Erstes Blatt.
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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kam.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecke: in Hanau.
Fernsprechanschluß Nr. 605
Freitag den 25. April
Fernsprechanschluß Nr. 605
1902
Amtliches.
Am 20. April d. Js. ist in der Wohnung des Kutschers Lamm im Marstallgebäude des Schlosses Philippsruhe ein Einbruchsdiebstahl verübt, bei welchem neben anderen Sachen 1 Krönungsthaler, 3 Frankfurter Thaler und eine Anzahl österreichische Münzen gestohlen sind.
Gestohlen ist ferner eine Berftcherungspolize der Viktoria. — Das Hofmarschallamt Seiner Königlichen Hoheit des Landgrafen von Hessen hat eine Belohnung von 100 Mark für Denjenigen ausgesetzt, welcher den Thäter derart ermittelt, daß derselbe zur Bestrafung gezogen wird.
Ich ersuche um Recherchen und Anzeige zu den Akten 2 J 406/02.
Hanau den 23. April 1902.
'_______Der Erste Staatsanwalt. 7432
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Fahrradkette. 1 rothbrauner Spazier- p. p,
stock mit Elfenbeingriff mit Monogramm und mit Elfenbeinspitze. 3 Mk. baar. 1 Fuhrwerkslaterne. Am Steigerthurm 2 Strohhüte.
Verloren: 1 schwarze Vorsteckschleife aus schmalem Band.
Entlaufen: 1 dunkelbrauner Jagdhund mit weißer Brust und mit Maulkorb, m. Geschl.
Hanau den 25. April 1902.
Hue Stadt und Cand,
Hanau den 25. April.
Geffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung
vom 24. April 1902.
Anwesend die Herren: Canthal, Vorsteher; Bier, Brüning, Craß, Eberhard, Föll, Dr. Fues, Glaser, Dr. Heraeus, Hoff- mann, Jung, Koch, Kreuter, Küstner, Loßberger, Lucht, Müller, Ott, Roth, Schroeter, Steinheuer, Spatz, Stübing, Schwabe, Treusch, Voltz, Dr. Wagner und Wörner.
Vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr Gebe- schus, Zweiter Beigeordneter Sanitätsrath Dr. Eisenach, Nicolay und Stadtbaurath Schmidt.
Bei Feststellung des Protokolls über die letzte Sitzung beantragt Stadtv. Schwabe eine kleine Korrektur. Dem wird entsprochen.
Städtisches Siechenhaus.
Als erster Punkt der Tagesordnung figurirt die Errichtung eines städtischen-Siechenhauses zwischen dem Klausenwege und den Teichen. Es handelt sich lediglich darum, einen früheren Beschluß endgiltig zum Austrage zu bringen und auch die Platzfrage definitiv zu regeln. Der Referent Herr Voltz hebt zunächst hervor, daß vorläufig 90 Pflegebedürftige zur Unterbringung in dem Siechenhause in Betracht kämen, das Bedürfniß also unbedingt vorhanden sei. Nachdem die früher ins Auge gefaßten Baugrundstücke sich als ungeeignet erwiesen hätten, schlage der Magistrat nunmehr die Errichtung des Siechenhauses auf dem Terrain zwischen dem Klausenwege und den Teichen vor. Der Referent empfiehlt Zustimmung zu der Vorlage. — Stadtv. Wö rner referirt sodann über die Lage der Baustelle. Diese befinde sich in der Verlängerung des Fasaneriemeges, wo noch ca. 250 Meter als Straße anzulegen blieben. Von den hierdurch entstehenden Kosten würde jedoch ein kleinerer Theil wieder als Einnahme zu erwarten sein. Das Gebäude sei mit der Hauptfront nach den Teichen gedacht und solle mit einem zweiten Zugänge vom Klausenwege aus versehen werden. Es seien ca. 800 gm zu bebauen, die dabei entstehenden Kosten schätze er auf 120 000 Mark, wozu noch die Kosten für den Bauplatz zu schlagen seien, diese seien mit 38 000 Mk. anzunehmen; die Herstellungskosten für Kanal und Straße rc. schätze er auf 8800 Mark, sodaß das in Aussicht genommene Unternehmen sich auf ca. 170 000 Mk. an Herstellungskosten berechnen werde. Die von der Stadt für Verzinsung und Tilgung aufzuwendenden Koiten ständen jedoch — wenn diese mit 10 000 Mk. .angenommen würden — in sehr günstigem Verhältnisse gegenüber den jctz für die in Frage kommenden Pfleglinge aufzuwendenden Mitteln in Höhe von ca. 20 000 Mk., sodaß bie baldige ^nangrist- nahme des geplanten Baues nicht warm genug empfohlen werden könne. Ein spezielles Programm mit Bauskizzen werde noch zur Vorlage kommen. , .
