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Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- Wartige Abonnenten mit dem betreffenden Postariffchlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. : .
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Verantwortl. Redakteur; G. Schrecker in Hanau, .
Amtliches Organ fiir Stadt- und Landkreis
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückrmgsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Nr. 173.
Fernsprechanschluß Nr. 605»
Montag den 28. Juli
Fernsprechanschlnß Nr. 605.
1902
Amtliches.
Stadtkreis Öanau,
Am Mittwoch den 30. d. Mts., von 6-71/2 Uhr nachmittags, wird der Königliche Gewerberath Scheibe! aus Fulda in einem Zimmer des hiesigen Standesamtes im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitnehmern Gelegenheit zu Besprechungen geben.
Hanau den 28. Juli 1902.
Königliche Polizei-Direktion.
P 7545 J. V.: Valentin er, Reg.-Assessor.
Stadtkreis Öanau,
Bekanntmachungen des Oberbttrgermeisteramtes.
Nach einer Stiftung von Christian Weishaupt soll alljährlich ein besonders talentvoller Goloarbeiter (Bijoutier, Graveur, Juwelier) oder Silberarbeiter, welcher noch eine Zeit lana der Fort setzung des höheren Unterrichts in der hiesigen Akademie oder durch Privatunterricht dahier oder außerhalb sich widmen will und unbemittelt ist, ein einmaliges Stipendium von 120 Mark erhalten.
Als Aufgabe für die Erlangung dieses Stipendiums wird gestellt:
„Entwurf zu einem Brustschmuck mit Verwendung von Steinen und Email,"
und sind die Arbeiten anonym, nur mit einem Zeichen oder Motto versehen, unter Beifügung des Namens des Einsenders in einem verschlossenen Couvert mit gleichem Zeichen oder Motto bis zum Samstag Abend, den L November 1902, im Sitzungszimmer der Königlichen Zeichenakademie dahier einzuliefern.
Wir fordern hierdurch zur Bewerbung um das Stipendium auf, indem wir noch darauf aufmerksam machen, daß es nicht erforderlich ist, daß der Bewerber Schüler der hiesigen König
lichen Zeichenakademie war.
Hanau den 24. Juli 1902
Der Magistrat.
Bode.
12936
Diejenigen, welche noch mit der Ausfüllung und Rückgabe des ihnen übersandten Formulars betr. Neueinschätzung der landwirthschafilichen Betriebe zur Unfallversicherung im Rückstände sind, werden hierdurch aufgefordet, bei Vermeidung von Ordnungsstrafen die ausgefüllten Formulare umgehenv auf dem Arbeitsamt, Langstr. 41, abzitgeben.
Hanau den 23. Juli 1902.
Der Oberbürgermeister.
J. V.: Bode.
. 12728
Die Weitzbinder-, Glaser- und Schreinerarbeiten zum Neubau des 7-Familienwohnhauses, Langstraße 34, sollen in mehreren Looien öffentlich verdungen werden und zwar:
Weißbinderarbeiten in 3 Loosen, Glaferarbeiten „ 2 „
Schreinerarbeiten „ 5 „ Zeichnungen, Bedingungen und Berechnungen liegen im Stadtbauamt, Rathhaus, Zimmer 23, während der Dienststunden zur Einsicht aus.
Angebotsformulare können von dort gegen Erstattung von 40 Pfg. für je ein Loos bezogen werden.
Verschlossene und mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote müssen bis •
Montag den 4. August, vormittags 9 Uhr, bei der vorbezeichneten Dienststelle eingereicht sein, wo um dieselbe Zeit die Eröffnung der Angebote im Beisein der etwa
erschienenen Bieter stattfindet.
Die Zuschlagsfrist beträgt 14 Tage.
Hanau den 26. Juli 1902.
Das Stadtbauamt.
Schmidt.
12909
KtkllmtWlhW für , .
