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Erstes Blatt.

Hanauer W Anzeiger

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Duchdruckerei des verein, cv. Waisenhauses in Hanau.

Geunal-Auzrigtr.

MtWes Am fit Stadt- and Landkreis Kam».

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

Nr. 144. FernspreKanschluß Nr. 605.

Dienstag den 24. Juni.

F-rnsPnchanschluß Nr. 605

1902

Amtliches.

Stadtkreis Sanau.

Bekanntmachungen des OberbürgermeisteramLes.

Bekanntmachung^

Zum Besten der Ueberlebenden der Katastrophe auf der Insel Martinique sind

bei demHanauer Anzeiger" 32.50 Mark

bei derHanauer Zeitung" 2.40

zusammen 34.90 Mark eingegangen und an die Königliche Hauptseehandlungskasse in Berlin abgeführt worden.

Hanau den 20. Juni 4902.

Der Vorsitzende

des Vorstandes des Zweigvereins vom Rothen Kreuz.

Dr. Gebeschus. 40922

Bekanntmachung betreffend die Nachversteuerung von Schaumwein.

Nach den vom Bundesrath erlassenen Ausführungsbestim­mungen zum Schaumweinsteuergesetz vom 9. Mai 4902 hat Jeder, der am 1. Juli 1902 im freien Verkehr befindlichen inländischen Schaumwein im Besitz oder Gewahrsam hat, diesen spätestens am 3. Juli 4902 bei der Steuerhebestelle seines Bezirks (Hauptsteueramt, Steueramt I oder II) schriftlich unter Angabe der Art und Menge und des Aufbewahrungsorts zur Nachversteuerung anzumelden. Schaumwein, der sich am 4. Juli M2. untaweoiy^^ anzu- melden, sobald er in besten Besitz gelangt ist.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich für Schaumwein im Besitze von Haushaltungsvorstäuden, die weder Aus- schank noch Handel mit alkoholischen Getränken betreiben, so­fern seine Gesammtmenge nicht mehr als 30 ganze Flaschen oder eine entsprechende Menge von kleineren oder größeren Flaschen beträgt. Konsumvereine, Kasinos, Logen und ähn­liche Vereinigungen gehören indessen nicht zu denjenigen Haus­haltungsvorständen, welche nach Vorstehendem von der An- meldungspflicht befreit sind.

Wirthe und solche Personen, die mit alkoholischen Getränken Handel treiben, sowie Konsumvereine, Kasinos, Logen und ähnliche Vereinigungen sind verpflichtet, auch den am 4. Juli 4902 in ihrem Besitz oder ihrem Gewahrsam befindlichen ausländischen verzollten Schaumwein der Steuer­hebestelle ihres Bezirks anzumelden. Zur Nachsteueranmeldung sind Vordrucke zn benutzen, welche von der Hebestelle unent­geltlich geliefert werden.

Die Anmeldepflichtigen haben den mit der Nachsteuer-Re­vision beauftragten Beamten diejenigen Hilfsdienste zu leisten oder leisten zu lassen, welche nöthig sind, um die amtlichen Feststellungen in den erforderlichen Grenzen zu vollziehen. Die bis zum Zeitpunkte der Revision erfolgten Veränderungen des angemeldeten Schaumweinvorraths durch Zu- und Abgang sind den Revisionsbeamten vor Beginn der Revision mitzutheilen und auf Verlangen näher nachzuweisen.

Krankenhäuser und Sanatorien sind den Konsumvereinen, Kasinos, Logen und ähnlichen Vereinigungen gleich zu stellen. Sie haben also sämmtlichen am 4. Juli d. Js. in ihrem Be­sitz oder Gewahrsam befindlichen inländischen und ausländischen Schaumwein zur Anmeldung zu bringen.

Hanau den 23. Juni 4902.

