Erstes Blatt.
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General
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Amtliches Organ fit Mt- und Landkreis Kanau.
im Reklamenthell di« Zelle 25 Pfg., für AuSwärtS 35 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur. H. Schrecker in Hma«,
Nr. 2 5 5. FernsdrechMlMuß Nr. 605. Kreitay den 31. Oktober Fernsprechauschlvß Nr. 605. 19 0 2
Hue Stadt und £and.
Hanau, 31. Oktober.
Oefferrtliche Sitzung der Stadtoerordnete«- versammlung
vom 30. Oktober 1902.
Anwesend die Herren: Canthal, Vorsteher; Aukamm, Bailly, Bier, Brüning, Craß, Eberhard, Glaser, Dr. Heraeus, Jost jr., Koch, Kceuter, Küstner, Loßberger, Sucht, Müller, Ott, Rodde, Roth, Schroeter/ Schwabe, Spatz, Steinheuer, Stübing, Treusch, Voltz, Dr. Wagner und Wörner.
Vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr Gebe- schus, Stadtrath Nicolay.
Wählerliste für die Stadtverordneten- Wahlen.
Stadtv. Dr. Wagner berichtete über die gegen die Aufstellung der Listen erfolgten Einsprüche, deren im Ganzen 24 zu verzeichnen sind. Von diesen kann einem Theil deshalb nicht stattgegeben werden, weil die Reklamanten noch keine 2 Jahre hier ansässig sind, andere Reklamationen erledigen sich durch die nachträgliche Auffindung der vermißten Namen, bezw. Richtigstellung der Vornamen. Der Reklamation von 8 Wählern, welche deshalb nicht eingetragen sind, weil sie nach Ansicht des Meldeamts keinen eigenen Hausstand haben, beantragt der Referent stattzugeben. Es handle sich um solche Personen, die noch bei den Eltern wohnen, die aber trotzdem nicht unter den Begriff des Nichtbesitzes eines eigenen Hausstandes fallen, was Redner an Hand des ergangenen Entscheids * des Oberverwaltungsgerichts näher erläutert. Die Vorschläge des Refermten werden angenommen.
Abschlüsse der Gas», Wasser- und Elektrizitätswerks- und Badeanstalts-Kasse für
R.-J. 1901.
Der Referent, Stadtv. Schwabe, berichtet, das Ergebniß des Gaswerks habe den Erwartungm nicht entsprochen, welche bei Aufstellung des Etats gehegt wurden. Es ergebe sich ein Ausfall von 26188 Mk. gegenüber dem Etatsansatz. Der wesentlichste Faktor des ungünstigen Ergebnisses sei, daß eine größere Menge Kohlen zu erhöhten Preisen habe nachgekauft werden müssen und daß der Koaks einen erheblichen Preisrückgang erfuhr. Auch die Erhöhung der Löhne habe mit dazu beigetragen. Die Verwaltungsunkosten haben sich gegen den Etat um rund 5300 Mk. erhöht, trotzdem die Ausgaben für Gehälter sich um rund 500 Mk. verringert haben. Die sämmtlichen Abschreibungen erreichen die Höhe von 32 473 Mk. gegenüber einem Kapitalwerth von 860173 Mk. In der Kommission wurde zu dem Einnahme-Ausfall vom Oberbürgermeister bemerkt, daß der Reinertrag dem ur- S^jSMBMMMBMBBIWIMimMIMBMM^^
Kunst und Leben.
Hanau, 31. Oktober.
