Erstes Blatt.
Hanauer U Anreiger
Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, r.
General-Anztiger.
Amillkies Organ für Stadt- und Landkreis Lanan.
EinrückungSgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Nr. 145.
Fernsprechanschluß Nr. 60'
Mittwoch den 25. Juni.
Fernsprechanschluß Nr. 605
1902
Amtliches
Landkreis Danau.
Belanntmachnngen des Königl. Landrathsamtes.
Zur Belohnung landwirthschaftlicher Dtenst- boten stehen wiederum 150 Mark aus Kreismitteln zur Verfügung.
Bei Vertheilung dieses Betrages können nur solche Personen berücksichtigt werden, welche mindestens 15 Jahre im Landkreis Hanau in ein und demselben landwirthschaftlichen Betriebe treu gedient und in den letzten 5 Jahren eine Belohnung vom Kreise nicht erhalten haben.
Etwaige Anträge auf Gewährung einer solchen Belohnung sind unter Vorlage deS Dienstbuches und eines Führungszeugnisses der Arbeitgeber — durch Vermittelung der Herren Bürgermeister — bis zum 1. August d. Js. hierher ein- zureichen.
Hanau den 21. Juni 1902.
Der Königliche Landrath.
J.-Nr. A 2844 v. Schenck.
Bekanntmachung.
Das Königliche Proviant-Amt in Hanau kauft bereits gut gewonnenes Pferdeheu neuer Ernte; auch wird der Ankauf von Roggen-Flegel- und Roggen-Maschinenstroh nach Maßgabe der vorhandenen Lagerräume fortgesetzt.
Beide Strohsorten müssen gesund, trocken, ohne Mäuse- fraß, Abfall, Gemüll oder Spreu, glatt gelegt und fest ge- bunden sein. Bei Bahnsendungen ist die Adresse für den Frachtbrief: Hanau Bahnhof Nord. Die Abfuhr von der Bahn wird für Rechnung des Verkäufers übernommen und kostet der Zentner Heu oder Stroh 15 Pfennig. Bei gutem Wetter kann jeden Tag geliefert werden. Weitere Anfragen sind an das Proviant-Amt in Hanau zu richten.
Hanau den 18. Juni 1902.
Der Königliche Landrath.
V 5944 v. Schenck.
Stadtkreis hanau. Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Städtisches Wasserwerk.
Diejenigen, welche mit Zahlung des Wassergeldes und der Kanalbetriebsgebühr für April/Juni d. J. noch im Rückstände sind, werden hierdurch aufgefordert, diese Rückstände bis zum 7. Juli bei unserer Kasse, Leipzigerstraße 9,
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Feuilleton.
Soli der JMlällms-Kmlsiausstcllmg in Karlsruhe 1902.
II.
Das Sensationsbild der Karlsruher Ausstellung, in. dem Sinne wie Sascha Schneiders „Um die Wahrheit" in Düsseldorf, ist des Müncheners Fritz Erler „Die Pest". Auch hier ist etwas von der Furchtbarkeit des indischen Heidenthums verkörpert und ein Theil jener verzweifelten Neigung zur „Er- tödtung des Willens zum Leben", die in der letzten Periode der Schoppenhauerschen Philosophie eine Rolle spielt ein Stück buddhistisch fatalistischer Weltanschauung, wie sie vor etwa zehn Jahren in Paris und auch in Deutschland von einigen übersatten kuliurmüden Geistern künstlich gezüchtet wurde. Man wird nie umhin können, die geradezu „stutzenden" Ausdrucksmittel anzustaunen, die solchen Künstlern zur Verfügung stehen, aber trotz allen guten Willens, sich in ihre persönliche Ausdrucksweise einzuleben, bleibt das Herz gegenüber solchen Gebilden leer. Traurig und zur Verzweiflung geneigt, schleicht es davon. Verhältnißmäßig wenig Kunst dieser Art ist in Karlsruhe vorhanden, und man nimmt immer wieder zur Landschaftskunst, vielleicht sogar mit noch besserm Erfolg zur Bildnißkunst seine Zuflucht, um das innere Gleichgewicht, das zuversichtliche Vertrauen zu den Menschen wieder zu finden. Wie viele prächtige Meisterwerke und da nicht zu finden: der markige, fast gewaltherrliche Trubner, der seine Seelenkenner Leibl,' der mit lachendem und weinendem Auge zugleich die Menschen und die Dinge betrachtet hat; Lenbach, bei dem das vielfach mißbrauchte Schlagwort von den „einfachen Mitteln" nie zur Phrase wird, und Hugo v. Haver- mann, der von den Frauen nichts Gutes zu sagen weix.
