Kanauer
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General-Anzeiger.
Amtlicher Organ für Stadt- und Landkreis Sana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzelle oder deren Raum, für Auswärts 1,5Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantworte. Redakteur; G, Schrecker in Hanau, -
Nr. 200.
FernspreLanschluß Nr. 605*
Donnerstag den 28. August.
Fernsprechanschluß Nr. 605*
1902
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 28. August.
Beamtenpersottal-Nachrichtett.
Ernannt: der Physikus Dr. Hildebrand zu Hamburg zum ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Marburg unter gleichzeitiger Uebertragung der Obliegenheiten eines Kreisarztes der Kreise Marburg und Kirchhain, der Wasserbauinspektor, Baurath Greve in Cassel zum Regierungs- und Baurath, der Oberförster Wagner zu Oedelsheim zum Regierungs- und Forstrath, der diätarische Gerichtsschreibergehilfe Kaiser bei dem Amtsgericht in Cassel zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht in Weyhers, der diätarische Gerichtsschreibergehilfe Sturm in Witzenhausen zum etatsmäßigen Gerichtsschreibergehilfen bei dem Amtsgericht daselbst. «
Versetzt: der ordentliche Professor an der Universität Marburg, Dr. Friedrich Schottky in gleicher Eigenschaft in die Philosophische Fakultät der Universität Berlin, der außerordentliche Professor Dr. Walther Schücking in Breslau in gleicher Eigenschaft in die Juristische Fakultät der Universität Marburg, der Wasserbauinspektor, Baurath Thiele in gleicher Amtseigenschaft von Minden nach Cassel, der Regierungs- und Forstrath Wagner an die Königliche Regierung zu Trier, der Gerichtsschreiber, Sekretär Rosenthal in Weyhers an das Amtsgericht in Homberg i/Hessen.
Verliehen: dem Königlichen Forstmeister a. D. Hassel zu Schwarzenfels der Königliche Kronen-Orden 2. Klasse, dem Pfarrer, Superintendenten Ruhl in Fulda der Rothe Adler- Orden 4. Klasse.
* Uebergangs - Abgabenhebestelle. Auf Grund eines Erlasses des Herrn Finanzministers wird die Straße Bischofsheim—Wüstensachsen vom 1. September d. I. ab als Uebergangsstraße nach und von Bayern zugelassen und an demselben Tage in Wüstensachsen im Hauptsteueramtsbezirke Hanau eine Uebergangs - Abgabenhebestelle mit der Befugniß zur Erledigung von Uebergangsscheinen über Bier und zur Erhebung von Uebergangsabgaben von Bier errichtet.
* Vom Mittelrheinischen Kre^sturnfest. Man hört, daß das finanzielle Ergebniß des 26. Mittelrheinischen Kreisturnfestes nicht so günstig ist, wie erwartet wurde. Besonders die indirekten Einnahmen (für Bier- und für Weinkonsum) sind hinter dem Voranschlag wesentlich zurückgeblieben. Man rechnet bisher allerdings nur mit einem Defizit von etwa 1000 Mk.
* Im Bürgerverein concertirt heute Abend die Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 88.
* Concert im „Kaiserhof". Die Kapelle des Jnf.- Regis. Nr. 88 gibt morgen Abend im „Kaiserhof" ein Concert. Zum Schluß wird Saro's Schlachten-Potpourri ausge- führt. Bei der derzeitigen prächtigen Witterung wird jedenfalls dem Unternehmen der Erfolg nicht fehlen.
