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x Dienstag
30. September
190 . bis 31. Oktober 1908, sind bis mittaas 12 Uhr an den Herrn Gefängniß-Vorsteher dahier cin^-rcitben (s. Nr. 220 »Han. An»."). — Nachmittags 1 Uhr sollen die der Semeiude Rothenbergen gehörigen Aepfel parthieweise auf den Bäumen meistbietend verkauft werden; Zusammenkunft im ©4b nküppei. — Nachmittags von 8 Uhr ab wird dir angefangene Versteigerung im Saalbau „zum deutschen Hau»" durch den beeid. Tarator und Auktionator Herrn Fr. Kämpfer fortgesetzt.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamvurg vom 30. September,
9 Uhr 40 Min.
Ein Maximum über 770 mm lagert über den ^ebriben, ein Minimum unter 757 mm jenseits der Alpen. In Deutschland herrschen schwache, meist südöstliche Winde „ bei kühler, trockener, im Norden heiterer, im Süden trüber Temperatur.
Prognose für den 1. Oktober: Kühles, vorwiegend trübes Wetter wahrscheinlich. Stellenweise etwas Regen.
Hus JMab und fern,
Cafsel, 29. Sept. Der Zweite Direktor der weltbekannten Lokomotivfabrik v. Henschel, Königl. Baurath Leißner, ist gestern gestorben.
FttlV», 27. Sept. Gestern Nachmittag fand die Ersatzwahl der 2. Wählerabtheilung für den verstorbenen Stadtverordneten Joseph Reinhardt statt. Von den 302 Wahlberechtigten machten 145 von ihrem Rechte Gebrauch, also 48 Prozent. Der Kandidat deS Unterstadtvereins, Herr Elektrotechniker Benedikt Trabert, erhielt 79 Stimmen, während die übrigen 66 Summen für Herrn Rechtsanwalt und Rolar Justus Rang abgegeben wurden. Herr Trabert ist somit gewählt.
Adolfseck, 29. Sept. Auf Schloß Adolfseck werden heute Montag den 29. er. Seine Königl. Hoheit der Landgraf Alexander Friedrich von Hessen, am Dienstag Seine Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen nebst Gemahlin mit den Prinzen Friedrich Wilhelm und Max, sowie auch Ihre Hoheiten die Frau Erbprinzessin Leopold und Prinzessin Än- toinette von Anhalt eintreffen.
St. Frankfurt a. M., 29. Sept. Die gestrige Erstaufführung von Saint-Saöns „Samson und Dalila" gestaltet« sich wirklich zu einem künstlerischen Ereigniß allerersten Ranges. Die beiden Titelparthien waren mit Herrn Forchhauser und Frau Greff-Dndrießen vortrefflich besetzt und Beiden war der Erfolg des Abends zu verdanken, wobei aber auch Herr Dr. Kunwald, welcher sich mit Eifer der Einstudirung unterzogen hatte, nicht vergessen sei. Die Chöre waren von prächtiger Wirkung. An der Ausstattung war .nichts gespart worden, neue Dekorationen, Kostüme und Maschinerien boten auch dem Auge einen Genuß. Der Beifall war während des ganzen Abends ein grandioser und wurde das ausverkaufte Haus nicht müde, alle Mitwirkenden fortwährend an die Rampe zu rufen.
St. Frankfurt a. M., 28. Sept. Näher und räber rückt der Termin der Einweihung des neuen Schauspielhauses und werden vor dem Uebergange in dasselbe nochmals die be- liebtesten Repertoirstücke des alten Hauses in diesem dem Publikum vorgeführt. Gestern war es Raimund's „Verschwende?", welcher das wohlbesetzte Haus entzückte und sich gerade noch so wirksam, man kann es kaum glauben, als vor 70 Jabren zeigte. Die Besetzung sämmtlicher Rollen war eine glückliche, die Jnscenirung brillant; kein Wunder, daß der Beifall ein überreicher war. — Die Oper wird heute voraussichtlich einen glänzenden Premiören-Abend mit Saint-Saens „Samson und Dalila" haben.
Dormstadt, 28. Sept. Am Freitag hat der Kassirer Beil sie in, 35 Jahre alt, aus Groß-Bieberau, welcher Agent und Kassirer verschiedener Versicherungsgesellschaften war, seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht.
