Erstes Blatt
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Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg,, für auS- pärtige Abonnenten mit dem betreffenden Posiausschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, so Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. V.ranüvovtl. Redakteur. ®. S 4 r - cker in Hanau,
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg, die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Nr. 300
FernspreckaMüch Nr. 605.
Mittwoch den 24. Dezeurber
Fernsprechanschluß Nr. 605.
1902
W
Jacob Drageser von Großkrotzenburg ist zum Nachtwächter der Gemeinde Großkrotzenburg bestellt und verpflichtn worden.
.^anau den 23. Dezember 1902.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: auf der Straße Wilhelmsbad—Mittelbucken 1 wasserdichte P'erdedecke, innen gefüttert, Empfangnahmebei dem Herrn Bürgermeister zu Mittelbuchen; 4 Kopftheile von Bettstellen.
Verloren: 1 Portemonnaie mit über 10 Mark Inhalt,
1 Büffetschlüssel und kleinem Kamm.
Zugelaufen: 1 hellbrauner Dachshund.
Entlaufen: 1 schwarzer Hund (Llekenterrier) mit braunen Abzeichen m. Geschl.
Hanau den 24. Dezember 1902.
Hus Stadt und £andf
Hanau, 24. Dezember.
Lokal-historische Notizen.
24. Dezember 1812 starb der Rektor des lutherischen Gymnasiums zu Hanau, Konsistorialrath Bergsträßer, als populärer Philolog und Entomolog, aber auch sonst als Polyhistor bekannt, 70 Jahre alt.
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H Mteyaktioneü. »^ Des A. MeMnachtsfestes halber erscheint die nächste Nummer dieses Blattes erst Samstag den 27. d. M. zur gewöhnlichen Stunde.
* Zur Sonntagsruhe. Am ersten Weihnachtsfeier r a g ist a) der Handel mit Back- und Konditoreiwaaren, mit Fleisch und Wurst, Vorkostartikcln und mit Milch von 5 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags — jedoch ausschließlich der für den Hauptgottesdienst festgesetzten Unterbrechung — zugelassen, b) der Handel mit Kolonialwaaren, mit Blumen, Tabak, Bier und Wein, Zigarren während zweier Stunden vor Beginn der Pause für den Hauptgottesdienst und nickt über 12 Uhr mittags hinaus, die Zeitungsspedition aber wie an sonstigen Sonn- und Festtagen gestattet. Für den Milchhandel ist außerdem im ganzen Regierungsbezirk an Sonn- und Festtagen noch die Nachmittagsstunde von 6 bis 7 Uhr freigegeben. Für den zweiten Weihnachtsfeiertag gelten die für einm gewöhnlichen Sonntag zutreffenden Bestimmungen.
* Weihnachten. Glanzumflossenes, heiliges Fest der Liebe, sei uns tauienamal gegrüßt! Wie ein wärmender Lufthauch durchströmt es die Welt bei deinem Nahen, denn du bist wohl das einzige Fest, das in allen Landen und bei allen Kulturvölkern gefeiert wird. Wie man sich auch die Entstehung und Bedeutung des Weihnachisfestes anslegen mag — überall knüpft sich daran Freude — innige Freude, sei es im Empfangen, im Geben oder wenigstens in der Erinnerung. Wer da hat, theilt mit dem, der nichts hat, und selbst die, welche gar oft das Nothwendigste entbehren müssen, vergessen für Augenblicke ihre Noth und werden emporgehoben zur allgemeinen Festesfreude. Und in unsern Familien erst: wie mächtig kommt das Gefühl der Zusammengehörigkeit einem jeden wieder zum Bewußtsein! Wo sich Trennendes eingenistet, wo sich über den blanken Spiegel des häuslichen Lebens ein trübender Hauch gelegt, wo Mißverständnisse uns vorübergehend geschieden — da brilkgt der ehernen Glockm Ruf den getrennten Herzen wieder seligen Sonntagsfrieden! Und beim Jubel der beschenkten Kinder, wie werden wir da eingedenk der eigenen — ach, längst entschwundenen goldenen Zeit, da das Christkind auch uns einlud und wir mit innig dankendem Blicke aufsahen zu den Heimgegangenen Spendern! Da regt sich denn neuerdings der durch den Trubel des Lebens oft gefährdete Weihnachtsglaube und wird, so Gott will, durch unsere Bethätigung an guten Werken Zeugniß ab legen, so lange es für uns Tag ist! —
Bleib, du holder Weihnachtsglanbe, Ob auch Stunn auf Sturm dir droht. Bleib, und finde unsre Seelen Dir getreu bis in den Tod. —
* Verliehe«. Den praktischen Aerzten Dr. Ey^ell, Dr. Menche, Dr. Schwarzkopf, Dr. Pfannkuch jn Gaffel, Dr. Wiederhold in Wilhelmshöhe, Dr. Manns in Schlüchter«, Dr. Koch in Rinteln ist der Charakter als Sanitätsralh verliehen worden.
