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Waisenhauses in Hanau. m ~ " Derantwortl. Redakteur r G. Schreck er in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Ar. 71 Bezkrks-Fernsprechanschlnß Nr. 98. DiklEttH bC1t 25. 9)^ät^ Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1902
Amtttch-K.
In das Genossenschaftsregister ist eingetragen:
1« Zu Nr. 1: „Vorschußverein Langenselbold, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht in Langenselbold", der Lehrer Adam Schmidt ist aus dem Vorstand ausgetreten und an seine Stelle der Brauereibesitzer Julius Adler in den Vorstand gewählt.
2 . Zu Nr. 3: „Langendiebacher Darlehnskassen-Verein, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht in Langendiebach", an Stelle des verstorbenen Vorstandsmitglieds, Land- wiribs Heinrich Schröder, ist. der Landwirth Jakob Heffemer gewählt worden.
Langenselbold den 20. März 1902.
Königliches Amtsgericht. 5484
Hue Stadt und £and»
Hanau den 25. März.
* Neue Postwerthzeichen mit der Inschrift „Deutsches Reich" werden für das Reichs-Postgebiet und für Württemberg vom 1. April ab eingeführt. Die bisher im Reichs-Postgebiet giltigen Psstwerthzeichen mit der Inschrift „Reichspost" werden mit Ende März 1902 außer Kurs gesetzt. Nach der in den Schalterramnen der Postanstalten angebrachten Bekanntmachung sollen die neuen Postwerthzeichen, mit deren Verkaufe bereits begonnen worden ist, nicht vor dem 1. April und die alten Postwerthzeichen nicht mehr nach dem 31. März zur Frankirnng verwendet werden. Die durch das Postamteblattvom 12. März getroffenen Durchführungsvorschriften lauten dahin, dan die am 1. April den Briefkasten entnommenen, mit alten Postwerthzeichen frankirten Sendungen ohne Nachtaxe zur Abwendung kommen. Auch sonst sollen die Postanstalten Sendungen mit unrichtigen Postwerthzeichen bis auf Weiteres nicht in der Beförderung aufhallen und mit Nachtaxe belegen. Immerhin liegt es im Interesse des Publikums, stets die richtigen Postwerthzeichen zu benutzen, und nicht mehr zu große Einkäufe alter Freimarken, Postkarten u. s. w. zu machen. Die unverwendet bleibenden alten Postwerthzeichen werden bis Ende Juni d. I. an den Postschaltern und bei den Landbriefträgern gegen neue Poüwerthzeichen umgetauscht.
* Der Sprechverkehr von Hanau ist auf Röbel- heim ausgedehnt worden.
* Auf die Eingabe der Cafseler Landwirth- schaftskarnmer an den Herrn Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten bezüglich der Weiterbewilligung be8 Nothstandstarifes für Streu- und Futtermittel hat der Herr Minister den Bescheid gegeben, daß nach dem Ergebniß der stattgefundenen Erörterungen über diese Frage dem Anträge auf Einführung dieser Vergünstigung für den Regierungsbezirk Cassel nicht stattgegeben werden kann.
* 18. Armeekorps. Moser, württemb. Major im Generalstabe des 18. Armeekorps, von dieser Stellung behufs Verwendung im Generalstabe des 13. Armeekorps enthoben. Graf von Schliessen, Major im großen Generalstabe, in den Generalstab des 18. Armeekorps versetzt.
* Personalien. Zum Generalmajor befördert Oberst v. Bredow, beauftragt mit der Führung der 41. Jnf.-Brig., unter Ernennung zum Kommandeur der Brigade; Lt. Frhr. v. O v e r b e ck im Th. Ul.-Regt. Nr. 6 zum Oberlt. befördert ; in das Regiment wieder eingereiht Lt. S ch w a r tz, L 1. 8. des Th. Ul.-Regts. Nr. 6. Lt. v. K ü h l w e t t e r im Th. Ul.-Regt. Nr. 6 zu den Osfizieren der Reserve über- geführt.
* Versetzt wurde der Spezialkommissions - Sekretar Vaup e l in Rinteln an die Kgl. Spezialkommission in Hanau.
* Polizeiwesen. Zum 1. April d. Is. treten Serg. Pfahlbuich vom Inf.-Regt. Nr. 166 und Serg. Ludwig vom Inf.-Regt. Nr. 32 als Schutzleute bei der Komgl. Polizeidirektion dabier ein.