Dffenbach, den 29. Sept. Der 21 Jahre alte Spengler Karl Klopf war am Samstag Vormittag in einer Fabrik au der Waldstraße mit Dacharbeiten beschäftigt, als er plötzlich das Uebergewicht bekam und durch ein Lichthoffenfter in den Hof siel. Der Schwerverletzte wurde sofort in's Krankenhaus geschafft, wo er schon nach einigen Stunden verstarb, ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein.
X Mühlheim bei Offenbach, 29. Septbr. Der Hassia-Bezirksverband Seligenstadt hielt gestern Nachmittag im Gasthaus „zur Krone" dahier unter vollzähliger Betheiligung seinen Bezirkstag ab. Der Bezirks- verbandspräsident, Herr Lehrer Erimm-Zellhausen, leitete die Verhandlungen mit einem Toast auf unsern Landesberrn, den erhabenen Hasfla-Protektor ein, worauf sich Herr Forstmeister Weber-Seligenstadt mit Bravour keines Refera'es über die am 1. Juni er. zu Grünberg abgehaltene Delegirtenversammlung des Hassta-Landesverbandes entledigte. Aus'den weiteren Verhandlungen sei hier erwähnt, daß mit dem 1. Januar 1903 zu Darmstadt • eine speziell den Hassia-Jnteressen dienende „Kriegerzeitung" erscheint und damit die beiden Kriegerzeitungen „Parole" und „Feldpost" als offizielle Ver- öandsorgane in Wegfall kommen. — Das vor einiger Zeit in Wirksamkeit getretene Institut der Wandervorträge soll künftighin weiteren Ausbau erfahren. Als Wanderlehrer wurden die Herren Lehrer Grimm-Zellhausen, Forstmeister Weber- Seligenstadt und Lehrer Jochem-Kleinostheim, sowie ein Lehrer aus Schaasheim engagirt. Für die nächste Zeit wurden drei Wandervorträge vorgemerkt. Das Jahres-Bezirksfest pro 1903 wird in Zellhausen, der Frühjahrs-Bezirkstag dagegen zu Dudenhofen abgehalten. Der Bezirksverband erstrebte neuerdings auf Antrag des DereinS Hainstadt die Errichtung eines Derbands-Schießstandes in der Gemarkung Hainstadt. Der dortige Gemeindevorstand versagte indessen die hierzu nachge- uckte Genehmigung. Freiwillige Beiträge für daS dem Feld- marschall Graf Roon zu errichtende Denkmal werden aus dem diesseitigen Bezirksverbande voraussichtlich reichlich fließen. Nach Erledigung der Tagesordnung hielt der Schrifisührer des Landesverbandes, Herr Medizinalrath Dr. Vogt-Butzback, einen von patriotischem Geiste durchglühten meisterhaften Vor-
trag über die Entwickelung der „Ha'sia" von ihrer Entstehung bis zu ihrer jetzigen Ausgestaltung, über die Pflege des kameradschaftlichen Sinnes, das Unterstützungswesen rc. Die goldenen Worie des gewandten Redners ernteten lebhaften Applaus und den Dank deS Präsidenten, der in einem Hoch auf den Vortragenden ausklang. Mit einem von Herrn Der« dands'chriflfüyrer Fürth-Seligmstadt begeistert ausgebrachten und kräftig widerhallenden Kaisertoast fanden die interessanten Und anregenden Verhandlungen ihren würdigen Abschluß.