Stadtv. Eberhard regt an, zu prüfen, ob ein Bedürfniß für Errichtung eines Siechenhauses vorliege oder nicht, weiterhin möchte er fragen, ob nicht die Mittel der Stadt zu stark in Anspruch genommen würden. Der Referent erwidert, dag bereits unterm 25. Januar 1898 der Magistrat die Errich
tung eines Siechenhauses beschlossen und der Gemeindeausschuß unterm 3. Februar 1898 seine Zustimmung dazu ertheilt habe. Heute handelt es sich um Ausführung der früher gefaßten prinzipiellen Beschlüsse. — Stadtv. Müller möchte dem Magistrat zur Erwägung anheimgeben, ob sich mit dem vorliegenden Plan nicht die Errichtung eines Rekonvaleszenten- hauses verbinden lasse, wofür vielleicht auch aus den Mitteln der Landesversicherungsanstalt Beihilfen erreicht werden könnten. Stadtv. Dr. W a g n e r widerspricht einer etwaigen Verbindung beider Anstalten mit einander, da die Zwecke verschieden seien. Doch wäre ihm für das Siechenhaus die Errichtung zweier kleineren Gebäude sympathischer als die Aufführung eines größeren kasernenartigen Gebäudes. Da, wie aus dem Vor- trage des Stadtv. Wörner zu ersehen sei, der Zuzug von dem Fasaneriewege aus erfolgen sollte, empfehle er, zuvor den Ausbau dieses sich oft in unhaltbarem Zustande befindlichen Weges vorzunehmen. — Die Vorlage wird genehmigt. An den Magistrat soll das Ersuchen gerichtet werden, thunlichst bald weitere spezielle Vorlagen einzubringen.
Errichtung der Kleinkinderschule und Kinderkrippe.
Die Vorlage lautet auf Bewilligung von 107,000 Mk. auf „Außerordentlich" für 1902 zur Errichtung der Kleinkinderschule und Kinderkrippe unter Genehmigung der vorliegenden Pläne. Der erste Referent Stadtv. Glaser erläutert unter Hinweis auf die in dem außerordentlichen Haushaltsplan bereits eingestellten 100,000 Mk. die erforderlichen Mehrkosten von 7000 Mk. Stadtv. Wörner als zweiter Referent gibt Erläuterungen, die auf die vorliegenden Baupläne Bezug haben. DaS Gebäude soll mit der Front nach der Nußallee zu zu stehen kommen und außer Keller- und Dachgeschoß ein Erd- und ein Obergeschoß mit den nöthigen Bade- und Wascheinrichtungen enthalten. Stadtv. Dr. Wagner vermißt in den Darlegungen ein Jsolirzimmer, in dem zur Vermeidung von nachtheiligen Folgen vorläufig Kinder dntergebracht werden können, deren Jsolirung bei herausstellender etwaiger Krankheit alsbald als erwünscht erachtet werde. Auch empfehle er statt Gasbeleuchtung die elektrische Beleuchtung der Kindersäle, da die Gasbeleuchtung immerhin für Kinder Gefahren in sich schließe. Stadtv. Müller fragt an, ob man bei dem Voranschlag berücksichtigt habe, daß der Preis für Eisen und Bauholz um 2O°/o, für Steine um lO°/o heruntergegangen sei. Dies wird bejaht. Hierauf wurde die Zustimmung zur Bauausführung nach den vorliegenden Plänen unter Nachbewilligung von 7000 Mk. auf „Außerordentlich" für 1902 ertheilt.
