Erstes Blatt.
Hanauer G Anzeiger
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
-kdruckt und verlegt in der Buchdrucker« des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Getleral-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Einrnckmigsgcbühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 2»° Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwoul. Redakteur. G. S ch r e ck e r m Hanau,
Nk, 121. Fernsprechanschluß Nr. 605.
Dienstag den 27. Mai.
Fernsprechanschluß Nr. 605.
1902
Amtliches.
Stadtkreis Danau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Versteigerung.
Im Auftrage der Armenverwaltung und des Althanauer Hospitals sollen durch den beeidigten Taxator Fritz Kämpfer verschiedenes Hausgeräth, als: Tische, 1 Sopha, 6 ein- und zweithürige Kleiderschränke, 4 Kommoden, 1 Spregelschrank, Spiegel, Bilder, 2 Sessel, Rohr- und Strohstühle, 1 Schreibpult, 1 Briefregal, 1 Nachtschränkchen, 2 Küchenschränke mit Aufsatz, Küchengeräth, 1 Singer- und 1 Schuhmacher-Nähmaschine, polirte und andere Bettstellen mit und ohne Sprungfedermatratzen und Bettwerk, 1 Parthie Leinen, Frauenkleider u. dergl. sowie Gegenstände, welche auf städtischem Besitze gefunden worden sind, am
Donnerstag den 29. d. Mts., nachmittags von 2 Uhr ab, im Hofe Erbfengaffe 1
Und
Freitag den 30. d. Mts., nachmittags von
2 Uhr ab,
im Althanauer Hospital öffentlich meistbietend gegen Baarzahlnng versteigert werden.
Die Eigenthümer der Fundgegenstände werden aufgefordert, ihre Ansprüche bis spätestens im Versteigerungstermin bei der Armenverwaltung geltend zu machen.
Hanau den 26. Mai 1902.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 9251
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 weißer Schlips mit schwarzen Punkten (anscheinend gereinigt), 1 Strohhut, in der katholischen Kirche stehen geblieben 12 Regenschirme, 1 goldenes Medaillon, ab- zuholen in der Exped. d. Bl.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 13 Mk. und einigen Pfennigen Inhalt, am Sonntag an der katholischen Kirche 1 Portemonnaie mit ca. 12 Mk. Inhalt und 1 desgl. mit 2 Mk. Inhalt.
Entlaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen w. Geschl.
Hanau den 27. Mai 1902.
Hue Stadt und Cand.
Hanau, 27. Mai.
Lokal-historische Notizen.
27. Mal 1818. Anfang der zu Hanau abgehaltenen Synode der lutherischen und reformirten Kirche im Fürstenthum Hanau, in den Jsenburgischen Standesherrschaften und im Großherzogthum Fulda, durch welche die „Union" in den Pfarreien der vorgedachten Landestheile beschlossen wurde. Es waren 59 reformirte Pfarrer (darunter 15 aus dem Zsenburgi- schen) und 22 lutherische Pfarrer (darunter 8 aus dem Fuldaischen und den Standesherrschaften) anwesend.
*
W* Die Ausgabe unseres Blattes erfolgt täglich in der Mittagsstunde. Somit kann der „Han. Anz." stets von 12V4 Uhr ab in der Gx- peditton abgeholt werden.
* Paffirt. Auf der Rückreise von Urville nach Potsdam passirte heute morgen 2 Uhr 18 Min. Se. Maj. der Kaiser mittels Sonderzugs die Station Hanau-Ost.
* Impfungen. Mittwoch den 28. Mai, vormittags 10 Uhr, in Hüttengesäß: Erstimpfung, am 4. Juni, vormittags 10 Uhr,-Nachschau der Erstimpfung; am 28. Mai, vormittags 11 Uhr: Wiederimpfung, am 4. Juni, vormittags 11 Uhr: Nachschau der Wiederimpfung; Jmpflokal: Gastwirthschaft von H. Reidel. — Am 28. Mai, mittags 12 Uhr, in Neuwiedermuß: Erstimpfung, am 4. Juni, mittags 12 Uhr: Nachschau der Erstimpfung; am 28. Mai, mittags 12Vi Uhr: Wiederimpfung, am 4. Juni, mittags 12^/r Uhr: Nachschau der Wiederimpfung; Jmpflokal: Schullokal.
