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anauer M Anzeiger

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General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

Einrücknngsgcbühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Derantw^''tl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 124

Fernfprechanschluß Nr. 605

Freitag den 30. Mai.

Fernsprechanschlnß Nr. 605»

1902

Amtliches.

Stadtkreis hanau, Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Gemäß § 65 deS Kommunalabgaben-Gesetzes vom 14. Juli 1893 wird bekannt gemacht, daß im Stenerjahre 1902 zur

Erhebung gelangen als Gemeindeumlage:

120 % der Gewerbe- und Betriebssteuer, 100e/» Zuschlag zur Staatseinkommensteuer.

Hanau den 24. Mai 1902.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 9449

Bekanntmachung.

Die der Stadt Hanau gehörigen Grundstücke, Kartenblatt E E Parzellen Nr. 468/23, 469/23, 470/23 und 471/23, 77 qm groß, an der Maulbeerallee gelegen, sollen am Dienstag den 24. Juni d. JS«, vormittags 11 Uhr, im Magistratssitzungssaal zu Hanau, Neustädter Rathhaus Zimmer Nr. 1, öffentlich versteigert werden. Die näheren Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben.

Hanau den 27. April 1902.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 9448

Bekarrntmachrmk.

Durch Beschlüsse vom 4. März und Äst. April ds. Js. find folgende Straßennamen festgesetzt worden:

a. Querstraße

für die bisherige Straße Nr. 8,

b. Wredestratze

für Straße Nr. 56,

c. Friedbergerstratze

für den Zusuhrweg zum Nordbahnhof von der Wilhelm- straße an,

d. Antoniterstraße

für die sogenannte verlängerte Uferstraße nördlich der Wilhelmsbrücke.

Hanau den 24. Mai 1902

Der Magistrat.

J. A.: Schmidt. 9446

Wege» Bücherabschlusses und Kastenreviston bleibt die städt. Steuerkasse von Freitag den 30. bis Samstag den .31. d. Mts., vorm. 10 Uhr, für das Publikum geschlossen.

Schlachtscheine werden ausgegeben.

Hanau den 28. Mai 1902.

StadtkaNe. 9414 öcklliiiltmliliiuils für Keffelstadt.

Die hiesigen Landwirthschafttreibenben, in deren Oekonomie- beirieben im laufenden Jahre Veränderungen durch Ab- und Zugänge in den Bebauungsflächen eingetreten sind, werden ausgefordert, diese Veränderungen bis zum 7. Juni er. dem Bürgermeisteramt anzuzeigen.

Keffelstadt den 27. Mai 1902.

Der Bürgermeister. 9320

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

s Gefunden: 1 Maurerspachtel, 1 Ortskrankenkaffenbuch und Ouitiungskarie für Michael Peter Mohrs.

Verloren: 1 silberner Manschetten knöpf mit goldenem Hufeisen, 1 goldene Damenuhr mit Kette gez. P. K., 1 schwarz- , und weißgestreifter Gürtel mit gelber schnalle, 1 Packet mit Etiketten.

Zugelaufen: 1 schwarzer Spitz mit gelben Abzeichen, -nännl. Geschl. etwa 1 Jahr alt. Empfangnahme bei Bahn­wärter A. Graf in Niederrodenbach.

Hanau den 30. Mai 1902.________1

Hue Stadt und Cand. -

Hanau, 30. Mai.

* Eine Neuregelung des Lehrplanes für die Mittelschulen ist in Vorbereitung, und zwar eintchließlich der Rektoratsschulm und höheren Mädchenschulen. Die Vor­arbeiten schweben schon seit längerer Zeit. Diese Neuregelung dürfte sich, wie dieKön. Hartungs'sche Ztg." erfährt, im Wesentlichen an den sogenannten Kölner Lehrp an, an die Lehrpläne, die die Stadt Köln für ihre Mittelschulen aufgestellt

I hat, anschließen, mit deren Studium man die Anwesenheit des Geheimen Oberregierungsraths Brandt in Köln in Zusammen- Hang bringt. In der Konferenz von Schulmännern, die sich mit dieser Angelegenheit befaßt hat, ist nur eine andere Rege­lung des Zeichenunterrichts in Aussicht genommen. Für die Anhänger der Stenographie, wie die Chefs größerer Geschäfte, die Anwälte usw., dürfte es erfreulich sein, daß in diesem Lehrplan auch die Kurzschrift einen Platz bekommen hat.