Königliches Hanpt-Steuer-Amt. 40927

In das hiesige Genoffenschaftsregister ist bei Nr. 2 Marköbeler Darlehnskaffenverein, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht zu Marköbel," eingetragen:

In der Generalversammlung vom 2. Juni 4902 ist an Stelle des seitherigen Vereinsoorstehehers Heinrich Koch zu Marköbel der Wagner Johannes Meerbott daselbst gewählt worden, während Heinrich Koch zum Vorstandsmitglied bestellt ist. Eingetragen laut An­meldung vom 2. Juni 4902 und Verfügung vom 17. Juni 4902 am 48. Juni 4902.

W i n d e ck e n den 48. Juni 4902.

__Königliches Amtsgericht. 40929

In der Konkurssache Beyrich ist der Prüfungstermin vom 4. Juli auf den

30. Juli d. Js., vormittags lO^ Uhr, verlegt.

Wächtersbach den 44. Juni 4902.

Königliches Amtsgericht. 40887

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Befunden: 4 goldene Vorstecknadel, 4 grünes Plüsch- portemonnaie mit 6 Mk. und einigen Pfennigen Inhalt, 4 grünes längliches Lederportemonnaie mit 4.47 Mk. Inhalt, einem kleinen Schlüssel und einem Fingerhut, 4 Portemonnaie mit einigen Pfennigen Inhalt, 4 Mitgliedskarte vom Stettiner Turnverein für Gustav Bocoard.

Verloren: 4 Kneifer mit Nickelgestell, 4 schwarzer Gürtel mit silberner Schnalle, dieselbe ist mit lila Steinen be­setzt, 4 graues Anhängetäschchen mit einem weißen Taschentuch, dasselbe trägt den Namen Anna, 4 Brief.

Hrnau den 24. Juni 4902.

Rücktritt des Ministers v. Thielen.