* Die Lokalbahn Kahl-Schöllkrippen fahrt Cbarfreitao, abends, einen Extrazug von Michelbach Nachwahl und zwar in folgendem Fahrplan: Michelbach ab * .20, Kälberau ab 7.26, Alzenau ab 7.37, Kahl an <.55. Anschluß in Kahl nach Hanau—Frankfurt 8.06.
* Stadttheater. (Abschieds - Vorsteuung). Wie schon bekannt gegeben wurde, findet heute als letzte Vorstellung zum Besten der Mitglieder Obnet's Schauspiel: „Der Hüttenbeutzer" statt und dürfte die Aufführung, den Bmet- Bestellungen entsprechend, stark besucht werden. — Der letzte Vorverkauf findet heute Nachmittag von 3 5 Uhr an der Theaterkasse statt. . .
* Herr Kimstgewerbeschullehrer Ferd. Hardt in Pforzheim, uns Hanauern noch gut bekannt, hielt am Hrer-
tag Abend im württembergischen Kunstgewerbeverein in Stuttgart den ««gekündigten Vortrag über „verschiedene Emailtechniken und ihre Geschichte." Der Redner gab zunächst eine Analyse des schmelzbaren Emailsatzes und sodann einen Ueber- blick über dessen gesch chtlicke Entwicklung. Schon Schmuckgegenstände alter egyptischer Herkunft zeugen von fortgeschrittener Technik. Mit historischer Sicherheit läßt sich aber eine Wiederaufnahme der verloren gegangenen Kunst erst im 1. Jahrh, n. Chr. nachweisen. Zu eigentlicher Blüthe gelangte die Emailtechnik vom 6. Jahrh, ab in Byzanz, von wo aus ein Export nach Italien und nach Deutschland erfolgte. Hier war zu Trier unter dem Episkopat von Egbert der kunstliebende Luxus der Kaiserin Theophano, der Gemahlin Ottos IL, von anregendem Einfluß. Diese ganze Technik, wie sie sich auch in verschiedenen Klosterwerkstätten ausbreitete, unterschied sich von dem oströmischen Zellenschmelz dadurch, daß sie Grubenschmelz war. Weiter sind die Limogesemaillen, die Dürer und Rafael kopirten und auch Cellinis Technik erwähnenswerth, die heute noch Geltung hat. Mit lehrreichen Demonstrationen an zahlreichen Emailarbeilen schloß der Redner seine mit lebhaftem Dank aufgenommenen Ausführungen.
* Futzballsport. Einen glänzenden Erfolg hatte der I. Hanauer Fußballklub 1893 in den diesjährigen süddeutschen Verbandswettspielen. Genannter Klub siegte: 1) über den Frankfurter Fußballklub „Victoria" mit 2 zu 0 Goal. 2) über den Frankfurter Fußballklub „Kickers" mit 5 zu 1 Goal. 3) über den Frankfurter Fußballklub „Germania" mit 4 zu 1 Goal. Hanau hat nun durch den vorgestrigen Sieg über den Frankfurter Fußballklub „Germania" die Oberhand im Main- gau gewonnen und kommt nun endgistig in die Entscheidung um den vom süddeutschen Verband gestifteten Pokal und zwar mit dem besten Verein Deutschlands, nämlich dM Karlsruher Fußballverein. Dieses Entscheidungswettspiel findet nun voraussichtlich am 6. April d. I. auf dem Sportplätze an der „Schönen Aussicht" statt und wünschen wir dem strebsamen I. Hanauer Fußballklub 1893 einen guten Erfolg.