* Fernsprechverkehr. Der hiesige Spreckverkehr ist •auf Jena nebst Orlsbereich und Gera (Reich) nebst Orts- bereich ausgedehnt worden.
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* Postalisches. Der Tiiel Oberbriefträget, Oberpost- | schaffner oder Oberleitungsaufseber <oll zugleich mit der Verleihung goldener Schulterblaitschnüre etatsmüßig angeffellten Unterbeamten der Poßverwaltung bei tadelsfreier Führung nach einer Gesammtdienstzeit von fünfzehn Jahren fortan ertheilt werden.
* Zur Vorsicht bei dcr Errichtung von Testa- mentcn wird man gemahnt durch folgende Mittheilung aus Mainz: Der verstorbene Buchdruckereibesitzer v. Z. hatte bei Lebzeiten sein Testament selbst errichtet und hierzu einen mit „Mainz" vorgedruckten Geschäftskosten benutzt. Der Erblasser hatte das Datum nach dem gedruckten Worte ausgesüllt und einen Neffen als Universalerben des nickt unbeträchtlichen Vermögens eingesetzt. Das Lestament ist aber, da es nach der gesetzlichen Vorschrift von Anfang bis zu Ende eigenhändig geschrieben sein muß, durch das gedruckte Wort „Mainz" un- giltig und mußte daher verworfen werden. Die Erbschaft fällt nun an die sämmtlichen Hinterbliebenen Anverwandten — für die gewiß eine freudige Weihnachis-Ueberraschung.
* Stadtthe ter. Wie bereits gemeldet, geht morgen Sudermann's neuestes Drama: „Es lebe das Leben" zum zweiten Male in Scene und weilen wir nochmals auf die Aufführung dieses hervorragenden Werkes hin. — Zu der am Freitag (2. Weihnachts-Feiertag) stattfindenden Vorstellung: „Alt-Heidelberg" bemerken wir, daß auch in diesem Jahre zu den Studmienscenen Herren der Akademischen Verbindung „Ccllini" ihre Mitwirkung zugesichert haben. — Die junge Darstellerin Frl. Verben, die als „Jolantha" einen so schönen Erfolg hatte, wird die Rolle der „K ä t h i e" spielen. Den „Karl Heinrich" gibt Herr Becker; Zöllner Herr G e h r m a u n; Lutz Herr Retzbach; Aster- berg Herr Schwarz; Rüder Herr Jungck und Staatsminister Herr Heyden. — Mit der neu angefertigten Dekoration, die der Darstellung den nöthigen stimmungsvollen Hintergrund bieten wird, dürfte die Aufführung des vorzüglichen Werkes als eine außergewöhnliche bezeichnet werden. Die Regie führt Herr R e tz b a ch. — Die Vorstellung ist, wie schon berichtet, „Außer Abonnement". Vorrecht der u n geraden Nummern am Donnerstag von 3—5 Uhr.
* Evangelisches Vereinshans. Am 1. Feiertag findet nachm. 4 Uhr im evang. Dereinshause die Weihnachtsfeier der Sonniagsschule statt. Jedermann ist freundlichst ein geladen.
