Erstes Blatt.
anauer
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General-Anzeiger
Amiger
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantnwrtl. Redakteur: G. Schreckerin Hanau,
Nr. 225.
Fernlvre^anschluts Nr. 605»
Hreitaa den 26. Sevtember.
Fernlvrechanschluß Nr. 605.
1902
Amtliches.
Landkreis ßanau.
Bekanntmachnnsien des Kömql. Landrathsamtes.
Die graste Zahl der durch die diesjährigen Manöver beschädigten Grundstücke macht es unmöglich, die Abschätzung der entstandenen Flurschäden überall so schnell zu bewirken, wie dies von den Betheiligten und auch von den Herren Bürgermeistern gewünscht wird.
Obgleich drei Abichätzungs-Kommisstonen bereits mit der Abschätzung der Flurschäden im Kreise beschäftigt sind und eine weitere Kommission voraussichtlich anfangs nächster Woche ihre Thätigkeit beginnen wird, wird die groste Mehrzahl der von Flurschäven betroffenen Grundbesitzer sich noch einige Zeit gedulden müffen, ehe ihre Entschädigungsansprüche geregelt sind.
Ich mache daher wiederholt daraus aufmerksam, dast uach den bestehenden Bestimmungen in allen denjenigen Fällen, in welchen die Ab- erntung der beschädigten Felder bis zum Eintreffen der Abschätzungs-Kommisfion nicht aus- gesetzt bleiben kann, der Ortsvorstand auf Antrag des Betheiligten die Aberntung nach zu- voriger Vorabschätzung durch ihn in Gemeinschaft mit zwei unparteiischen Ortseingesessenen anzuordnen hat.
Es empfiehlt fich, von dieser Bestimmung hier ausgedehnten Gebrauch zu machen, da der durch das unterlassene rechtzeitige Abernten verursachte Schaden einen Anspruch auf Vergütung nicht begründet.
Die Herren Bürgermeister wollen die be- theittgten Grundbesitzer hierauf in geeigneter Weise besonders aufmerksam machen.
Sofern Vorabschätzungen durch die Ortskommissionen stattgefunden haben, haben die Herren Bürgermeister die Nutzniester der Grundstücke am Tage des Eintreffens der FlurabschätzungsKommission zu der ihnen vom Vorsitzenden der Kommission angegebenen Stunde in das Rath- (Gemeinde-) Haus vorzuladen, damit dort mit denselben über die Höhe der ihnen zu bewilligenden Vergütung verhandelt werden kann. Auch die Ortssachverständigen, welche bei der Vorabschätzung mitgewirkt haben, müffen zur Stelle sein. Erst nach Beendigung dieses Geschäfts wird regelmätzig die örtliche Besichtigung der nicht vorgeschätzten Schäden durch die Flurab- schätzungs-Kommi.ston erfolgen.
Hanau den 26. September 1962.
Der Königliche Landrath.
v. B e ck e r a t h.
Nach Mittheilung des Kön-gk. Polizei - Präsidiums zu Frank'urt a. M. ist die Schweineseuche inPraunheim erloschen. Die angcordneten Sperrmaßregeln sind aufgehoben.
Hanau den 24. September 1902.
Der Königliche Landrath.
V 9288 v. Beckerath.
Unter Hinweis auf die Bestimmung im Artikel 83 Nr. 2 der Anweisung vom 6. Juli 1900 betr. Zu- und Abgänge rc. bei der Einkommen- und Ergänzungssteuer veranlasse ich die Herren Bürgermeister und Gmsvorsteber des Landkreises, die erforderlich werdenden Aussalllist-n über Einkommen- und Ergä-zungssteuer in doppelter Ausfertigung nebst Unterlagen am Schlüsse dieses Monats der Königlichen Kreiskasse einzureichen.
Ich bemerke, daß in die Ausfalliste für das I. Halbjahr
keine Beträge ausgenommen werden dürfen, deren Einzahlung im IL Halbjahr zu erwarten ist.
Hanau den 23. September 1902.
Der Vorsitzende
der Einkommensieuer-Deranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.
v. B e ckerath,
St. 3234 Königlicher Landrath.
Handelsregister.
A. Nr. 111 Firma Fritz Houh & Hugo Thaut in Hanau: Hugo Thaut aus Hanau ist aus der Handelsgesellschaft ausgeschieden. Der verbleibende Gesellschafter Fritz Houy führt das Handelsgeschäft unter unveränderter Firma als Einzelkaufmann fort.
Hanau den 20. September 1902.
Königliches Amtsgericht 5. 16421
Bekanntmachung der Hanauer Ortskrankenkasse.
Morgen Samstag den 27. September bleibt die Kasse von nachmittags 3 Uhr ab geschlossen.