An unterzeichneten Amtsstelle liegt der erweiterte Orts- bebauungsplan für das Gelände Kartenblatt 2, 4, 5 6 und 7 hiesiger Gemarkung vom 28. d. Mts. 4 Wochen lang zur Einsicht der Interessenten offen.
Einwendungen gegen den Plan sind innerhalb obiger ?vnit bei dem Gemeindevorstande hier anzubringen.
Keffelstadt den 26. Juli 1902. 12875
Das Bürgermeisteramt.
Hub Stadt und Cand.
Hanau, 28. Juli.
Lokal-historische Notizen.
28. Juli 1552 starb Johann Enneobulus (Neunheller) aus Ladenburg in der Pfalz, seit 1528 evangelischer Pfarrer in Hanau und der hauptsächlichste Verbreiter der evangelischen Lehre in der Grafschaft.
*
* Rangliste des 18. Armeekorps. Im Verlag von Löber u. Co. in Frankfurt a. M. ist soeben die Rangliste des 18. Armeekorps, Ausgabe für 1902, erschienen. Dieses „Hof- und Militäradreßbuch für Hessen-Nassau" umfaßt 120 Seiten in handlichem Format und kostet broschirt 1 Mk. 25 Pf., gebunden 2 Mk.
^ Stephan Ziegler f, Vor einigen Tagen wurde hier der zu Langenschwarz verschiedene Zeichenlehrer a. D. Herr Stephan Sieglet zu Grabe getragen. Der Entschlafene entstammt einer Rotenburger Bürgersfamilie. Er war geboren am 29. Dezember 1823 zu Rotenburg a. d. Fulda als Sohn des Ortsbürgers Ludwig Ziegler und der Katharina, geb. Meyer. Die Familie seiner Mutter stammte aus Salzburg, von wo sie um ihres Glaubens willen 1730 hatte auswandern müssen. Durch seinen Lehrer Stübinger veranlaßt, widmete er sich dem Lehrerberufe und besuchte das Seminar zu Schlüch- tern von Herbst 1840 bis Herbst 1843. Am 19. Oktober 1843 wurde er zum Hilfslehrer dieses Seminars bestellt, aber am 7. November 1843 schon nach Hanau versetzt, wo er an verschiedenen Schulen thätig war, bis ihm am 15. Juni 1854 die Zeichenlehrerstelle an der Realschule und der Bürgerschule übertragen wurde. Gelegentlich seines 50jährigen Dienstjubiläums am 19. Oktober 1893 wurde unter anderen Auszeichnungen ihm der Kronen-Orden 4. Klasse mit der Zahl 50 verliehen. Nach 53jähriger Amtsthätigkeit schied er am 1. Oktober 1896 aus dem Amte. Um das kirchliche Leben hat er sich sehr verdient gemacht. Jahrelang wurden die Bibelstunden des evangelischen Vereins in seiner Wohnung gehalten, über ein Jahrzehnt hielt er allsonntäglich Kindergottesdienst, auch gab er 1855 eine Schrift heraus: „Was lehrt das Wort Gottes und was lehren die Wiedertäufer von der Taufe" und ein Liederbuch: „Lebensfrühling". Große Freude bereitete es ihm, daß er bei seinem Sohne in Waldensberg dessen eifrigster Helfer in der Seelsorge sein konnte. Er besaß seltene Gabe, Trost zu spenden und das Wort Gottes den Herzen nahe zu bringen, weil er gab, wes sein eigen Herz voll war. Dies tröstete ihn auch, als dunkle Wolken seinen Lebensabend trüben wollten. Leider wurde er durch Versetzung seines Sohnes genöthigt, am 15. Dezember 1901 sein Asyl zu verlassen. Seitdem kränkelnd, war auch eine versuchte Kur zu Bad Salz- schlirf ohne Erfolg und so ging er am 19. Juli d. J. in Langenschwarz heim, nachdem sein letzter Wulnsch noch erfüllt war, daß er noch einmal bei seinem Sohn sein könnte. Fast die ganze Gemeinde Langenschwarz geleitete den Entschlafenen, wie er bis zur Dorfgrenze getragen wurde. Das Filialdorf Großenmoor begleitete den Sarg mit Geläute durch seine Gemarkung und Schlotzau entsandte seine Schulkinder, um durch Gesang eines Chorales den Heimgegangenen zu ehren. In Hanau fand dann, dem Wunsche des Verstorbenen gemäß, die Beisetzung in aller Stille statt, in Gegenwart vor nur einer kleinen Zahl theilnehmender Freunde, vollzogen durch Herrn Pfarrer Göbels und dem Sohne des zur Ruhe Eingegangenen. Die Zahl Derer, welche er zeitlebens hier in unserer Stadt äußerlich und geistlich gelehrt hat, den rechten Weg des Lebens zu finden, ist wohl kaum zu umgrenzen und Alle werden sie ihm ein liebevolles Andenken bewahren.