Gießen, 27. Septbr. Die heutige Strafkammersitzung wird ausgefüllt von der Verhandlung gegen den Stadt- r e ch u e r Wilhelm Schreiner von Laub ach, der des Betrugs und der Unterschlagung beschuldigt ist. Den Betrug erblickt die Anklage darin, daß der Beschuldigte in seiner Eigenschaft als Rechner der Spar- und Leihkasse einen gewissen GWtian Bay aus Freienseen bei Auszahlung eines Zinsbetrages ihn 10 Mk. dadurch geschädiat hat, daß er ihm verschwieg, daß seine Zinsforderung 44.50 Mk. betrug und ihm nur 34.50 Mk. auszablte. Die Unterschlagung soll sich der Angeklagte dadurch schuldig gemacht haben, daß er Gelder, -hie ihm anvertraut waren, sich rechtswidrig angeeignet habe. Der Angeklagte war seit 1888 Rechner der Stadtkasse in Laubach und mehrerer anderer Kassen. Als im Jahre 1899 eine Rcih- von Gemeinden, die an dem Bahnbau Laubach-- Mücke intcressirt waren, sich zu einer Gemeinschaft zusammen- schlossen und eine Gemeinschaftskasse ins Leben riefen, um die Kosten des BahnbaueS und des Geländeerwerbs zu bestreiten, wurde der Angeklagte, der sich allgemeinen Vertrauens erfreute, auch zum Rechner dieser Kasse gewählt. Das aus vorläufigen Beiträgen der Gemeinden Saubad) und Freiensren und ans eintlü Darlehen der Laubacker Spar- und Leihkasse sich rekru- lirende Vermögen der Gemeinschasiskasse betrug 24 000 Mark. Der Angeklagte, dem auch die Auszahlung der Geländeerwerbs- kosten aus b-eier Summe übertragen war, begab sich am 2. Mai d. Js. nach Freienseen und Stockhausen, um an 80 Grundeigenlhümer, bereit Gelände für den Bahnban benöthigt worden war, die Entschädigungssummen zu bezahlen. Hierbei soll er in 29 Fällen vorsätzlich Beträge in Höhe von 2 bis 130 Mark zu wenig ausgezahlt, insgesammt 579.65 Mark unterschlagen haben — und zwar auf die Weise, daß er den Erschienenen jeweils niedrigere Entschädigungssummen als die wirklich ^»gebilligten nannte und auszablie, daß er aber die Geldempfänger, b:e im Vertrauen auf die Zuverlässigkeit deS Angeklagten keine Kontrolle auSübieu, über die in einem fortlaufenden Verzeichnis; eingetragenen wirklichen Entschädigungssummen am Ranve qititiiren ließ. Die Anklage behauptet sogar, daß der Beschuldigte in mehreren Fällen den Verkäufern die Prüfung dadurch unmöglich gemacht habe, daß er mit der Hand oder dem Löschpapier die in dem Verzeichnis enthaltenen Zahlen über die richtigen Beträge verdeckt oder die Leute derart zum Vollzug der Unterschrift gedrängt habe, daß keine Zeit zur Prüfung übrig geblieben fei. Der Angeklagte bestreitet entschieden, mit Wissen und Willen zu wenig gezahlt zu haben, er gibt die Möglichkeit von .Versehen und Irrthümern zu und entschuldigt diese mit dem Zustande geistiger Störung,' in "dem er sich sch on längere Zeit vor der That befunden habe und der ihn z. Z. ihrer Begebung derart bedrückt habe, daß seine Zurechnungsfähigkeit zeitweise aufgehoben gewesen sei. Zur Beobachtung des Geisteszustandes des Angeklagten war der hiesige Kreisassistenzarzt Herr Dr. Koniger zur heuügen Hauptverhandlung zugezogen worden. Derselbe gab sein Gutachten dahin ab, daß der Angeklagte zwar stark neurasthenisch, jedoch zu keiner Zeit derart psychisch erkrankt gewesen sei, daß er die Herrschaft über seinen Willen und seine Handlungen verloren habe. Auch das Gericht gelangte zu dieser Ueberzeugung, und zwar auf Grund der Art der Begehung der Strafrhaten nnd im Hinblick auf die Ruhe und Sicherheit, mit der der Angeklagte in der Haupiverhandlnng sich vertheidigte. Die Verhandlung, in deren Verlauf über 40 Zeugen vernommen wurden, bestätigte die Anklage-Behanplungen bis auf die Be- sckuldiguug des Beirugs znm Nachiheil des Christian Heß. Es konnte nicht zweifelsfrei die betrügerische Absicht des An- geklagien bei der Einbehaltung der 10 Mk. festgestellt werden, vielmehr blieb die Möglichkeit eines Versehens nicht ausge- schlossrn. Die Staatsanwaltschaft enthielt sich daher betreffs dieses Punktes eines AntragS und das Gericht sprach den Attgeklagten von dieser Beschuldigung frei. Bezüglich der Stock- Hauser und Freienseener Vorgänge konnte noch festgestellt werden, daß der Angeklagte überwiegend geschäftsungewandte und weibliche Personen als Opfer seiner Betrügereien sich herausgesucht hat, daß er um den größten Betrag — 130 Mk. — gerade einen Mann betrogen hat, der, wie er wußte, seine Brille vergessen nnd fast