Andere Meister hingegen wissen von innerlich vornehmer Frauen „Natur und Recht" viel Schönes zu sagen. Da ist
während der Stunden vormittags von 8—12^2 Uhr und nachmittags von 3—5 Uhr einzuzahlen, da vom 8. Juli d. I. die zwangsweise Beitreibung der rückständigen Beträge erfolgen wird.
Hanau den 20. Juni 1902.
Die Wasserwerks-Direklion.
Gäßler. 10958
Bekanntmachung betreffend die Nachversteuerung von Schaumwein.
Nach den vom Bundesrath erlassenen Ausführungsbestimmungen zum Schaumweinsteu-rgesetz vom 9. Mai 1902 hat Jeder, der am 1. Juli 1902 im freien Verkehr befindlichen inländischen Schaumwein im Besitz oder Gewahrsam hat, diesen spätestens am 3. Juli 1902 bei der Steuerhebestelle seines Bezirks (Hauptsteueramt, Steueramt I oder II) schriftlich unter Angabe der Art und Menge und des Aufbewahrungsorts zur Nachversteuerung anzumelden. Schaumwein, der sich am 1. Juli 1902 unterwegs befindet, ist vom Empfänger anzumelden, sobald er in dessen Besitz gelangt ist.
Eine Anmetzrung ist nicht erforderlich für Schaumwein im Besitze von Haushaltungsvorständen, die weder Atts- schank noch Handel mit alkoholischen Getränken betreiben, sofern seine Gesammtmenge nicht mehr als 30 ganze Flaschen oder eine entsprechende Menge von kleineren oder größeren Flaschen beträgt. Konsumvereine, Kasinos, Logen und ähnliche Vereinigungen gehören indessen nicht zu denjenigen Haushaltungsvorständen, welche nach Vorstehendem von der Anmeldungspflicht befreit find.
Wirthe und solche -Personen, die mit alkoholischen Getränken Handel treiben, sowie Konsumvereine, Kasinos, Logen und ähnliche Vereinigungen sind verpflichtet, auch den am 1. Juli 1902 in ihrem Besitz oder ihrem Gewahrsam befindlichen ausländische»» verzollte»» Schaumwein der Steuerhebestelle ihres Bezirks anzumelden. Zur Nachsteueranmeldung sind Vordrucke zu benutzen, welche von der Hebestelle unentgeltlich geliefert werden.
Die Anmeldepflichtigen haben den mit der Nachsteuer-Revision beauftragten Beamten diejenigen Hilfsdienste zu leisten oder leisten zu lassen, welche nöthig sind, um die amtlichen Feststellungen in den erforderlichen Grenzen zu vollziehen. Die bis zum Zeitpunkte der Revision erfolgten Veränderungen des angemeldeten Schaumweinvorraths durch Zu- und Abgang sind den Revisionsbeamten vor Beginn der Revision mitzntheilen und auf Verlangen näher nachzuweisen.
Krankenhäuser und Sanatorien sind den Konsumvereinen, Kasinos, Logen und ähnlichen Vereinigungen gleich zu stellen. Sie haben also sämmtlichen am 1. Juli d. Js. in ihrem Le
der längst verstorbene Anselm Feuerbach, der den Menschen seiner eigenen Tage weit, weit voraus war und deshalb von unserer gegenwärtigen Zeit umso besser verstanden wird. Die Karlsruher Meister Hoff und Conz verstehen es, das Lied weiter zu dichten, das Feuerbach vor Jahren anstimmte. Un- gemein sympathisch wirkt das Knabenporträt „Jung denken" von Stockmeyer; Ottilie Röderstein und Dora Hitz ringen miteinander um die Palme der Meisterschaft echt weiblicher und darum vollwerthig menschlicher Ausdrucksmittel im Porträt; von Ottilie Röderstein darf man sagen, daß sie niemals akrobatisch wird, wie es bei Damen in der Kunst so unendlich oft vorkommt. Unter den Ausländern fesselt besonders der Londoner John Lavery durch seine Damenbildnisse. Er versteht es, jenen Stich ins Dekadente, Katzenhafte meisterhaft zu treffen, das zweifellos an seinen Originalen oft genug vorhanden ist. Im Uebrigen schießt unter den Engländern der in Deutschland mit Recht geschätzte Walter Crave den Vogel ab.