* Für die Begrüßung des Kaisers durch Kriegervereine hat der preußische Landeskriegerverband, der „Ostdeutschen Rundschau" zufolge, mit Genehmigung des
Kaisers neue Vorschriften erlassen. Danach soll auf Wunsch des Kaisers jede Kopfbedeckung, also auch von den Mitgliedern uniformirter Kriegervereine, abgenommen werden. Die Träger von Militär- oder öffentlichen Beamtenuniformen sollen in der für sie vorgeschriebenen Weise grüßen. Gewehre, welche vorzugsweise zum Gebrauch bei Begräbnißfeierlichkeiten bestimmt sind, dürfen zur Begrüßung des Kaisers nicht mitgebracht werden. Erscheinen Kriegervereine in großen Massen, so sollen möglichst berittene Offiziere oder auch Gendarmen zur Unterstützung des Verbandsvorsitzenden verwandt werden. Wenn Kriegervercine zu Paraden in Gegenwart des Kaisers zugelassen werden, so soll der für sie bestimmte Raum durch einen Drahtzaun gegen anderweitige Verwendung gesichert werden.
* Personalien. Die Prüfung zum Eisenbahn-Assistenten hat bestanden Stationsdiätar Heyde in Hanau.
K. Katholische Gemeinde. Am Samstag Nachmittag 4 Uhr traf, wie schon früher an dieser Stelle angekündigt, der hochwürdigste Herr Bischof von Fulda, Adalbertus, am hiesigen Ostbahnhofe ein, begrüßt von dem Kirchenvorstande und dem hochwürdigen Klerus. In der Kirche, wo sich die Gläubigen zahlreich zur Begrüßung ihres Oberhirten eingefunden hatten, spendete der hochw. Herr den bischöflichen Segen. Sonntag früh gegen 9 Uhr wurde der hochw. Herr von den hiesigen katholischen Vereinen mit Baldachin vom Pfarrhause zur Kirche geleitet, woselbst nach der bischöflichen Predigt das Hochamt unter Assistenz des Bischofs gehalten wurde, verherrlicht durch den erhebenden Gesang des Kirchenchores. Nach Beendigung desselben spendete der hochw. Herr Bischof ungefähr 400 Firm- lingen das hl. Sakrament der Firmung und war diese sakramentale Handlung um 12 Uhr beendet. Am Nachmittag fand in der'Kirche die Religionsprüfung der Schulkinder statt. Gegen 4 Uhr versammelten sich ca. 80 Festtheilnehmer im stimmungsvoll dekorirten Saale des Hotel „zum Riesen" zu einem zu Ehren des hochw. Herrn Bischofs veranstalteten Festmahle. Hierbei brächte der hochw. Herr den ersten Toast auf die beiden obersten Gewalthaber, Papst und Kaiser, aus, und wurde in das ansklingende Hoch von den Festtheilnehmern begeisternd eingestimmt. Herr Pfarrer Schlitt prieß in zündenden Worten die Verdienste unseres hochw. Herrn Bischofs um die hiesige katholische Gemeinde und schloß mit einem Hoch auf denselben, welches brausenden Widerhall fand. Bei einer späteren Anrede und dem Toast auf Herrn Pfarrer Schlitt gab der hochw. Herr Bischof nach kurzer Darlegung der segensreichen Wirkungen des „Volksvereins für das kitholische Deutschland" seinem Herzenswünsche Ausdruck, daß doch auch alle hiesigen katholischen Männer vorgenanntem Vereine beitreten möchten; es waren herrliche, zu Herzen gehende Worte unseres hochverehrten Oberhirten und sind dieselben auch sicherlich auf guten, fruchtbaren Boden gefallen. Es würde zu weit führen, des Näheren hier noch zu berichten. Gegen 7 Uhr war die Festlichkeit zu Ende, bei welcher sich auch der gute Ruf der Küche des Herrn Aßmann wiederum aufs Beste bewährt hatte.