nichts lesen konnte, daß er durchweg runde Sununen und keine Pfennigbeträge abgezogen hat, daß er den Leuten, die sich die richligeu Beträge nachträglich ausgerechnet und von ihm Einsicht der Verzeichnisse erbeten hatten, diese Einsichtnahme verweigert und ihnen statt dessen erklärt hat, dieses Mal seien die Beträge abgerundet worden, der Eine habe möglicherweise 10 Pf. zu wenig, der Andere zu viel erhalten, das nächste Mal würden diese Differenzen ausgeglichen werden. Dieses Verhalten bei und nach Ausführung des Betruges bestärkie, wie erwähnt, das Gericht in seiner Ansicht, daß der Angeklagte wohl überlegt, ja raffinirt gehandelt habe, und daß der Umstand, daß er Neurastheniker sei, in keinem Zusammenhang mit der Strafthal stehe. Strafmildernd zog das Gericht die Unbesirasiheit des Angeklagten in Betracht, während zu Ungunsten desselben schwer ins Gewicht siel der grobe Verirauensmißbrauch gegenüber Personen, die blindlings auf seine Ehrlichkeit gebaut hatten, und der Umstand, daß er eine Reihe kleiner Leute um theilweise erhebliche Summen geschädigt hat, ohne durch Noth oder andere entschuldbare Umstände zu der Strafthat getrieben worden zu sein. Ent- sprechend dem Antrag der Staatsanwaltschaft — die Straf« Höhe in Etwas abändernd "— veruriheilte das Gericht den Angeklagten zu einer Gefängnißstrafe von 9 Monaten und wegen der bewiesenen ehrlosen Gesinnung zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren. Mit Rücksicht auf den Fluchtverdacht, der infolge der Verurtheilung zu der erheblichen Freiheitsstrafe begründet erschien, wurde der Angeklagte soiüri in Haft genommen. (Gieß. A.)
X Aus dem Miimlknagruude, 29. Sept. Mit welch' beispielloser Dreistigkeit zuweilen die Eidespftickt verletzt wird, zeigt nachstehender eklatanter Fall. Der 31 übrige »er» heiralhkte Schweinehirt und Nachtwächter Max Scholl zu Klein- wallstadt wurde am 29. Dezember 1901 von dem verbeira- theten Gerber Hermann Heinzelmann, den er zur Rübe verwiesen hatte, gewürgt und zu Boden geworfen. Bei der be« treffenden Schöffengerichtsverhandlung bezeugte nun Scholl, auf dessen Anzeige die Anklage doch nur erhoben worden war, unter Eid, daß er den Heinzelmann nicht alS Thäter bezeichnen könne. Heinzelmann mußte demgemäß freigesprochen werden. Die vom Amtsanwalt angerufene Rekursinstanz dagegen ver- urtheilte den Tkäter^Heinzelmann zu 3 Monaten Gefängniß, nachdem der Nachtwächter Scholl zugestanden hatte, daß Heinzelmann, mit dem er auch in Elsenfeld und Obernburg gezecht habe, sich an ihm vergriffen habe. Gegen Scholl wurde sofort das Verfahren wegen Meineides eingeleitet, worauf dieses feit« fame Sicherheitsorgan vorgestern vom Schwurgericht unter Ausschluß mildernder Uckstände zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust bei alSbaldiger Verhaftung verurcheilt wurde.
Marktheidenfeld, 27. Sept. Am 2. Juki d. J3 war im Walde bei Csselbach ein Handwerksbursche namenS Jsidor Metzler aus der Pfalz mit ca. 20 Messerstichen am ganzen Körper verwundet anfgefunben worden. Er wurde in baä hiesige Spital gebracht, wo er erzählte, daß er mit zwei Reiie- kollegen im Walde auSgeruht habe und eingeschlafen fei; seine Kollegen hätten ihn so zugerichtet und seiner Baarschaft von ca. 16 Mark beraubt. Einer der Thäter wurde bald nach der That verhaftet, nunmehr ist auch der andere, ein 20jähriger Schneider aus Aachen, ermittelt und bereits in die Aschaffen- bnrger Frohnfeste eingeliefert worden.
Würzburg, 27. Sept. Ueber die Gefährdung zweier Züge auf der Strecke Gemünden-Hammelburg wird amtlich mitgetheikt: Am 21. September wurde von unbekannten Thälern nach Eintritt der Dunkelheit die Achtungstafel, welche an der U-berkreuzung der Bahnlinie Gemünden-Hammelburg am Verbindungsweg der Orte Untersckonbach und Untererihal stand, HeraBgriffen und über baS Geleise gelegt. Die Lokomolioe des Zuges Gemünden-Hammelburg Nr/7, welcher abends halb 10 Uhr die Stelle paffirte, zertrümmerte die Tafel, ohne daß mie Beschädigung des Zuges und Geleises vorkam. Am 22. September wurde auf die linke Schiene der gleichen Ueberfahrt ein Theil der zerbrochenen Tafel und auf die rechte Steine gelegt Der Zugführer des um 5 Uhr nachmittags passirenden Lokalzuges Hammelburg-Gemünden entbeefte das Fahnhinderniß, hielt _ben Zug an und entfernte eS. Die Nachforschungen nach den Thätern blieben erfolglos.
