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Erstes Blatt.

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Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich G0 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Einrnckttngsgebnhr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev,

Amtliches Organ für Stadt- md Landkreis Kanan

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. ' 'finm,V0llL ?ltbarieux' ° 1 e 'r 1 111 ^"'^^

Nr. 99 Fernsprechanschkuß Nr. 605.

Dienstag den 29. April

Fernsprechanschluß Nr. 605. 19 0 2

Amtliches.

Stadt- und Landkreis Hanan.

Mit Rücksicht auf den Ausbruch der Maul- und Klauen­seuche in der Gemeinde Mittelbuchen verbiete ich hiermit, um der Gefahr einer Seuchenverschleppung vorzubeugen, auf Grund des § 64 Absatz 2 der Bundesraths-Jnstruktion vom ^d 1895 w Abhaltung des Viehmarktes in der Stadt Hanau am 7. Mai d. Js.

Hanau den 28. April 1902.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

P 4721 v. Schenck._______________________

Bekanntmachung.

Der Ziegeleiarbeiter Johann Gläser von der Heeg bei Herolz ist durch rechts­kräftiges Urtheil des Schwurgerichts zn Hanau vom 15. November 1901 wegen Mordes, begangen am 8. Angnst 1901 in der Nähe des Dorses Herolz an dem Ans- $üget Ludwig Fuchs vom Hoseaus der Heeg" bei Herolz, zum Tode verur- theilt worden.

Das Urtheil ist heute Morast, im Hose des hiesigen Gerichtsgesängnisses durch Enthauptung vollstreckt worden.

Hanau den 29. April 1902.

Der Erste Staatsanwalt beim Königlichen Landgericht.

I^ehmann. 7673

Mus Stadt und Cand.

Hanau den 29. April.

* Kirchen-Koüekten. Die Kirchen-Kollekten, die im Jahre 1901 im Konsistorialbezirk Cassel für bedürftige Ge­meinden des Bezirks zur Bestreitung von Kirchen- und Pfarr­hausbaukosten erhoben wurden, haben ein Ergebniß von Mk. 28 332.19 und die für andere kirchliche bezw. Wohlthätigkeits­zwecke erhobenen Kollekten ein solches von Mk. 32 033.31 ge­habt. Die für die Nothstände der evangelischen Kirche an den beiden Pfingstfeiertagen erhobenen Kollekten haben nur Mk. 119.93 ergeben. Aus diesem Erträgniß wurden unterstützt die Gemeinden Rommershausen mit Dittershausen, Willers- Hausen, Jossa, Rückingen, Großauheim, Salzschlirf, Rohrbach und 14 weitere Gemeinden mit Beiträgen von unter 100 Mk. bis zu 1000 Mk.

* Auszeichnung. Dem Posamentier Herrn Conr. Haas, der kürzlich bei der Firma E. Eysel dahier sein 50« jähriges Arbeitsjubiläum feiern konnte, wurde aus diesem An­lässe dasallgemeine Ehrenzeichen" Allerhöchst verliehen. Herr Landrath v. Schenck überreichte dem Jubilar diese Aus­zeichnung persönlich und richtete dabei an denselben eine herz­liche Ansprache.

* Impfungen. Mittwoch den 30. April, vormittags 91/« Uhr, in Rückingen: Erst- und Wiederimpfung; am 7. Mai, vormittags 91/« Uhr: Nachschau; Jmpflokal: Schul- lokal. Nachmittags 3 Uhr in Niederrodenbach: Erst­und Wiederimpfung; am 7. Mai, nachmittags 3 Uhr: Nach­schau ; Jmpflokal: Gastwirthschaft von Schaaf. Nachmittags 4 Uhr in Qberrod enbach: Erst- und Wiederimpfung; am 7. Mai, nachmittags 4 Uhr: Nachschau; Jmpflokal: Gast­wirthschaft von Fickert.

* Viehmarkt aufgehoben. Nach einer amtlichen Bekanntmachung ist mit Rücksicht auf den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Mittelbuchen, um der Ge­fahr einer Seuchenverschleppung vorzubeugen, die Abhaltung des auf den 7. Mai d. I. angesetzten Viehmarktes verboten worden.

