Erstes Blatt
anauer
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Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aur- wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
General-Anzeiger.
^„w,^^ Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Lanau
Waisenhauses in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau,
Nr. 73
Bezirls-F ernsprech anschluß Nr. 98.
Donnerstag den 27. März
BezirkS-FernspreKanschluß Nr. 98.
1902
Amtliches.
Stadtkreis hanau.
Ausschreiben.
L In der Nacht vom 21. zum 22. März d. Js. aus einem Garten hierselbst gestohlen:
1 roth- und weißkarrirtes Betttuch,
4 Kopfkissenüberzüge von Damast, davon 2 weiß und 2 roth,
2 weiße Handtücher, gez. „C. H.",
1 gelbkarrirter Bettüberzug (gestickt),
1 Paar braune Herren-Unterhosen,
2 blau- und weißgestreifie Frauenschürzen,
2 kleine weiße Taschentücher und
2 Blatt weiß gehäkelte Vorhänge.
II. Am 22. d. Mio. dahier gestohlen:
1 Usberzieher von schwarzgrauem Stoff mit schwarzem Futter und schwarz übersponnenen Knöpfen, Aufhänger von Stoff, an welchem der Name „Gilbert" aufgedruckt ist, Werth 50 Mk.
Den letzteren Diebstahl ausgeführt zu haben, kommt in Betracht eine Mannsper'on im Alter von 25 bis 30 Jahren, 1,64—1,66 m groß, von mittlerer Statur mit kleinem dunklen Schnurrbärtchen, bekleidet mit dunklem Sackanzug und schwarzem weichen Filzhut.
Um Nachforschungen nach den gestohlenen Gegenständen, Festnahme der unbekannten Thäter und Nachricht hierher wird ersucht.
Hanau den 25. März 1902. J.-Nr. P 2952/02 __Köui g li che P ol iz ei - D irek t i on.__
Landkreis hanau.
Bekanntmachnnqen des Köniql. Landrathsamtes.
In dem Gehöft des Landwirths Friedrich Geibel in Kesselstadt ist die Geflügelcholera festgestellt worden. Ueber das Gehöft wurde die Sperre verhängt.
Hanau den 26. März 1902.
Der Königliche Landrath, v. S ch e n ck.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: Im Laden Marktplatz 13 ein Regenschirm stehen geblieben; Empfangnahme daselbst. 1 unechter Trauring gez. I. B.
Verloren: 1 gold. Medaillon. 1 silberner Griff von einem Regenschirm.
Vom Wasenmeister am 26. d. Mis. e i n g e f a n g e n: 1 brauner Jagdhund mit weißer Brust uud weißgefleckten Vorderbeinen, m. Geschl.
Hanau den 27. März 1902.
Aus Stadt und Cand.
Hanau den 27. März.
Lokal-historische Notizen.
28. März 1736 starb der letzte Graf von Hanau, JohannReinhard, 70 Jahre alt. Sein einsames Todbett umstanden Fremde, welche auf die Erbschaft warteten: der Hessen-Kassel'sche geheime Leaationsrath Rau von Holzhauien und der Hessen - Darmstädtische Regierungsrath Teufels on B i r k e n s e e nebst deren Begleitern. Stadt und Säloß, alle Treppen und Gänge desselben bis vor die ^hür des Sterbezimmers waren mit Hessen-Kassel'schen Truppen stark besetzt. Schon seit einigen Tagen war auf das langsam sich nähernde Erlöschen der schwachen Lebensflamme des Greises gewartet, von den geschäftseifrigen Desitzergreifern und Notarien gelauert worden. Als sie endlich abends 6'/, Uhr erlosch, war das einzige Wort, welches sich über dem Haupte des entschlummerten Landesherrn hörbar machte, der Ruf des hessen-darmstädtischen Arztes Filgus: „Es ist aus!" und alsbald folgte mit lauter Stimme die Besitzergreifung von dem Mobiliar durch den Herrn Teufel von Birkenste. So erlosch das alte Grafenhaus Hanau. — Die Hanau - Münzenbergi- schen Lande kamen an Hessen-Kassel, zunächst an den damaligen Statthalter Wilhelm (VIII.), die Hanau- Lichtenbergischen Lande an Hessen - Darmstadt. Die Lichtenbergischen Lande gelangten dann 1803 infolge des Friedens von Lüneville an Frankreich und sind in dessen Besitz geblieben bis zum Frankfurter Frieden, also jetzt wieder deutsch.