)( Bundestag deutscher Kunstgewerbeschüler. Während der Pfingstfeiertage wurde in Düsseldorf der 8. Bundestag deutscher Kunstgewerbeschüler abgehalten. Durch Delegirie vertreten waren folgende Vereine: Acanthus (Düsseldorf), Schnörkel (Frankfurt), Hans Holbein (Dresden), Werkstatt (Stuttgart), Kunstgewerbeschüler - Verein (Nürnberg), Kunstgewerbeznnft Arche (Karlsruhe) und die hiesige akademische Verbindung C e l l i n i. An die Bundessitzung selber reihte sich ein großer Commers, welcher durch sein farbenprächtiges Bild der verschiedenen Barette, Schärpen u. s. w., sowie durch die urgemüthliche fidele Stimmung Jedem der Theil- nehmer in Erinnerung bleiben wird. Das Hauptinteresse der Verbandsfestlichkeiten bildete jedoch die Verbands-Ausstellung, welche in den Räumen des dortigen Kunstgewerbemuseums statt- fand. Die Ausstellung wurde von allen Seiten von durchweg guten Arbeiten beschickt, unter denen die Aquarelle von Karlsruhe, die Keramik von Frankfurt sowie die montirten, ziselirten und gravirten Arbeiten und Porzellanmalereien der hiesigen Verbindung Cellini den besonderen Beifall der dortigen Kunstgewerbelehrer sowie sämmtlicher Besucher der Ausstellung fanden. Der nächste Bundestag (Pfingsten 1903) wird in Karlsruhe stattfinden. Ein vivat, cresceat, floreat den Schülern des Kunstgewerbes.
* Maingau-Turnfest. Bei der gestern veröffentlichten Aufstellung der in nächster Zeit in unserer Umgebung statt- findenden größeren Festlichkeiten ist die Registrirung des für die Tage vom 5.-7. Juli im benachbarten Mittelbuchen arrangirten 33. Maingau-Turnfestes übersehen worden, was allerdings bei der Unmasse der Veranstaltungen wohl verzeihlich ist. Mittelbuchen ist zur Sommerszeit ein beliebter Ausflugsort für die Hanauer, sodaß das Maingau-Turnfest sicherlich seine Anziehungskraft auch dort ausüben wird, zumal der Turnverein Mittelbuchen eifrig bestrebt ist, den Festbesuchern ein paar recht hübsche Festtage zu bereiten.
L* Bekämpfung der Schwindsuchtsgefahr. Der Verein zur Bekämpfung der Schwindsuchtsgefahr für Hessen- Nassau und Waldeck hielt gestern Nachmittag im Saal der Polytechnischen Gesellschaft zu Frankfurt seine Hauptversammlung unter Vorsitz von Dr. E n d em a n n-Cassel ab. Anwesend waren u. A. Oberpräsident Graf v. Zedlitz-Trützschler, Landeshauptmann Frhr. Riedesel zu Eisenbach-Cassel, Oberbürgermeister Adickes-Frankfurt. Prof. Dr. W e i n t r a u d- Wiesbaden sprach zunächst über die „ambulante Behandlung der Schwindsüchtigen". Der Redner erörterte die Heilstätten- bewegung. Die Aufnahme in Heilstätten können vorerst nur die Nichtinvaliden und die versicherten Kranken erlangen, also nur ein kleiner Theil. Und dabei macht sich bei Aerzten und Kranken ein Skeptizismus bemerkbar, als ob außerhalb der Heilstätten nichts für Schwindsüchtige gethan werden könne. Zunächst muß einmal hier ein Stillstand einireten, damit man die ärztlichen Erfahrungen sammeln und verwerthen kann. Dann aber liegt eine eminente Gefahr in den Kranken, die keine Aufnahme in den Heilstätten finden, sowie in den Frauen und Kindern der Kranken; für sie muß vor allen Dingen gesorgt werden. Der Redner denkt sich dies durch eine Organisation, die in Errichtung einer Centrale für ambulatorische ärztliche Behandlung besteht und selbstverständlich mit den nöthigen Mitteln zur Beschaffung von Medikamenten, Speisen, Geldzuschüssen zur Miethe u. s. w. ausgestattet ist. Eine derartige Organisation wird an und für sich segensreich wirken und wird auch die Aerzte