* Von» schwarzen Brett ver Frankfurter Aka­demie. Am Mittwoch den 30. April beginnt folgende Vor­lesung : Nachmittags von 78 Uhr: Professor Dr. Voigt, Kommunale Sozialpolitik.

* Die Ausstellung des Kr»»tstverei»rs in der Aula der Königl. Zeichen-Akademie hat für den Hanauer Kunst­freund diesmal ein besonderes Interesse durch die drei großen

Kartons von Ferdinand Krafft, einem geborenen Hanauer, der z. Z. in Frankfurt a. M. seinen Wohnsitz hat. Ein ge­lernter Goldschmied (Krafft war bei den Herren Geissell & Härtung in der Lehre) und Schüler der Zeichen- Akademie hat der Künstler sich später der Historien-Malerei religiösen Genres zugewendet und eine größere Anzahl von Kirchen durch Wand- und Glasmalereien ausgeschmückt. So bilden auch die drei hier ausgestellten Kartons (Kohlezeichnung) Entwürfe für die Ausmalung einer Kirche und stellen dement­sprechend biblische Szenen dar. Die Komposition mit ihren lebensgroßen Figuren überraschen durch die gelungene Ver­knüpfung der Gegenwart mit dem dargestellten, inbem die modernen Germanenköpfe den biblischen Gestalten recht gut stehen. Wir freuen uns auch an der Schönheit der Zeichnung, be­wundern die sorgfältige Ausführung und das gründliche Studium des menschlichen Körpers und der Gewänder. Sonst ist aber Krafft kein Künstler, der neue Pfade betritt und der der religi­ösen Malerei neue Wege ebnet, die ihr zu gehen so nothwendig wären; anstatt lebendiger Gruppirung herrscht zuviel das Nebeneinander der Figursn und zuviel akademische Klügelei. Immerhin freuen wir uns, die Werke eines strebsamen Künst­lers vor uns zu sehen, der mit unserer Vaterstadt in enger Verbindung steht. Unter den O e l g e m ä l d e n sind die bedeutendsten die zwei großen Landschaften mit historischer Staffage von Werner Schuch in Berlin. Der Name des Künstlers ist zu bekannt, als daß über ihn viel zu sagen noth­wendig wäre. Die beiden Gemälde von Schuch sind die besten Landschaften, die der Kunstverein seit langer Zeit aus­gestellt hat. Gute Thierstücke sind von K ö st e r-Klausen aus­gestellt ; die gediegene moderne Richtung vertritt Hans Licht- Charlottenburg, auch Schaffner- Kiel zeigt beachtenswerthe Leistungen, wie denn ferner eine große Anzahl recht guter Stillleben und Blumenstücke den Besuch der nur noch kurze Zeit währenden Ausstellung zu einer empfehlenswerthen und lohnenden macht.

* Oratorienverei»». Wir machen nochmals auf das heute Abend 71/» Uhr imDeutschen Haus" stattfindende Konzert des Oratorienvereins (Cantate von Joh. Seb. Bach und das deutsche Requiem von Joh. Brahms) empfehlend auf­merksam. Allen Anzeichen nach wird den Konzertbesuchern ein hehrer Kunstgenuß bevorstehen.

* Das große Loos der preußischen Klassenlotterie im Betrage von 500 000 Mk., welches bekanntlich in der Freitag- Vormittagziehung mit der Nr. 152 673 herauskam, ist in eine Kollekte in Frankfurt a. O. gefallen. Die Glücksgöttin hat diesmal ihren reichen Segen an richtiger Stelle verteilt; das Loos wurde nämlich in einzelnen Zehnteln gespielt und zwar von durchwegkleinen Leuten", die das Geld gut gebrauchen können. Die Riesensumme fällt an mehrere kleine Gewerbe­treibende, Handwerker, einiger Arbeiter der Eisenbahnhaupt- werkstatt rc. Neun Zehntel des großen Looses bleiben in Frankfurt selbst, während ein Zehntel einem Nachbarorte zu Theil wird. Frankfurt a. O. ist übrigens schon einmal und zwar im Jahre 1893 mit dem großen Loose bedacht worden; das Geld blieb aber damals nicht in der Stadt, sondern fiel einem Buchdruckereibesitzer in Sommerfeld zu, der sämmtliche vier Viertel der Glücksnummer besaß.

