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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev,

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecke; in Hanau,

9?t. 171» Fernsprechanschluß Nr. 605»

Freitag den 25. Juli.

Fernsprechanschluß Nr. 605. 1902

Amtliches.

Stadtkreis Danau.

Die Herren Minister für Handel und Ge- werbe und des Innern haben die Vornahme statistischer Erhebungen über die Dauer der im Fleischergewerbs üblichen täglichen Arbeitszeit einschließlich der Sonntagsarbeit und der Ruhepausen angeordnet.

Zu diesem Behufe werden für alle in der Stadt Hanau vorhandenen Betriebe des Fleischer­gewerbes, welche gewerbliche Gehilfen oder Lehr­linge beschäftigen, Fragebogen zur Ausgabe ge­langen und zwar für die Hälfte der Be­triebe an die Arbeitgeber, für die andere Hälfte an je eine« gewerb­lichen Gehilfen.

Die Scheidung der Betriebe erfolgt in der Weise, daß die Geschäfte in alphabetische Reihen­folge nach Anfangsbuchstaben der Firmen ge­bracht und daß der ersten Hälfte dieser Reihe die Fragebogen für Arbeitgeber, der zweiten die Fragebogen für Gehilfen zugewiesen werden.

In Betrieben mit mehreren Gehilfen haben sich die Letzteren darüber zu einigen, wer von ihnen die Fragebogen behufs Beantwortung in Empfang nehmen soll, andernfalls der Frage­bogen dem schon am längsten im Betriebe thätigen Gehilfen ausgehändigt werden wird.

Die Fragebogen werden am 26. d. Mts. durch die Revierschutzleute zugestellt und am 2. August d. Js. wieder abgehE werden. Ich ersuche, die Fragebogen bis zum Abholungstage mit größter Sorgfalt auszufüllen.

Hanau den 24. Juli 1902.

P. 7454. Königliche Polizeidirektion.

I. B.r Schneider, Kreissekretär.

Candkreis Danau.

Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.

In Lkarben, Kreis Friedberg, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und sind die angeordneten Sperr- maßregeln aufgehoben morden.

Hanau den 24. Juli 1902.

Der Königliche Landrath.

V 7131 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.

Bei einem von dem Metzger Joseph Maikler in Groß- krotzenburg geschlachteten Schweine sind die sogen. Backstein- blattern (Rothlauf) festgestellt worden. Ueber das Gehöft des Genannten wurde die Sperre verhängt.

Hanau den 25. Juli 1902.

Der Königliche Landrath.

I. A.: Schneider, Kreissekretär.

Stadtkreis Danau,

Bekanntmachungen des Oberbnrgermeisteramtes.

Diejenigen, welche noch mit der Ausfüllung und Rück­gabe des ihnen übersandten Formulars betr. Neueinschätzung der landwirthschaftlichen Betriebe zur Unfallversicherung im Rückstände sind, werden hierdurch aufgefordert, bei Vermeidung von Ordnungsstrafen die ausgefüllten Formulare umgehend auf dem Arbeitsamts, Längste. 41, abzugeben.

Hanau den 23. Juli 1902.

Der Oberbürgermeister.

J. V.: Bode. 12728

Verding.

Die Herstellung eines 213 Meter langen erhöhten Fußsteiges an der HanauFuldaer-Straße im Orte Langenselbold soll vergeben werden und ist hierzu Termin auf

Mittwoch den 30. d. Mts., vormittags 9 Uhr, auf dem hiesigen Landesbauamt anberaumt.

Die Bedingungen sind ebenda einzusehen und von dort auch die Verdings-Unterlagen zu beziehen.

Hanau am 21. Juli 1902.

Wohlfarth,

Königlicher Baurath. 12690

Das Urtheil im Leipziger Bankprozeß.

Auch der zweite große Bankprozeß ist nunmehr zu Ende. Viel härter als im Sandenprozeß lautete hier das Urtheil: Der Hauptschuldige, Exner, erhielt 5 Jahre Zuchthaus und ebenso viel Ehrverlust, der zweite Direktor, Gentzsch, 3 Jahre Gefängniß, während die Aufsichtsraths-Mitglieder mit Geld­strafen von verschiedener Höhe davon kamen. Sofort erhebt sich in manchen nicht genügend unterrichteten und wenig sach­verständigen Kreisen die Frage, wie war es möglich, daß Sanden so verhältnißmäßig leicht und Exner vergleichsweise so schwer bestraft wurde? Ist das Verbrechen Beider denn nicht gleich groß, haben sie nicht Beide zahllose Menschen ins Elend gestürzt? Und daran schließt sich dann oftmals eine höchst unbillige und unverständige Kritik an der Praxis unserer Rechtsprechung. Diese Kritik ist durchaus zurückzuweisen.