§. I. Abonnements - Concert -er „Weinser"* Es gibt wohl wenige Städte gleicher Größe in unserem deut' schen Vaterlande, in denen mit solcher Liebe, mit solch fröh' lichem Muthe, ja ich möchte sagen, mit solch enthusiastischer Leidenschaft dem Gesänge gehuldigt wird, wie gerade in unserer musitfreudigen Vaterstadt am grünen Mainesstrande. Blüthe auf Blüthe bot bereits der schnell heran gekommene Herbst und an dem weitragenden Baume der edlen Gesangeskunst entfaltete sich nach rühriger Arbeit manch edle Frucht. Mit gleich hohem Eifer waren alle bereits gehörten größere Vereinen redlich bemüht, um die Palme des Sieges und der Anerkennung zu eisern. Vieles ist bereits erreicht -- doch manches bleibt noch zu erfüllen! — Eine blüthenreiche Festspende vokalistischer und instrumentaler Darbietungen erbrachte uns am gestrigen
Abende der festgebende Verein der hierorts gerne gehörten „Weinser". Das fein ausgesuchte und künstlerisch angehauchte Programm verrieth sofort die kundige und glückliche Hand des kundigen Meisters und jeweiligen Dirigenten Herrn Adolf Müller aus Frankfurt, unter dessen würdiger Leitung erwähnter Chorverein an Fülle und Güte bis jetzt nur Aus- erwähltes und Gutes gezeitigt hat. Eingeleitet wurde der festliche Reigen durch den mit Akkuratesse und tiefdurchdachter Auffassung abgemessenen Chorsatz von M. Blumner, „Sei getreu bis in den Tod!", der allerdings dem auffallend schwachen Tenor manche Schwierigkeiten bereitete. Das Verhältniß des prägnant geschulten und mächtig regierenden Basses ist dem an Sllmmergiebigkeit sehr schwachen Tenor gegenüber weit überragend, trotzdem "auch einige gutgeschulte Stimmen vorherrschend dem Tenor ihr Gepräge aufdrängen. Klare Aussprache, wohlberechnete dynamische Schattirungen und vor allem gutbemessene Rhyihmik waren die Vorzüge, die bei sämmtlichen Geianges- lechungen des Chores auffallend zu Tage traten, wenn auch im Uebereifer einige Interpreten manchmal etwas entgleisten.
sprünglich von dem Gaswerksdirektor vorgelegten Etatsentwurf entspreche, erst nach den damaligen Verhandlungen im Finanzausschuß sei derselbe um 20 000 Mk. Mehrertrag in die Höhe gebracht worden. — Vorsteher C a n t h a l berichtete auch noch in der Kommissionsverhandlung, daß er sich im Hinblick darauf, daß der Ausfall beim Gaswerk an dem Defizit, welches die Stadtkasse im Berichtsjahre 1901 aufweise, im Wesentlichen mit betheiligt fei, umfangreiches Rechnungsmaterial beschafft habe, um Vergleiche anstelle» zu können. Danach habe das Gaswerk von jeher — bis auf R.-J. 1893, wo sich ein Minus von rund 5000 Mk. ergeben habe — Mehrüberschüsse von rund 30 000 bis über 40 000 Mk. über die etatsmäßigen Ziffern jährlich geliefert bei steigender Etatisirung. Allerdings sei niemals eine Gewinnziffer erreicht worden, wie im Etat für R.-J. 1901 angenommen, die den Betrag von 168 000 Mark erreicht habe. Nach seinen Informationen sei der höchste Reingewinn der des JahreS 1899 mit 166 036 Mk. gewesen. Wenn man das vorliegende Rechnungsergebniß mit dem des vorangegangenen Jahres vergleiche, so bleibe ein Mindererlös von (162650—141812 =) 20 838 Mark. Nach seinem Dafürhalten sei von einer ungünstigen Konjunktur im Geschäfts- lebm thatsächlich weniger bemerkbar gewesen als allgemein in den Vordergrund geschoben werde. Hierin erblicke er weniger die Ursache des Minderergebnisses.
Wie die Rechnung erkennen lasse, seien für Löhne rund 5000 Mk., für Kohlen rund 6000 Mk. mehr gezahlt worden als im Vorjahre; dazu komme der Ausfall an der Einnahme für Koaks mit rund 8000 Mk., sodaß zusammen rund 16 000 Mark deS Mindererträgniffes hierin ihre Ursache fänden und letzteres ferner bei dm Rückgängen in den technischen Ergebnissen, die sich wohl auch aus einige Tausend Mark beziffern. Man könnte das Defizit herabmindern, wenn man den für vereinnahmte Gasmessermiethe abgeschriebenen Betrag wieder in Einnahme stellt, doch werde daS Resultat an sich dadurch auch kein günstigeres.
Stadtv. Wagner bespricht in längerer Rede den Ausfall und ersucht, für das nächste Jahr der Versammlung einen genaueren Bericht über die technischen Verhältnisse beim Gaswerk vorzulegen, insbesondere auch eine vergleichende Statistik mit andern gut rentirenden Gaswerken.— Das Wasserwerk ergab einen Reingewinn von 19,853 Mark gegen 14,000 Mark, die vorgesehen waren. — Die Badeanstaltskasse erforderte einen Zuschuß 2902.62 Mark. — Die betr. Rechnungsabschlüsse, gegen die Referent nichts zu erinnern findet, werden genehmigt. Eingabe von Anliegern der Hospitalstraße
wegen Regulirung dieser Straße.
