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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, tu. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches. Organ für Stadt- und Landkreis Sana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

Nr. 176. Fernsprechanschluß Nr. 605«

Amtliches.

Stadtkreis Danau.

Kurze Belehrung über Tuberkulose (Schwindsucht) und deren Verhütung.

(Fortsetzung.)

Zur Verhütung der Ansteckung dienen folgende Maßregeln:

Jeder Schwindsüchtige ist strengstens anzuweisen, seinen Auswurf ausschließlich in leicht zu reinigende Speischalen (Spucknäpfe) zu entleeren; dagegen das Äusspeien auf den Boden, an die Wände oder in Tücher (Taschentücher), aber auch wegen der Gefahr für Thiere in die Ställe, auf Wiesen oder im Felde zu unterlassen.

Tuberkulöse dürfen andere Personen nicht auf den Mund küssen, am besten überhaupt nicht küssen, auch wegen der Ge­fahr, sich selbst Darm-Tuberkulose zuzuziehen, den Auswurf nicht verschlucken. Sie sollen sich auch thunlichst aller Be­schäftigung enthalten, welche sie in häufigen direkten persön­lichen Verkehr mit dem Publikum bringen; namentlich aber dürfen Schwindsüchtige nicht verwendet werden in Betrieben, in denen Nahrungs- und Genußmittel Fleisch- und Wurst­waaren, Brod und sonstige Backwaaren, Konditoreiwaaren, Milch und deren Produkte, Gemüse und Obst, Spiritussen, Mineralwasser u. dgl. zubereitet, feilgehalten oder verkauft werden. Es liegt im eigenen Interesse des Publikums, der­artige Geschäfte, insofern Schwindsüchtige darin beschäftigt sind, zu vermeiden.

Teppiche, Bodendecken, überhaupt alle Gegenstände, welche geeignet sind, den Auswurf einzusaugen, sind aus den Kranken­zimmern zu entfernen.

In allen Räumen, in welchen Schwindsüchtige oder der Schwindsucht Verdächtige verkehren, in öffentlichen Gebäuden, Schulen, Amtsräumen, Fabriken, Wirthshäusern u. s. w. sind Spucknäpfe in genügender Zahl aufzustellen.

Durch Anschlag ist das Aus^peien auf den Boden, an die Wände und. auf die Möbel u. s. w. zu verbieten, dagegen auf die Benutzung der Spucknäpfe hinzuweisen.

In den Krankenzimmern, sowie in allen Räumen, in welchen Schwindsüchtige verkehren, darf die Reinigung des Fußbodens niemals mittels trockenen Kehrens ausgeführt werden.

Sie ist vielmehr stets durch Aufwaschen mit einem feuchten Tuche zu bewirken.

Glatte (geölte) Fußböden und Wände erleichtern die Reini­gung in hohem Grade.

Die Straßen sind bei trockenem und warmem Wetter öfters reichlich mit Wasser zu besprengen; das Kehren der­selben ohne genügende Besprengung ist zu untersagen.

Hanau den 14. September 1901.

Der Königliche Kreisarzt.

Geh. Med.-Rath gez. Dr. Sunkel.

Vorstehende Belehrung wird hiermit erneut zur allgemeinen Nachachtung bekannt gegeben.

Hanau den 20. Juli 1902.

Königliche Polizei-Direktion.

P. 7227 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.

Hue Stadt und Cand,

Hanait, 31. Juli.

Beamtenpersonal-Nachrfchten.

Ernannt: der außerordentliche Professor an der Universität Erlangen Lic. theol. Dr. Friedrich Wiegand zum außer- ordenilichen Professor in der theologischen Fakultät der Universität Marburg, der Gerichtsassessor Weiß zum Amtsrichter in Steinbach-Hallenberg, die Referendare v. Kietzcll, Berliz- heimer, Eilert, Nickel und Bayer zu Gerichtsassesso­ren. die Rechtskandidaten Fraeb, Tiemann, Schaub, Thon, Friedrich und Suntheim zu Referendaren, der Gerichtsvollzieher k. A. Stückrath zum Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgericht in Brotterode, der Landesrentmeister Röhre zum Landessekretär bei der Zentralverwaltung des Bezirks-Verbandes des Regierungsbezirks Cassel.

