Erstes Blatt.
Kamner G Anzeiger
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf* gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecke: in ^anmr,
Nr. 254
Ferns-reckauschluß Nr. 605.
Donnerstag den 30. Oktober Fernsprechanschivß Nr. eos* 1902
Amtliches.
Landkreis Danau.
VekMntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
Saatenftand um die Mitte des Monats Oktober 1902
im Kreise Hanau — Land.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 — gut, 3 = Mittel, 4 — aerina. 5 — sehr aering.
Fruchtarten
Durch- schnittsnotcn für den
Staat
Regier- Itltslgr l'ezirl Gaffel
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten.
l 3 | 3 4 5 | 1—2|2-3|3-4| 4-5
Winterweizen Sommerweizen Winrerspelz . Winierroggen Sommerroggen Sommergerste Hafer. . . Kartoffeln Klee . . . Luzerne . . Wiesen . .
2,5
2,6
2,3
2,5
Wird veröffentlicht.
Hanau den 24. Oktober 1902.
V. 10401
Der Königliche Landrath, v. Beckerath.
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Stadtkreis Danau.
Bekanntmachungen des Oberbnrqermeisteramtes.
Won Donnerstag den 3V. bis Kreitaa den 31. d. Mis., vorm. 10 Uhr, bleibt die städtische Stenerkaffe der Revision wegen für das Publi- knm aesckloffen»
Schlachtscheine werden ausgegeben.
Hnnrrn den 29. Oktober 1902.
Stadtkaffe. 18758
Steckbrief.
Der unten beschriebene Rekrut, Dienstknecht Johann Wilhelm Henning, geboren am 16. Juli 1880 zu Hanau ist fahnenflüchtig.
Es wird ersucht, ihn festzunehmen und an die nächste Militärbehörde abzuliefern.
Gießen den 27. Oktober 1902.
Großh. Hessisches Gericht des Landwehrbezirks Gießen Abth. Ha.
Der Gerichtsherr
P 10315 v. M o s ch,
Oberstleutnant und Bezirks-Kommandeur.
Beschreibung: Alter: 223/ii Jahre. Größe: 1 m 64 cm. Statur: gesetzt.
Wiesenverpachtnng.
Montag den 3. November d. Js., vormittags 10 Uhr, soll die fürstlich Jsenburg Birstein'sche, Wiese genannt die Ruhlwiese, unterhalb des Pachthofes zu Langen- selbold gelegen, groß ca. 92 Morgen, parzellenweise, öffentlich meistbietend, an Ort und Stelle auf zwölf Jahre verpachtet werden.
Zusammenkunft auf der Wiese.
Offenbach a. M. den 28. Oktober 1902.
Fürstlich Jsenburgische Domänen-Verwaltung.
Otterpohl. 18853
Hue Stadt und £and,
Hanart, 30. Oktober.
Lokal-historische Notizen.
30. Oktober 1813. Schlacht bei Hanau zwischen den Bayern unter Wrede (welcher schwer verwundet wurde) und der von Leipzig sich zurückziehenden französischen Armee unter Napoleon.
Beamtei»personal-Nachrichten.
Ernannt: der Privatdozent Professor Dr. Wrede in der Philosophischen Fakultät der Universität Marburg zum Bibliothekar an der Königlichen Bibliothek zu Berlin, der Pfarrer
zu Steinbach-Hallenberg Arno Her ting auf erfolgte Präsentation zum 3. lutherischen Pfarrer (Diakonus) in Schmal- kalden, die Referendare Brunn er und Harry Schmidt zu Gerichtsassessoren, der Rechtskandidat Koch zum Referendar, der Hilfsaufseher Johannes Flach zu Ziegenhain zum Aufseher bei der Königlichen Strafanstalt zu Ziegenhain.
* Passirt. Der Großherzog und die Großherzogin von Baden palsirten heute Morgen 6 Uhr 17 Min. mit dem O-Zuge (Bebra—Frankfurt a. M.) die hiesige Station.
* Die Landtagswahlen in Hessen. Bei den gestrigen Wahlmännerwahlen für die Wahl eines Abgeordneten der Stadt Offenbach zum Landtage siegte, nach dem „Frkft. Jnt.-Bl.", die sozialdemokratische Liste mit rund 300 Stimmen Mehrheit. Für die Sozialdemokraten wurden mehr als 2700, für die vereinigten Bürgerparteien 2400 un- gestrichene Zettel abgegeben. Es haben ungefähr 80 Prozent aller Wähler abqestimmt. Die Wahlbetheiligung war somit sehr rege und 22 Prozent höher als bei der letzten Landtagswahl. Am 8. November werden die gestern gewählten Wahl- männer den seitherigen Abgeordneten, Buchdruckereihesitzer Ulrich, wählen. — In Mainz (Stadt) erhielten die Wahlmänner der sozialdemokratischen Kandidaten David und Haas mit Unterstützung der Demokraten und Freisinnigen 2982, das Centrum 1379 und die Nationalliberalen 690 Stimmen. Gewählt sind somit die sozialdemokratischen Kandidaten. In Mainz stimmten 50 Prozent der Wähler ab. — In Darmstadt siegte mit 6 Stimmen Mehrheit dir Wahlmännerliste für Langenbach und S ä n g, Beide Kandidaten der freisinnigen Volkspartei, mit Hilfe der Sozial- demokraten. — In Friedberg siegte Damm (freis.), in Gießen Gutfleisch (vereinigte bürgerl. Parteien.) — In Bingen ging P e n n r i ch ^Ctr.) als Sieger hervor.
