Erstes Blatt.
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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf, gespalten« Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg..
im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 147. Fernsvrechanschluß Nr. 605.
Freitag den 27. Juni.
Fernsprechanschluß Nr. 605
1902
Gefundene und verlorene Gegenstände ic.
Gefunden: 1 Brille mit Futteral, im Laden Nürn- bergerstraße 36 1 Kopfkringel liegen geblieben, 1 Ledertasche mit Geld.
Verloren: auf dem Wege Friedrichstraße bis zum Landkrankenbaus 1 goldene Vorstecknadel — vierblätteriges Kleeblatt darstellend, in dessen Mitte eine Perle sich befindet. Entflogen: 1 Kanarienvogel.
Entlaufen: 1 schottischer Schäferhund.
Hanau den 27. Juni 1902.
Hue Stadt und Cand»
Hanau, 27. Juni.
* Sammlungen für ein Roon-Denkmal. Das Ergebniß der Sammlungen für die Errichtung eines Denkmals für den Kriegsminister v. R o o n im Stadt- und Landkreise Hanau ist folgendes:
1) von Einwohnern der Stadt Hanau . . 193.— Mk.
2) von Seiner Königl. Hoheit dem Herrn
Landgrafen von Hessen zu Philippsruhe 100.— „
3) vom Kriegerverein Hanau . .
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25.-
25.—
41.—
30.—
10.—
6.50
Z.__
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Hochstadt . . Kesselstadt Langenlelbold Niederrodenbach Oberissigbeim
7)
8)
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10)
Großauheim .
79.—
^
11) von der Kriegerkameradschaft 1870/71
zu
Großauheim .
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* •
10.—
12) von
Einwohnern
der Gemeinde
Langen-
diebach, gesammelt durch den Kriegerverein daselbst ...... 79.40
Sa. 601.90 Mk.
* Biwak. Das Biwak des Ulaneu-Regiments ging heute Vormittag von 10 Uhr ab von Stätten.
* Sckulverein. Für das morgen im Kaiserhof statt- findende Gartenfest ist nachstehendes Concert-Programm aufgestellt: 1. Theil. 1) Bombardon-Marsch a. d. Oper „Das goldene Kreuz", v. I. Brull; 2) Fest-Ouverture v. A. Lortzing; 3) Estudiantino-Walzer über spanische National-Melodie, von E. Waldteufel; 4) Große Fantasie aus R. Wagners „Walküre", v. A. Seidel. 2. Theil. 5) Chöre: a „Der frohe Wandersmann", v. F. Mendelssohn-Bartholdy, b „Wald- abendschein", mit Baritonfolo, v. Fr. Abt, gesungen von Herrn Adolf Müller; 6) „Künstler-Album", Potpourri, von L. Stetefeld; 7) „Unter dem Kyffhäuser", „Graf Walderseee" (Fanfaren für Kaiser-Herold-Trompeten und Kesselpauken); 8) Chöre und Volkslieder a „In der Ferne", b „Frisch gesungen", c „Liebesscherz", v. F. Silcher; 9) „Herzblältchen", Mazurka- Caprice, Solo für Xylophon, v. W. Dietrich; 10) Chor: „Fröhliche Armuth", v. E. Kremser; 11) Chor: „Heute ist heute", v. M. Weinzierl: 12) Chor: ,;The stars and stripes for ever“, v. P. Sousa. Hierauf Tanz.
* Hessischer Forstverein. Wenn in den gestrigen Tagesblättern die Bürger ersucht wurden, zu Ehren der vom 29. Juni bis 1. Juli in unserer Stadt anwesenden Mitglieder und Freunde des Hessischen Forstvereins ihre Häuser zu beflaggen, so wäre es sehr erwünscht, wenn den fremden Gästen durch recht reichen Fahnenschmuck ein freundliches Willkommen entgegengebracht würde. Hierbei sei bemerkt, daß am Montag, nach Beendigung der Festtafel im „Hotel Adler", die Theilnehmer gegen 7 Uhr nach Wilhelmsbad fahren, um dort den Tag bei einem guten Glas Nicolay ■ zum würdigen Abschluß zu bringen. Freunde der Natur und des schönen deutschen Waldes sind mit ihren Damen bei diesen Ausflügen erwünscht und willkommen und steht zu erwarten, daß der Abend bei den Klängen der Ulanenkapelle ein recht animirter werden wird.
