Erstes Blatt.
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Bezugspreis: rierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 M., für aus- värtige Abonnenten mit dem betreffenden Postanffchlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Psg.
Gedruckt und verlegt in der Duchdruckerei deS verein, ev.
Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Amilickes OlßN für Stadt- md Landkreis Kanau.
EinrückungSgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. ' erantwortl. Redakteur. G. S ch r e ck c r m Hanau.
^t. 50 Bezlrks-FernsvreKanschluß Nr. 98.
^rettaa den 28. Februar
Bezirks-Fernsprechanichluß Nr. 98. 1902
Amtliches.
Candkreis Danau.
Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
In O k a r b e n, Kreis Friedberg, ist die Mattl- und Klauenseuche erloschen.
Hanau den 26. Februar 1902.
Der Königliche Landrath.
V 1963 v. Schencko
PolizeiverordEg»
Betreffend: Maßregeln zur Aüwf^r und M^er- drückung der Maul- mrd Kls^ensruche.
Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 3. Januar l. Js. — Kreisblatt Nr. 3 — wird hierdurch auf Grund des § 56b der Reichs-Gewerbe-Ordnung und des § 9 des Ministerial-Amteblattes vom 3. Juli 1897 für den Kreis Friedberg verordnet wie folgt:
8 1. Das Verbot des Handels mit Klauenvieh im Um- Herzieben wird bis zum 1. April 1902 verlängert.
§ 2. Mit Geldstrafe bis zu 150 Mk., im Unvermögensfalle mit Haft bis zu vier Wochen wird bestraft, wer der vorstehenden Bestimmung zuwiderhandelt.
Friedberg den 20. Februar 1902.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg.
V 1949 F e y.
Gefundene und verlorene Gegenstände n.
Gefunden: 1 grauer Sammetbeutel mit Strickzeug.
1 Peitsche mit weißem Griff. 1 ich,warzes.Portemonnaie mit 1 Mk. Inhalt und einem Zettel mit der Aufschrift ’/* Wund Kalbfleisch zum Braten. 1 deutsches Lesebuch mit dem Namen Ferdinand Herbert.
Verloren: 1 Biber-Boa.
Entflogen: 1 Paar blaue Brieftauben.
.fStman den 28. Februar 1902.
Prinz Heinrich in Amerika.
Das Bankett der Preffe.
W. New-Nork, 27. Februar. Auf dem von der „New- Aorker Staats,eitung" gegebenen Bankett sollte nach Whitelaw Reid der Chefredakteur Elawy vom „Brook- lyn Eagle" den Toast auf die Presse ausbringen, allein derselbe war durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Chefredakteur Charles Emory Smith von der „Philadelphia Preß" schilderte den Besuch, den er vor 12 Jahren der Stadt Berlin abgestattet hatte, wo er das Glück hatte, den jungen Kaiser und den Grafen Moltke zu sehen. Er feierte die Verdienste Deutschlands um Kunst,. Wissenschaft und Litteratur und zählte Deutschlands Sterne erster Größe quf. Dann nahm der Chefredakteur des „St. Louis Republic", CharlesWilliam Knapp, das Wort und sagte, nie zuvor seien die germanischen Völker so für den Frieden gewesen, wie unter der wetten Führung des illustren Kaisers, dessen Bruder man hier begrüße. Redner trat für die St. Louiser Ausstellung ein und meinte, sie fördere die internationale Freundschaft. Große Armeen und mächtige Flotten sicherten den Frieden, verhinderten einen Angriff und gewännen die Freundschaft. Sodann wurde die „Wacht am Rhein" und die amerikanische Hymne gesungen. Die Thcil- nehmer am Bankett richteten an Kaiser Wilhelm folgendes Telegramm: „Tausend Redakteure täglicher Zeitungen der Vereinigten Staaten senden Ew. Majestät vom Bankett zu Ehren Ihres illustren Bruders freundliche Grüße und die besten Wünsche für eine lange und segensreiche Regierung. Wir freuen uns über die Anwesenheit des Prinzen in diesem Lande als eines Omens noch engerer Bande der Freundschaft und erwidern herzlich alle herzlichen wiederholten Freundschasts- versicherungen, die Ew. Majestät gütigst zu ertheilen geruhten." Das Diner war gegen 12 Uhr beendet.