Kleinere Vorlagen.
Nachdem der Magistrat den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung auf Freilassung der Wohnungen bis zu 200 Mk. Miethwerth von Wassergeld und Kanalbetriebsgc- bühren beigetreten ist, hat der Erlaß von Nachträgen zum Ortsstatut betr. die Benutzung der städtischen Wasserleitung zum Privatgebrauch sowie zum Gemeindebeschluß betr. die Erhebung einer Kanalbetriebsgebühr zu erfolgen. Wird Zustimmung ertheilt. — Dem Ankauf des Grundstücks L 198 von den vereinigten Armenstiftungen zum Preise von 8 Mark per Quadratmeter wird zugestimmt. Es handelt sich um 104 Quadratmeter, welche dem neuen Schulgrundstücke einverleibt werden sollen. — Der Miethwerth der Wohnung im ersten _ Obergeschoß Bangertstraße Nr. 1 wird auf 500 Mark festgesetzt und der Vermiethung derselben an den städtischen Assistenten B u ß zu- gestimmt. — Die beantragte Bewilligung von 200 Mark für die Zwecke der vom landwirthschaftlichen Kreisverein Hanau anfangs Juli arrangirten Kreisthierschau wird abgelehni, da die Thierschau nicht, wie anfangs beabsichtigt, in Wilhelmsbad vor sich gehen werde. — Zum Ausbau der Bleichstraße mitKlein- pflaster und Cementbürgersteigen wird der Betrag von 6700 Mark verlangt. Die Bleichstraße verfügt zur Zeit lediglich auf der einen Seite über ein abfallendes Steintroltoir, während auf der anderen Seite nur theilweise Steinpflaster vorhanden ist, sodaß bei schlechtem Wetter die Straße kaum zu passiren ist. Die gegenwärtig chaussirte Straße ist, wie aus dem Referat hervorgeht, für Anbringung von Kleinpflaster sehr gut geeignet, die Herstellung gegenüber derjenigen unter Verwendung von großen Steinen um etwa 1200 Mark billiger. Die Anleger zur Leistung von Beiträgen heranzuziehen, sei nicht angängig, da bereits vor Erlaß des bezüglichen Ortsstatuts gebaut worden sei, nur der Besitzer des Funk'schen Grundstücks könne noch in Betracht kommen. Das Plenum ertheilt zu der Vorlage Zustimmung.
Der Abänderung der Fluchtlinie an dem Dörr'schen Grundstück wird zugestimmt. — Auf der Tagesordnung steht noch der Antrag Craß auf Herabsetzung der Frequenzziffer in den Volksschulen. Der Vorsteher theilt mit, daß Stadtv. Craß ersucht habe, die Besprechung des Antrages auf eine der nächst
folgenden Sitzungen zu verlegen, da die Stadtv. Hoch und Aukamm am Erscheinen verhindert seien. Stadtv. Hoffmann ist gegen eine Verlegung. Der betreffende Gegenstand habe in der Finanzkommission eingehende Berathung gefunden und es sei nach seiner Ansicht kein Grund vorhanden, eine Berathung im Plenum zu verschieben. Stadtv. O t t meint, allerdings sei es eigenthümlich, daß trotz der Anwesenheit des Antragstellers wie des Korreferenten eine Verschiebung der Berathung stattfinden solle. Jedenfalls habe der Antragsteller nur seinen Namen dafür hergegeben. Stadtv. Craß entgegnet, daß allerdings seine „Fraktion" den Antrag beschlossen habe. Bei der Abstimmung wird der Antrag Hoffmann auf Eintritt in die Berathung abgelehnt.
Lokal-historische Notizen.
2 5. April 1736. Landgraf Wilhelm VIII. nimmt nach dem Anfälle von Hanau - Münzenberg in Alt- und Neu-Hanau persönlich die Huldigung an.