Gewiß war es schwer, den beiden langwierigen Prozessen zu folgen und den typischen Unterschied in der Handlungsweise der betreffenden Angeklagten richtig herauszuschälen. Dennoch besteht dieser Unterschied, und er war ausschlaggebend für den Urtheilsspruch. In Sanden halte man es weniger mit einem bewußten Verbrecher, als mit einem maßlos leichtsinnigen Menschen zu thun, dessen unverwüstlicher Optimismus ihn zu immer weiteren Sanirungsversuchen seiner kranken Bank ver­leitete, ohne daß ihn jemals die Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang verließ. Anders Exner; er wußte, was er that, als er der Casseler Trebertrocknungs-Gesellschaft den unge- meffenen Kredit einräumte.

Anfangs mag er noch in gutem Glauben an die Lebensfähigkeit des Casseler Unternehmens gehandelt haben, damals als er Anfang 1896 der Trebertrocknungs-Gesell­schaft einen Kredit ' von 200 000 Mk. einräumte; von oem Augenblick an aber, wo die LeipzigerBank die Erhöhung des Grundkapitals der Caffeler Gesellschaft von IVi auf 3 Millionen Mark und weiter auf 6 Millionen finanzirte, da beginnt das Verbrechen Exners. Das war schon nicht mehr Leichtsinn, Exner mußte wissen, daß eine so unbegrenzte Kredit-Gewährung an ein Institut, dessen wankende Grund­lagen ihm schwerlich noch verborgen geblieben sein konnten, das Bestehen seiner eigenen Bank aufs ärgste gefährdeten, dennoch hielt er nicht inne, er betheiligte sich vielmehr noch weiter an Gründungen von Tochtergesellschäften, sodaß die Leip­ziger Bank Ende 1898 nicht weniger als 28 Millionen Mark allein in den Unternehmungen der Trebertrocknungs-Gesellschaft festgelegt hatte. /

Hätte die Bank jetzt eingelenkt, so wäre ihr Bestehen, wenn auch mit Opfern, ermöglicht worden. Exner entschloß sich nicht dazu, er ging immer weiter, so daß binnen Kurzem die En­gagements auf die gewaltige Höhe von 87 Millionen Mark anschwollen. Um diese riesenhaften Verbindlichkeiten zu ver­heimlichen, griff Exner zu einem überaus verwickelten System von Konten, in denen die verschiedenen Engagements versteckt wurden. Die Bilanzen wurden auf die. raffinirteste Weise frisin", falsche Auskünfte über die Lage der Trebertrocknungs- Gesellschaft wurden an andere Banken ertheilt und diese da­durch geschädigt, kurz es entstand ein Gewirr von verbrecheri­schen Manipulationen. Und diese Manipulationen kannte Exner nicht nur, nein er begünstigte sie, veranlaßte sie selbst in vollem Bewußtsein, ein Verbrechen zu begehen. Das ist der große Unterschied seiner Handlungsweise und der Sandens. Mag sein, daß der Direktor Schmidt von der Casseler Gesell­schaft sein böser Geist war, dessen Einfluß er sich nicht ent­ziehen konnte. Bestehen bleibt doch, daß er b e w u ß t han­delte, daß somit sein schließlicher Bankerott ein betrügerischer gewesen ist.

Das Alles wurde bei der Strafabmessung mit vollem Rechte in Rechnung gezogen, darum mußte seine Strafe soviel härter ausfallen als die Sandens. Statt unsere Rechtsprechung zu tadeln, sollte man ihr vielmehr das höchste Lob zollen. Daß sie sich durch keine Winkelzüge der Angeklagten von ihrer Ueberzeugung abbringen ließ, daß es sich hier um nichts anderes als betrügerischen Bankerott handle, und daß sie dementsprechend die Strafe bemaß.

Hub Stadt und Cand,

Hanau, 25. Juli.

Lokal-historische Notizen.

25. Juli 1491. Heftiger Orkan, welcher in vielen Gegenden die größten Verwüstungen anrichtete und in Hessen unter andern in dem Dorfe Langendorf bei Ge- münden die Kirche, sowie alle Häuser, Scheunen und sonstigen Gebäude gänzlich zertrümmerte mit Ausnahme eines einzigen geringen Häuschens, in welches man die Kinder des Dorfes in Sicherheit gebracht hatte.

25. Juli 1798 wurde geboren Wolfgang Ernst, Fürst zu Jsenburg-Birstein, Sohn des Fürsten Carl Friedrich Ludwig Moritz, dem er am 21. März 1820 folgte, anfangs (bis 1823) unter der Vormundschaft seiner Mutter.

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* Johanneskirchs. Vom nächsten Sonntag ab fällt bis auf Weiteres der Nachmittags-Gottesdienst aus, der aus die Morgenstunde von 89 Uhr verlegt worden ist. Der Hauptgottesdienst wird wie seither vormittags 91/» Uhr seinen Anfang nehmen.