Von Franzosen sind Bernard, Courtois, de la Gaubara, Garrido und Gari Melchers mit sehr feinen Bildnissen vertreten; für Italien steht der verstorbene Segantini mit seinen großen Alpenlandschaften in seiner eigens für sie erfundenen Malweise; aus Holland bringt die tüchtige Therese Schwartze ein Bild des Generals Joubert; von den Ungarn und Oester- reichern fesselt am meisten Fülop LLszlä mit jenen sprechenden Bildnissen, die in Berlin wohl bekannt sind; unter den Russen finden sich Benois, Kustodieff und Troubetzkoy, unter den Skandinaviern ragen Liljefors und Sinding hervor; die Spanier Roman Casas und Parlade zeigen, wie reich an hervorragenden künstlerischen Kräften das Vaterland des Velosquez noch immer ist. Belgien ist mit einer großen Sammlung prächtig leuchtender Gemälde vertreten; vor Allem aber begegnen wir hier dem wohlbekannten Bildhauer Konstantin Meunier, der in seinen Arbeitergestalten mit der edeln Haltung siegreich bewußten Menschenthums, mit seiner klar ausgesprochenen Lehre von dem innern Adel aller willig verrichteten Arbeit einen so kräftigen Schlag führt gegen die
sitz oder Gewahrsam befindlichen inländischen und ausländischen Schaumwein zur Anmeldung zu bringen.
Hanau den 23. Juni 1902.
_______Königliches Hanpt-Steuer-Amt. 10927
Gefundene und verlorene Gegenstände 2t.
Gefunden: 1 blau-leinener Beutel, 1 Mitgliedskarte des Marken-Konsumvereins für Peter Lochmann, 1 altes Portemonnaie mit Inhalt.
Verloren: auf dem Wege Infanterie-Kaserne bis Exerzierplatz 1 goldenes Medaillon.
Hanau den 25. Juni 1902.
Hus Stadt und Cand,
Hanau, 25. Juni.
* Obst und Gemnseverwerthungskurse. Die früher in dem pomologischen Garten zu Casse: stattgefundenen Kurse für Obst- und Gemüseverwerthung finden infolge Verlegung dieser Anstalt in diesem Jahre in der Lehranstalt für Obstbau und Obstverwerthung zu Oberzwehren bei Cassel statt. Die Kurse werden auch hier für Herren und Damen getrennt abgehalten und zerfallen in zwei Abschnitte. Der erste Theil des Kursus macht die Theilnehmer mit der Verwerthung des Frühobstes und Frühgemüses sowohl theoretisch als auch praktisch bekannt und vertraut, und der zweite Theil mit der Verarbeitung des Spätobstes und Spätgemüses. Die Dauer für jeden Abschnitt ist für Damen eine viertägige und zwar findet der erste Abschnitt vom 8. bis einschl. 11. Juli statt. Der zweite Abschnitt beginnt am 9. und endigt am 12. September. Die Kurse für Herren sind umfangreicher, da dieselben mehr für den Großbetrieb zugeschnitten sind und ist über Zeit und Dauer dieser Kurse Näheres durch die Verwaltung der Lehranstalt für Obstbau und Obstverwerthung zu erfahren. Die Unterrichtsstunden in den Damenkursen sind so gelegt, daß die Kursisten die Bahnverbindung mit Cassel bequem benutzen können. Die Obst- und Gemüseverwerthung nimmt von Jähr zu Jahr an Bedeutung zu, was ja auch ganz erklärlich ist, denn sie verfolgt den Zweck, die reichen Ernten eines Jahres auf ärmere Erntejahre zu übertragen. Weil sich das Obst und Gemüse in frischem Zustande natürlich nicht so lange hält, ist es nöthig, beide in richtiger, sachkundiger Weise umzuarbeiten, sei es nun in Gelee, Mus, Marmelade, Kraut, Wein, Saft, Pasten, Dörrwaren oder auch durch besondere Behandlung in der alten Form zu erhalten — sie zu konserviren. Die Kurse bieten zur Erlernung alles dieses reichlich Gelegenheit und es wäre sehr wünschenswerth, wenn viel Gebrauch davon gemacht würde, zumal die Kosten der Theilnahme an diesen Kursen — für Unbemittelte unent-
sentimentale Jämmerlichkeit jener Elemente, die alle Arbeit für eine Last, eine Ungerechtigkeit und eine willkürliche Erfindung der leidigen Kultur ansehen. Meunier hingegen weiß, wo die Wurzeln aller Kultur liegen, an seiner Hand wird man zum Miterlebenden in den schlichten und doch so bedeutungsvollen Ereignissen des Aehrenfeldes, des tiefen Dunkels der Kohlengruben, der knarrenden Schiffskrähne, unter denen die Schauerleute mit so erhabener Geduld, so harmonisch ausgeglichenem Kraftbewußtsein hantiren.
Vielerlei wäre noch zu erzählen von der Plastik, von der Jllustrations-Technik und vom Kunstgewerbe nebst Möbelkunst auf der Karlsruher Ausstellung. Man wird aber doch bei größter Ausführlichkeit nicht dahin gelangen, das Thema zu erschöpfen, und eben deshalb kann man nichts Besseres thun, als die Aufforderung zum fleißigen Besuch der Ausstellung recht dringend zu wiederholen.
Barometerstand
mittags 12 Uhr am 24./6. 25./6.