. 605

Samstag den 1. August

Fernsprechanschlnß Nr. 605

1903

Amtliches

Eandkreie hanau,

Bekanntmachungen des Königs. Landratsamtes.

Die Vorschrift der Bundesratsverordnung über die Be­schäftigung von Gehilfen und Lehrlingen in Gast- und Schank­wirtschaften vom 23. Januar 1902 (R.-G.-Bl. S. 33) Ziffer 4 Absatz 1 und 2, nach welcher dèn Angestellten eine 24stündige Ruhezeit zu gewähren ist, wird vielfach so aufgefaßt, als seien die Angestellten während dieser Ruhezeiten auch an solche An­ordnungen nicht mehr gebunden, die der Prinzipal für die in seine Hausgemeinschaft aufgenommenen Gehilfen und Lehrlinge im Interesse der Hausordnung, insbesondere über das recht­zeitige Nachhausekommen am Abend der freien Tage, getroffen hat. Die Folge davon ist, daß die Angestellten an diesen Tagen vielfach einen Lebenswandel führen, der sie zur Arbeit am folgenden Tage unfähig macht und schließlich ihre Ent­lassung nach sich ziehen muß. Der hierdurch veranlaßte häufige Stellenwechsel hat für beide Teile große Unzuträglichkeiten im Gefolge.

Diese Auffassung ist eine irrige; die in Rede stehende Bundesraisverordnnng regelt nur die gewerbliche Beschäftigung der Angestellten und es besteht demnach auch nach Ziffer 4 nur die Verpflichtung, die Angestellten während der 24stündigen Ruhezeiten nicht zu gewerblicher Arbeit heranzuziehen; die Be­fugnis des Prinzipals, für die seiner Hausgenossenschaft an­gehörenden Angestellten die im Interesse der Hausordnung er­forderlichen Anordnungen zu treffen, wird daher nicht berührt, nur darf den Angestellten nicht, entgegen den Absichten der Verordnung, der Genuß der freien Tage dadurch unmöglich gemacht werden.

Caffel den 24. Juli 1903.

Der Regierungs-Präsident.

AII9282 J. V.: Mejer.

Von vorstehender Auslegung ersuche ich die Orispolizei- behörden der in Betracht kommenden Ortschaften des Kreises den beteiligten Schank- und Gastwirten auch zur weiteren Mit­teilung an ihre Unterstellten Kenntnis zu geben. Auch wollen sie sich diese Auslegung vorkommenden Falles für Entschei­dungen rc. als Richtschnur dienen lassen.

Hanau den 30. Juli 1903.

Der Königliche Landrat.

V 6253 I. V.: L e h f e l d t,-Reg.-Assessor.

Feuilleton.

Himmels-Crscheimmgm im August.

Der mächtige Feuerball der Sonne, der uns Licht und Wärme spendet und dadurch alles Leben auf Erden erhält, wendet sich mehr und mehr nach Süden, seine Strahlen treffen uns unter immer spitzerm Winkel. Dementsprechend erhalten wir auch von Tag zu Tag weniger Licht jund8Wärme. Am 1. August steht die Soune noch 18 Grad nördlich vom Aeguator und erhebt sich somit bis zu einer Höhe von reichlich 55 Grad über unsern Horizont. Am letzten Tage des Monats befindet sich das Tagesgestirn nur noch 8 Grad nördlich vom Aeguator; cs steigt nur noch bis zu 45 Grad an unserm Himmel empor. Der Sonnen-Aufgang, der am 1. August kurz W 41 /i Uhr erfolgt findet am 31. erst um 51/» Uhr statt. Der Sonuen-UuMgang dagegen tritt am 1. August gegen ^Ahr, am letzten Tage des Monats eine Stunde früher ein. - ie Länge des Tages nimmt mithin im Laufe des Monats von 15^2 auf 133/4 Stunden ab.

Der Mond ist beim Beginn des Monats zunehmend nach dem ersten Viertel. Am 8. August zeigt uns unser Trabant 'c,u volles Antlitz und nimmt dann ab. Er steht am 16. im Wen Viertel und befindet sich am 22. zwischen der Sonne und der Erde. Er kehrt uns bann seine vom Tagesgestirne sucht beschienene Seite zu, wir sehen ihn daher nicht, es ist Neumond. Wenige Tage darauf erscheint unser treuer Be- gseitcr als schmale Sichel beim Sonnenuntergang am Abend- er uimmt zu und zeigt sich am 29. August im letzten

Merkur, im Bilde des Löwen, tritt gegen Ende des Monats »l die Jungfrau über. Er geht am 1. August gegen 8^2 Uhr, $ule§t Ane Stunde früher unter, entfernt sich also nicht weit genug vom Tagesgestirne, um bequem ausgefnnden werden zu

Die heutige

Stadtkreis Danau,

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Notwendig vorzunehmender Reparaturen halber bleiben die Räume des Nömisch-Jrischeu- und des Douche-Bades vom Montag den 3. August ab bis auf weiteres geschloffen.