* Cirr eifriger Feuerwehrmann. Heute Morgen um 6 Uhr, als die Armesünderglocke ertönte, eilte ein wahr­scheinlich sehr pflichteifriger Feuerwehrmann durch die Altstadt nach dem Paradeplatz, in der Meinung, die Feuerglocken er­tönten. Die am Theater stehende Gruppe von Leuten lächelte den laufenden Feuerwehrmann an und machten ihre Glossen, worauf erst der Mann merkte, was los war und schleunigst umkehrte.

* Unfall. Der Knecht eines hiesigen Landwirths wurde gestern Mittag durch das Ausschlagen des Pferdes so erheblich am Oberschenkel verletzt, daß er dem Landkrankenhause zuge­führt werden mußte.

* Der Stellenvermittelungsbund der Verbündeten Kaufmännischen Vereine für weibliche Angestellte hat in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits erfreuliche Erfolge erzielt. Es gehören ihm an die Vereine zu Berlin, Bochum, Breslau, Bromberg, Cassel, Danzig, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Hamburg, Königsberg i. Pr., Magdeburg, Mainz, Mannheim, Posen, Stettin, Stuttgart, Thorn. Die Mitglieder jedes einzelnen Vereins haben bei jedem anderen Bezirksverein Anspruch auf freien Stellennachweis und sonstige Vergünsti­gungen, ein Recht, von dem bereits reichlich Gebrauch gemacht worden ist. Durch diese Einrichtung wird den weiblichen Angestellten auf die leichteste und billigste Weise ermöglicht, in einer beliebigen Gegend Deutschlands Stellung zu suchen und zu finden. Für den Regierungsbezirk Wiesbaden, Rheinland, Provinz Starkenburg, Bayern ist zuständig der Kaufmännische Verein weiblicher Angestellter zu Frankfurt a. M., Gr. Hirsch­graben 11.

* Oeffentliche Hinrichtungeutin Harm«. Der letzte hier öffentlich Hingerichtete war der Frauenmörder Nolte aus Klein-Seelheim, der am 11. Januar des Jahres 1861, vor­mittags 10 Uhr, auf dem Schafott ^am] sog. Mississippi durch den Scharfrichter Schwarz aus Hannover enthauptet wurde. Er hatte am Rhein in der Gegend von Aßmannshausen seine Geliebte Riemenschneider ermordet. Sein Vorgänger war der Johann Georg Müller von Züntersbach, der am3. März 1854, vormittags 7®/< Uhr auf dem Schafott ebenfalls durch den Scharfrichter Schwarz aus Hannover enthauptet wurde. Er hatte einen Raubmord an einem Viehhändler begangen. Die älteren Leute erzählen noch, daß bei der letzten Hinrichtung knietiefer Schnee lag und eine große Schaar Zuschauer dem schauerlichen Akt beiwohnte.

Dic Humchtmig des Mörders Fotjlvulcs Gtiiscr.