* Alpenverein. Demnächst wird unsere Hanauer Sektion wieder an ihre Mitglieder Einladung zu einer Winterfestlichkeit ergehen lassen, welche am 17. Januar im Saalbau „zum deutschen Haus" stattfindet. Da das Arrangement der vorhergehenden Veranstaltungen den Beifall und die rege Theil- nahnfe der Mitglieder gefunden hat, so hat man auch dieses Mal die gemüthliche Form der „Abendunterhaltung" mit nachfolgendem Tanz beibehalten. Aufgabe des Vergnügungs- komitee's wird es sein, das Programm so zu gestalten, daß sowohl das seßhafte Alter wie die tanzfrohe Jugend ihre Rechnung findet. Nach den bisherigen Erscheinungen darf man wohl erwarten, daß dasselbe beiren Anforderungen in vollem Maße gerecht zu werden versteht. Zu bedauern ist, daß bei diesen alpinen Festlich! iten nicht wie bei anderen Sektionen „Kostümzwang" herrscht, nur möchten wir es als recht wün- schenswerth bezeichnen, wenn das Kostüm mehr zur Anwendung gelange, hauptsächlich aber, daß die Damen allgemein in der schmucken Tracht der Alplerinnen das Fest besuchen.
* Der Kriegerverein Hanau, der seine Weihnachtsfeier am 3 Festtage, Samstag den 27. vs., im Saale der Turnhalle begeht, hat wie seit Jahren auch diesmal ein recht sinniges Programm zu- sammengestellt, das alle Besucher zufriedenstellen wird. Wir verweisen im Uebrigen auf das heutige Inserat.
* Gesangverein „Sitmser". Auf die morgen im Saale der „Centralhalle" stattfindende Weihnachtsfeier des Gesangvereins „Sumser" wollen wir nicht verfehlen, nochmals mit dem Bemerken hinzuweisen, daß der Saal um Viß Uhr geöffnet wird und der Beginn der Festlichkeit auf 6 Uhr angesetzt ist.
Weihnachtsfeier. Der Gesangverein „Tonblüthe" feiert am 2. Weibnachrstage in den Sälen der „Centralhalle" seine diesjährige Abendunterhaltung mit Ball. Wie das uns vorliegende Programm zeigt, hat genannter Verein, dessen Leistungsfähigkeit zur Genüge bekannt ist, auch diesmal Alles aufgeboten, um die Feier zu einer würdigen zu gestalten. Außer einigen gut gewählten Chören und einem Liederspiel ist auch dem Humor ein breiter Raum gewährt. Der mit- sikalilcke Theil" wird von der Ulaneukapelle in gewohnter Weise ausgeführt. Der darauf folgende Ball bietet auch der tanzlustigen Jugend Gelegenheit, Terpsichore zu huldigen. Mögen die Bemühungen des Bereirrs durch zahlreichen Besuch belohnt werden.
* Der evangelische Arbeiterverein feiert fein WeihnachtSfeft am Samstag Abend in dem Saale der Brauerei Wei?mantel. Die Kassenöffnung ist auf 7 Uhr, der Anfang auf 7‘/i Uhr festgesetzt.
• Futzballwett piel Hanau—Mannheim. Am 2. Weihnachlsfeiertag um 21/* Uhr nachmittags stehen sich hie beiden 1. Mannschaften des Hanauer Fußballklubs Viktoria 1894 und der Mannheimer Futzballgesell'chaft 1896 auf dem hiesigen Exerzierplätze gegenüber. Da Mannheim 1896 eine der besten süddeutschen Mannschaften ist, so ist ein sehr interessantes Spiel in Aussicht, da dasselbe Retour-Match ist und Mannheim beim Vorspiel mit 8—0 Goal gewann. Viktoria wird diesmal eine wesentlich bessere Mannschaft ins' Feld stellen. Gleichzeitig weisen wir noch einmal auf den sich daran schließenden Ausflug nach Kesselstadt „Zum Schwanen" hin.