Wiederaufgenommen: der ausgeschiedene Referendar Schotte in den Vorbereitungsdienst für den höheren Justiz­dienst.

Bestätigt: der zum Bürgermeister der Stadt Wachtersbach gewählte seitherige Büreauoorsteher Hankeln aus Hanau

Donnerstag den 31. Juli.

und der auf die Dauer von 12 Jabren zum Bürgermeister der Stadt Rosenthal wiedergewählte Bürgermeister Mengel.

Beauftragt: der Pfarrer extr. Klappert mit der ferne­ren Versehung der 2. Pfarrstelle zu Grebenstein, der Pfarrer Herwig zu Oedelsheim an Stelle des Superintendenten Wissemann in Hofgeismar mit Versehung der Metropoli- tanatsgeschäfte der Klasse Gottsbüren.

Versetzt: der ordentliche Professor in der Juristischen Fakultät der Universität Marburg Dr. v. Savigny vom 1. Oktober d. J. in gleicher Eigenschaft in die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Münster.

Ueberwiesen: der Landmesser Schwerdtfeger bei der Generalkommission in Cassel vom 1. Juli d. I. ab dem Meliorationsbauamt in Fulda auf ein Jahr zur Beschäftigung.

Verliehen: dem Gerichtsvollzieher Werner in Hanau das Allgemeine Ehrenzeichen bei seinen: Uebertritt in den Ruhe­stand, den Landmessern Köhler II und Simon zu Hers­feld und Claus I zu Arolsen je eine etatsmäßige Ver­messungsbeamtenstelle; dem diätarischen Meliorationsbauwart Heinz zu Wiesbaden eine etatsmäßige Meliorationsbauwart- stelle.

Penstonirt: der Wärter S p l i t d o r f bei dem Landkranken- Haus zu Hanau vom 1. Juli d. I. ab, der 2. Pfarrer Bödicker zu Grebenstein vom 1. August d. I. an, der Wasserbauaufseher Ehrhardt in Hersfeld auf seinen Antrag zum I. Oktober d. I.

* Erledigte Planstellen. Infolge Ablebens ihrer seitherigen Inhaber sind zur Erledigung gekommen 1) die re- formirte Pfarrstelle zu Münchhausen (Klasse Frankenberg), 2) die Pfarrstelle zu Schrecksbach (Klasse Neulirchen). Be­werbungen sind an das Königl. KonMorium zu Cassel zu richten.

* Sonderzug zum Kreistnrnfest. Auf Veran- lassung des Gauvertreters Schäfer - Offenbach wird nächsten Sonntag, vormittags 6 Uhr 50 Min., ein Sonderzug von Off-nbach abgehen, der 8 Uhr 45 Min. in Worms eintrifft. Rückfahrkarten hierzu sind für Mitglieder der Turngemeinde und der Turngesellschaft zu dem Preise von M. 3.20 durch die Vereinsvorstände zu beziehen.

* Versetzt sind zum 1. Sept. d. J. die Schutzleute Walt her von Hanau an die Kgl. Polizeidirektion zu Fulda, Stehlin g von Cassel an die Kgl. Polizeidirektion zu Hanau.

* Die nächste Hufschmiede - Prüfung findet hier Samstag den 27. September d. J. statt. Anmeldungen zu dieser Prüfung sind bis zum 13. September d. I. an den Königl. Kreisthierarzt Herrn Collmann zu richten.

* Gesellenprüfung. Diejenigen Zimmergesellen, welche ihre Prüfung bestanden haben und noch nicht in dem Besitze ihres gesetzlichen Lehrbriefes sind, können denselben bei dem Vorsitzenden des Prüfungs-Ausschusses Herrn Zimmermeister Carl T h o r n, Vor der Kinzigbrücke 18, in Empfang nehmen.