* Ferienkolonie. Morgen kehren die 99 Kinder, welche von dem hiesigen Verein für Ferienkolonien am 2. Juni in die Kinderheilanstalt zu Bad Orb zum 4wöchentlichen Gebrauche einer Soolbadkur gebracht worden und, wieder in ihre Familien zurück. Dieselben treffen mit dem Zuge 11.27 am Ostbahnhofe ein, wo sie von ihren Angehörigen empfangen werden.
K. Katholischer Männerverein. Der 3. gemeinsame Familien-Spaz-ergang vorgenannten Vereins findet am Sonntag den 29. Juni cr. statt. In Anbetracht, daß die Betheiligung wiederum eine gleich große wie bei den vorher- gegangenen Ausflügen sein wird, ist ein etwas näherer Ort gewählt worden und zwar das so schön am Mainstrom gelegene Dörnigheim (Restauration „zur Mainkur"). Abmarsch
präcis */«4 Uhr von der Kinzigbrücke (Vorstadt) aus. Vereinsfreunde können sich dem Spaziergange wieder anschließen.
* Preisschreiben. Bei dem vom Süddeutschen Verband Arends'icher Stenographen veranstalteten Preisschreiben erhielt im Schön- und Richtigschreiben Herr Heinrich Herbert, Mitglied des Arends'schen Stenographen-Vereins „Apollobund" („zum Grafen Philipp Ludwig") den 1. Preis.
* Kellerfest. Die am Abend zum Aufenthalt im Freien einladende derzeitige Witterung hat den Restaurateur zur „Schönen Aussicht" veranlaßt, für heute ein Kellerfest zu arrangiren, das abends 8 Uhr beginnt und neben dem Concert der Ulanenkapelle verschiedene Ueberraschungen bringen wird.
* Militär - Concert. Wie schon kürzlich erwähnt concertirt nächsten Dienstag den 1. Juli, abends 8 Uhr, im Concertgarten „Bürgerbräu" die auf einer Kunstreise befindliche Kapelle des Königl. bayr. 5. Feldartillerie - Regiments, unter Leitung ihres Musikmeisters Herrn Ferd. Schneider. Das sehr reichhaltige Programm enthält u. a.: „Jubel-Ouver- ture" von Flotow; Gebet und Schlachthymne a. d. Oper „Rienzi" von Wagner; Divertissement aus „Hänsel und Gretel" von Humperding; Tongemälde aus der Tetralogie „Der Ring der Nibelungen": 1. Einleitung zum Rheingold, 2. Spiel der Rheintöchter, 3. Ruf der Walküren, 4. Einzug der Götter in Walhalla, 5. Lenz-Lied aus Walküre, 6. Sieg- fried's Sterbegesang, 7. Schwertgesang, 8. Walkären-Ritt, 9. Aufzug der Götter, 10. Gesang der Rheintochter; weiter die Ouvertüre z. Op. „Die Zigeunerin" von Balfe; Divertissement aus „Faust"; „The Geisha“, Potpourri von Jones und anderen mehr. Die angeführten Nummern dürften allein schon genügen, den herrlichen Garten bis auf den letzten Platz zu füllen, zumal bei der jetzigen unsicheren Temperatur die große Halle, ungünstigen Falls, Platz und Schutz genügend gewährt. Außerdem ist der Eintrittpreis so niedrig gestellt, daß sich Jeder diesen Genuß erlauben kann, umsomehr als auch die leibliche Versorgung-bekanntlich in guten Händen liegt.
* Stovt Bremen. Wir weisen auch an dieser Stelle darauf hin, daß heute Abend wie üblich Concert im Gartenlokale der Stadt Bremen abgehalten wird und dasselbe bei eventuell ungünstiger Witterung im Saale stattfindet.
* Ueberfahren. In der Nordstraße wurde gestern Mittag von einem Bauunternehmer ein fünfjähriger Junge überfahren. Der Radfahrer fühlte sich nicht bemüßigt, abzu- st eigen und dem überfahrenen Kinde behilflich zu sein, suchte vielmehr sein Heil in schnellem Davonfahren.