* Landeskreditkasse. In Gemaßheit des § 3 Abs. 2 des Gesetzes vom 16. April 1902, betreffend die Landeskredit­kasse zu Cassel hat der Landesausschuß die Mitglieder der Direktion, Landesräthe Freiherr Wolfs von Gudenberg und Dr. Weigel zuSyndici derLandeskreditkasse" bestellt. DaS von dem Syndikus zu führende Siegel zeigt das Wappen des Bezirksverbandes mit der Umschrift:Syndikus der Landes­kreditkasse zu Caffel."

* Verbandstag. Das Programm zum 4. Verbands- Igg der hessischen Gemeindebeamten, der am 12. und 13. Juli in Marburg stattsindet, ist Folgendes: Samstag den 12., abends 6 Uhr: Verbandsvorstandssitzung; abends 8 Uhr: Kommers im Turnergarten. Sonntag den 13., morgens 8 Uhr: Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Marburgs, Ver­sammlung bei der Elisabethkirche; 10 Uhr: Frühstück im Fron­hof; 108/« Uhr: Bezirksversammlung in der Universitäts-Aula, daran anschließend Besichtigung der Universität; l'/i Uhr: Festessen; 3'/» Uhr: Ausflug nach Spiegelslust, daselbst Konzert.

* Gute Hoffnung. Eine alte Bauernregel sagt bei schönem Wetter am Fronleichnamstag, welchen die katholische Kirche gestern feierte, für die nächsten sechs Wochen gutes Wetter voraus. Nur zu gern wird diese Hoffnung in diesem Jahre nach dem frostigen Maimonat von Allen getheilt.