* Gartenfest. Sonntag den 10. August findet im EtablissementBürgerbräu" großes Gartenfest von zwei unserer größten Gesangvereine,Tonblüthe" undEin­tracht", unter Mitwirkung der Ulanenkapelle statt. Beide Vereine, welche schon des öfteren gemeinschaftlich gesang-froh- liche Abende verlebt und damit die sangesbrüderliche Kollegialität hochgebalten, erfreuen sich in allenKreisen unserer Einwohnerschaft der größten Anhänglichkeit. So ist es denn nicht zu verwun­dern, daß die gewiß lobenswerte Idee, auch die Familien und Freunde beider Vereine au einer derartigen gemeinschaftlichen Feier theilnehmen zu lassen, freudig begrüßt wurde. Da der Ein­tritt gänzlich frei, wäre blos noch zu wünschen, daß auch der Wettergott sich dem Unternehmen freundlich gesinnt zeigt, um so allen Besuchern einige angenehme Stunden zu bereiten.

** Turner Jean Kohl t» Heute Morgen starb an den Folgen eines längeren Leidens Herr Graveur Jean Kohl, der in Turnerkreisen eine bekannte Persönlichkeit war. Er gehörte dem hiesigen Turnverein an und hat sich um den­selben große Verdienste erworben. Seinen zahlreichen Freunden von hier und auswärts vermitteln wir die Nachricht auch an dieser Stelle.

P.-A. 26. Mittelrhetnisches Kreisturnfest. Aus Worms wird uns geschrieben: Die Anmeldungen laufen in den letzten Tagen sehr lebhaft ein. Telegraph, Telephon und Eilbriefe bringen stündlich Neuanmeldungen. Bis gestern Nachmittag war das Eintreffen von ca. 220 Turnvereinen mit ca. 4000 auswärtigen Turnern vorgemerkt. Der Woh- nungs- und Geschäflsführende Ausschuß hat alle Hände voll zu thun. In den verschiedenen Volksschulen ist mit der Her­stellung großer Schlafsäle für Turnermassenquartiere bereits begonnen worden. Die Vorfeier am letzten Sonntag hat die vom Geschäftsführenden Ausschuß gestellten Erwartungen bei Weitem übertroffen. Der Besuch muß als ein recht guter

Fernstzrechanschlnß Nr. 605» 1902

bezeichnet werden. So waren z. B. im Voranschlag nur 900 Einlaßkarten für Erwachsene und 800 für Kinder vorgemerkt, Dauerkarten natürlich abgerechnet. Die Zahl der Erwachsenen erreichte jedoch die stattliche Höhe von 2100, die der Kinder 781. Ein günstiges Vorzeichen für das kommende Fest.

* Schreinermetster - Versammlung. Eine Ver­sammlung der hiesigen Schreinermeister zwecks Erledigung ge­schäftlicher Interessen findet heute Abend 9 Uhr in dergol­denen Gerste statt.

* Die Schwalben haben ihre Reife nach dem Süden angetreten. Sie haben also auch in diesem Jahre den Reigen der sortziehenden Vögel eröffnet. Im vorigen Jahre war schon der 27. Juli der Tag ihres Abzuges.

* Rohheitsdelikte, wie. Widerstand gegen die Schutz­mannschaft, Beleidigung einzelner Mitglieder derselben, nehmen in letzterer Zeit in hiesiger Stadt in auffälliger Weise zu. Auch in verflossener Nacht ereignete sich wiederum ein ähn­licher Fall. Als zwei Schutzleute kurz vor 1 Uhr auf ihrem Patrouillengang die Friedrichstraße passirten, lag auf dem Bürgersteig anscheinend schlafend eine männliche Person. Die Schutzleute weckten denSchläfer", der aber anscheinend wach war und jedenfalls nur auf eine passende Gelegenheit zur Verübung einer Strafthat wartete. Blitzschnell sprang der Mensch auf, versetzte dem einen Schutzmann mit einem in der Hand haltenden Messer einen Schlag ins Gesicht, packte ihn am Halse, riß ihn zu Boden und zerfetzte die Uniform. Dies Alles war das Werk einiger Augenblicke und geschah also so schnell, daß der zweite Schutzmann gar nicht im Stande war, die That zu verhindern. Der sonderbareSchläfer", ein hier wohnender Tagelöhner Hagemann, wurde natürlich alsbald verhaftet und dem Polizeigefängniß zugeführt. Hoffentlich wird dem Manne eine exemplarische Strafe zu theil, die ab­schreckend auf ähnliche Individuen wirkt, da, wie eingangs erwähnt- sich ähnliche Strafthaten in letzter Zeit mehrfach wiederholt haben.