Die öffentlichen Dienststunden dauern deshalb morgen von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags ohne Unterbrechung.
Krankenscheine werden bis spätestens 2^2 Uhr eingelöst. Hanau den 26. September 1902.
Der Vorstand der Hanauer Ortskrankenkaste.
Ph. Müller, Vorsitzender. 16440
Hue Stadt und Land.
Hanau, 26. September.
* Zählung der Reisenden. Nach Beendigung der Sommerfahrplanperiode wird nunmehr auch für die Winter- fahrplanperiode 1902 03 eine Zäblung der Reisenden an folgenden Tagen stattfinden: am 22., 23., 24. Okiober, 10., IL, 12. Dezember und am 11., 12. und 13. Februar 1903.
* Rentenquittungen. Vom 1. Oktober ab dürfen zu Rentenquittungen nur noch Formulare aus farbigem Papier verwendet werden, und zwar für Altersrenten hellbraunes, für Invalidenrenten hellgrünes, für Krankenrenten hellgelbes, für Beitragserstattungen bellblaues.
* Die offizielle Gewinnliste der Frankfurter Pferde- und Equipagen-Verloosung liegt zur Einsichtnahme der Jnter- essernen in unserem Redaktionsbureau aus.
* Bezirksschornsteinfeger. Im „Amtsblatt" Kgl. Regierung zu Riffel ist eine Anweisung über Anstellung und Prüfung der Bezirksschornsteinfeger, mit dem Tage der Verkündigung in Kraft tretend, erlassen worden.
* Von der Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte in Carlsbad. Am zweiten Tage der Versammlung wurde in der Abtheilung für Chirurgie über das wichtige Thema der Gallen st einkrankheit verhandelt. Die Verhandlungen boten dadurch ein außergewöhnliches Interesse, daß gerade diejenigen Chirurgen zu Worte kamen, welche sich im letzten Jahrzehnt mit den Erscheinungen, der Diagnose und der Behandlung dieses Leidens am eingehendsten beschäftigt haben. Dieselben wurden mit einem Vortrage des Herrn Prof. v. Büngner (Hanau): „Zur Anatomie und Pathologie der Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse" eröffnet. Vortragender gab im Anschluß an frühere Mittheilungen über die Behandlung des Gallensteinleidens, besonders über die Judicationsstellung zur intern- balneologischen Therapie einerseits und zum chirurgischen Eingriff andererseits, auf Grund zahlreicher eigener Untersuchungen einen Ueberblick über das feinere Symptomenbild der Erkrankungen des Gallensystems und über die Erkennungszeichen der Letzteren gegenüber den Krankheiten der Bauchspeicheldrüse, mit denen sie häufig verwechselt werden. Es folgte ein Vortrag des Herrn Prof. Riede! (Jena): „Ueber den pathologisch- anatomischen Befund bei dem ersten Anfälle von Gallenstein- kolik" ; ferner Vorträge des Herrn Prof. K e h r (Halberstadt), welcher einen Ueberblick über sämmtliche von ihm ausgeführte Gallenstein-Operationen bot, des Herrn Prof. Körte (Berlin) und des Herrn Dr. Fink (Carlsbad), welche über ihre Erfahrungen bei Gallenstein-Operationen, sowie bei chirurgischen Eingriffen wegen anderer Erkrankungen am Gallensystem berichteten. Zum Schluß demonstrirte Herr Riede! (Jena) zwei Patienten mit noch bestehender Infektion der Gallenwege. Eine anregende Diskussion, an welche sich sämmtliche genannten Chirurgen betheiligten, bildete den Abschluß der interessanten Verhandlungen.
* Die evangelischen Jünglingsvereine aller Länder haben sich schon seit längeren Jahren zu einem großen Bund vereinigt, der sich über alle Erdtbeile erstreckt. Am 23. und 24. August d. Js. haben sich die Vertreter dieses Bundes zur 16. Weltkonferenz in C h r i st i a n i a, der Hauptstadt von Norwegen, versammelt. Den Vorsitz führte Prinz Oskar B e r n e d 0 t t e, der zweite Sohn deS Königs, der selbst unter der jungen Männerwelt thätig mitarbeitet. Ueber 600Deputirte aus verschiedenen Ländern, dazu allein 250 aus Deutschland, waren dazu entsandt. An der Versammlung haben 2000 Personen theilgenommen. Diese Konferenzen stärken die Liebe zur Sache und das Gefühl der Zusammengehörigkeit, und befruchtende Anregungen gehen von einer Nation auf die andere über. Der W e st deutsche I ü n g- l i n g s b u n d, dem die Jünglingsvereine des Mainkreises angehören, war durch seinen Bundesagenten Dränen vertreten. Derselbe wird ack Sonntag Abend im hiesigen Vereinsh ause über die Lage der Jünglingsvereine und besonders über diese große Konferenz in Christiania Bericht erstatten. Jedermann ist freundlich zu dieser Versammlung eingeladen.