* Eine Entschuldigung für den Mai 1902. Alles verstehen heißt Alles verzeihen", sagt ein tiefsinniges Wort, und wenn wir es auf den sich jetzt glücklich verab­schiedenden Wonnemonat anwenden wollen, so müssen wir schon recht viel von ihm verstehen, um seine fortgesetzte Launenhaftig­keit zu entschuldigen. Natürlich ist die Wissenschaft in erster Linie dazu verpflichtet, uns zum Verständniß zu verhelfen, und sie wird ja ihrer Aufgabe auch nach Kräften gerecht zu werden versuchen. Vorläufig haben wir nur einige gelehrte Ver­muthungen zu verzeichnen. Man versucht es vor Allem mit Vergleichen. Der Mai 1902 soll die größte Ähnlichkeit mit dem Mai 1879 haben; in dem letzten Jahr war das Meer in der Umgebung von Island ebenso wie jetzt mit großen Massen von Treibeis bedeckt. WaS folgt aus dieser Thatsache ? Doch wohl nichts Anderes, als daß diese Eismasse für die ungewöhnlich niedrige Temperatur des fraglichen Monats ver­antwortlich zu machen sei. So wird man im ersten Augen­blick zu urtheilen geneigt sein, aber der Schluß ist zum Min­desten voreilig. Die Sache kann sich ebenso gut auch umge­kehrt verhalten, indem die ungewöhnliche Eisansammlung im nördlichen Atlantischen Ozean eine Folge, nicht aber die Ur­sache der kalten Witterung sein dürfte. Winde, die über ein weites Eisfeld Hinwegstreichen, sind selbstverständlich kälter als solche, die über ein trockenes und erhitztes Land oder ein warmes Meer wehen. Insofern wird wohl die Eisansammlung im Isländischen Meer eine gesteigerte Abkühlung herbeigeführt haben, aber es bleibt doch immer noch zu erklären, warum dauernd Nordwinde im nordwestlichen Europa geherrscht haben. Würden statt dessen westliche oder östliche Winde vorgeherrscht haben, so würde das Vorhandensein von Treibeis auf dem nördlichen Meer für die Temperatur in Europa ziemlich gleich- giltig geblieben sein. Die richtige Aufklärung ist wohl allein in der Vertheilung des Luftdrucks zu finden, von der die Richtung der Luftströmungen bestimmt wird, und diese Der- hältniffe werden binnen einigen Wochen von unseren Meteoro­logen mit genügender Klarheit untersucht sein. Nun hat sich aber der Mai noch in anderer Weise ganz besonders unbeliebt gemacht, nämlich durch ein ungewöhnlich aufgeregtes Wesen der innerirdischen Kräfte. Es fragt sich, ob auch dafür bereits eine Erklärung gegeben werden kann, und ob sie auf einen gemeinsamen Ursprung mit den Störungen im gewohnten Gang der Luftströmungen zurückgeführt werden können. Es stellt sich uns auch da eine hübsche runde Theorie zur Verfügung», an die man nur zu glauben braucht, um zum Verständniß all die'er Räthsel zu gelangen. Die Thätigkeit der Sonne soll nämlich auch dafür verantwortlich sein. Die langjährigen Beobachtungen in Indien haben einen scheinbaren Zusammenhang zwischen Regenfällen und Luftdruck einerseits und den Zeiten derftärk- Ren beziehungsweise geringsten Fleckenthätigkeit auf der sonne ergeben. Im Jahre 1867, als ebenfalls eine ganze Kette von Erdbeben und Mulkanausbrüchen über die Erde hinging, standen die Sonnmflecken in einem Minimum ihrer Ent­wickelung. Im Jahre 1883, als der Vulkan von Krakatau zur Hälfte in die Luft geblasen wurde, hatten sie ein Marimum erreicht, und das gegenwärtige Jahr ist wieder das

eines Minimums der Sonnenflecken. Die zeitliche Ueberein­stimmung ist also nachweisbar, ob nun auch ein innerer Zu­sammenhang besteht, muß vorläufig der Vermuthung überlassen bleiben.

* Militär-Cone-rt imBürgerbräu". Auch der schöne Concertgarten im Südosten unserer Stadtzum Bürgerbräu" hat nunmehr bei der warmen Witterung seine Pforten geöffnet. Morgen Samstag Abend findet das erste Concert der Infanterie-Kapelle unter Leitung ihres Kapell­meisters Herrn Stabshoboisten Schmidt darin statt, was wohl genügen dürfte, ein Anziehungspunkt für die Veranstaltung zu werden.' Der hübsch gelegene Garten mit geschützter Halle gegen eventuelle Ueberraschungen der Witterung bildet einen angenehmen Erholungsort, ein vorzügliches Glas Orschlerbier dient zur Erquickung. Hoffentlich bleibt auch die Witterung dem Concert hold, damit wieder einmal Gelegenheit geboten ist, den vorzüglichen Leistungen unserer Infanterie-Kapelle die gebührende Anerkennung zu Theil werden zu lassen.

* Herren-Abend Der Kaufmännische Verein vcran- staltet morgen Abend 8 Uhr in den Sälen derCentralhalle" einen Herren-Abend. Die getroffenen Vorbereitungen versprechen einen sehr genußreichen Abend, weshalb ein reger Besuch wohl zu empfehlen wäre.

* Der gestrige Fronleichnamstag brächte unserer Stadt den üblichen starken Verkehr. Die Messe halte zahl­reichen Besuch aufzuweisen, den Geschäftsleuten war also dies­mal die Gunst der Witterung in seltenem Maße hold. Die katholische Gemeinde feierte den Tag in der hergebrachten Weise, die Ausschmückung der Kirche und ihrer Umgebung, welche zu Ehren des hochw. Herrn Bischofs hergestellt war, diente auch dem gestrigen hohen Feiertag der Katholiken. Das Fronleich­namsfest wird seit dem 14. Jahrhundert allgemein gefeiert, blickt also auf ein höchst ehrwürdiges Alter zurück.

