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Hanauer

Bezugspreis:

-vierteljährlich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betressenden Ponausschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

«edruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für StM- und Landkreis Kanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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EinrücknngsgeUIk^r:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 223.

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Fernsvre^anMutz Nr. 605

Mittwoch den 24. September

FernlvrechanlKluß Nr. 605.

1902

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Hub Stadt und Cand.

Hanarr, 24. September.

* Reichsbanknebensiette. Am 6. Oktober d. Js. wird in Großenbain eine von der Reichsbankstelle in Dresden abbängiae Reichsbankneb-nstelle mit Kasseneinrichtung und befranstem Giroverkehr eröffnet werden.

* Versetzt. Proviantamts-Assistent Rohde wurde von Hanau nach Metz v-rsttzt.

* Magistraisbeschlutz. Der Magistrat beschloß in seiner gestrigen Sitzung, der in der letzten Stadtverordneten- fitzunq beschlossenen Eingabe an den Bundesrath und die ru- ständigen Ministerien wegen Aufhebung der Grenzsperre für Schlachtvieh beirmreten.

* Katzxxaddiebsiahl. Gestern Vormittag wurde aus dem Hausflur des Amtsgerichtsgebäudes ein fast noch neues wertbvolles Fahrrad, dessen Besttzer sich auf kurze Zeit in ein Bureouzimwer begeben baHe, gestohlen. Die alsbald tele­phonisch benachrichtigte Frankfurter Polizei nahm den Fabrrad- dieb, als er dort stolz per Stahlroß ankam, fest und beschlag­nahmte das Fahrrad. Der Fahrraddieb war ein in Groß- Steinbeim wohnender Heizer Nameys Ed. Schmidt. Kürzlich wurden im Hauptbahnbore zu Frankfurt zwei herren­lose Fahrräder aufgefunden. Das eine derselben gehörte dem Kaufmann I. aus Marköbel, dem das betreffende Rad an einem Marktage in Hanau gestohlen worden war.

* Vortrag des Obersten Schiel. Wir weisen an dieser Stelle nochmals darauf hin, daß morgen Donnerstag den 25. d. M., abends T1^ Uhr, der bekannte Oberst Schiel im großen Saale der Turnhalle einen Vortrag über seine Erlebnisse in Südafrika vor und während des Burenkrieges und in der Gefangenschaft auf St. Helena halten wird. Mit großem Interesse ist in allen Schickten der Bevölkerung der Freiheitskampf des kleinen Burenoo'kes verfolgt worden, sodaß wir sicher annehmen dürfen, daß die Gelegenheit, die Schilde­rung der Erlebnisse eines Mitkämpfers aus dessen eigenem Munde vernehmen zu können, hier freudig begrüßt werden wird. Der Reinertrag der Veranstaltung ist für wohlthä­tige Zwecke bestimmt. Ueber die Verkaufsstellen der Ein­trittskarten ist in dem Inserat der heutigen Nummer das Nähere zu erleben.

* Ueberfahren wurde gestern Nachmittag in der Leimenstraße durch ein Ulanenfuhrwerk ein siebenjähriger Knabe, Sohn eines Zuschneiders. Den Kutscher trifft dem Vernehmen nach keine Schuld. Der Zunge wurde, da er immerhin nennenswerthe Verletzungen davongetragen hat, ins Landkronkenhaus gebrockt.

, * Stenographisches. Am Mittwoch den 15. Oktober wird der Vorsitzende des hiesigen Narional-Stenogrophen-

Vereills im Vereinslokalezur großen Krone" den vor einiger Zeit angekündigten Vortrag über das Thema:Die Vorzüge der National-Slenographie vor der Arends'schen Volkskurz- schrift" halten, wozu auch Stenographen anderer Systeme will­kommen sind.