Einige Anlieger der Hospitalstraße führen unter Hinweis auf die ihnen s. Zt. bei Regulirung der Fluchtlinie der Hospitalstraße erwachsene Schädigung Beschwerde gegen die be
Besonders angenehm berührte der jedenfalls mit viel Sorgfalt errungene Wechsel in den oftmals auftretenden verschiedenen Stärkegraden des piano und forte. Die weitere choristische Darbietung erbrachte uns zwei kleine, aber gut interpretirte Chorsätze von Max Filke und Franz Schubert, betitelt ,',Arme Blum' im Thal" und „Widerspruch", welche infolge des etwas ungewohnt angelegten Tonsatzes auf das zahlreiche Publikum nicht sonderlich wirkten, dessen ungeachtet aber seitens des Cyores mit sichtlich klarer Auffassung und warmer Empfindung tonale Verkörperung fanden. Weit zündender wirkte in der Fortsetzung des Programms die Darbietung des Chores: „Rapsodie" von dem Altmeister Joh. Brahms, für Altsolo und Männerchor mit Klavierbegleitung bearbeitet, der als der Glanzpunkt der choristischen Leistungen anzusehen ist und dessen überwältigende Wirkung alle andächtig lauschenden Hörer sichtbar erwärmte und sympathisch berührte. — Dankbar sind wir besonders der glücklichen Hand des Programm-Schöpfers, daß er auch dem Liebling der Muse, dem schlichten Volksliede, seinen Platz in demselben nicht versagt hat. Gerade jene trauten Weisen, wie sie Silcher und andere würdige Tonsetzer aus frischer Brust herausgefunden, sie sind eine Fundgrube der schönsten Melodien, weil sie uns den Blick in den ungeschminkten Charakter des deutschen Volkslebens eröffnen. In diesen Perlen allein ruht wahres Volksempsinden, in ihnen offenbart sich in kindlich natürlichem Geiste, in schlichter Form stiller Schmer; und helljauchzende Freude. Wunderbarer Zauber waltete daher auch über den einfachen Formen der so schön und stimmlich sehr tonrein wiedergegebenen Volkslieder „Herber Abschied" und „Herzenswünsche", die uns der Altmeister Fr. Silcher als treues Erbe hinterlassen. Die Einfachheit der Rhythmen, die schlichte Gliederung in der Form und die traut anheimelnde Harmonisirung der tief empfindungsreichen Akkorde erfaßten und erfreuten sichtbar jedes Zuhörers Herz. — Als letzten Chor und Schluß- Nummer der festlichen Veranstaltung hörten wir die flotte Weise „Schön Rohiraut", eine kunstvoll angelegte Compo-
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 14 Seiten.
schlossene Eröffnung der Brückengasse in Verbindung mit einer Querstraße am Bangert entlang. Sie seien infolge der Flucht- linienfeststellung für die Hospitalstraße in der Veräußerung der Grundstücke gehindert und durch die Beschränkung im Bauen überhaupt geschädigt. Auf diesbezügliche Beschwerden sei ihnen der Bescheid geworden, daß die Verbreiterung der Hospitalstraße sich als nothwendig erwiesen habe. Dessen ungeachtet sei nun von den städtischen Körperschaften die Verbreiterung der Brückengasse beschlossen worden, wodurch noch besonders der Verkehr von der Vorstadt her von der Hospital- straße abgelenkt und über den Bangert nach dem Paradeplatz geführt werde. Die Beschwerdeführer beantragen in ihrem Schreiben: 1. Entweder Freigabe der betr. Grundstücke Hospitalstraße 26 bis 36) und Aufhebung deS Bauverbots, 2. die Erklärung, ob bezw. welche in Frage kommenden Anwesen und unter welchen Bedingungen die Stadt evtl. ankaufen würde; 3. Verschiebung der Ausführung des beschlossenen Straßenausbaues an der Nordseite des Bangert bis nach Beendigung des Ausbaues der Hospitalstraße. Neben bereits oben erwähnten Begründungen wird in der Eingabe gesagt, daß die Anlieger zum Theil zwecks anderweiter Unternehmungen behufs Erhaltung und Ernährung ihrer Familien gezwungen seien, ihre Grundstücke zu