* Pfarrftellen. Infolge Ablebens des Pfarrers Happich ist die Pfarrstelle zu Schrecksbach (Klasse Neukirchen) zur Erledigung gekommen. Meldungen sind an das Königl. Konsistorium in Cassel zu richten. — Meldungen um die in Kürze frei werdende lutherische Pfarrstelle in Steinbach-Hallen- berg sind bis zum 15. November d. I. an den Superintendenten Obstfelder in Schmalkalden zu richten.
* Offenhalten der Läden. Von nächsten Samstag ab können die Verkaussläden bis 10 Uhr abends offengehalten werden.
* Die nächste Hufschmiede - Prüfung in Hanau findet am 20. Dezember d. J. statt. Anmeldungen sind bis zum 6. Dezember d. I. an den Königl. Kreisthierarzt Coll- mann zu richten.
* Auf dem Kartoffelmarkt in Frankfurt a. M. variirte gestern der Preis von 3,90 bis 4,30 Mk. pro Malter.
* Kunstindttstrie Verein. Der am nächsten Montag stattfindende Rezitationsabend verspricht in seinem melodramatischen Theil einen hervorragend künstlerischen Genuß. Ueber einen ähnlichen von der Vortragenden, Frau £6o nie von Bodenhausen-Satory, früher Mitglied des Hoftheaters zu Meiningen, z. Zt. Vortragsmeisterin und Lehrerin der Casseler Schauspiel- und Redekunstschule im März dieses Jahres zu Cassel verunstalteten Vortragsabend schreibt das „Casseler Tageblatt": „Den ersten Theil des Abends füllte die slovenische Alpensage Baumbach's „Zlatorog", aus, die von Frau v. Bodenhausen in einer Weise gekürzt war, daß der Zusammenhang des Ganzen völlig erhalten blieb. Der Vor- trag der Dichtung zeigte die Vorzüge der Künstlerin in hellstem Lichte: Die schöne Art der Lautbildung zeigte während des mehr als dreiviertelstündigen Vortrages ununterbrochen die Künstlerin, die aus der Darbietung des Werkes ein besonderes Studium gemacht hat . . . Und wie waren diese Worte der Ausdruck eines natürlichen Gefühles! Wie verstand es die Vortragende, allen einzelnen Gestalten der Dichtung Leben zu geben! . . . Wie die Thierfelder'sche Vertonung sich der Baumbach'schen Dichtung aufs Glücklichste anfügte, so unterstützte Fräulein N. durch ihr künstlerisches Spiel den Vor- trag auf das Wirkungsvollste, indem sie die Musik der lieblichen wie der tragischen Stimmung in gleich verständnißvoller Weise anpaßte." Für die bei uns am nächsten Montag statt- findende Aufführung des Melodramas „Zlatorog" hat Herr Handelsschuldirektor Pfeifer die Liebenswürdigkeit gehabt, den musikalischen Theil zu übernehmen. Im zweiten Theil des Abends wird Herr v. Bodenhausen hochdeutsche und mundartliche Dichtungen, meist heiteren Inhalts zum Vortrag bringen. Der Vortragende hat sich besonders in der Wiedergabe mundartlicher Dichtungen einen bedeutenden unbestrittenen Ruf erworben. „Es ist geradezu verblüffend, mit welcher Sicherheit in Lautfärbung und Tonfall Herr v. Bodenhaufen die verschiedensten Mundarten wiedergibt und es ist schwer zu jagen, welche ihm am besten gelingt."