* Radsport. Bei dem am vergangenen Sonntag ab« gehaltenen Straß'n-Rad-Renuen auf der Landstraße Nieder- rodenback Forsthaus, das ohne jede Störung verlief und wobei sowohl Publikum wie Rennfahrer ein mustergiltiges Verhalten ablegten, sowie auch anderntheils wieder die getroffenen An­ordnungen der Veranstalter sich bewährten, gingen nachfolgende Herren als Sieger hervor: Erstfabren, 2000 Meter: 1. B. Sturm, 2. Möller, 3. Lub. Schäker: Hauptiahren, 5000 Meter: 1. Bauer, 2. Braunwell, 3. E. Sturm; Landsturmkahren, 5000 Meter: 1. A. Weber, 2. P. Biesack; Langsanffabren, 100 Meter: 1. E. S t u r m, 2. B. Sturm, 3. A. Webe r. Abends fand bei gemüthlichem Beisammen­sein, Abendunterbaltung und Tanz, in dem von Herrn Re­staurateur Scküßler prächtig besamten Saalezur Stadt Bremen" die Preisvertbeilung statt. Die zur Vertheilung ge­langten, von Gönnern des Radsports und Interessenten dieses Unternehmens gestifteten Ehrenpreise waren durchaus prächtige, wodurch die Sieger für ihre Anstrengungen reichlich belohnt, sowie außerdem noch mit schönen Ehrenzeichen geschmückt wurden. Wir mnnfen den Veranstaltern der Rennvereini- gung, daß ihnen auch fernerhin zur Förderung ihrer Ziele, die gleiche Sympathie erhalten bleibe.

* Verunglückt. Bei dem Scharfschießen und der An­griffsübung bei Birstein sind auch leider zwei Unglücksfälle zu verzeichnen. Am Montag Abend beim Einrücken in das Biwack fiel ein Obergefreiter des. Fuß-Art.-Req. Nr. 3 vom Protz­kasten. Demselben wurden beide Beine überfichren. Schwer verletzt wurde er nach Büdingen verbracht, wo er verstorben sein soll. Auch ein Kanonier des vorgenannten Regiments trug erhebliche Quetschungen an den Füßen davon.

* Viehm^rkt. Der Auftrieb zum heutigen Viehmarkt betrug 400 Kühe und Rinder, 9 Ochsen, 79 Kälber. Der Handel war flott bei hohen Preisen.

* Für die bevorstehende Kerbst und Winier- saison macht unsere einheimische Geschäftswelt große An­strengungen, um dem Wettbewerb auswärtiger Firmen erfolg­reich begegnen zu können. Dieses gewiß freudig zu begrüßende Bestreben zeigt sich auch in den Schaufenster - Ausstattungen. Gestern hat z. B. die Firma I. Hermann dahier eine Modellhut-Ansstellung eröffnet, die sowohl der Firma wie dem Dekorateur Herrn Goldschmidt alle Ehre macht. Wir wünschen der einheimiscken Geickäftswelt, daß ihr auch für ihre Aufwendungen her Erfolg nicht ausbleiben möge und das

Vorurtheil, daß man in benachbarten Großstädten besser kaufen könne, endlich einmal besiegt werde.

Gilt Manöver mit Scharsschießeu.