W. New York, 26. Febr. Die Rede des Prinzen Heinrich bei dem Preßdiner lautete: Ich bin mir der Thatsache voll bewußt, daß ich der Gast und in der Gesellschaft der Vertreter der Presse der Vereinigten Staaten, insbesondere der Gast der „New-Yorker Staatszeitung" bin. Ich wünsche Beiden zu honten für die freundliche Einladung und den. Empfang, der mir heute Abend geworden. Ehe ich mich in Einzelheiten vertiefe, möchte ich Ihnen Allen zu verstehen geben, daß ich dieses Zusammensein, obwohl es als offizielles betrachtet werden mag, als ein ganz vertrauliches ansehe, und daß es mein Wunsch ist, Keiner von Ihnen möge, nachdem er diese Festhalle verlassen, das auszubeuten versuchen, was hier gesagt oder geredet worden ist. Zweifellos ist die Preffe
heutzutage ein Faktor, wenn nicht eine Macht, die nicht vernachlässigt werden darf und die ich mit zahllosen submarinen Minen vergleichen möchte, die in vielen Fällen in der am wenigsten erwarteten Weise losgehen, aber Ihre eigene Ma- rinegeschichle lehrt uns, Minen nicht zu beachten, wenn sie uns im Wege sind. Die bei dieser denkwürdigen Gelegenheit geführte Sprache war schärfer, als ich sie je heute Abend zu wiederholen unternehmen würde. Ich brauche nur den Namen Farragut zu erwähnen. Ein anderer Vergleich mag Ihrem Geschmack, meine Herren, mehr entsprechen, er ist thatsächlich schmeichelhafter. Er wurde gezogen vom Kaiser, ehe ich ab- reiste. Der Kaiser sagte: Du wirst mit vielen Vertretern der Presse zusammentreffen. Ich wünsche deshalb, Du wogst Dir stets vergegenwärtigen, daß die Preßleute in den Vereinigten Staaten beinahe mit meinen kommandirenden Generalen ran- giren. Ich weiß, es wird Sie interessiren, etwas über die Natur meiner Mission in diesem Lande zu erfahren. Die Thatsachen liegen so: Der Kaiser hat die jüngste rapide Entwickelung der Vereinigten Staaten aufs Genaueste verfolgt und der Kaiser ist sich sehr klar über die Thatsache, daß Ihre Nation eine rasch schreitende ist. Meine Sendung in dieses Land mag deshalb als Akt der Freundschaft und der Kourtoisie angesehen werden mit dem einzigen Wunsche, freundschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten zu fördern. Sollten Sie willens sein, eine ausgestreckle Hand zu ergreifen, so finden Sie solche jenseits des Atlantischen Ozeans.
Ein Stimmungsbild
von diesem Bankett entwirft ein Berichterstatter wie folgt: Der Prachtsaal im Waldorf-Astoria-Hotel, durch vier Stockwerke reichend, war in einen Rosengarten verwandelt. Keine Wand war sichtbar, selbst von der Decke hingen- lange Pflan- zengewebe, mit Rolen durch'etzt, herab. Die ganze bezaubernde Dekoration war aber nichts gegen den Anblick in den Logen, die in drei Stockwerken, jede eine kleine Rosenlaube, die drei Wände des Saales umgeben. Hier waren Amerikas schönste und eleganteste Frauen, Damen der Gesellschaft aus Washington und der Vierhundert New-Aorks, versammelt, alle in tief« ausgeschnittener Balltoilette, alle mit Diamanten geschmückt. Ob der Prinz je ein solches Bild gesehen hat? Die Musik spielte deutsche und amerikanische Weisen, und als der Prinz bei der amerikanischen Nationalhymne sich erhob, hätten Sie die jubelnde Freude sehen sollen, mit der kleine, weißbehandschuhte Hände oben zusammenichlugen, und als später die deutsche Hymne erklang, da stand alles zuerst auf. Als dann der Prinz seine Rede beendet hatte und unten die Männer, die den Pulsschlag des amerikanischen Herzens beeinflussen, mit „hurrah for prince Henry“ sich heiser schrieen, da plünderten sie obm die Rosenlau^en und warfen Blumen dem hohen Gaste zu. Es war ein eigenartiges Diner, in den Unterhaltung?brocken, die einem umschwirrten, hörte man immer wieder: „Sie müssen sich vertragen, dieie beiden Länder". Den nun bekehrten Revolutionär von 1848 und den jungen Redakteur, der bisher gegen Deutschland Stimmung machte, sah man mit gleich begeisterter Bereitwilligkeit den Toast auf den Kaiser applaudiren.