8. Ausstellung in der Oberrealschule. Wie bei jedem Schuljahrschluß, so wurde auch diesmal in der Ober- realschule eine Ausstellung von Schülerzeichnungen am Samstag eröffnet, die ein recht erfreuliches Bild planmäßigen Schaffens dem Auge des Beschauers darbietet. Die dem Kreise der Schmuckformen entnommenen Gebilde in farbiger Anlage bilden den Zeichenstoff der unteren Klassen, während die Darstellungen körperlicher Dinge, als Vorbilder aus Gips, Gc- brauchsgegenstände und Naturerzeugnisse und die Wiedergabe deren Licht- und Schattenwirkung die mittelst Tusche, Wischkreide und Bleistift erreicht ist und in vielen Fällen als eine wohlgelungene bezeichnet werden darf, die Aufgabe der mittleren Klassen war. Nebenbei kamen aber auch hier, wie in den niederen Klassen, die Farbentresfübungen, die das Auge und die Hand schon bei Zeiten an Farbensehen und -mischen gewöhnen sollen, zu ihrem Rechte und wiesen recht brauchbare Resultate auf. Die Arbeiten der Oberklassen waren größere malerische Darstellungen, wobei Gruppen von Gestalten des Lebens und der Natur als Vorbilder gedient hatten. Die Auffassungs- und Darstellungsgabe, welche diese Arbeiten verriethen, ließen auf eine gesunde Schulung des Auges schließen, die sich nicht minder durch die nach der Natur aufgenommenen landschaftlichen Skizzen offenbarte. Auch auf dem Gebiete des gebundenen Zeichnens, welcher Unterrichlszweig in den realistischen höheren Lehranstalten als nichtverbindliches Fach betrieben wird, war Lobenswerthes geleistet worden. Die geometrischen Flächenmuster, die Beispiele aus der Projektionsund Schattenlehre und die perspektivischen Konstruktionen gaben bei sauberster, genauester Durchbildung Zeugniß von räumlicher Vorstellungsfähigkeit, deren Werth für die Allgemeinbildung immer noch nicht gebührend gewürdigt wird. Alle, die dem Unterricht im Zeichnen Interesse entgegenbringen, sei der Besuch der Ausstellung bestens empfohlen.
88 Der Kaufmännische Verein veranstalteie gestern im „Deutschen Haus" einen Rezitationsabend. Der Vortragende, Herr E. M i l a n aus Hamburg, zeigte sich be,anders als Meister der Erzählungskunst und bot überwiegend Prosastücke. Doch diese Prosa vermochte er durch seine ebenso feine als packende Ausdrucksfähigkeit so überaus wirkungs- und eindrucksvoll zu gestalten, daß bie an sich schlichtesten Satzgebilde mit fast dramatischer Kraft belebt erschienen. Die geistvolle Behandlung menschlicher Schwächen und Verirrungen und die tiefsinnigen Lehren, wie sie in Björnsons Erzählung „Der Vater" und in Graf Leo Tolstois Volkserzählung „Wie viel Erde braucht der Mensch" so reichlich enthalten sind, erfuhren durch den Vortragenden eine äußerst anschauliche Darstellung, die schlichte Einfachheit und doch ergreifende Sprache dieser Erzählungen eine prächtige Wiedergabe. In A. Daudets reizender Schilderung „Die Alten" wußte er die vom Autor geschaffene glückliche Vermengung des Naiv-Rührenden mit dem
Köstlich-Humoristischen in wahrhaft musterhafter Weise zum Ausdruck zu bringen, sodaß der ihm hierbei sowie auch nach den übrigen Vorträgen gespendete reiche Beifall ein vollauf verdienter war. Aber auch seine Darbietungen auf dem Gebiete der Poesie vermittelten einen wirklichen Genuß und der Umstand, daß der Vortragende seine Hörer bei jeder Nummer bis zur letzten Silbe in athemloser Spannung zu erhalten wußte, berechtigt uns wohl zu der Behauptung, daß alle Anwesenden voll befriedigt die Veranstaltung verließen.
* Geschäftsverleguug. Ihr Geschäft verlegen wird, wie wir erfahren, die Firma W. Kämmerer jun., Baumaterialien-Großhandlung dahier, indem sie Bureau und Lager vereinigt und am 1. April ihre Besitzung Bebraer Bahnhofstraße 6, nächst der Brauerei Koch, bezieht. Die Neuanlage ist mit Bahnanschluß versehen und in jeder Hinsicht so praktisch und vortheilhaft eingerichtet, daß der dabei ins Auge gefaßte Zweck, erhöhte Leistungsfähigkeit zu erzielen, erreicht worden ist. Diese neue Einrichtung dürfte sicherlich eine weitere Ausdehnung des sich schön entwickelnden Unternehmens im Gefolge haben, welches bereits eine recht bedeutende Stelle in seiner Branche einnimmt.