Es wird amtlich bestätigt, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten Herr von Thielen sein Entlassungsgesuch eingereicht hat und daß dasselbe die Genehmigung des Kaisers gefunden hat. Herr v. Thielen war am Sonntag beim Kaiser zum Frühstück im Familienkreis zu Potsdam geladen. Der Kaiser überreichte dem scheidenden Minister bei dieser Gelegenheit den Schwarzen Adlerorden. Herr von Thielen ist auf den ver­schiedensten Gebieten des Staatswesens thätig gewesen. Durch die Umgestaltung der Staatseisenbahn-Verwaltung vom 4. April 4895 in Verbindung mit der Neuordnung des Etats- und Finanzwesens, die gleichzeitig in Kraft trat, ist die Eisenbahn- Verwaltung von bureaukratischen Formen und schwerfälligem Ballast des Schreibwesens befreit, ihre Beziehungen sind zu der verkehrtreibenden Bevölkerung inniger gestaltet und vor Allem sind nicht nur mittelbar, sondern auch unmittelbar für die Staatskasse Ersparnisse in solcher Höhe erzielt, daß aus den Eisenbahnüberschüssen alljährlich bis zu 20 Millionen Mk. zur Befriedigung allgemeiner Bedürfnisse des Staates mehr zur Verfügrng stehen, als es ohne diese Reformen möglich ge­wesen wäre. Auf dem Gebiete des Tarifwesens hat Herr v. Thielen die altbewährten Grundlagen im Allgemeinen beibehalten, dem ermäßigten Stückgutstaffeltarif auf allen deutschen Bahnen Eingang verschafft und stets dahin gewirkt, durch Sondertarife und andere sich eng an die wechselnden Bedürfnisse des Er­werbslebens anschließende Maßnahmen dort Erleichterungen zu gewähren, wo die Kräftigung der heimischen Industrie und Landwirthschaft dies erforderten. Unter Thielens Leitung haben sich die Staatsbahnen von 24 700 Kilometer auf rund 32 000 Kilometer vergrößert. Dazu sind auch die Hessischen Staats­bahnen gerechnet, die seit dem Jahre 4897 mit den Preußi­schen Staatsbahnen zu einer Betriebs- und Finanzgemeinschaft vereinigt sind. Die Bildung dieser Vereinigung dürfte, wenn nicht alle Zeichen trügen, mit der Zeit den Ausgangspunkt der Einheit im deutschen Eisenbahnwesen bilden. An Klein­bahnen sind seit dem Jahre 4892 über 6000 Km. gebaut worden. Mit unerschütterlicher Energie hat Herr v. Thielen stets den Grundsatz beobachtet, den im Geldwerth auf jährlich Hunderte von Millionen Mark zu beziffernden Bedarf an Wagen, an Kohlen, Schienen und anderen Materialien im eigenen Lande zu decken, gewiß die nachhaltigste und verdienst­vollste Förderung einheimischer Industrie. Daß dabei die Kon­junktur ausgenutzt, recht häufig günstige Preise für die Staats­kasse erzielt wurden, war die Pflicht und Kunst des Leiters eines Unternehmens, an dessen guten Erträgnissen alle Staatsbürger und Steuerzahler ein Interesse haben. Seit dem Jahre 4894 ist das Beamten - und Arbeiterpersonal der Reichs- und Preußischen Staatsbahnen von rund 250 000 auf beinahe 400 000 angewachsen. Für das Beamten- und Arbeiterpersonal ist auf den verschiedensten Gebieten gesorgt worden. Welch ungeheurer Aufschwung die Staatseisenbahnen in allen Zweigen unter der Leitung Herrn von Thielens ge­nommen, zeigen auch noch folgende Zahlen: Bei Uebernahme seines Amtes im Jahre 4894 betrugen die Betriebs-Einnahmen 919 692 000 Mark oder 36 690 Mark auf 1 Kilometer, die Betriebs-Ausgaben 601847 400 Mark und der Betriebs-Ueber- schuß 317 844 000 Mark; dagegen stellten sich im letzten ab­geschlossenen Jahre (4900) die Einnahmen auf 1392 336 006 Mark oder 45 532 Mark für 1 Kilometer, die Ausgaben auf 828 448 000 Mk. und der Betriebs-Ueberschuß auf 564 218 000 Mark, sodaß die Verzinsung des Anlagekapitals von 4,91 pCt. auf 7,44 pCt. gestiegen ist. Während damals 7876 Millionen Personenkilometer geleistet wurden, stieg die Leistung im Jahre 1900 auf 44 767 Millionen Personenkilometer und 24 590 Millionen Tonnenkilometer, also fast auf das Doppelte. Aber auch die Ausgestaltung der Bahn hielt mit diesem gewaltigen Verkehrsaufschwunge Schritt. Während 1891/92 nur 9534 Kilometer zwei- und mehrgleisig waren, sind jetzt (1900) bereits 42446 Kilometer mit zweiten (theils auch mit dritten und vierten) Gleisen belegt. Dagegen stieg die Länge der Neben­bahnen von 6616 Kilometer auf 10640 Kilometer. Die Zahl

der Lokomotiven wurde von 40 420 auf 42 867 erhöht. Per­sonenwagen und Güterwagen sind ganz beträchtlich vermehrt worden. Die Zahl der Unfälle ist heruntergegangen. Herr v. Thielen hat auch für die Verwaltung der Reichseisenbahnen Ersprießliches geleistet. Im Geschäftsbereiche der »Staats- b a u v e r w a l t u n g hat das Allgemeinwohl unter seiner Leitung eine umfassende Förderung erfahren. Für die Beseitigung der Hochwassergefahren sind Maßnahmen getroffen, der Ausbau der natürlichen Wafferstraßen ist gefördert, die Erweiterung der Seehäfen beschleunigt. Wegewesen und Hochbauten haben gleich­falls Förderung erfahren.

Kus Stadt und Cand.

Hanau, 24. Juni.

Lokal-historische Notizen.

24. Juni 1809. Insurrektion des alten Oberstleutnant Emmerich, gebürtig aus Kilianstädten, zu Marburg gegen die französische Herrschaft in Hessen. Er wurde zum Tode verurtheilt, von einer Kompagnie französischer Jäger aus dem Kastell in Cassel abgeholt und marschirte im Geschwindschritt, sein Pfeifchen rauchend, mit auf den Forst bei Cassel und komrMndirte selbst mit unverbunde- nen Augen seine Erschießung, indem er rief:Es lebe der Kurfürst, es sterben die Franzosen, Feuert" Er hatte sich schon im siebenjährigen Kriege durch die kühnsten Thaten ausgezeichnet, so namentlich vor der Schlacht bei Bergen.