* Wanderer- und Touristenkarte vom Odenwald. Nachdem die badische sowohl als die hessische Landesvermessung ihre auf das Gebiet des Odenwaldes bezüglichen Aufnahmen beendet haben, ist es als ein überaus zweckentsprechendes Unternehmen zu begrüßen, die Resultate dieser Spezialaufnahmen in einem kleineren Maßstabe zu verarbeiten und dergestalt der großen Menge der Touristen und Naturfreunde zugängig zu machen. Die soeben erschienene, von Walter Paasche bearbeitete Wander- und Touristenkarte vom Odenwald in zwei Blättern, Maßstab 1: 100 000 (Stuttgart, Verlag von A. Breltinger) ist die erste und einzige nach diesen Quellen bearbeitete und bringt eine erstaunliche Stofffülle in vollendeter Weise zur Darstellung. Die Anwendung sechsfachen Farbendruckes, Schrift uud Situation schwarz, Gewässer blau, Wald und Wiesen grün, Gebirge braun, ermöglichte es, der Karte trotz der Reichhaltigkeit des Inhaltes vollste Deutlichkeit und Lesbarkeit zu sichern. Der Wiedergabe der Bodengestaltung wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Höhenlinien inAb- ständen von je 20 Meter, die durch eine plastisch wirkende Schimmerung in der jetzt so beliebten schrägen Beleuchtung
Form und Körper erhalten, sowie Hunderte von Höhenzahlen dienen diesem Zwecke. Die meistbegangenen Touristenwege, die sich im Wesentlichen mit den markirten Wegen des Oden- waldklnbs decken, wurden durch rothen Eindruck hervorgehoben und ein der Karte beigegebenes Routenverzeichniß ermöglicht rascheste Auffindung des Markirungszeichens s owohl als der Entfernung. Wir wüßten gegenwärtig keine Karte, die amtlichen nicht ausgenommen, die so viel, namentlich dem Touristen unentbehrliches Detail enthält und bei alledem doch billiger ist als die vorliegende. Wer bisher den Odenwald bereiste und eine topographische Spezialkarte nicht misten wollte, mußte 6 Blätter der Reichskarte 1: 100 000 zum Preise von 9Mk. erwerben und dazu eine sogen. Markirungskarte, jetzt bietet Paasche's Wander- und Touristenkarte vom Odenwald das Gleiche um den 4. Theil der Kosten. Die einzelnen Blätter werden als Ausslugskarten vonMnnnheim, Heidelberg, Darmstadt, Frankfurt rc. gern verwendet werden. Wer einmal offenen Auges an der Hand einer zuverlässigen Karte wanderte, wird erst die Vorzüge einer solchen zu schätzen wissen.