* Stadttheater. Ueber Frl. Elisab. T 0 r a n, die neu engagirte Darstellerin der 1. Liebhaberin, welche am Sonntag erstmalig auftritt, schreibt die „Kieler Zeitung" gelegentlich ihrer „Maria Stuart": „Wenn die Künstlerin schon in ihren Mitteln Alles mit auf die Bühne bringt, was die Sympathie des Zuschauers für die unglückliche Schotten- Königin zu steigern vermag: eine jugendlich vornehme Erscheinung, mit der Allüre und Bewegung harmonirt, sowie ein Organ, das den Schiller'schen Vers — wir möchten vor Allem auf die meisterliche Beherrschung der dithyrambischen Intermezzi zu Anfang des dritten Aktes aufmerksam machen — zur vollen Geltung bringt, so gewinnt alle diese Äußerlichkeit doch erst Leben und Bedeutung durch die Kraft, die Fräulein T 0 r a n aus der Tiefe ihrer nachschaffenden Künstlerseele hervorholt. Wir haben stets die Empfindung gehabt, daß die Stärke der Dame auf dem Gebiet der modernen Schauspielkunst liege; als „Maria Stuart" aber hat sie uns deutlicher als je zuvor ihre Begabung auch für den hohen Kothurn bewiesen. Was die Künstlerin bot, war eine Figur aus einem Guß, frei von übertreibender Pose und doch machtvoll in der Wiedergabe jeder Seelenregung, von der resignirten Ergebenheit in ihr Schicksal durch Hoffen und Bangen, durch Verzweif ln und momentane sonnige Freude, durch demüthiges Unterwerfen und zitterndes Flehen um Gnade bis zur fessellosen Leidenschaft der im Va banque Triumphirenden im Park von Fotheringbay."
* Oberst Schiel. Der jetzt veröffentlichte Appell der Burengenerale an das Mitgefühl der civilisirten Welt hat die kriegerischen Ereignisse in Südafrika, das jahrelange Kämpfen des kleinen Burenvolkes um seine Unabhängigkeit in unserer schnelllebigen Zeit wieder neu dem Gedächtniß zurückgerufen, was sich am besten durch den zahlreichen Besuch dokumentirte, den der gestrige Vortrag des Obersten Schiel im Saale der Turnhalle aufzuweisen batte. Herr Oberst Schiel, Führer des deutschen Korps im AnfangSstadium des Burenkrieges, eine martialische Erscheinung, griff in seinem Vortrag zurück auf die Vorgeschichte des Burenvolkes, um ein getreues Bild der Vorgänge geben zu können, die zu den wiederholten Kämpfen mit England führten. Im zweiten Theil seines Vortrags ging Herr Oberst Schiel nach einer Darlegung der vor dem Ausbruch des Krieges vorbandenen militärischen Organisation der Transvaal-Republik näher auf die kriegerischen Ereignisse ein, behandelte die Vorgänge während der Schlacht, in der er verwundet und gefangen genommen worden war, sowie unternommene Fluchtversuche. Die eingehenden schlichten Darlegungen fanden ersichtlich großes Interesse. Zum Schluß wies er auf den schon erwähnten Austuf der Burengenerale hin und wünschte demselben reichen Erfolg.
* Ober-Kriegsgericht. Der Sergeant Friedrich F. von der 3. Esk. 6. Thür. Ulanen-Regiments (Hanau) hat a n Morgen des 6. August in der Baracke 38 auf dem Gries- heimer Exerzierplätze den Ulan Weß, der, anstatt im Stalle zu sein» im Bett lag, mit einem Kandarenzügel, wie es in dem Urtheil des Kriegsgerichts vom 30. August heißt, geschlagen. Ein Gefreiter hatte bei der Mißhandlung die Thüre von außen geschlossen. Nach ärztlichem Befund war der Ulan über und über mit Striemen bedeckt. Auf dem Kopf befanden sich Beulen und Löcher. Das Kriegsgericht hat gegen den Sergeanten auf 2 Monate Gefängniß erkannt. Das war ihm zu viel, dem Gerichtsherrn zu wenig. Der Vertreter der Anklage beantragte in der gestrigen Sitzung des Ober-Kriegsgerichts 4 Monate. Das Ober-Kriegsgericht verwarf beide Berufungen.
* Für Schüler der höheren Schulen hat Herr Sprachlehrer Chr. Dippel wieder Ferienkurse ringe«