* * *
* Arzttvagen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat nunmehr endgiltige Bestimmungen über die Herstellung von Arztwagen getroffen, welche 'bei Eisenbahnunglücksfällen zu benutzen sind. Danach werden insgesammt 77 solcher Wagen gebaut und aufgestellt werden. Von diesen sollen 28 durch die Eisenbahndirektion in Berlin, 13 durch die in Bres- lau, 11 durch die in Hannover, 12 durch die in Köln und 13 durch die in Essen hergestellt werden. Die Berliner Eisenbahndirektion ist bereits beauftragt worden, 6 Arztwagen herzustehen, von denen einer zunächst für die Ausstellung in Düffeldorf bestimmt ist. Je ein Wagen wird demnächst den anderen, oben genannten Eisenbahndirektionen als Muster über- wiesen werden. Für die Herstellung der Wagen sind von Eisenbahn-Direktionen breite Durchgangs-Personenwagen IV. Klasse, die für den Verwundeten-Transport eingerichtet sind, zur Verfügung zu stellen, wobei selbstverständlich die für die Bildung der Kreislazarethzüge bestimmten Wagen außer Betracht bleiben.
* Höhere Servisklaffe. Hiesige Beamte haben an den Reichstag um Versetzung der Stadt Hanau von der 2. in die 1. Servisklasse petitionirt.
* Impfungen. Samstag den 26. April, vormittags 10 Uhr, in Bruchköbel: Erst- und Wiederimpfung; am 3. Mai, vormittags 10 Uhr: Nachschau; Jmpflokal: Baumann- sches Gasthaus. — Nachmittags 3 Uhr in Langendiebach: Erst- und Wiederimpfung; am 3. Mai, nachmittags 3 Uhr: Nachschau; Jmpflokal: Rathhaussaal.
* Versammlung des Jagdschutz - Vereins für Hessen-Nassau. Samstag den 3. Mai, mittags 12 Uhr, findet im Saale des Hotel Pfeiffer in Marburg die Jahres- Versammlung des Landesvereins Hessen-Nasfau des allgemeinen deutschen Jagdschutz-Vereins statt. Die Tagesordnung ist: 1) Jahresrechnung, 2) Jahrerbericht, 3) Antrag Nassauischer Vereinsmitglieder auf einen besonderen Landesverein Nassau, 4) Berathung bezüglich der Bezirkseintheilung des Landesvereins, 5) Aenderung des Jagdgesetzes hinsichtlich der Jagdausübung durch Jagdgäste, 6) Abschuß von Singvögeln (vergl. deutsche Jäger-Zeitung vom 2. Februar 1902. S. 569), 7) Antrag, mit der nächsten Jahres - Versammlung eine Ausstellung von Jagdtrophäen zu verbinden.
* Gesellen Prüfung. Bei dem Prüfungs - Ausschuß für das Zimmer-Handwerk hatten sich 8 Prüflinge gemeldet, welche sämmtlich sowohl die praktische wie die theoretische Prüfung bestanden haben. Letztere ließ im Allgemeinen zu wünschen übrig, was davon herrührt, daß der Unterricht in gewerblicher Buchführung bisher nicht gepflegt wurde. Auch hatte sich ein Prüfling vom Pflasterer-Handwerk der Prüfung unterzogen, der seine Arbeiten zur vollen Zufriedenheit der Kommission ausführte.
* Verringerung der Arbeiterzahl. Bei der Kgl. Pulverfabrik haben etwa 100 Arbeiter kürzlich auf den 10. Mai die Kündigung erhalten. Wie man hört, wurde dabei in der schonendsten Weise verfahren.
* In Lebensgefahr befand sich gestern Nachmittag am Mainkanal ein vierjähriger Knabe Namens Neumann von hier. Derselbe wurde, wie uns unser Gewährsmann mittheilt, von einem seiner Spielkameraden in das Wasser gestoßen und würde diesem sträflichen Uebermuthe wahrscheinlich zum Opfer gefallen sein, wenn nicht ein zufällig hinzukommender hiesiger Einwohner, Kolporteur W., noch rechtzeitig hinzugesprungen wäre und den bereits besinnungslosen Knaben dem nassen Elemente entrissen und durch Wiederbelebungsversuche wieder zum Bewußtsein gebracht hätte.
* Monatsoper Hanau. Wie bereits angekündigt geht heute als vorletzte Aufführung und elfte Abonnementsvorstellung „Das Nachtlager in Granad a", zwei-