* * *

* Personalien. Herr Generalsuperintendent Lohr und Herr Pfarrer Lic. theol. Sard em ann in Cassel sind von der theologischen Fakultät der Universität Marburg zu Ehrendoktoren Ernannt worden. Die Stelle des ProvInzial- steuerdirektors für die Provinz Posen ist dem zum Geheimen Finanzrath und Provinzialsteuerdirektor ernannten bisherigen Oberregierungsrath Carthaus in Cassel verliehen worden. Der Oberregierungsrath Bartikowski in Magdeburg ist in gleicher Eigenschaft an die Provinzialsteuerdirektion zu Cassel versetzt worden.

* Militärisches. Ein aus dem ganzen 48. Armee­korps zusammengezogenes Radfahrer - Detachement wird am-3. Juli in Mainz zu einer größeren Uebung zusammentreten.

* 49. Feldbergfest. Am Sonntag den 22. Juni wurde das 49. Feldbergfest abgehalten. Das Turnen erlitt eine Verzögerung durch einen dichten Nebel, der sich in den frühen Morgenstunden um den Turnplatz lagerte und den Boden schlüpfrig machte, was zur Folge hatte, daß, wie schon gestern bemerkt, der Weithochsprung ausfallen mußte. Die Uebungen bestanden in Stabhochsprung, Steinstoßen und Schnell­laufen über 200 Meter. Angetreten waren zum Turnen 670 Turner, wovon 399 als Sieger hervorgingen. Auch die hiesi­gen Turnvereine hatten eine große Anzahl Preisturner ent­sandt, von denen den 7. Preis Georg Appel (Turnverein) mit 26 Punkten, den 40. Preis Fritz Funk (Turngemeinde) mit 24Vi P., den 48. Preis W. Ludwig (Turngem.) mit 20^2 P., den 19. Preis E. Bieg (Turngem.) mit 20 P., den 20. Preis Ph. Spähn (Turngesellschaft) mit 49*/, P., den 22. Preis Otto Appel (Turnv.) und E. Falk (Turn­gesellschaft) mit je 481/» P., den 23. Preis O. Holzschuh (Turngem.) mit 48 P. erhielt.

* Sterbekaffe. Auch die kürzlich verstorbenen Gast­wirthe Konrad Steinberger und Georg Schäfer - Cassel, Jakob Schernik-Ostheim, Marie Liebehenz-Hanau, Louis Dreher-Marburg und Wilh. Kalbfleisch-Gelnhausen, waren Mit­glieder der Sterbekasse des Bundes Deutscher Gastwirthe (Juristische Person, Sitz in Darmstadt) und wurde infolge dessen das ansehnliche Sterbegeld im Betrage von zusammen 6428 Mk. den Angehörigen durch die Bezirks-Ortsrechner wenige Stunden nach Einkauf der Sterbeakten ausbezahlt. Wir haben bereits mehrfach über den guten Stand und die prompten Auszahlungen sowie das segensreiche Wirken dieses angesehenen und weitverbreiteten Instituts berichtet und wollen heute nur wiederholt darauf Hinweisen, wie sehr vortheilhaft und segenbringend die Mitgliedschaft zu demselben für jede Deutsche Gastwirthsfamilie ist, weshalb der Beitritt nur aufs Wärmste empfohlen werden kann.

* Der Kunstschule der Juweliere, Gold- und Silber­schmiede zu Berlin, in der städtischen Schule Mohrenstr. 44, ist von der Firma Bündert & LettrS (Inhaber: Robert Schmidt und Wilhelm Le ttrö zu Berlin) eine Preisstiftung in Höhe von 600 Mark in hochherziger Weise gemacht worden. Die Stiftung geht dahin, daß alle 2 Jahre die genannte Summe in verschiedenen Preisen an die besten Schüler, in Form von kupfernen und silbernen Medaillen, sowie entsprechenden Geldpreisen zur Vertheilung gelangt.