* Sachbeschädigung und Auslauf. In verflossener Nacht hatten Bäckergesellen in einer Wirthschaft in der Nähe der Krämerstraße ein Fäßchen Bier getrunken, wodurch sich die Gemüther erhitzten. Die Folge war, daß aus harmloser Neckerei eine gegenseitige Schlägerei entstand und, auf der Straße angekommen, grober Unfug verübt wurde, der einen Auflauf zeitigte.

* Im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. veranstaltet die Kapelle Samstag einen Richard Wagner- Abend. Sonntag Vormittag ist von 6 bis 1 Uhr der Eintrittspreis auf 30 Pf. (Kinder 20 Pf.) ermäßigt und im Aquarium für Alle auf 20 Pf. Um 1 Uhr wird der Garten für die Vormittagsbesucher geschlossen und von da an kostet es 1 Mark, Kinder 50 Pf. für den Garten, und 50 Pf., Kinder 20 Pf., für das Aquarium.

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© Kesselstadt, 31. Juli. (Begräbniß.) Gestern Nachmittag wurde die irdische Hülle des Herrn Lehrer Nuhn zu Grabe getragen. Von Nah und Fern waren Freunde und Amtsgenossen des Verstorbenen herbeigekommen, um demselben noch im Tode ihre Achtung und Wertschätzung zu beweisen, überaus zahlreich waren auch die Bewohner unseres Ortes unter den Leidtragenden vertreten, ein Beweis wohl, welch warme Sympathie, welche Achtung und liebende Verehrung sich der Verblichene während der langen Jahre seiner hiesigen Wirksamkeit in allen Kreisen unserer Bevölkerung erworben. Herr Pfarrer Hufnagel widmete dem Todten am Grabe einen warmen Nachruf, der in den Herzen der Zuhörer gewiß den aufrichtigsten Widerhall gefunden. Herr Nuhn hat durch seine bekannten Dichtungen in Schwälmer Mundart sich einen Namen im ganzen Hessenlande erworben und es dürften deshalb einige Angaben über sein Leben und Wirken interessiren. Er ist geboren in Riebelsdorf, Kr. Ziegenhain, am 28. Septbr. 1848. Sein Vater war ein einfacher Schwälmer Bauers­mann, der außer seinem landwirtschaftlichen Betrieb noch einen kleinen Handel mit Erzeugnissen der Schwalmgegend führte. Er besuchte die Volksschule seines Heimathdorfes, erhielt Privatunterricht von dem Lehrer des Dorfes, besuchte diePrä- parandenschule in Schlächtern und wurde im September 1865 in das Schullehrerseminar dortselbst ausgenommen. Er ^durch­lief den dreijährigen Kursus dieser Lehranstalt in regelmäßigem Fortschreiten und bestand Herbst 1868 die Abgangsprüfung mit gut bezeugter Befähigung. Seine erste lehramtliche Thätigkeit begann er in der Gemeinde Willershausen, Kr. Eschwege, von wo er nach 6jähriger Thätigkeit nach Wommen, im selben Kreise, kam. Von da wurde er am 1. Oktober 1879 nach Kesselstadt als 3. Lehrer versetzt. Hier hat er nahezu 23 Jahre gewirkt, nach Pensionirung des Stelleninhabers vom 1. April 1898 als 1. Lehrer und Organist. Er hat sich na­mentlich bei patriotischen unb festlichen Gelegenheiten dichterisch versucht, doch mangelt es den meisten Erzeugnissen dieser seiner