* Futzballsport. Wie wir hören, ist es dem „Ersten Hanauer Fußballklub 1893" gelungen, für den ersten Weih- nachtsfeiertag zwei Wettspiele zu arrangiren und zwar werden spielen um l’/a Uhr die zweite Mannschaft der 93er gegen die Erste des „Fußballklubs Aschaffenburg" und um 3 Uhr dia Erste Hinaus gegen die oleiche Mannschaft der „Mannheimer Fußballgesell chaft 1896". Für den Sportsmann dürfte wohl das letztere Wettspiel das interessanteste sein, steht Hanau doch einem Gegner gegenüber, der eine hervorragende Stelle unter den Vereinen Süddeutschlands einnimmt und dem es L3 jetzt immer gelungen ist, unseren einheimischen Verein, wenn auch zuletzt nur ganz knapp, zu halten. Da der „Erste Hanauer Fußballklub 1893" jedoch z. Zt. in einer guten Form ist, dafür spricht ja auch schon der Ausgang der letzten Wettspiele geg"n Karlsruhe und Darmstadt, so ist ein sehr spannender Kamvf zu erwarten. Wir können daher den Besuch des Sportplatzes unseren Lesern nur empfehlen.
* Radrennen im Hippodrom zu Frankfurt a. M. Ein interessantes sportliches Ereigniß wird sich den Besuchern der am 26. und 28. Dezember stattfindenden Radrennen darbieten. Der unbesiegbare Däne Ellegaard, Meister- fahrer der Welt, startet am 26. Dezember, abends 7*/i Uhr, in einem Match gegen Deutschlands hoffnungsvollsten Flieger Walter Ruth. Der junge Rüth, der vergangene Saison alles schlug, war bis zum letzten Sonntag an der Rennbahn Alexandra-Palast in London engagirt und gewann dort alle Rennen.
♦ Brauerei Dörr. Ein ungewöhnlich reichhaltiges Programm wird sich während der Feiertage im Saale der Brauerei Dörr abwickeln. Außer einem Duetlistenpaar werden der Gesangshumorist Herr Bach, sowie eine _ Liedersängerin und eine Taubeniompieuse sich produziren, sodaß die Hoffnung auf gute Unterhaltung wohl berechtigt ist.
* In der Wiener Spitze gibt es während der Feiertage Unterhaltung in Hülle und Fülle, da außer dem großen elektrischen Musikwerk das bekannte vorzügliche Jnstrumenial- und Gesangs-Ensemble „Süddeutsche Bauern" in Aktion treten wird.
* Restaurant „Allemania". Wer lachen will, und das werden während der Feiertage nicht wenige sein, dürfte seinen Zweck vollkommen in der „Allemania" erreichen; werden doch zwei in der Humoristik gut bewanderte Kräfte, der Bauchredner und Zauberkünstler Herr Chr. Grimm und Herr J. V o l l e r"t, um die Gunst des Publikums miteinander wetteifern.
Strafkammer. Der durch die zahlreichen Unterschlagungen des Hausburschen M. dem Bijouteriefabrikanie t R. zngesügte Schaden ist nur zum kleineren Theile gedeckt worden. Herrn R. bleibt noch ein ungedeckter Schaden von 194.37 Mk. Der gestrige Straskammerbericht bedarf sonach dieser kleinen Richtigstellung.
* Lehrerheim Vogelsberg bei Schotten. Das Lehrerheim erfreut sich, wie uns geschrieben wird, unter der Lehrerschaft Hessens, Hessen-Nassaus und besonders auch Frankfurts immer größerer Beliebtheit. Die Mitgliederzahl ist im Laufe des letzten Jahres um 300 gestiegen und beträgt jetzt 1208. Im letzten Sommer war der Besuch wiederum sehr stark, sodaß die geplanten Erweiterungsbauten sich nicht länger aufschieben lassen.
* Die Erhaltung des Weihnachtsbaumes. Im Mainzer Gartenbauverein theilte Herr v. Reichenau mit, auf welch einfache Weise die Christbäume nicht allein auf Wochen, sondern sogar auf Monate erhalten werden können, ohne daß die Nadeln abfallen. Man setze den Baum, sobald er gekauft ist, in einen kalten Raum, am besten in den Hof, und zwar mit dem Stamme in einen Topf oder einen Eimer mit Wasser. Der Baum saugt eine ungemein große Menge Wasser auf, das stets erneuert werden muß und den Baum ftisch erhält. Wenn es geht, soll man sogar, wenn der Baum ausgestellt wird, es so ' einrichien, daß dessen Stamm in ein Glas mit Wasser reicht. Auf diese Weise könne man den Baum auf ganz unbestimmte Zeit grün erhalten.