Erstes Blatt
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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- md Fandlrms Kam.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- imb Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Eiurnckungsgebiihr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf* gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im ReklamentheU die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. S ch r«ck«r in Hanau,
Nr. 277
FernsprechansÄluß Nr. 605»
Donnerstag den 27. November Fernsprechamt Nr. «05.
1902
Amtliches.
Candkreis Banau.
Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
In der Gemarkung Wachenbitcheir ist eine Fasanenhenne verendet aufgefunden worden, in deren Magen sich vergifteter Hafer vorfand. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß es sich um Gifthafer handelt, der zur Vertilgung von Feldmäusen ausgelegt worden ist. Der Vorfall läßt erkennen, daß durch die Verwendung von Gift zur Mäusevertilgung nicht nur der Federwildstand geschädigt, sondern auch eine erhebliche Gefahr für Leben und Gesundheit der Menschen herbeigeführt werden kann, da es kaum zu vermeiden ist, daß durch Gift verendetes Federwild in den Handel gebracht wird. Ich nehme daher Veranlassung, die Ortsbehörden und Landwirthe des Kreises darauf hinzuweisen, daß bei der Verwendung von vergiftetem Getreide zur Mäusevertilgung mit äußerster Vorsicht verfahren werden muß. Das offene Auslegen von Gift ist unter allen Umständen unzulässig; 'der Gifthafer ist vielmehr derartig in die Mauselöcher einzulegen, daß die Aufnahme desselben durch Federwild ausgeschlossen ist. Bei Außerachtlassung der gebotenen Vorsicht sind die Ausleger von Gift für den entstehenden Schaden strafrechtlich und civilrechtlich haftbar.
Hanau den 27. November 1902.
Der Königliche Landrath.
v. Beckerath.
Nach Mittheilung des Königlichen Polizei-Präsidiums zu Frankfurt a. M. ist in der Irrenanstalt dortselbst die Schweineseitche erloschen.
Die angeordneten Sperrmaßregeln sind aufgehoben.
Hanau den 24. November 1902.
Der Königliche Landrath.
V. 11479 v. Beckerath.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Gemarkung Dörnigheim belegene, im Grundbuchs von da Band VII Artikel 160 Abth. I Nr. 5 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Schuhmachers Wilhelm Heck IV„ Ludwigs Sohn, zu Dörnigheim eingetragene Grundstück:
Q 301, an der Landwehr, Acker, — 3 ar 44 qm
am 30» Januar 1903, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz 18 — Zimmer Nr. 14 — versteigert werden»
Das in Art. 529 der Grundsteuermutterrolle von Dörm'g- Heim eingetragene Grundstück ist mit 1 Mark 20 Pfg. Reinertrag zur Grundsteuer veranlagt.
Hanau den 21. November 1902.
—Königliches Amtsgericht 2. 21361
sinnier Sr*itfcw*fW
Nächste General Versammlung findet Samstag den 29. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, in der Wirthschaft der Brauerei Kaiser hier statt.
Da wichtige Gegenstände zur Besprechung kommen, wird um zahlreiches Erscheinen ersucht.
_____Der Vorstand.________21289 Gefundene und verlorene Gegeustiindc rc.
Gefunden: 1 Jnvalidenkarte Nr. 1 für Max Ebert aus Fambach, 1 kleines gelbes Portemonnaie mit 6 Pfg. und 2 Stahlfedern Inhalt, 1 desgl. rothes mit 19 Pfg. Inhalt, 1 Stück Filz, 1 Schlüsselring mit 2 Schlüsseln, 1 Peitsche.
Verloren: 1 schwarze Lebertasche mit Inhalt, 1 Ueber- firher und 1 Paar weiße wollene Handschuhe.
Hanau den 27. November 1902.
Bus Stadt und £and,
Hanau, 27. November.
Beamtenpersonal-Nachrichten.
Ernannt: der Landrichter Vial in Cassel zum Landge- richtsrath, der Amtsrichter Fuchs in Biedenkopf zum Amts- gerichisrath, der Gerichtsassessor Zulauf zum Kriegsgerichts- rath, der Sergeant Neumann zum Schutzmann bei der Polizei-Direktion Hanau.