** Ein origineller Gaunerstreich. Im Laufe des September v. I. ging ein Dachdecker durch Fechenheim, der mit kundigem Blick Häuser erspähte, auf denen schadhafte Dächer waren. Zufällig wohnten in diesen Häusern auch nur Frauen oder ältere Leute, denen eine Kontrolle, ob das Dach wirklich reparaturbedürftig war oder nicht, ziemlich unmöglich war. Der „Dachdecker", der im Arbeitskleid erschien und einige Dachschiefern unter dem Arme trug, kam morgens zu der Wittwe G. und eröffnete ihr, das Dach sei schadhaft, sie könne das sehen, wenn sie mit an einen gewissen Platz ginge. „Dazu habe sie keine Zeit", erwiderte die Frau, worauf der Dachdecker erklärte, er stehe im Dienste eines Dachdeckermeisters von Offenbach und wolle die Reparatur ausführen. Nach einigem Zögern wurde ihm dies zugestanden und er stieg nun auf den Boden, die Arbeit zu vollführen. Nach ganz kurzer Zeit hatte er die Arbeit schon erledigt und bte Frau konnte nrcht umhin, ihr Erstaunen über den merkwürdig flotten Dachdecker auszudrücken. „Was die Arbeit denn koste" fragte sie. „5 Mk. 50 Pfg." antwortete der Dachdecker. „Dann solle der Meister die Rechnung schicken", erwiderte die Frau. „Derartige kleine Beträge nehme er gleich selbst mit", sagte der Dachdecker, schrieb eine Quittung mit dem Namen Becker und bekam das Geld. Die gleiche Szene spielte sich am nämlichen Tage auch bei der Frau eines Cigarrenhändlers ab, welche allein zu Hause war, nur daß hier die Reparatur 7.50 Mk. kostete, und ferner bei einer Familie E., woselbst 8.50 Mk. verlangt und bezahlt wurden. Nachträglich stieg den Leuten doch ein kleiner Verdacht gegen den flotten Reparateur auf, sie unterzogen ihre Dächer einer näheren Untersuchung und konnten absolut keine Spur von einer Reparatur entdecken. Die benachrichtigte Sicherheitsbehörde hatte denn auch bald heraus, daß es sich um einen Schwindler handelte, der das gleiche Manöver im Hessischen bereits mit gutem Erfolg aus
geführt hatte. Derselbe wurde gestern aus der Untersuchungshaft vorgeführt, um sich vor der Strafkammer zu verantworten; es ist der mehrfach vorbestrafte Taglöhner Ziegler, geboren 1864 in Frankfurt. Er versichert mit großer Beredsamkeit, daß er die Reparaturen wirklich ausgeführt nnd keinen Betrug verübt habe, bittet aber doch am Schluß um „mildernde Umstände". Die Strafkammer erkannte auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängniß.
* Seit 31 Jahren verschollen. Ein Mitkämpfer von 1870/71, Michael Fuld aus Altenstadt, zuletzt wohnhaft gewesen in Frankfurt a. M., ist seit der Schlacht bei Sedan verschollen; derselbe wird laut Aufgebot an der Gerichtstafel jetzt aufgefordert, sich bis zum 19. März 1903 bei dem kgl. Amtsgericht Frankfurt a. M. zu melden, da er sonst für todt erklärt werden wird.
* Erfolglose Berufung. Der in der Welt umherziehende „Kaufmann" Marx wurde in'-Orb wieder einmal beim Betteln betroffen und vom Schöffengericht Orb zu 6 Wochen Hast und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde verurtheilt, wogegen er Berufung einlegte. Die Haftstrafe will er annehmen, aber die Ueberweisung an das Arbeitshaus ist nicht nach seinem Geschmack. In der gestrigen Sitzung der Ferienstrafkammer bat er, das Urtheil entsprechend abzuändern. Das Gericht erkannte jedoch auf Verwerfung der Berufung.
** Aberglaube. Gestern Abend suchte eine junge Schöne, augenscheinlich ein Dienstmädchen, in der Altstadt nach einer gewissen Frau, welche die „Karten schlagen" kann. Daß dieser Unsinn auch sonst hier noch in schönster Blüthe steht, beweist die Existenz vieler Kartenschlägerinnen, die theilweise ein recht gutes „Geschäft" haben.