Beamtenpersonal-Nachrichten.
Ernannt: der Gerichtsschreibergehilfe, Assistent Engelke bei dem Amtsgericht in Hofgeismar zum Gerichtsschreiber beim Amtsgericht in Steinbach-Hallenberg.
Bestellt: der Landrath, Geheime Regierungsrath Freiherr von Dörnberg in Cassel zum geschäftsleitenden Mitgliede der Direktion des reformirten Waisenhauses und zum Direktor der Prinz Georg-Stiftung daselbst.
Versetzt: der Gerichtsasstssor Dr. Kellerhoff in den Bezirk des Oberlandesaerichts zu Hamm, der Gerichtsschreiber, Sekretär Ritzel in Birstein an das Amtsgericht in Becker- Hagen, der Gerichtsassessor Freiherr Hitler von Gärtrin- gen aus dem Kammergerichtsbezirk in den Oberlandesgerichtsbezirk Cassel, der Gerichtsschreiber, Sekretär Hucke in Greben- stein an das Amtsgericht in Schmalkalden, der Gerichtsschreiber« gehilfe, Assistent Schwedhelm in Rotenburg a/F. an das Amtsgericht in Hofgeismar, die Telegraphendirektoren Brandes von Leipzig nach Cassel, Dous von Cassel nach Leipzig, der Postsekretär Völker von Cassel nach Berliu, der diäia- rische Meliorations-Bauwart Weber vom MeliorationsBauamt in Cassel zum Meliorations - Bauamt in Bromberg, der Bademeister und Maschinist Dörhöfer zu Bad Weilbach als Bademeister nach Bad Nenndorf.
* Redaktionell. W Des Charfrettags wegen erscheint die nächste Nummer unseres Blattes erst Samstag den 29. März zur gewohnten Stunde.
* Der grüne Donnerstag. Die Bezeichnung „grüner Donnerstag" stammt aus dem zwölften Jahrhundert, doch wurde dieser Tag schon am Ende des siebenten Jahrhunderts als Gedächtnißtag der Einsetzung des heiligen Abendmahls begangen. Der Name kommt nach einigen von der altgermanischen Sitte, an diesem Tage grüne Frühlingskräuter auf« zutragen und zu genießen, welche noch hier und da herrscht; nach andern daher, weil der Gottesdienst an diesem Tage wie an den Sonntagen der Fastenzeit mit Psalm 23, 2 begonnen worden sei: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser"; nach andern von der Zulassung der Katechumenen zum Abendmahl oder der Wiederaufnahme der Exkommunizirten, als der Grünen, an diesem Tage. Viele auf Aberglauben beruhende Gebräuche und Volksmeinungen weisen zurück auf den ursprünglich heidnischen Charakter des grünen Donnerstages, den unsere Vorfahren dem Donnergott« Donar oder Thor geweiht hatten. Während Wodan der Gott der Krieger und Freien war, nahm jener sich der Bauern und Knechte an. Er machte die Erde fruchtbar und schützte den Menschen gegen verderbliche Naturkräfte. Darum schreibt man dem ihm geweihten Tage einen besonderen Einfluß auf Säen und Pflanzen zu. An diestm Tage gepflückte Kräuter haben — so heißt es im Volksmunde — große Heilkräfte und bewahren das ganze Jahr hindurch vor Geldmangel; Nesseln schützen von Blitzschaden. Aber Brod backen darf man zu dieser Zeit nicht, sonst regnet es an dem Orte das ganze Jahr hindurch nicht mehr. Eier, die am grünen Donnerstage gelegt sind, sollen wunderbar und nicht wie andere Eier sein. Ein solches Ei ist zu vielen Dingen nütze, namentlich wenn es mit Donars Farbe (roth) bemalt ist. Wer ein solches Ei in der Tasche trägt, beut wird vieles offenbar, was andern Sterblichen verborgen bleibt. In manchen Gegenden läßt man Gründonnerstags-Eier gern ausbrüten, denn daraus schlüpfen buntscheckige Hühner, welche noch die Eigenthümlichkeit haben, daß sie jedes Jahr die Farbe wechseln. Die Nadel muß am Gründonnerstage ruhen, weil sonst beim nächsten Gewitter das Haus zerstört wird. Die Nacht vom grünen Donnerstag zum Charfreitag gilt Abergläubischen als besonders günstig für Sympathiekuren, weshalb die in solchen Dingen erfahrenen Personen in dieser Nacht viel besucht werden.