* e
O Fechenheim, 26. Juni., Unter Vorsitz des Herrn Schöffen G. D u i l e dahier wurde gestern Abend in nichtöffentlicher Sitzung der Gemeindevertreter das Gehalt unseres Herrn Bürgermeisters von 3500 Mk. auf 5000 Mk. einstimmig erhöht. — Gestern Vormittag weilten zwei Kommissare des Herrn Regierungspräsidenten zu Cassel und zwar der Regierungsrath H a s s e l und Baurath H e ck h o f f hier, um eine Revision der in letzter Zeit fertiggestellten Bauten vor- zunehmen. Wie man hört, sollen die Herren verschiedene An- stände gemacht haben. — Gestern wurde hier eine anscheinend irrsinnig gewordene ^rau in Polizeigewahrsam genommen. Dieselbe ist dem Aussehen nach eine Bauersfrau, gibt an, aus Hausen bei Usingen i. T. zu sein und ist von dem Wahn befangen, ihr Heimathsort sei untergegangen und alle Zugänge dazu zerstört. Dieselbe wurde von einem der hiesigen Aerzte, Herrn Dr. Münzel, auf ihren Geisteszustand untersucht und ist zunächst in das Landkrankenhaus gebracht worden.
Kananer Vereins- n. Uergnngnngsnachrichte«
für Freitag den 27. Juni,
Kaiser's Bierteller .M schönen Aussicht": Abends S Uhr: Großes Met fest mit Brillantbeleuchtung und Concert.
„Stadt Bremen": Abends 8 Uhr: Concert.
.Wiener Spitze": Abends Uhr: Auftreten der Wiener Damen- Kapelle.
Evang. Männer- und Jünglingsverein: Unterhaltungsabend (Evan?.
Vereinshaus). . ,
MerkeS'scher Stenographen- Verein: Fortbildungskurs»« im Restaurant „zur Sonne"
Turn- u, Fechtklub: Fechten und Turnen. .
Klub der „Harmlosen": Gemüthl. Zusammenkunft im „Fraukmrter Bau". Verein für Homöopathie und Naturheilkunde: Vereinsabend in der „goldenen Gerste".
Männerabtheilung der Turnaemeinde: Turnen.
Klub „Schlaraffia" ■ Vereinsabend in der Restauration .Alemanma". Klub .Amicitia": Vereinsabend im Restaurant .z. großen Kurfürsten". B cycle-Klub 1896: Klubabend im .Kaiser Friedlich".
Bicy^eklnb „Hannovia"- Klubabend in der .Restauratlon Carlsberg". Radfahrerverein Hanauer Radsport 1895: Vereinsabend im „Reitaucant zum Karpfen", Rosenüraße^
Athletenklub .Germania": Riegenstemmen und Ringen der 1., 2. und 3. Klasse (Restauration Wagenbach, Paradeplatz).
Gesellschaft .Schares ES": Vereinsabend.
Stemm- u. Ring-itlub „Eiche": Abends von 9—10 Uhr: Ehrenpreis- stemmen. von 10—11 Ringen (Restauration „Wiener Svche".
Versteigerung»- etc. Kalender
für Samstag den 28. Juni.
Angebote betr. Uebernahme der Arbeiten einschl. Materialliese- runq zur Erbanuna eines Magazin- und UebernachtungSgebäudeS auf Bahnhof Hanau-Ost, sind bis vormittgS 11 Uhr an Königl. Eisenbahn Belriebsinspektion 2 in Frankfurt a. M. einzureichen (f. Nr. 136 »Han. Anz.").
Geffenttichr Sitzung der Stadtverordneten- versammlung
vom 26. Juni 1902.
Anwesend die Herren: Canthal, Vorsteher; Aukam, Bailly, Bier, Brüning, Craß, Föll, Dr. Fues, Glaser, Hoch, Hoff- mann, Jost jr., Kehl, Koch, Küstner, Loßberger, Lucht, Ott, Roth, Stübing, Schwabe, Spatz, Schroeter, Treusch, Voltz, Weber, Wörner und Dr. Wagner.
Vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr Gebe- schus, Erster Beigeordneter Bode, Zweiter Beigeordneter Dr. Eisenach, Stadtrath Nicolay und Stadtbaurath Schmidt.