9 Reparatur. Da das Glockengerüst der Johannis- kirche gegenwärtig einer Reparatur unterzogen wird, kann die Uhr des Johanniskirchthurms zur Zeit die Tagesstunden nicht verkünden. Nach beendeter Reparatur wird sich die Sache wieder in dem gewohnten Geleise vollziehen.
* Aus der Diamantschleifereibranche. Die Diamantschleiferei Strauß L Co. hat den im Dezember v. I. eingestellten Betrieb seit einigen Tagen wieder ausgenommen.
* Gestrandet — auf der Kinzig. So unglaublich es auch klingen mag, konnte dieser Vorfall gestern Abend an der Kinzigbrücke konstatirt werden. Zwei junge Menschenkinder, anscheinend Bruder und Schwester, gondelten vergnügt auf der Kinzig und kamen auch in die Nähe der Brücke. Unkundig mit den sehr niedrigen Wasserverhältnissen, ließen sie sich verleiten, unter der Brücke durchzufahren. War der Kahn schon hierbei verschiedentlich auf Grund gestoßen, so dauerte es nicht lange und er saß vollständig fest. Alle Versuche der Insassen, den Kahn flott zu bringen, waren nutzlos, ebenso auch die Anstrengungen eines Jungen, der im Wasser watete. Nach Verlauf einer Viertelstunde nahte Rettung in Gestalt zweier Männer, die bis an den Knien im Wasser, den Kahn flott machten und an das Ufer zogen, so- daß die beiden Schiffbrüchigen aussteigen und nun trockenen Fußes unter der Brücke weggingen, wo sie den Nachen erwarteten. Dieser war währenddem, begleitet von lautem Gelächter und Halloh der zahlreichen Zuschauer, von den beiden Männern ebenfalls glücklich unter der Brücke durch und zu den beiden Wartenden bugsirt worden. Nachdem die Männer für ihre Rettungsarbeit mit einem Trinkgeld belohnt waren, setzte sich das Pärchen wieder in den Kahn und segelte in entgegengesetzter Richtung davon.
* Durchschnittspreise. Der Durchschnitt der höchsten Tagespreise für Fourage beträgt mit einem Aufschlage von 5 vom Hundert für den Monat August 1902 in dem Stadt- und Landkreise Hanau für Hafer 9 Mk. 84 Pfg., für Heu 3 Mk. 09 Pfg., für Stroh 3 Mk. 08 Pfg. pro Zentner.
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o Rückingen, 27. August. (K i r ch weihe. — B r u n n e n b o h r u n g.) Die hiesigen Wirthe hatten eine Eingabe an die zuständige Behörde um Verlegung der Kirch- weihe vom 16. Oktober auf den Tag, an dem die neue Kirche geweiht wurde, eingereicht. Die Gemeindevertretung hat dem Vernehmen nach zugestimmt. Die diesjährige „Kerb" würde also am 7. September, d. i. Sonntag über 8 Tage, statt- finden. — Um der Wasserkalamität ein Ende zu machen, läßt die Gemeinde im Oberdorf versuchsweise einen Brunnen bohren. Die Arbeit ist dein als tüchtig bekannten Unternehmer Herrn Hamel-Langenselbold übertragen worden. Bis jetzt sind ungefähr 18 Meter erbohrt. Da aber der harte Felsen noch nicht durchbrochen ist, so wird es wohl noch einige Tage dauern, bis das Grundwasser erreicht wird. Man ist hier sehr gespannt auf den Erfolg. Falls das gesuchte Wasser von guter Beschaffenheit ist, sollen noch einige Brunnen ze- bohrt werden.