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4< Rückingen, 24. März. Die gestern in Verbindung mit der Konfirmation stattgehabte Weihe unserer neuen Orgel gestaltete sich durch das Mitwirken des gemischten Chores sowie des Schülerchores zu einer erhebenden Feier. Die Abnahme hatte am Samstag durch Herrn Mustklehrer Ferreau-Schlücht;rn stattgefunden, welcher auch Herrn Orgelbauer Ratzmann seine höchste Befriedigung und Anerkennung für das äußerst schöne Werk aussprechen konnte. — Die Feier selbst wurde durch einen vom gemischten Chor in dezenter Weise vorgetragenen Choral eröffnet. Herr Pfarrer Schlicht hielt, sodann die Weiherede. Nach einem Gebet ertönten dann die brausenden Klänge der Orgel durch die schöne, dichtgefüllte Kirche. — Die Einsegnungsfeier selbst wurde durch zwei Lieder der Konfirmanden und eine Motette des gemischten Chores verschönert. Alle Gesänge wurden in schöner, klangvoller Weise vorgetragen. — Die Orgel, deren Preis sich auf rund 6000 Mk. stellt, hat 19 Registerzüge, 3 Koppelungen, 1 Super-Oktav-Koppel und 4 Druckknöpfe.
2 Dörnigheim, 23. März. (Vortrag.) Am 21. d. M. hielt Herr Butz aus Pretoria einen höchst interessanten Vortrag über das Thema: „Meine Erlebnisse von 5 Jahren vor und während des Krieges in Transvaal". Der Vortragende erntete den reichsten Beifall und wurden für die gerechte Burensache gelegentlich des Vortrags 35 Mk. 46 Pfg. gesammelt. Die vor einigen Wochen abgesandte Burenspende betrug 114 Mk.
* Hochstadt, 24. März. Am verflossenen Samstag Abend hielt Herr Butz aus Pertoria im Saale des Gast- wirths Strahl einen Vortrag über seine Erlebnisse vor und während des Transvaalkrieges. Die bei dieier Gelegenheit vorgenommene Sammlung für das edle Lurenvolk ergab den Betrag von 41 Mk. 70 Pfg.
Hanauer Vereins- u. Uergnügungsuachrichten
für Dienstag den 25, März.
Stadttbeater in Hanau: Abschiedsvorstellung: »Der Hüttenbesitzer", Schauspiel in 4 Akten von George Ohnet; Anfang 7l/i Uhr-
Evanz. Männer- und Jünglingsverein: JüngtingSvereM: Bibelbe- sprechuna; Jungfrauenverein: Flickabend (Ev. VereinShauS.)
Kath. Kafino .Eintracht' (Vereinst.: „z. Braustüb'l*>: VereinSabend. Turn- u. Aechtklub: Fechten.
Sanitätskolonne des KriegervereinS: UebungSstunde i. d. „Centralhalle", Zitherverein Hanau: Probe in der Restauration „Allemania".
Süddeutscher Klub: Klubabend in der Restauration ,Memm«ia*. Athletenklub »Germania": Riegenstemmeu und Musterriegenarbeiten. ({Restauration Wagenbach, Paradeplatz),
Stemm- und Ring-Klub „Eiche*: Abends von 9—10 Uhr: Dauerstemmen und Sreinstoßen; von 10—11 Uhr: Musterriegenarbeiten (Restauration zur „Wiener Spitze").
Uersteigerungs- etc. Kalender
ür Mittwoch den 26 März.
Holzversteigerunoen: 1) im Gemeindewald zu Langenselbold; Zu- amntei kunft vormittaaS 9 Ubr an dem Abtriebsschlag im Zwischen- walo (s. Nr. 69 »Han. Anz."). — 2) im Gemeindewald Lanaendie- hoch; Zusammenkunft vormittags 9 Uhr an der Sandgrube (s. Nr. 67 ,Hgn. Anz."). — 3) im Fürstl. Revier Tbieroarten; Zutammenkunst vormittags 10 Uhr bei dem Buchen-Brennholz auf der Reffenktrahe an der KöntgSV'latte (s. Nr. 69 . Hon. Anz") — 4) im G-melndewald Niederrodenbach; Termin mittags 1 Uhr ab in der Schaaf'schen Wirth- schait daselbst (f. Nr. 67 „Han Anz.*). — 5) in der StflL Obersörsterei Wolfgann; Termin nachmittags von 4 Uhr ab in der Fickert'schen Gastwirtbschaft zu Oberrodenbach (s. Nr. 66 „Han. Anz").
Vormittags 10 Uhr werden auf dem Hofe der Infanterie-Kaserne verschledene alte Kasernengeräthe als alte Oefen, Kochherde, altes Blei, Ellen ec., gegen gleich baare Zahlung meistbretend versteigert.