Einzelheiten von der Festvorstellung in der Metropolitan-Opera
meldet noch folgendes Kabeltelegramm des „B. L.-A.":
New-Nork, 26. Febr. Der Regen goß gestern Abend in Strömen, aber Tausende schoben und drängten sich auf dem Broadway. Frauen klammerten sich an feuchte Laternen- pfähle, durchnäßt bis auf die Haut; aber sie erwarteten geduldig den preußischen Prinzen. Im Dorraum der Oper stand das Komitee und musterte die Eintretenden. Die sonst beliebte rothe Kravatte, karrirter Anzug und Golfstrümpfe waren verbannt, die Parole war „Ballanzug". Als der Prinz und der Mayor die Loge betraten, erhob sich das Haus, und wieder und wieder verneigte sich der Prinz. Selten mag ein Auditorium glänzender gekleidet und mehr mit Juwelen geschmückt gewesen sein. Ein Sitz kostete dreißig, eine Loge zweihundertfünfzig Dollars, in den Vordersitzen jeder Loge saßen drei brillantenbedeckte Damen, die einen ununterbrochenen Kranz zu bilden schienen. Alle hörten stehend das Lied „Heil Dir im Siegerkranz" an. Dann begann der zweite Akt von „Carmen". Der Prinz applaudirte lebhaft und ging dann in der Pause mit Low und Evans in die Loge von Frau Low und Frau Cleveland. Zu Letzterer sagte er, er hoffe ihren Gatten kennen zu lernen. Nach „Carmen" spielte das Orchester verschiedene deutsche Melodien. Das Haus erhob sich wieder, dann folgte ein Akt aus „Moa". In der Pause besuchte der Prinz Frau Sloans Loge, wo auch Frau Roose- velt zugegen war. Dann rauchte er eine Zigarette mit dem ehemaligen Gouverneur Morton im Direktorzimmer. Es folgte der dritte Akt des „Tannhäuser", darauf verließ Prinz Heinrich
das Theater. Da ja leider immer eine Primadonna sich seltsam benehmen muß, so that es diesmal Marcella Sembrich und weigerte sich, weiter zu singen, weil sie zu lange habe warten müssen. Auf diese Weise gelangte der Prinz, der bis aus Ende des so sehr anstrengenden Tages gleiche Liebenswürdigkeit bewahrt hatte, wenigstens um Val Uhr auf die „Hohenzollern". Die Zeitungen schreiben heute wenn möglich noch enthusiastischer, als gestern über ihn.