X. Aus dem Kinzigthal, 27.August. (Hühnerjagd.) Durch das ungünstige Frühjahr zog sich naturgemäß auch die Ernte in die Länge und ist es zweifellos, daß dadurch die Eröffnung der diesjährigen Hühnerjagd erst auf den 1. September festgesetzt wurde. Der April war auffallend sonnig und mild, hingegen brächte uns der Mai kühle Nächte und ausgiebige Niederschläge. Die unausbleibliche Folge kann nur sein, daß manche erste Brut der Rebhühner zu Grunde ging und vielfach ein zweites schwächeres, das sogenannte Nothgelege stattfand. Daher werden dieses Jahr in manchen Jagdgebieten Lei der Eröffnung der Hühnerjagd voraussichtlich auffallende Größenunterschiede bei den jungen Ketten auftreten. Stellenweise hat man bei Aberntung des Getreides auch recht starke Ketten beobachtet. Werden aber von ganz schwachen, noch nicht wachtelgroßen Hühnchen die Alten weggeschossen, so sind jene in der Regel rettungslos verloren. Deshalb sollten sich die Jäger beherrschen und ein Hühnervolk niemals völlig aufreiben. Sechs bis acht Stück an einer Kette sollten immer unbescbossen bleiben. Ferner ist zur Erhaltung eines guten Rebhühnerstandes unbedingt nothwendig, daß im harten Winter Futterplätze errichtet werden. Beim hohen Schnee steckt man Dornenhorste, in die man Futter streut, selbstverständlich muß von den Futterplätzen das Raubzeug möglichst ferngehalten werden. Wer dieses alles beherzigt, wird alljährlich an der Hühnerjagd seine Freude haben. Eine ergiebige Jagd dürfte auch für die vielen Feinschmecker von Vortheil sein, gehört doch gerade unser Feldhuhn zu den schmackhaftesten aller Wildarten.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 28. August,
9 Uhr 35 Min.
Maxima über 765 mm lagern über Nordosteuropa und Süddeutschland, Minima unter 755 mm über dem Scagerak und vor dem Kanal. In Deutschland ist die Witterung meist ziemlich kühl, an der Küste trübe, im Binnenlande vorwiegend heiter.
Prognose für den 29. August: Meist wärmeres und trockenes Wetter wahrscheinlich.
Barometerstand
mittags 12 Uhr am 2T./8. 28./8.
Sehr trocken __
Beständig 770—
S^n 760-0
Veränderlich __=
Regen (Wind) 750—g||l
Viel Regen
Sturm —
730 =
710 =
.750
Hammer Vereins-«. Nergnüguttgsnachrichten
für Donnerstag den 78. August.
Kunstderein: In der Aula der Königl. Zeichenakademie: Ausstellung von Gemälden: geöffnet von vormittags 10 bis nachmittags 5 Uhr; Eintritt für Nichtmitglieder 20 Pfg.
Nachmittags 5 Uhr: Oeffentliche Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung.
«Wiener Spitze": Abends 8 Uhr: Auftreten der Egerländer Damen- Kapelle.
Kirchenchor der Marienkirche: Abends präcis 8 Uhr: Probe m der höheren Mädchenschule.
Evang. Männer- und Iünglingsvercin: Bibelstunde (Ev. VereinShauS) Turn- n. Fecktklub: Fechten. _ , _
Katholischer Männerverein: Vereinsabend in der «Restauration Mohr". Dramatisch-litterarischer Verein „Melpomene" (im Gasthaus »zur Sonne"): Lesung.
GabelSberger Stenographen-Verein im Gasthaus zu den »3Rindern : UebungSabend für KorrespLndenzschrist.
Arends'scher Stenographen-Verein «Concordia": Uebungs- und Ver- einSabend im Hinteren Sälchen der „Karthaune".
Nationalstenographen-Verein: Lehr- u. UebungSstunde (Lokal: „Zur grasten Krone", Stemheimerstraße 26).
Deutschnationaler Handlungsgehilfen - Verband, Ortsgruppe Hanau: Vereinsabend im „KarlSberg".
Klub „Bavaria": Klubabend in der Restauration .Allerpauia". Gesangverein „Fröhlichkeit" = Singstunde im Vereinslokale.
Erste Hanauer Poulegesellschaft; Preisspiel im „Deutschen Haus . _ Erster Hanauer Fustball - Klub 1893: Klubabend im Vereinslokal (Brauerei Kaiser, Altstadt).