* Charfreitag. Ueber die christliche Welt liegt der Ernst innerer Einkehr ausyrbreitet, ein ahnungsvolles Hoffen breitet sich am Tage der Erinnerung an den Tod des Welt- Erlösers über die Menschheit, ein Hoffen auf die Befreiung der Seele, auf die Auferstehung des Geistes aus der Nacht des Dunkels zum ewigen Lichte. Wie in dem Gedächtniß an den im Felsengrabe schlummernden Heiland die Wiederaufer- stehung zum Leben unserm Herzen zum Bewußtsein geführt wird, so vollzieht sich in der noch die Spuren des Wintertodes tragenden Natur ebenfalls die Wandlung zu verjüngtem Leben, so erfüllt uns Menschen selbst das beseligende Gefühl eines neuanbrechenden Frühlings in unserm irdischen Dasein. Den Winter, der uns vor wenigen Tagen noch umgab, hat die Frühlingskraft besiegt; Wald und Flur legen den winterlichen Hermelin ab und kleiden sich in das grünfrische Gewand des Lenzes. Und wie Keime und Kno'pen, Blätter und Blüthen der Erde wärmenden Mutterschooß, der Rinde einhüllende Decke sprengen und verlassen, so schält sich auch der
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 10 Seiten.
Mensch aus den Winterhüllen heraus, entflieht der Enge der Häuser und badet seine Brust in freier Luft, seine Augen in wohlthuendem Grün. Es „aufersteht" die Natur, und „auferstehen" werden wieder Hofsiungen und Lebensmuth für die, welche mit der Härte des Winters den Kampf der Noth zu kämpfen hatten. Licht und Wärme verbreitet für jedes Erden - kind das große Gestirn, und wen Kummer und Sorge drückt, dem wird das Herz wieder weit und hoffnungsreich, der tritt, von neuem gestählt, von neuem durchdrungen von Gottes ewiger Allmacht und Liebe, wieder muthig in das Leben hinein.
* Gesellen-Prüfnng. Diejenigen Lehrlinge, welche das Steinmetzehandwerk erlernt und demnächst ihre Lehrzeit beendet haben, werden ersucht, sich baldigst bei dem Vorsitzenden der Prüfungskommission, Herrn Karl Thoru, Zimmermeister, Vor der Kinzigbrücke 18, anzumelden.