* Mar. Jünglingssodalität. Heute Abend 8'/, Uhr findet im Vereinssaale Konferenz statt. Die Herren Ehren- und aktiven Mitglieder werden gebeten, zahlreich zu er­scheinen. Die neugewählten Konsultoren werden in ihr Amt eingeführt werden. Sodann Besprechung wegen der Be­theiligung am Verbandsfeste der Jugendvereine im Maingau, das nächsten Sonntag den 1. Juni in Seligenstadt abgehalten wird. Abfahrt 220 von Hanau West, 280 Hanau-Ost, Rück­fahrt 8" von Seligenstadt. Anmeldungen zur Theilnahme am Bundesfeste in Oppenheim am 15. Juni werden heute Abend entgegengenommen.

X Im Zoologischen Warten zu Frankfurt a. M. findet am nächsten Mittwoch ein Kinderfest, unter Leitung des Herrn.August Ehner, Arrangeur von Kinderfesten in Karlsruhe, statt. Das Fest beginnt um 4 Uhr und schließt um V?7 Uhr. Das Eintrittsgeld für den Garten beträgt, wie gewöhnlich, 1 Mk., Kinder Pfg., Abonnenten haben freien Eintritt in den Garten. Der Festplatz wird eine besondere Einfriedigung haben und für den Zutritt sind von Jedermann (Groß und Klein) 20 Pfg. zu bezahlen. Am gleichen Tage ist abends Doppel-Konzert der Musik des 81. Jnf.-Regts. mit der Gartenkapelle und Beleuchtung der Burg. Diese in den beiden vergangenen Jahren von den Abonnenten und anderen Besuchern mit so großem Beifall aufgenommenen Veranstaltung von Doppel-Konzerten und Thurmbeleuchtung an warmen Mittwoch-Abenden soll nun, da es endlich Sommer geworden ist, wieder regelmäßig Platz greifen. Von anderen besonderen Veranstaltungen, die bei freiem Eintritt für die Abonnenten geplant sind, werden wir gelegentlich berichten.

* Als Leiche fldänbet wurde heute Morgen gegen 6 Uhr aus dem Main in der Nähe deS Bootshauses der Musketier B arten von der 1. Kompagnie hiesigen Infanterie- Regiments. Der im ersten Jahre dienende junge Mensch/ ge­bürtig aus Groß-Schwaß bei Rostock, war vom 18. bis 20. ds. Mts. nach Frankfurt a. M. beurlaubt. Am 20. d. M., nachts 2 Uhr, sandte er ein Telegramm hierher, daß er den letzten Zug versäumt habe und den Expreßzug benutzen werde, jedoch traf er anderen Tages nicht bei seinem Truppenteile ein. Thatsächlich ist er jedoch hierher gefahren, denn ein Bahn­arbeiter will ihn am Morgen des 21. Mai zwischen Hanau und Klein-Steinheim gesehen haben. Am 23. d. M. brächte ein Einwohner von Groß-Steinheim ein auf der Eisenbahnbrücke gefundenes Packet zum hiesigen Regiment, in welchem sich das Soldbuch, das kleine Schießbuch und die Brieftasche des Barten befanden. Heute Morgen gegen 6 Uhr gewahrte ein Bagger- arbeiter und ein Schiffer, wie schon oben bemerkt, in der Nähe des Bootshauses am Mainufer die Leiche eines Soldaten, ir der der vermißte Musketier Barten erkannt wurde.

Groben Unfug verübte gestern Abend gegen 10 Uhr ein hier auf der Messe weilender Handelsmann E., der auk einer Wirthschaft kommend am Paradeplatze vor der Thür ihres Geschäfts stehende Personen belästigte, einen Menschenauflaus