Der Vorsteher bringt zunächst eine Einladung der Turn- gemeinde zur Theilnahme an der Einweihung der neuen Turnhalle zur Kenntniß und gibt dann bekannt, daß die Wahl eines Stadtrathsmitgliedes an Stelle des von hier verzogenen Rentners Herrn Nicolay abgesetzt worden sei. Der Wahlausschuß habe seinen Vorschlag zurückgezogen. Herr Rentner Gauff habe sich anfangs gern bereit erklärt, eine auf ihn fallende Wahl ynzunehmen. Er sei aber plötzlich erkrankt und habe auf Anrathen des Arztes die Erklärung abgegeben, daß er die Wahl nicht annehmen könne. Diese Erklärung sei Dienstag .abgegeben woroen und der Wahlausschuß in der Zwischenzeit nicht in der Lage gewesen, einen geeigneten anderen Vorschlag zu machen.
Sodann wird eine nicht auf der Tagesordnung stehende, als dringlich bezeichnete Vorlage des Magistrats berathen. Es betrifft dies die Vermiethung des Ladens in dem früheren Hause von Mätschl, den bisher Latscha inne hatte. Die Kost- mann'sche Fabrik in Kaffee, Thee rc. zu Köln a. Rh. hat als Miethe 1200 Mk. geboten. Die Vorlage ersucht um Zustimmung. Obwohl der Miethwerth des Ladens auf 1500 Mk. geschätzt worden sei, habe man doch angesichts der gedrückten Geschäftslage geglaubt, das Angebot zur Annahme empfehlen zu können. Das Plenum der Stadtverordnetenversammlung erklärt sich damit einverstanden.
Der Magistrat gibt Kenntniß von der Anstellung des Fräul. Mathilde Hebebrand als Lehrerin an der Kleinkinderschule, nachdem Frau Baum ihre Stelle niedergelegt hat. Antrag betr. Fortsetzung derNothstands»
Arbeiten.
Der Antrag Hoch lautet, zur Fortsetzung der Nothstandsarbeiten Mark 5000 zu bewilligen und den Magistrat zu ersuchen, ein Regulativ für die Nothstandsarbeiten auszuar- beiten. Referent zu diesem Anträge ist Stadto. Kehl j r., der folgende Ausführungen macht: In den letzten Jahren waren zuerst jährlich 3500 Mk., zuletzt 4000 Mk. dem Magistrat für Nothstandsarbeiten zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag wurde meist erst vom Dezember ab verausgabt und am 1. April Schluß gemacht; in -diesem Jahre erfolgte der Schluß am 1. Mai. Ueber bett 1. April hinaus wurden dieses Jahr 6 Mann als Nothstandsarbeiter beschäftigt, von denen nach dem 1. Mai bis jetzt noch einige als Steinschläger in Accordarbeit bei der Stadt' weiter beschäftigt sind. Die Stadt hat also von selbst für die Leute gesorgt, soweit Arbeiten bei ihr vorhanden waren und mit denen die Leute betraut werden konnten. Aber diese freiwillige Fürsorge seitens der Stadt dürfe nicht dahin gedrängt werden, daß ein Recht auf Arbeit aus dieser Fürsorge hergeleitet werden könne, wenn keine Arbeit vorhanden ist. Wenn wir auch für die gute Jahreszeit Mittel für Nothstandsarbeiten einstellten, würde Jeder, der nachweist, daß er durch das Arbeitsamt Arbeit nicht bekommen konnte, nunmehr Arbeit von der Stadt verlangen können. Das Recht auf Arbeit könne aber weder vom Staat noch von der Gemeindeverwaltung anerkannt werden, da es nicht durchführbar sei, so ideal dieses Prinzip vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet auch sein möge. Der vorliegende Antrag wolle aber bis zu einem gewissen Krade dieses Prinzip aufstellen. Anzunehmen sei, daß von den 20—30 Nothstandsarbeitern, die die Stadt in den letzten Wintern jeweilig beschäftigte, kaum einer im Sommer für andere Beschäftigung sorge, da fast alle es vorziehen würden, sich oon der Stadt weiter beschäftigen zu lassen. Wenn die betreffenden Leute aber wüßten, daß sie, um etwas zum Leben zu haben, sich eine Stelle suchen müßten, so würden sie in den meisten Fällen auch Stellen finden, die ihren Leistungen entsprechend wären. Wenn dieselben aber damit rechnen könnten, unter allen Umständen eine Arbeitsstelle bei der Stadt zu behalten, so suchen und