* Sommertheater Beck's Feljenkeller. Unter dem dieswöchentlichen Personal darf den ersten Platz unstreitig der Frankfurter Lokaldichter und Humorist Herr Goldschmidt beanspruchen. Die mit guten Witzen reichlich ausgestatteten originellen Verträge desselben gewannen noch an Wirkung durch den gemüthlich klingenden Frankfurter Dialekt, der „ besonders für Kinder hiesiger Gegend schon allein das Zuhören zum Genusse machte. Der Beifall war deshalb an beiden Abenden ein überaus lebhafter. Vielen Anklang fanden auch die Darbietungen des Gesangshumoristen. Als Vertreterinnen des leichten Humors sind noch zwei Soubretten zn nennen, von denen die eine als schneidiger Jüngling einen wirklich guten Eindruck machte. Die nöthige Abwechselung in das Ganze bringen zwei als Gladiatoren und Akrobaten auftretende Muskelmenschen, deren Darbietungen aufs Eifrigste beklatscht wurden. Heute Abend findet noch eine Vorstellung mit demselben Personal statt.
(:) Gietzener Jubiläums - Regatta. Unter zahlreicher Betheiligung des Publikums fand gestern die Jubiläums- Regatta in Gießen statt, wozu Vereine aus Nah und Fern ihre Kämpen entsendet hatten. Für unsere „Hassia", die bekanntlich unentwegt das einmal begonnene Werk rücksichtslos zu Ende führt, sollte sich dieser Tag wieder zu einem ehrenvollen gestalten, indem die Mannschaft des Juniorvierers nach zähem Ringen ihre Gegner besiegen konnte. Den betreffenden Herren blieb für ihr treues zähes Durchhalten des langen Trainings der Erfolg denn auch hier nicht versagt — hier das Resultat: Ermunterungsvierer: 1. Han auer R.-G. „Hassia" 6.49 Min. (L. Nies, M. Fath, Ad. Humel, Ph. Kegelmann, Th. Siebenhühner, Steuer, 2. Frankfurter „Germania" 6.53 Min., 3. Gießener Rud.-Ges. 7.02 Min., 4. Heidelberger R.-G. zurückgezogen. Geschlossen gehen die Leute ab, Gießen etwas in Führung. Bei 1000 Meter hat sich die vorzüglich rudernde starke Mannschaft der „Germania" über eine Länge herausgearbeitet, während „Hassia" mit Gießen auf einer Höhe läuft, bei 1500 Meter macht „Hassia" einen energischen Vorstoß, der aber von „Germania" abgewiesen wird, letzterer erscheint als sicherer Sieger, da noch einmal unter einsetzender ganzer Kraft erneut die „Hassia" ihren Angriff und geht unter tosendem Beifall der begeisterten Zuschauermenge an „Germania" heran und vorbei, um als erster Sieger mit einer guten Länge zu landen. Gießen 3 Längen zurück.
* Nachfeier. Wie aus dem Jnseratentheil ersichtlich, findet heute Abend von 7 Uhr ab im Kaiserhof zur Nachfeier der gestrigen Fahnenweihe Volksfest statt. Hierbei wird die gesammte Ulanenkapelle concertiren, auch das gestern Abend mit großem Beifall begrüßte Cornet-Quartett wieder seine Weisen hören lasten. Ferner singt der Gesangverein „Germania" nochmals den gestern Abend mit so großem Applaus aufgenommenen Koschatschen Walzer „Am Wörther See" mit Orchesterbcgleitung. Nach eingetretener Dunkelheit wird ein großes Brillantfeuerwerk abgebrannt.
* Sprechstunde des Gewerberaths. Der Königl. Gewerberath Scheibe! zu Fulda wird am Mittwoch den 30. d. Mts., von 6—TVs Uhr abends, in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitnehmern Gelegenheit zu Besprechungen geben.
* *
5 Keffelstadt, 28. Juli. (Erschossen.) Infolge eines quälenden chronischen Leidens erschoß sich heute Morgen der allseits beliebte, weit über die Grenzen seines heimathlichen Wirkungskreises hinaus bekannte und geschätzte Lehrer N.
T Groß-Auheim, 28. Juli. (K i r ch w e i h). Der gestrige Kirchweihtag hatte eine große Menschenmenge aus Nah und Fern herbeigelockt. In der Haupt- und Langgasse entstand zuweilen ein Schieben und Drängen und am „Juxplatz"