Den Fackelzug der deutschen Vereine nahm Prinz Heinrich vorn Arion-Gebäude aus entgegen. Die Mitglieder der Vereine bedienten sich ausschließlich der deutschen Sprache. Sie zogen, 10 000 Mann stark unter Absingung deutscher Lieder, und Fackeln in den Händen tragend, an dem Prinzen vorbei, der bei dieser Gelegeilheit zum ersten Male während seines Besuches in Amerika eine Rede in deutscher Sprache bielt. Ueber den Verlauf dieser Feier erhält der „B. L.-A." das folgende Kabeltelegramm:
New-Nork, 27. Febr. Die große Halle im Arion-Klub war mit Rosen dekorirt, Taufenden von frischen Rosen und Tausenden aus Glas, und als um 6 Uhr 30 Min. der Prinz eintrat, leuchtete in den Letzteren elektrisches Licht auf. Es war ein feenhafter Anblick, und man gewahrte, wie er dem ihn geleitenden Vereinspräsidenten überraschtes Wohlgefallen ausdrückte. Der Präsident fragte, sich dreimal verneigend, ob er Hoheit im Namen der deutschen Vereine New-?)orks begrüßen dürfe, und hielt dann eine Ansprache, in der er betonte, daß gegentheiligen Bemerkungen zum Trotz, wie der Prinz wohl gewahrt habe, die Deutschen in Amerika ihrem Valerlande treu bleiben. Als sichtbares Zeichen erlaube man sich, ihm eine Begrüßungsadresse zu überreichen. Der Prinz nahm diese entgegen, ein braunes Album mit kostbarem, kunstvollem Silberbeschlag, enthaltend mit einer Liste aller deutschen Vereine ein sinniges Gedicht.
Der Prinz ließ sein Auge mit gütigem Blick über die Versammlung schweifen. Dann sagte er:
„Herr Präsident, meine Herren I Gestatten Sie mir, Ihnen allen herzlichsten Dank für den freundlichen Empfang auszu'prechen. Es freut mich besonders, daß sämmtliche deutsche Vereine sich an der Ovation betheiligt haben, die ich nicht als meiner Person, sondern dem Anlaß meines Hierseins und Seiner Majestät, meinem Kaiser und Könige und Herrn geltend betrachte. Die meisten von Ihnen sind amerikanische Bürger, aber Sie haben, als Sie dies Land zur Heimath wählten, deutsche Pflichttreue mitgebracht, die hat Ihnen zum Erfolge geholfen. Ich kann Ihnen nur rathen, halten Sie fest an diesem Gefühl der PflichtI"
Als der Prinz bei dem letzten Wort die leicht erhobene Mütze mit kurzem, kraftvollem Ruck herunterschlug, war er in Sprache und Geste ganz sein Bruder. Die Versammlung aber war berauscht; bisher hatte sie amerikanisch durch Händeklatschen applaudirt, plötzlich aber vergaß sie diese Sitte und brach in ein brausendes, übermächtiges deutsches Hurrah aus. Es war in dieiem Augenblick, als draußen die Klänge des Preußenmarsches vernehmbar wurden; es gibt keine bessere Musik in solchen Momenten, und mit ihr kam „Heil Dir im Siegerkranz" übergehend, die Spitze des großen Fackelzuges deutscher Vereine in Sicht. Der Prinz trat auf den Balkon hinaus, da passirten Kaufleute sowie Handwerker und Arbeiter, inanche jung und andere weißhaarig, manche im Anzug des Wohlhabenden, andere im abgetragenen Paletot. Es war bestimmt, daß alle schwarze Hüte tragen sollten; mancher hatte keinen kaufen können. Alle aber waren gekommen, und aus allen Kehlen klang jubelnd das „Hurrah" zum Balkon empor. Nach einer Stunde trat der Prinz zurück. Man bot ihm einen Imbiß vom Büffet an, das das Modell der „Hohenzollern" trug, dann stimmten die Arionsänger das „Jltislied" an. Der Prinz war sichtlich ergriffen, er applaudirte nicht, sondern sah zu Boden, dann winkte er den Dirigenten heran mtd fragte: „Kann ich das nochmals hören!" Da muß man die Äugen Aller leuchten gesehen haben! Sie sangen nochmals.
Weitere Telegramme siehe Seite 3/
Bus Stadt und £and.
Hanau den 28. Februar.
Lokal-historische Notizen.
28. Februar 1730 Punktation zu Buchsweiler zwischen Hessen-Cassel und Hanau, durch welche die einstweilige militärische Besetzung von Hanau-Münzenberg (Hanau und Rumpenheim) durch 600 Mann hessen-cassel'scher Truppen, in Aussicht auf das Erlöschen des Grafenhauses Hanau, verabredet wurde.