Der letzte Akt des nach langer Vorbereitung am 8. August v. Js. bei Herolz stattgehabten Dramas hat sich heute Mor­gen in dem nach dem Bangert zu gelegenen kleinen Hofe des hiesigen Landgerichtsgefängnisses abgespielt. Der 21jährige Mörder Johannes Gläser von Hof Heeg bei Herolz ist um 6 Uhr durch den Scharfrichter Alwin Engelhardt aus Magde­burg und drei Gehilfen hingerichtet worden. Die Thatsache war streng geheim gehalten worden, indessen waren doch Nach­richten durchgesickert und so hatte sich gestern gegen Abend die Nachricht von der Hinrichtung wie ein Lauffeuer durch die Stadt verbreitet. Die Vorgeschichte zu dem traurigen Ereig- niß, das ein so junges Menschenleben dem Henkerstode über­liefert hat, ist folgende: Der Hof auf der Heeg bei Herolz war im ersten Drillel des vorigen Jahrhunderts Eigenthum des Bauers Fuchs. Dieser hatte 5 Kinder und der Hof ging nach alter Sitte an den ältesten Sohn über. Dieser war Heinrich Fuchs. Dem Zweitältesten Sohn Michael und dem drittältesten Ludwig war das Einsitzrecht in dem Hofe für alle Zeiten gesichert. Sie besaßen neben der Wohnung und Kam­mer das Mitbenutzungsrecht der Küche, Scheune, landwirth- schaftlicher Geräthe, zu einem Drittel das Nutzungsrecht am Obst u. f. w. Der älteste Bruder konnte den Hof nicht halten, er wurde an einen Bauer zwangsweise verlauft und von diesem ging er später an den Bauer Johannes Gläser über, der ihn heutigen Tages noch besitzt. Die übrigen Ge­schwister Fuchs waren längst gestorben, die beiden Einsitz- berechtigten, Ludwig und Michael Fuchs, aber blieben am Leben gum großen Verdruß der wachsenden Familie des Gläser der die beiden Alten im Wege waren und deren langes Leben immer lästiger empfunden wurde. Michael Fuchs ist im Jahre 1822, Ludwig Fuchs 1829 geboren, sie waren Beide noch sehr rüstig und hatten vielleicht Aussicht, die 100 Jahre voll zu machen, da sie noch ihre Geschäfte in Schlächtern zu Fuß ab- machten, auch Beide ihrem landwirthschaftlichen Betriebe rüstig Vorständen. Während Michael Fuchs mehr bescheidenen Cha­rakters war und sich die Chikanen der Gläser ruhig gefallen ließ, konnte Ludwig Fuchs sehr ruppig

werden, wenn von den Glasers immer wieder versucht wurde, ihnen an ihren gemeinschaftlichen Rechten etwas abzuknapsen, dann setzte er sich energisch zur Wehr. Bor 21 Jahren kam die Nichte Cäcilie Lotz zu den beiden Fuchs als Haushälterin auf den Hof und von da an artete das Verhältniß in bittere Feindschaft aus, unmenschlich wurde von den Gläsers gegen die Fuchs gehaust. Nachts wurde ihnen von den Gläsers vom Fenster aus die Bettdecke herausgezogen, Steine wurden ihnen in die Wohnung geworfen, das Vieh der Fuchs erhielt Messer­stiche, Mist wurde ihnen in die frisch "gemolkene Milch ge­worfen, die beiden alten Leute wurden mit Wasser über­schüttet u. s. w. Wie erwähnt, setzte sich Ludwig Fuchs zur Wehr, er rief die Hilfe des Gerichts an und mehrfach ist Gläser und seine Söhne wegen Körperverletzung rc. bestraft worden. Nun schwebte im Sommer v. I. wieder beim Amts­gericht in Schlächtern eine Strafsache gegen den Johann Gläser jun., die nicht weniger als 11 an den Fuchs' be­gangene Rohheitsdelikte umfaßte. Am 9. August sollte Termin stattfinden und am 8. ging Ludwig Fuchs nach Schlächtern, um sich beim Gendarm seine Notizen zurückzuholen, die er ihm bei der Anzeige übergeben hatte. Von diesem Gang wußten die Gläser, und der Groll des Johann Gläser hatte sich gegeu Ludwig F. bis ins Ungemessene gesteigert. Ludwig Fuchs kehrte denn auch nicht mehr lebend zurück. Häßliche Drohungen waren gegen ihn ausgestoßen worden, am Morgen hatte der alte Gläser zu ihm gesagt:Du schwörst nicht mehr", der junge Gläser hatte ihn unter Drohungen mißhandelt, und den Abhang hinunter geworfen, und die Mutter Gläser hatte mehr­fach gesagt,er liegt eines frönen Morgens da und ist todt", oderder kriegt das Lebenslicht ausgeblasen", oder,wenn ich