Entlasten: die Schutzleute Reismeier und Winter in Eassel, beide auf Antrag.
Uebertragen: dem Königlichen Katasterinspektor, Steuer- rath Riedel in Aurich die Stelle eines Katasterinspektors bei der Regierung in Caffel vom 1. Januar 1903 ab.
Penskouirt: der Forstmeister Aumann in Hersfeld, der Gerichtsdiener Claus bei dem Amtsgericht in Marburg.
* Kivcheukollekte. Am nächsten Sonntag, den 30. November soll in den evangelischen Kirchen unseres Landes eine Kirchenkollekte zum Besten der Anstalt Hephata bei Treyla erhoben werden. Während bisher durchschnittlich nur ca. 24 neue Zöglinge im Jahre der Anstalt zugeführt wurden, beträgt die Zahl der neu eingetretenen schwachsinnigen und verkrüppelten Zöglinge in diesem Jahre bis jetzt schon 52. Wenn man bedenkt, daß für jedes dieser Kinder eine kleine Ausstattung an Bett, Bettwäsche u. s. w. beschafft werden mußte, so ersteht man, wie schon in diesem Stücke der Anstalt gewaltige Ausgaben auferlegt sind, die allein gegen 6000 Mark betragen. Die Anstalt hat darum viel Ursache, herzlich um thatkräftige Hilfe zu bitten — und das um so mehr, als sie neben der Bestreitung der laufenden Ausgaben jetzt beträchtliche Summen für die Erweiterungsbauten, die dringend nothwendig waren, zu zahlen hat. Es fehlt ihr zur Zeit noch viel, um ihren Verpflichtungen gerecht werden zu können. Sie mußte in diesem Jahre für die erkrankten Zöglinge ein besonderes Krankenhaus errichten. Wohl hat die Liebe der hessischen Jugend und ihrer Lehrer in überaus dankenswerther Weise dafür 6000—7000 Mark gesammelt. Die Bausumme beträgt aber ca. 40,000 Mark, und die Anstalt rechnet zuversichtlich darauf, daß ihr die Kirchenkollekte dazu einen wesentlichen Beitrag liefern wird. Das landwirth- schaftliche Gebäude bedurfte schon seit Jahren dringend einer Vergrößerung. Die Anstalt hat eS gewagt, in diesem Jahre einen Anfang damit zu machen, da es sonst nicht möglich gewesen, die Heu- und Stroh-Ernte bergen zu können. Sie durfte nicht länger Tausende ausgeben zum Futter für das Vieh und zum Stroh für die Hunderte von monatlich zu stopfenden Strohsacken, sie mußte beides möglichst auf eigenen Grundstücken wesentlich billiger zu gewinnen suchen. Der Ankauf derselben, wie die Errichtung einer Scheune für die Ernte- Vorräthe forderten erhebliche Ausgaben, um deren Deckung sie gleichfalls herzlich die barmherzige Liebe anruft. Der im Jahre 1897 gebohrte Brunnen konnte die mittlerweile beträchtlich größer gewordene Anstalts-Gemeinde nicht mehr mit dem nöthigen Waffer versorgen. Die Anstalt mußte einen zweiten 45 Meter tiefen Brunnen bohren lassen, was mit einem Kostenaufwand von ca. 4000 Mark verbunden ist. Auch die maschinellen Einrichtungen zur Erzeugung des Lichtes und zum Betriebe der Wäscherei bedurften dringend einer Vergrößerung, an deren Ausführung noch in diesem Herbste heran« getreten werden mußte. Das Brüderhaus, dem Gottes Gnade eine Reihe von jungen Männern zugeführt hat, die gewillt sind, um ihres Herrn willen sich für den Dienst an den Kranken und Elenden und Verlorenen ausbilden zu lassen, hat zur Zeit 32 Brüder. Der Unterhalt, die Ausbildung und Besoldung dieser Brüder stellt hohe Anforderungen an die Anstalts-Kasse. Die Einnahmen des Brüderhauses sind demgegenüber sehr geringe. Auch die helfende Liebe hat sich bis jetzt dem Brüderhanse nur in sehr bescheidenem Maße zugewandt. Die Anstalt hofft, daß bei Gelegenheit der Kirchenkollekte Mancher zur Förderung dieses für unser Land so wichtigen Reichsgotteswerkes sich willig finden wird. Aus allen diesen Gründen möchten wir die Kirchenkollekte am nächsten Sonntag der opferwilligen Liebe unserer Leser warm an das Herz legen.