* Landss-Versicherungs-Anstalt Heffen-Naffau. Der Rechnungs-Abschluß für das vergangene Jahr 1901, wel­cher im Amtsblatt veröffentlicht wird, zeigt, in welch'günstiger Weise sich die Anstalt finanziell weiter entwickelt und die Ver­mögensanlagen wachsen. Eingenommen wurden an Beiträgen: 4 258 392 M., an Zinsen 1016 620 M., Strafgelder gingen 7899 M. ein. Im Ganzen betrugen die Einnahmen 6 318 364 Mark, denen eine Gesammt-Ausgabe von 5 991980 Mark gegenübersteht, so daß ein Kassenbestand von 326 384 Mark verbleibt, unter der Ausgabe sind allerdings 3 505 111 M., welche für neue Vermögensanlagen ausgegeben wurden. An Renten wurden 1 689 402 M. gezahlt, für Heilverfahren 208 751 M., die Verwaltung kostete 183 325 M. Was die Vermögens-Uebersicht anlangt, so betrug das Grundver­mögen 192 367 M., in Werthpapieren anglegte Kapitalien 30 750 953 M., Kassenbestand 326 383 M. Der gesammie Vermögensbestand Ende 1901 war auf die respektable Summe von 31334117 M. angewachsen, darunter Gemeinvermögen 774 828 Mark.

* Geologische Landesanstalt. Aus dem Bericht über die Thätigkeit der Königlichen. Geologischen Landesanstalt zu Berlin für das Jahr 1901 entnehmen wir folgendes: In der Provinz Hessen-Nassau beendete Professor Dr. Rücking die Aufnahme von Blatt Kleinsaffen, Major a. D. Dr. v. Seyfried schloß das Blatt Schlüchtern ab und begann die Aufnahme der Blätter Steinau und Oberzell. Professor Dr. Kayser führte zunächst eine Reihe von Orientirungstouren auf den neu übernommenen Blättern Buchenau, Gladenbach und Rodheim aus; von letztgenanntem Blatte wurde sodann ein größerer Theil ausgenommen. Geologe Dr. Lotz untersuchte die Legirungsverhältnisse der Rotheisensteingruben des Berg­reviers Dillenburg zum Zwecke der Lagerstättenbeschreibung für die Erläuterungen der Blätter Dillenburg, Herborn, Ober- scheld und Ballersbach. Geologe v. Reinach stellte das Blatt Homburg fertig und begann die Aufnahme der Blätter Gemünd und Usingen. Landesgeologe Dr. Leppla schloß die Blätter Algenroth und Caub ab. Professor Dr. Holzappel unterzog das Blatt St. Goarshausen einer Schlußrevision. Dr. Lang begann die Aufnahme des Blattes Felsberg. Den Arbeits­plan für 1902 haben wir gestern veröffentlicht.

* Die Pforzheimer Schmuckwaaren-Jndustris. In dem Jahresberichte der Pforzheimer Handelskammer wird u. a. ausgeführt: Der Geschäftsgang der Schmuckwaaren- Jndustrie war besonders gegen das Ende des Berichtsjahres nachteilig beeinflußt von der allgemeinen Krise und zeitigte hauptsächlich einen Rückgang im Umsatz auf dem deutschen Markt. Gerade der November, sonst ein guter Monat für die Bijouterie, lag ungemein still. Zum Glück gelang es trotz mancher widriger Verhältnisse, das Exportgeschäft ungefähr auf der Höhe des Vorjahres zu halten. Die erzielten Preise waren zum Theil wenig lohnend, weil trotz der starken Er­höhung der Preise für Brillanten, Rosen und Perlen die Fabrikatpreise eher noch gedrückt und die Zahlungsweise schlechter wurde.

** Vornahme statistischer Erhebungen im Fleischergewerbe. Die Herren Minister für Handel und Gewerbe und des Innern haben die Vornahme statistischer Erhebungen über die Dauer der im Fleischergewerbe üblichen täglichen Arbeitszeit einschließlich der Sonntagsarbeit und der täglichen Ruhepausen angeordnet. In Ausführung dieses Beschlusses werden für die Betriebe des Fleischergewerbes, in denen Gehilfen oder Lehrlinge beschäftigt werden, am 26. d. Mts. durch die Revierschutzleute Fragebogen ausgetheilt und am 2. August wieder abgeholt werden. Die Erhebung geschieht in der Weise, daß die Hälfte der Fragebogen durch die Meister, die Hälfte durch die Gehilfen ausgefüllt werden. Das Nähere hierüber befindet sich im amtl. Theil.

* Der Diamantenzoll kam in der gestrigen Sitzung der Zolltarifkommission zur Verhandlung. Näheres ist unter Politische Rundschau" zu ersehen.

* * Einbruchsdiebstahl. Ein sehr frecher Einbruchs­diebstahl wurde gestern Morgen gegen 8 Uhr in der Wohnung des Herrn Landraths v. Baumbach zu Gelnhausen ausge­führt. Es wurde am Hellen Tage in der Wohnung ein Be­hälter erbrochen, wobei dem Einbrecher etwa 50 Mk. Wechsel-