Sport.
Berlin, 28. Sept. In dem herrlich geschmückten Boots- Hyule des „Berliner Ruderclub" fand heute die feierliche Um« taufe des Rennbotes „Preußen", das erst kürzlich einen neuen Sieg errungen hat, auf den Namen „Cork" statt. Das Bootshaus, das größte von Berlin, nimmt achtzig Rennboote auf und gewählt fünfzig Personen Unterkunft. Inmitten des Vorplatzes lag in reichem Guirlandenschmuck das Taufboot, um das 170 Clnbmitglieder und zahlreiche Abordnunaen anderer Rudervereine sich drängten. Der Obersheriff von Cork, Rache und Dowling, trugen bereits die Clubakzeicben als Mitglieder. Das Clubmitglied Oskar Müller verlas ein Telegramm des Kailers, in welchem er für die von dem Festessen gesandten Huldigungsgrüße dankt und seine Befriedigung über die An- erktnnnng auSdrückt, die dem Club und damit dem gesummten deutscken Rudersport zu Theil geworden ist. Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Nunmehr theilte Roche mit, er werde aus eigenen Mitteln, sobald er nach Cork zurückqe- kehrt sei, zum Zeichen seiner Befriedigung und Freude über hie glänzende Aufnahme Erinnerungsmedaillen herstellen lafpn. (Stürmitches Händeklatschen.) Dann begann der Taufakt, wobei der Ausschnßvorsitzende Matthes die Taufrede hielt und betonte, der Name „Cork" folle dem Club für alle Zeiten er« halten bleiben. Wenn dereinst dieses Boot seinem Nachfolger Platz machen müsse, so solle dieser wieder „Cork" heißen. Mattbes trank dann unter lautem Beifall auf das Gedeihen der Stadt Cork. DaS Berliner „Philharmonische Blasorchester", welches erst im Juli d. J. in Cork so große Anerkennung gefunden hat, spielte hierauf irische Volksweisen. Nachdem Roche noch auf die Wohlfahrt deS Clubs getrunken hatte, bestiegen bie Anwesenden mehrere Dampfer und fuhren nach Grünau zur Besichtigung der Regattastrecke und der Einrichtungm des Regattavereins. Daran schloß sich eine Besichtigung der 8er» liner Wasserwerke an. Heute Abend gibt Kommerzienrath Büxenslkin Roche ein Familiendiner.
Hue aller Welt.
Die Anzeige der Irrsinnigen. In eine recht unangenehme Situation gerierhen, wie aus PariS berichtet wird, drei angesehene Franzostn durch die Anzeige einer Irrsinnigen, hie_ sitz eines DiebstahlS beschuldigte. Auf dem Polizeikom- miffariate des Bahnhofes Saint-Lazare erschien eine junge, elegant gekleidete Dame und erzählte dem diensthabendm Beamten, daß ihr ein Koffer und ihre Tasche bei der Ankunft gestohlen worden seien, während sie auf der Suche nach einem Träger gewesen. Am nächsten Morgen sei sie wieder auf den Bahnhof gekommen, um sich zu erkundigen, ob sich vielleicht ihre Gepäckstücke vorgefunden hätten. Dabei habe sie gesehen, wie drei Herren einen Koffer und eine Tasche, die sie bestimmt alS ihr Eigenthum erkannt habe, gerade zur Aufgabe brachtm. Sie ersuchte, man möge ihr einen Beamten mitgeben, um die Diebe an der Abreise zu verhindern und ihre Ärretirung vor- zunehmen. Der Kommissar begab sich selbst auf den Perron und forderte drei Herren, die ihm die junge Dame als die Diebe bezeichnete, auf, ihm zu folgen. Die Herren proteftirten mit dem Hinweis, daß ihr Zug knapp vor der Abfahrt stehe und sie mit der Polizei nichts zu thun hätten. Schließlich mußten sie sich jedoch fügen, da die Dame auf ihrer Anlage beharrte. Auf dem Kommissariat stellte sich heraus, daß der