in Stand setzen, durch die gesammelten Erfahrungen die richtige Form in der Behandlungsweise der Schwindsüchtigen zu finden. In der Besprechung erklärte Geh. Sanitätsrath Dr. O b e r t ü s ch e n-Wiesbaden sein Einverständniß mit dem Referenten. Die Heilstätten- Bewegung müsse in ein langsameres Tempo kommen, 41 Millionen seien in Deutschland bereits festgelegt. Der Redner hofft auf Unterstützung durch die Gemeinden itnb durch die Landesversicherungsanstalt. Landesrath Dr. Schröder erklärt darauf, daß diese Anstalt bereits bis zum doppelten Krankengeld unterstütze. Dr. R o s e n z w e i g-Frankfurt hielt die vom Referenten angeregte Organisation an vielen Orten für sehr schwierig, man solle Pflegschaften namentlich an kleinen Orten gründen, die den Vereinen sofort von allen ihnen bekannt werdenden Schwindsuchtsfällen Meldung zu machen hätten. Er habe gute Erfolge damit erzielt. Dem Jahresbericht, der gedruckt vorliegt, ist zu entnehmen, daß dem Verein bis zum Schluß des Vereinsjahres 76 Gesuche zugingen; 39 Kranke wurden den Heilstätten Oberkaufungen und Rupperts- hain überwiesen. Der Hauptverein schließt seine Rechnung mit einem Kapitalbetrag von Mk. 4133.29, der Freibetten - fonds mit Mk. 1666.60 ab, in Wirklichkeit aber sind durch verschiedene Ausgaben nur noch etwa Mk. 1000 übrig, die in kurzer Zeit durch Einweisung von vier Kranken aufgebraucht werden. Die Berathung der Satzungen führte zu einer langen Debatte über die Selbständigkeit der Zweigvereine, die Wiesbaden geltend machte und auch durchsetzte. Bei den darauf vorgenommenen Wahlen wurden die Herren Geh. San.-Rath Dr. Endemann, Landesrath Schröder, Bürgermeister Jochmus, Rosenzweig, Scheef und Pfeiffer in den Vorstand, die Herren Ch. Hallgarten-Frankfurt, Dr. Obertüschen, Rechtsanwalt Dr. Alberti, Monado und Joseph Stock aus Wiesbaden, Dr. Stein, Rechtsanwalt Häußer, E. Gräf aus Frankfurt, Dr. W. H e r a e u s aus Hanau und Blech mann aus Casfel in den Verwaltungsrath gewählt.
* Kohlenbezug. Die am 6. Januar v. Js. in Frankfurt a. M. ins Leben getretene Kohleneinkaufs-Gesellschaft, G. m. b. H., der als Gesellschafter 32 Vereine, darunter auch einige aus Hanau, angehören, veröffentlicht ihren Jahresbericht. Aus demselben ist zu ersehen, daß im verflossenen Jahre 57 Vereine, Kohlenkassen rc. Kohlen durch die genannte Gesellschaft bezogen haben und zwar im Gesammtgewicht von 15 494.756 kg. Der Betriebsüberschuß betrug im 1. Geschäftsjahr 1154.76 M. Im neuen Geschäftsjahr sind noch weitere Kohlenkassen beigetreten. Bis jetzt ist ein Bedarf von ca. 25 000 Tonnen angemeldet worden.
* Prämiirt. Unter Rücksichtnahme auf die Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung in Düsseldorf hielt der Düsseldorfer Geflügelzuchtverein vom 24.-26. Mai eine große allgemeine Geflügel-Ausstellung ab. Unter den Ausstellern mit prämiirtem Geflügel finden wir auch einen bekannten Hanauer Züchter, der unter 8 von ihm ausgestellten Nummern 4 erste, 1 zweiten, 2 dritte und 1 vierten Preis, sowie für Gesammt- Leistung den zweiten Ehrenpreis und goldene Medaille für bestes Mittel gegen diverse Hühnerkrankheiten erhielt.
* Stenographisches. Der deutsche Arbeiter-Steno- graphenbund (System Mends) mit dem Sitze Frankfurt a. M. hielt, nach einem uns zugehenden Bericht, während der Pfingstfeiertage in Leipzig seinen 5. Bundestag ab. Derselbe war besucht von 22 Telegirten, die 2t Städte vertraten. Mit dem Bundestag verbunden war eine Ausstellung stenographischer Kunst- und Lreisarbeite». Die