* Die Neuwahl der Aerftekamuter der Provinz Heffeer Nassau für die Jahre 1903/04 und 05 ist beendet. Es wurden gewählt für den Regierungsbezirk Caffel als Mitglieder (9): Dr. med. Baur in Wächtersbach, Dr. med. W. Brill, Medizinalrath, Kreisarzt in Eschwege, Dr. med. Fen, Sanitätsrath in Cassel, Dr. med. H artmann, SanitätS- rath in Hanau, Dr. med. Krause, Geh. Medizinalrath in Cassel, Dr. med. Küster, Geh. Medizinalrath, Professor in Marburg, Dr. med. Merkel, Geh. Medizinalrath, Kreisarzt in Ziegenhain, Dr. med. Raabe, Sanitätsrath in Fulda, Dr. med. Sardemann in Marburg; als Stellvertreter: Dr. med. Carl AbLe, Sanitätsrath in Marburg, Dr. med. G. Brill in Eschwege, vr. med. v. Büngner, Professor in Hanau, Dr. med. Eysell in Cassel, Vr. med. Frotscher in Rotenburg a. F., Dr. med. Führer, Geh. Sanitätsrath in Wolfhagen, Dr. med. Heinemann, Medizinalrath, Kreisarzt in Frankenberg, Dr. med. Schlaefke in Cassel, Dr. med. Schotten, Medizinalrath in Cassel. Einige Veränderungen sind somit eingetreten.
* Kreisbouiteur. Herr Bürgermeister Wilh. C la uß 2r zu Raoolzhausen ist von der Königlichen Generalkommission zu Caffel zum Kreisboniteur bestellt und als solcher gestern
von dem Königlichen Spezialkommissar Herrn Regierungsrath Dr. Wenke dahier vereidigt worden.
F C. Kriegsgericht der 21. Division. Der Gärtner August Würge s aus Frankfurt a. M. war von der 1. Komp. 166. Jnf.-Reqts. (Hanau) zur Disposition entlasten worden. Am 21. Oktober sollte er wieder einrücken. Das paßte ihm durchaus nicht. Mit dem Gestellungsbefehl in der Tasche suchte er vielmehr über die französische Grenze zu echappiren. Hinüber kam er auch, aber die franz. Gendarmen hatten ihn auch sofort beim Wickel und expedirten ihn kurzer Hand wieder über die Grenze zurück. Die Ausreißerei kostet ihn 2 Monate Gefängniß. — In der Absicht, den Tod irgendwo im Master zu suchen, weil ihre Eltern nichts von sich hören ließen, entfernten sich am 21, Oktober die Rekruten Konrad Schäfer (aus Wiesbaden) und Wilhelm Cromm (aus Sossenheim) von der 5. Esk. 6. Thür. Ulanen-Regts. (Hanau) aus ihrer Kaserne. Mit den Selbstmordgedanken scheint es so ernst nicht gewesen zu sein, denn anstatt in's Wasser zu gehen, wandelten sie selband fürbaß gen Frankfurt zum Main und von da nach Ried, wo sie sich bei einer Schwester des Cromm in Civil warfen. Verschiedene Dienstgegenstände gaben sie preis, andere schickten sie von Mainz aus an's Regiment zurück, nachdem sie die Kleidungsstücke durch Abtrennen der Litzen beschädigt hatten. Schäfer gelangte bis ins Luxemburg'sche, kehrte dann aber um und stellte sich in Metz. Cromm hatte schon vorher Kehrt gemacht und hatte sich in Hanau wieder gestellt. Schäfer erhielt 3 Monate und