Hanau den 31. Juli 1903.

Städtische Badeanstalt. 13297

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zeit vom 25.31. Juli 1903:

1 Former,

1 Schreiner,

1 Schlosser,

1 Schuhmacher,

2 Taglöhner,

4 Hausburschen.

Hanau den 31. Juli 1903.

Städtisches Arbeitsamt. 13356

Gesnndciic und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 weißes Kinderkleidchen, bares Geld, 1 schwarzer Atlasgürtel.

Verloren: 1 Brosche in Hufeisenform mit Perlen be­setzt, 1 Portemonnaie mit 1,45 Mark Inhalt.

Zugelaufen: 1 Bastard w. Geschl., 1 schwarz und weiß gefleckter Jagdhund m. Geschl.; Empfangnahme bei Adam Kronenberger in Groß-Krotzenburg.

Hanau den 1. August 1903.

11 Wimm 11! , ,i 1.1 1 j 111 - _____----^

Hue Stadt und Eand,

Hanau, 1. August.

* Königl. Preuff. 209. Klaffenlotterie. Die Erneuerung der Lose zur 2. Klasse muß mit Vorlegung der Lose 1. Klasse bei Verlust des Anrechts bis zum 7. August, abends 8 Uhr, planmäßig geschehen.

* Zu Gerichtsaffefforen ernannt sind im Bezirke des Oberlandesgerichts Caffel die Referendare Wagner-Hanau und Urban-Cassel.

^ Neues industrielles Etablissement. Unmittel­bar in unserer unterfränkischen Nachbarschaft, in den Ge­markungen Kahl und Dettingen, gegenüber dem Seligenstädter Braunkohlenbergwerk, GewerkschaftAmalie", wird in aller Kürze ein bedeutendes industrielles Etablissement in Form eines

können. Venus erlangt am 12. August ihren größten Glanz und kann deshalb, obwohl sie bereits brei Viertelstunden nach der Sonne untergeht, noch wohl gesehen werden. Mars tritt von der Jungfrau in die Wage über und bleibt etwa 2 Stunden nach Sonnenuntergang am Himmel. Der Planet ist aber wegen seiner wachsenden Entfernung von uns bereits recht lichtschwach geworden. Jupiter im Bilde des Wassermanns kommt allmählich an den Abendhimmel. Er geht zuerst kurz nach 9 Uhr, zuletzt zwei Stunden früher auf. In den spätern Nachtstunden lassen sich daher die Verfinsterungen seiner Monde gut beobachten. Saturn im Steinbock geht bei Tage auf und bleibt fast die ganze Nacht über am Himmel. Uranus im Skorpion geht gegen Mitternacht unter, während Neptun in den Zwillingen sich erst nach Mitternacht über den Horizont erhebt.

In den Nächten vom 8. bis 14. August pflegen sich Sternschnuppen in größerer Anzahl einzustellen, die aus dem Bilde des Löwen herzukommen scheinen und deshalb

Leoniden genannt werden. Ihre Beobachtung wird durch den Vollmond stark beeinträchtigt werden, doch dürfte vom 13. August an, wenn der Mond später kommt, noch eine gute Nachlese zu erwarten sein.

Von den Fixsternen erblicken wir an den August-Abenden gerade über unserem Haupte das Bild des Drachens. Ein Stern zweiter und zwei Sterne dritter Größe bilden den Kopf des Ungestüms, das seinen Schweif weit im Bogen durch die Sternbilder des großen und kleinen Bären hindurchringelt. Südlich vom Drachenkopf finden wir die strahlende Wega in der Leyer, die mit dem östlich stehenden Deneb' im Schwan und dem südlich stehenden Atair im Adler ein nahezu gleich­schenkliges Dreieck bildet. An die Leyer schließt sich nach Westen zu der Herkules an, unter diesem steht der Ophiuchus, und unter diesem finbcit wir tief im Südwesten den Skorpion mit dem Stern erster Größe Antares. Westlich vom Herkules steht ein Kranz hellerer Sterne, die nörblicbc Krone, weiter nach Westen 31t strahlt Arktur im Bootes. Unter diesem