* Kreistag des Landkreises Hanau. Im Sitzungssaale des Kreisausschusses dahier fand gestern Mittag eine Sitzung des Kreistages statt. Zunächst wurde der Kreishaushaltsetat für 1902 festgestellt. Im Ordinarium betragen die Einnahmen und Ausgaben Mk. 204 000, im Extraordinarium Mark 187 500. Beim Etat der Sammelwasenmeisterei balan' ziren die Einnahmen und Ausgaben in der Summe von Mark 72 570 ; hierin ist der Betrag von Mk. 65 000 für Bau und Einrichtung der Anstalt eingeschlossen. Der Kreishaushaltsetat sieht bei den Ausgaben u. a. vor: Mk. 84 300 für Unterhaltung der Landwege wie im Vorjahre; Mk. 150 zur Belohnung landwirthschaftlicher Dienstboten; Mk. 500 zur Einrichtung und Ergänzung von Wanderbibliotheken; 300 Mark für Beihilfen zur Förderung des Obstbaues und Abhaltung von Wandervorträgen; 1000 Mk. zur Vertilgung der Raben; 11000 Mark für die außerordentliche Armenpflege ; 600 M. Zuschuß an die Kinderheilanstalt Bad Orb; 1200 Mk. Zuschuß zu den Kosten der Verpflegungsstation. An Bezirkssteuern werden voraussichtlich gezahlt Mk. 38 000. Weiterhin hatte sich der Kreistag mit der Begutachtung einer vom Kom« munallandtage angeregten Frage auf eventl. Abänderung des Reglements für die hessische Brandversicherungs-Austalt hinsichtlich des auf Gefahrenklassen beruhenden Systems der Brandsteuer-Einschätzung zu beschäftigen. Einhellig sprach sich der Kreistag für Beibehaltung des seitherigen Systems aus. Ferner wurde der Kreisausschuß ermächtigt, für die im Juli d. I. in Wilhelmsbad abzuhaltende Kreis-Thierschau zu Prämiirungs- zwecken einen Beitrag bis zur Höhe von 400 Mk. u. zu Zwecken des land w. Winterschulwesens an die Landwirthschaftskammer einen Beitrag bis zur Höhe von 300 Mark zu leisten.
* Reichsbanknebenstellen. Am 21. April d. I« wird in Elmshorn und am 22. April d. I. in Jtzehoe eine von der Reichsbankstelle in Altona (Elbe) abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
^ * Die Herbstmanöver der 21. Division werden sich in diesem Jahre auch zum größten Theile im Kreise Hanau abspielen. Die Bngademanöoer beginnen am 8. September, dann folgen viertägige Manöver der Division und am 18. und 19. September manöoeriren die 21. und 25. Division gegeneinander; der 20. September ist letzter Manöver- tag, woran sich Angriffsübungen an schließen, über die später noch Näheres erfolgt. Als Manövergelände für die 21. Division kommen die Kreise Frankfurt und Hanau, Theile der Kreise Homburg v. d. H. und Gelnhausen, sowie der Provinz Oberhessen in Betracht. Die nördliche Linie dieses Geländes ist Homburg-Petterweil-Okarben-öönstadt-Bindsachsen, sich bis Schlierbach und die bayerische Grenze hinziehend, im Süden wird das Manövergelände an der bayerischen und hessischen Grenze abschließen. — Die 25. Division manöoertrt nördlich von diesem Gebiete, also vornehmlich in oberhessischem Gebiete.
* Erhöhung des Schulgeldes. Das Königl. Pro- vinzial-Schulkollegium zu Cassel bringt zur Kenntniß, daß das Schulgeld an den staatlichen höheren Säulen unserer Provinz — mit Ausnahme des Kaiser-Friedrichs-Gymnastums zu Frankfurt a. M. — vom 1. April d. I. ab für den Schüler um jährlich 10 Mk. erböht wird. — Von der Erhöhung des Schulgeldes am hiesigen Königl. Gymnasium, die mit vorstehendem Erlasse zusammenhängt, haben wir bereits vor 8 Tagen Mittheilung gemacht.
* „Hohe" Gäste. Nachdem vor einiger Zeit schon der Storch-Gemahl eine Jnspizirung seines hiesigen luftigen Sommerfftzes vorgenommen und sich sehr erfreut von der Instandsetzung desselben durch die jetzigen Eigenthümer der früher Leisler'schen Fabrik überzeugt hatte, ist er nach seiner Besitzung in Südafrika zurückgekehrt und hat von dort seine treue Gattin abgeholt. Das „hohe Paar" ist jetzt wieder angekommen und baut eifrigst an seiner Wohnung, um sie für das bevorstehende Brutgeschäst behaglich zu machen. Dem Ein-