1 Woche, Cromm 4 Monate Gefängniß.
* Frankfurter Quartett-Vereinigung. Heute veröffentlicht in dem Juserarentheil die „Frankfurter Quartett- Vereinigung", bestehend aus den Herren Hermann Hock, Fritz Dippel, Aug. Allekotie und Heinr. Appunn, das Programm zu ihrem am nächsten Montag den 1. Dezember, abends 7'/, Uhr, im Saale der Centralhalle stattfin- denden II. Kammermusik-Abend. Wie wir aus demselben ersehen, ist es der Vereinigung gelungen, die Pianistin Frau Florence Wassermann aus Frankfurt a. M. zur Mitwirkung zu gewinnen. Frau Bassermann zählt zu den ersten Vertreterinnen ihres Faches und wird außer dem Klavierquartett von Brahms auch eine Reihe Solostücke für Klavier zum Vortrag bringen. Es ist aber jedem Concertbesucher reichlich Gelegenheit geboten, die Künstlerin kennen zu lernen, besonders weisen wir darauf hin, daß Frau Bassermann, als aus-, gezeichnete Chopknspielerin in der Welt bekannt, uns auch hier eine Anzahl Stücke von Chopin zum Vortrag bringt. Die Darbietungen des ausgezeichneten Streichquartetts sind ja hier bei uns schon zur Genüge gewürdigt worden, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um das hiesige Concertpublikum auf den nächsten Kammermusik-Abend aufmertfam zu machen.
* Stadttheater. Das in Frankfurt im neuen Schauspielhause gegenwärtig mit dem größten Beifall gegebene Lustspiel: „Die zärtlichen Verwandten" von Benedix wird morgen Freitag neu eiustudrrt in Scene gehen. Die schöne Handlung, der köstliche Humor und die Beliebtheit deS vorzüglichen Stückes werden demselben auch hier eine gute Aufnahme sichern. Die Hauptrollen sind wie folgt besetzt: Barnau — Hr. Feist; Thusnelde — Frl. Hohenfels; Schummrich — Hr. Schwarz; Adelgunde — Fr. Rieger; Jrmgard — Fr. Hantke; Ottilie — Frl. Leoni; Wismar — Hr. Retzbach; Offenburg — Hr. Becker und Weithold — Hr. Krug. .
* Gesellenprüfung. Die Gesellenprüfung haben die Prüflinge Buchbinder Hüge (bei Th. Viereck) und Schwarz (in Fechenheim) in allen Theilen gut bestanden.
* Vortragsabend. Im Hotel zum Riesen ver- anstaltet heute der Verein Merkur einen Vortragsabend mit einer Rezitation des Herrn Emil Lotz („Otto der Schütz.")
* Silberne Hochzeit feiert heute Herr Lademeister Eduard Keil nebst Gemahlin, Schützenstraße, aus dessen Anlaß die gesammte Hanauer Stadtkapelle dem Jubelpaar gestern Abend ein Ständchen brächte.
* Volksvorlesung. Die für heute «»gekündigte Vorlesung des Herrn Prof. Mannheimer muß wegen Unpäßlichkeit des Vortragenden auf Donnerstag den 4. Dezember verschoben werden. ~
• Hoflieferanten. Von Sr. Kgl. Hoheit dem Land-, grasen von Hessen wurde den Inhabern der Firma Geb. Reinhardt, Herrenschneider dahier, das Prädikat „Hoflieferanten" ertheilt. *
X. Langendiebach^ 26. Novbr. (Unglücksfall.) In dem Fabriketabliffement von J. Brüning & Sohn hier« selbst ereignete sich ein bedauerlicher Unglück8fall. Beim Verladen von Holzstämmen, rollten einige Stämme zurück, wobei der Fabrikarbeiter Ludwig Maul, welcher nicht rasch genug zur Seite springen konnte, von einem Stamme aarFotze