F. Büdinacit, 23. Septbr. Das war doch einmal et­was Anderes! Ein Manöver mit scharfer Munition! Kein Wunder, daß die Zahl derSchlachtenbummler" eine schier endlose war, die sich in die Gegend von Büdingen, Birstein usw. begeben basten, um den im Anschluß an die Herbstmanöver des 18. Armeekorps stattfindenden Angriffsübungen einer kom- btnirien Division, bestehend aus Truppenteilen der Infanterie- Regimenter 80, 87, 118, Hus.-Regt. Nr. 13, Feldartillerie- Regimenter 25, 27 und 63 und einem aus den Fußartillerie- Regimeniern Nr. 3 (Mainz) und Nr. 9 (Ehrenbreitstein) ge­bildeten Regiment mit schweren Feldhaubitzen beizuwohnen. Ueber diese interessante Uebung war bekanntlich derHanauer Anzeiger" zuerst in der Lage, berichten zu könuen. Die angreifende Partei (die Südarmee) stand unter dem Kommando des Generalmajors von Viebahn, Kommandeur der 50. Infanteriebrigade. Die Nordarmee unter dem Kommando des Obersten Frhr. Rudi v. Collenberg, Kommandeur des 1. Hess. Jnf.-Regts. Nr. 115, bestehend aus Theilen des 115. Infanterie-Regiments, der 13er Hu'aren, des Feld- artillerie-Regiments Nr. 61 und 3 Komp. des 21. Pionier­bataillons. Die Armee hatte sich auf dem Galgenberg zwischen Kefenrod und Wenings verschanzt. 3 Wochen lang hatte das 21. Pionierbataillon gearbeitet, um der Nordarmee eine wahrhaft formidable Stellung herzurichten. Die Vertheidigungs- Unie war 23 Kilometer lang und vollständig kriegs- mäßig hergestellt. Die Schützengräben waren mit Kopfscheiben versehen. Auch die Deckungsiräben für die Reserve waren mit Manschaktsscheiben angeffillt. Ebenso die vorschriftsmäßig eingedeckien lluterstände der Laufgräben. Die in den letzteren ausgestellten Scheiben waren in sitzender Stellung. Hinter der Infanterie stand die Artillerie mit Geschützen und Be­dienungsmannschaften, alles in Holz und Papier natürlich. Die Gräben waren für den Feind vollständig unsichtbar ge­macht, da sie oben theils wieder umgeackert, theils mit Boden - Erzeugnissen bedeckt waren. 200 bis 300 Meter vor den Laufgräben, am Abhänge des Galgen­bergs waren Drahtbefestigungen gegen einen Sturman­griffs durch Infanterie angebracht. Der Ausbau der Ver« theidigungsstellung stand unter der Leitung des Majors Hilde­mann, Kammandeurs des Pionier-Bataillons Nr. 21. Die Südarme trat am Montag von Gelnbansen aus den Vormarsch an und machte noch am Nachmittag einen Angriff auf den Galgenberg, der wohl mehr dazu diente, die Stellung der feindlichen Armee kennen zu lernen. Bei eintretender Dunkel­

Kleines Feuilleton

Kunft und Leben.

Bernhard Wenig, Exlibris. Verlag von Fischer und Franke in Berlin. 1902.

. Zu jenen Männern unserer Tage, die bestrebt sind, die wesent- l-chen Strömungen deutscher Kunst zu veranschaulichen und sich mit cmer charaklernnschen Probe ihres Könnens vorzustellen, um dadurch vcn nach echter Kunst hungernden Volksgenossen eine stärkende Nah- rung zu bietet gehört auch Bernhard W c n i g, einer unserer heimischen Minnier. Nachdem er in dem an Liebreizen der Natur so gesegneten Äerchtesgadener Hochgebirgslonde eine an künstlerischen Anregungen sehr reiche ^rmendznt verbracht hatte und im Münchener Knustleben infolge beupiclsloscr Arbeitsfreudigkeit zum Künstler gereist war, trat er in die Kunstwelt ein, um besonders im Dienste des Kunstgewerbes Neues und Eigenes zu schaffen. Namentlich entfaltete er auch auf Dem jett etwa >5 Jahren wieder neu belebten Gebiete der Exlibris- yetdjmmgjeine frischen Kräfte, wovon vorliegendes Werk ein beredtes o^ünm ist _ Auf b9 Blättern zeigt das vornehm ausgestattete, dauer- ' nane Buch die Produkte ferner K'nstbethätigung auf diesem Gebiete in meisterhast vollendeten Reproduktionen. Da der junge Künstler seine . Mieigneneidjen nach der Zeit ihres Entstehens geordnet hat, so ent- öleichzeitig ein Bild seiner künstlerischen Enttvickelung und tNandlung. > das trotz der Verschiedenheit und Vielse'tiqkest der Dar- Neiiimgen em Abweichen von feiner ursprünglichen Exlibris-Auffassung nirgends erkennen -äfft. Jede Vortäuschung einer relief- und luft- pernpet wnchen Wirkung ernstlich vermeidend, behandelt er seine Eri- vris als dekorative Blätter der Flächenkunst, deren Motive Anklänge an den Namen und Beruf, die Heimaih und Eigenheiten des Bestellers enthalten, zu welch' letzteren auch der als Autorität auf dem Exlibris- bekannte Graf zu Leiningen-Westerburg. ferner Gräfin Sophie ou Moulin, Walter Freiherr von Seckendorff, Anna Fürstm Wrede-