* 50jähr. AmtSjubiläum -es Laudaerichts- Prästventen Herrn Geh. Oberjustizraths Koppen. Der Jubiläumstag unseres Landgerichtspräsidenten, dessen Leben und Wirken wir bereits eingehend geschildert, verlief in einer den Verdiensten des Jubilars entsprechenden, erhebenden Weise. Die Jnfanteriekapelle brächte in der Frühe ein Ständchen dar und hiernach erschienen im Laufe des Vormittags die Behörden und Korporationen, denen der Jubilar angehört, um ihre Glückwünsche und Widmungen zu überbringen. Herr Ober- landesgerichtsprästdent Eccius aus Cassel überbrachte die Gratulation des Justizministers wie der Beamten des Oberlandesgerichts und überreichte den von Sr. Majestät dem Kaiser verliehenen Kronenorden zweiter Klaffe mit Stern und der Zahl 50. Herr Landgerichts-Direktor Hellbach hielt im Namen der Richter des Bezirks die Begrüßungsansprache und überreichte eine prachtvolle Schale mit der Justitia. Die Subalternbeamten des Bezirks überbrachten ein Bild, die Wartburg darstellend. Im Namen des Offizierkorps gratulirte Herr Oberst v. Tempsky, namens der städt. Körperschaften Herr Oberbürgermeister Dr. Gebeschus und Herr Stadtoerordnetenvorsteher Canthal. Die Ortsgruppe Hanau des Allgemeinen Deutschen Schulvereins, die den Jubilar zum Ehrenvorsitzenden ernannt hat, überreichte eine von Herrn Zeichenlehrer Mangold entworfene künstlerische Adresse. Eine Abordnung des Kriegervereins überreichte eine prachtvolle Blumenspende, auch der Nationalliberale Wahlverein brächte herzliche Glückwünsche • dar. Telegramme und briefliche Gratulationen liefen in großer Zahl ein. Gegen 2^2 Uhr nahm ein zu Ehren des Jubilars im Saale der „Centralhalle" veranstaltetes Festmahl seinen Anfang. Etwa 150 Personen nahmen daran theil, darunter die Spitzen der Staats-, Militär- und städtischen Behörden. Die Reihe der Toaste eröffnete Herr Oberlandesgerichts-Präsident Ec c ius-Cassel, der das Kaiserhoch ausbrachte. Herr Landgerichtsdirektor Hellbach gab eine Biographie des Jubilars und schloß mit einem Hoch auf denselben. Herr Erster Staatsanwalt L e h m a n n hob das herrschende gute Verhältniß zwischen den beiden Justizzweigen hervor und toastete auf das fernere Fortbestehen desselben. Herr Justizrath U t h sprach namens der Rechtsanwaltschaft des Landgerichtsbezirks und feierte die Biederkeit des Charakters des Jubilars. Hierauf folgte der Dank des Jubilars. In fünf verschiedenen Landgerichtsbezirken amtirend, habe er sich durch die Verschiedenheit der Gesetzgebung hindurcharbeiten müssen, bis er endlich auf das neue bürgerliche Gesetzbuch gekommen sei, das die Einheitlichkeit gebracht habe. Sein Hoch galt dem einigen deutschen Reich. Der nächste Redner war Herr Oberbürgermeister Dr. Geb e- s ch u s, der den Jubilar als einen der besten Bürger der Stadt feierte und seinen Toast dann überleitete auf die Gemahlin des Jubilars, derselben sein Hoch widmend. Herr Prof. Dr. S u ch i e r toastete namens des Vorstandes des Geschichtsvereins auf den Jubilar. Herr Präsident Koppen brächte ein Hoch der Stadt Hanau. Herr Dr. H e r a e u s feierte den Jubilar als eifriges Vorstandsmitglied des nationalliberalen Vereins, als glühenden Patrioten und brächte in diesem Sinne sein Hoch dem Jubilar. Namens des Vorstandes der Ortsgruppe des allg. deutschen Schulvereins feierte Herr Dr. A m b r o s i u s den Jubilar als früheren Vorsitzenden der Gruppe. Herr Reg.-Rath Dr. W e n k e erinnerte in seiner humoristisch gefärbten Tischrede an den wöchentlich zweimal im Bürgerverein stattfindenden Vesperschoppen und wünschte, daß derselbe unter dem Vorsitze des Jubilars noch lange bestehen möge. Der Jubilar quittirte mit einem Hoch auf die Spezialkommission. Zuletzt ergriff Herr Oberlandesgerichtspräsident Eccius nochmals das Wort, der Freude Ausdruck gebend, daß hier in Hanau, wie er sich selbst habe überzeugen können, ein so gutes Einvernehmen zwischen Behörden, Militär und Bürgerschaft bestehe. Glückwunsch-Telegramme waren in großer Zahl ringelaufen. — Das Festmahl nahm den animirtesten Verlauf.
* Mmrzaitktton zu München. Am 17. November 1902 und folgende Tage kommt unter Leitung des Experten Otto Helbing in München der zweite Theil des berühmten alten Münzen- und Medaillenkabinets, über dessen ersten Theil wir im vergangenen Frühjahre berichteten, zur Versteigerung. Diese zweite Abtheilung enthält Münzen und Medaillen des Römisch-Deutschen Reiches, der Kaiser« und Königreiche und geistliche Prägungen in Silber und unedlen Metallen. Der Katalog umfaßt zirka 6800 Nummern und ist ohne Tafeln gratis, mit 10 Tafeln Abbildungen zum Preise von 5 Mark zu beziehen durch den Experten Otto Helbing, München, Maximilianstraße 13/1.
* Sta-ttheater. „Ueber den Wassern", Drama, von Georg Engel, das am Freitag hier erstmalig gegeben wird gehört zu den bedeutendsten Erscheinungen der modernen dra- maiii^en Litteratur. Eine Handlung von packender Tragik —