Nummer umfatzt ausser dem Uuterhaltuugsblatt 14 Seiten

großartigen Braunkohlenbergwerkes erstehen. Die durch Sach­verständige wiederholt konstatierten mächtigen Braunkohlenlager sollen nunmehr nach Beendigung der erforderlichen Vorver­handlungen io. erschlossen werden. Mit den Abteufungsarbeiten hat man schon vor einiger Zeit begonnen. Die gewaltigen Kohlenlager beginnen durchschnittlich etwa 12 Meter unter der Erdoberfläche und sollen dem Vernehmen nach mittels Tag­baus ausgebeutet werden. Erhebliche Hindernisse verursacht bei den gegenwärtigen Abteufungen der bedeutende Wasser­andrang, gegen den ein ständig arbeitender Pulsonnter wesent­lich ankämpft. Die Wassermassen werden durch einen beson­ders angelegten Abzugsgraben direkt in den Main geleitet. Das Bergbauunternehmen verdankt seine Entstehung Herrn Dr. Gans zu Fechenheim, der Herrn Direktor Karl Richter in Dettingen, früher Direktor der GrubeAmalie" in Seligen­stadt, zum technischen Betriebsleiter des neuen Bergwerks engagierte. Ob das gewonnene BraunkohlerGaterial industriellen Betrieben dienstbar gemacht oder einer Aufbereitung unter­worfen werden soll, darüber scheinen an maßgebender Stelle noch keine definitiven Entschließungen getroffen zu sein. Für die Arbeiterkreise der weiteren Umgebung aber bedeutet das Bergwerksetablissement zweifellos eine neue Verdienstquelle, die zu wohlbegründeten Hoffnungen berechtigen dürfte.

* Zu den Vorgängen in Fnlda, die zu über­triebenen Gerüchten Anlaß gegeben haben, wird als authentisch nunmehr mitgeteilt : Die nervöse Erregung des Landrats Steffens zu Fulda, auf welche die bekannten Fuldaer Vorgänge vom 26. v. M. zurückgeführt werden, stellt sich leider als eine sehr schwere Erkrankung des genannten Beamten heraus, welche zu ernsten Besorgnissen Veranlassung gibt und am 30. Juli seine Uebersührung nach Heidelberg in eine Nervenheilanstalt zur Folge gehabt hat. Näherstehende wollen schon in den letzten Wochen auffallende Veränderungen in dem Gebühren des Landrats Steffens bemerkt haben. Der sogen. Belagerungs­zustand ist übrigens von Herrn Steffens niemals formell er­klärt gewesen. Er hat allerdings in seinem krankhaften Zu­stande die Absicht gehabt, dies zu tun, hat auch bezügliche Plakate drucken lassen, ist aber noch rechtzeitig daran verhindert worden. Leider ist es seinerzeit übersehen worden, die frag­lichen Plakate beiseite zu bringen und es sind bedauerlicherweise mehrere Exemplare als Kuriosität in das Publikum gelangt. Ucbrigens ist die Blättermeldung, daß der Herr Oberpräsident oder der Regierungspräsident von Trott zu Solz in Fulda an­wesend sei, unzutreffend. Es ist als Vertreter der Aufsichts­behörde nur der Herr Ober- und Geheime Regierungsrat Mejer kurze Zeit in Fulda gewesen und hat sich bereits am 30., vor­mittags, wieder nach Cassel begeben.

* Das Gauturnfest des Gaues Offenbach-Hanau wird morgen in Hausen bei Offenbach abgehalten.

Sternbilde steht tief am westlichen Horizonte das Tierkreis­bild der Jungfrau. Im Nordwesten sehen wir den bekannten Himmelswagen, das Sternbild des großen Bären, unter ihm den großen Löwen. Im Norden finden wir unterhalb des Polarsternes ziemlich tief am Himmel die funkelnde Kapella im Bilde des Fuhrmanns. Gegen Nordosten steht das schiefe "W der Kassiopeja, darunter der Perseus. Oestlich von der Kassiopeja steht die Andromeda, an die sich dann der Pegasus anschließt.

Kunst und Leben.

* Kunstuotiz. ^Jn der August-Ausstellung der Galerie Hermes in Frankfurt a. M., am Opernplatz, hat Professor Karl Heffner eine Sonder-Ausstellung von 20 seiner Ge­mälde veranstaltet. Neben größeren Kollektionen von Franz v. L e n b a ch und Hans Thoma sind mit neuen Werken vertreten Jos. Wenglein, F. A. v. Kaulbach, Fritz v. Uhde, Walther Firle, F. v. Defregger, Jos. v. Brandt, G. S ch ö n l e b e r und viele andere mehr. Von Gabriel Max ist ein soeben fertig gestelltes GemäldeMaria auf der Heide" und von Arnold Böcklin der Zimbernkampf aus dem Jahre 1889 ausgestellt.

Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.

Telegramm aus Hamburg vom 1. August.

9 Uhr 45 Min.

Ein Maximum über 767 mm lagert über Sübwestoeuropa, ein Minimum unter 745 mm am kottnischen Busen. In Deutschland wehen lebhafte Winde, aus westlichen Richtungen, das Wetter ist kühl, meist ist Regen gefallen.

Prognose für den 2. August: Kühles, veränderliches Wetter mit Regenfâllen wahrscheinlich. ,