veräußern, hieran jedoch durch die Unmöglichkeit schwer geschädigt seien. Der Verkehr werde durch die neu projektirte Straße direkt nach der Neustadt geleitet und nicht mehr, wie in dem Schreiben des Magistrats vom 18. Oktober 1900 an den Bezirksausschuß hervorgehoben worden sei, nach dem Herzen der Altstadt, worauf s. Zt. der Beschluß des Bezirksausschusses und des Provinzialrathes sich denn auch hauptsächlich stütze. Die Geschäfte der Altstadt, hauptsächlich Hospital-, Bangert- und Metzgerstraße, würden nunmehr schwer geschädigt. Den in den Abweisungen der f. Zt. erfolgten Einsprachen gegen das Projekt der Verbesserung der Holpitalstraße hervorgehobenen öffentlichen Interessen werde nunmehr keineswegs Rechnung getragen. Weiter ergehen sich die Beschwerdeführer in Ausführungen über die Unzweckmäßigkeit der Errichtung von Arbeiterwohnhäusern am Bangert, wo noch dazu der Jugend ein beliebter und sehr frequentirten Spielplatz genommen werde. Die Ableitung der Fuhrwerke über die neue Straße komme weniger in Frage, wohl aber die Ableitung des Fußgängerverkehrs. Es wird schließlich noch ein Vorschlag, welchen f. Zt. Herr Chr. Hamm bezüglich des Erwerbs der Häuser 30 und 32 seitens der Stadt bezw. des Eintausches eines hinteren Gebäudes gegen ein vorderes Gebäude gemacht habe, als für die Stadt vor- theilhafter und billiger bezeichnet." — Der Referent, Stadtv. Sucht, berichtet in seinen weiteren Ausführungen über die Aufnahme der Eingabe in der Kommission und daß von derselben beschlossen wurde, dem Plenum zu empfehlen, keines der beschlossenen
sition des noch jugendlichen Tonkünstlers.Felix vonWoyrsch, welche mit gutem Gelingen einen würdigen Abschluß bildete. — Als Solisten' des Abends offenbarten sich uns zwei Größen ersten Ranges, die den Löwen-Antheil des denkbaren Publikums im mächtigen Beifallsrauschen allgenugsam, aber auch berechtigt für sich in Anspruch nahmen, nämlich die Sängerin (Altistin) Frl. Mathilde Haas und der allbekannte Viylin- Virtuose Herr Hugo Heermann aus Frankfurt a. M. Die Verdienste des letzteren, jenes genialen Meisters auf der Violine, sind hinlänglich genug bekannt. Sein herrlich und mit wohlthuender natürlicher Empfindung vorgetragenes „Violin-Coucert in G dur" von Vieuxtemps enthielt eine wahre Fluth edler Gedanken und sinnreicher Vertonungen. Auch in den beiden weiteren Vortragsstücken von L. Spohr und Paganini zeigte er sich als vollendeter Künstler, dem die schwierigsten Jntervallenschritte und trotzigsten Läufe und Figuren mit Leichtigkeit und spielend gehorchen. Reicher, nicht endenwollender Beifall veranlaßte den genialen Meister zu einer gleichgewandten Zugabe Bach'scher Composition. — Die Klavierbegleitung lag in den Händen des telentirten Herrn Viktor Heermann, eines Sohnes obigen Künstlers, der trotz seines jugendlichen Alters eine gereifte Technik als Begleiter entfaltete. Die zahlreichen technischen Schwierigkeiten, von denen obige Vortragstücke strotzten, überwand er mit spielender Leichtigkeit und mit stets gut bemessenem Accente. — Besonders sympathisch aber empfanden wir das Auftreten von Frl. Haas, die mit ihrer Leistung als Altistin mahre Begeisterung schuf. — Die talentirte Sängerin verfügt über eine gut ausgeglichene Altstimme von reinstem Wohlklange, die in der Tiefe besonders volUmenreich und ergiebig gestaltet
ist, aber auch in der höheren Lage einschmeichelnde Färbung verrieth. Unter der reichen Darbietung der gut ausgewählten Lieder gefielen besonders „Nacht und Träume" von Schubert, die neckische Composition von Rich. Strauß „Ich trage meine Minne" und die bei den Brahm'schen Lieder „Vergebliches Ständchen" und „Das Mädchen spricht." Die vortreffliche