5^uwersrätsprofessor Hermann von Sicherer und andere uocygenellte Persönlichkeiten gehören. Die dem Vorworte beigegebenen Gemarkungen enthalten in knapper Form eine Inhaltsangabe jedes v Kunstblattes, an beren Hand das volle Verständniß dieser 9 uchc Plauderhaftigkeit ausgezeichneten Bucheignerzeichen er- leicyl wird. Daß neben einer unversiegbaren Erfindnnasgabe unserem jungem Künstler auch eine tiefgründige Empfindung eigen ist, verräth wune s^ichnungsweise, die durch eine klare, kräftige, flächenhafte Durch-

bildung der Linie in der Schwari-Weißtechnik eine mateWie Wirkung hervorzurufen und allen Kunfibefliffenen eine werthvolle Anregung zu bieten vermag. So liefert Weniq in vorgenanntem Werke aufs Neue ein Produkt seiner rastlosen Arbeitskraft und nimmermüden Energie, das sicherlich von vielen Kunstfreunden freudigst begrüßt, sein künstle­risches Ansehen auf eine noch höhere Stufe erheben wird. M.

Humoristisches.

Aus dem Tagebuch des Studiosus Pump- witz. Gute. Cigarren und gute Onkel erkennt man an der Asche.

Im Malck!

Von 61. Friede.

Jüngst zog ich in fröhlicher Runde, In gold'ner Morgenstunde, Zum grünen, dämmernden Wald. Wir lachten und sckerzten, Wir küßten und herzten, Wir waren ja jung, und der Herbst kam bald.

Beim fröhlichen Wandern im Glück zu zweit', Schwanb bald die Sonne und die Zeit, Schwarz und dunkel zogen die Sckatten. Sah'n deim alle die Fröhlichen nicht das Heer Der jagenden Wolken, grauschwarz und schwer Nicht den Sturm über grünen Matten?

Sie lachten und scherzten in jubelnder Freud, Ich aber dachte des Fluges der Zeit Dachte des nahenden Sturmes.

Und das Wetter kam,

Und mit sich nahm,

Es die jubelnden Frenbeugenossen.

Ich blieb allein in Nacht und Graus Kein naher Freund und kein Znhaus Doch int Herzen jubelnde Freude.

Allein mit Gott, in Kampf und Noth Vertrauend eigner Kraft und Gott In Sonne und Sturm gestern nnb heute

Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.

Minima unter 755 mw lagern nördlich Schottlands, unter 760 mm südlich Irlands, ein Maximum über 775 mm lagert über Wishy und vorm Kanal. In Deutschland ist das Wetter ruhig, heiter, trocken und kühl.

Prognose für den 25. Septbr.: Im Westen wärmeres, trübes, im Osten noch kühles, heiteres, trockenes Wetter wahrscheinlich.

Barometerstand

mittags 12 Uhr am 23./9.

Sehr trocken Beständig

Schön

Veränderlich

760~

Regen'(Wind)

750-==

24./9.

770

730,

720

710.

Viel Regen 740. Sturm

760

750

,740

,730

720

710