Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt.

Hanauer G Meiger

Bezugspreis:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Ärztliches Organ sät Stadt- und Landkreis Kanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau, .

Nr. 169

Fernsprechanschluß Nr. 605.

Mittwoch den 23. Juli

Fernsprechanschluß Nr. 605

1902

Amtliches.

Stadtkreis Ranau»

Bei einem im hiesigen Schlachthofe gestern geschlachteten Schweine wurde die Schweinerothlaussettche festgestellt. Hanau den 22. Juli 1902.

Königliche Polizei-Direktion.

P. 7388 I. V.: Valentin er, Reg.-Assessor.

Candkreis Ranau.

Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.

Der Trichinenbeschauer Heinrich Martin Gärtner zu Marköbel ist zum Schlachtviehbeschauer für den Schaubezirk Baiersröderhof an Stelle des aus dem fraglichen Amte ausgeschiedenen Domänenpächters Ferdinand Schwarz zu Baiersröderhof bestellt worden.

Hanau den 18. Juli 1902.

Der Königliche Landrath.

V. 6834 I. V.: Valentine r, Reg.-Assessor.

Handelsregister.

A. 261 Firma H. Schiff & Co., Hana u. Der Kauf­mann Leopold Schiff ist durch Tod ausge­schieden. Das Handelsgeschäft wird von der ver­bleibenden Gesellschafterin Wwe. Gleichen Schiff geb. S ch n a d i g und dem neu eingetretenen Gesell­schafter Kaufmann Julius Schiff von Hanau unter unveränderter Firma fortgeführt. Unter den jetzigen Gesellschaftern besteht die Handelsgesellschaft seit 1. Juli 1902. Die bisherige Prokura des genannten Julius Schiff ist erloschen.

A. 371 Firma Louis Israel, Agentur in H a n a u a. M. Die Firma ist erloschen.

Hanau den 19. Juli 1902.

Königliches Amtsgericht 5. 12627

Dicnstmchrichten aus dem Kreise.

Ferdinand Meerbott von K e s s e l st a d t ist zum Nachtwächter der Gemeinde K e s s e l st a d t bestellt und verpflichtet worden.

Hanau den 19. Juli 1902. V 7017

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Verloren; 1 Kriegsdenkmünze und 1 Kaiser Wilhelm- Erinnerungs-Medaille auf dem Wege OberdorfeldenHanau, 1 Kriegsdenkmünze und 1 Kaiser Wilhelm-Erinnerungs­Medaille auf dem Festplatz zu Oberdorfelden, 1 silberne Herrenuhrkeite.

Hanau den 23. Juli 1902.

Aus Stadt und £and.

Hanau, 23. Juli.

* Ueber Obsternte-Aussichten für 1902 bringt der Praktische Rathgeber im Obst- und Gartenbau" (Verlag Trowitzsch u. Sohn, Frankfurt a. d. Oder) eine Zusammen­stellung, die auf Grund eingegangener Berichte aus allen Theilen Deutschlands aufgebaut ist. Für Hesfen-Nassau ge­stalten sich nach den 28 eingelaufenen Nachrichten aus dieser Provinz die Obsterträgnisse wie folgt: Aepfel Mittel, Birnen Mittel bis gering, Hauszwetschen und Pflaumen sehr gering, Süßkirschen, Sauerkirschen und Pfirsiche Mittel bis gering, Aprikosen gering, Stachelbeeren gut, Johannisbeeren, Him­beeren und Erdbeeren gut bis Mittel, Brombeeren gut, Heidel­beeren Mittel, Walnüsse und Haselnüsse gering. Die Obst­ernteaussichten für ganz Deutschland für 1902 sind im all­gemeinen nicht günstig. Aepfel sind wenig, aber bester als im Vorjahre, Birnen nur gering. Selbst das sonst so zuver­lässige Beerenobst ist dieses Jahr nicht so reichlich wie sonst. Charakteristisch ist für dieses Jahr der schroffe Wechsel im Behang. In Oesterreich sind Aussichten auf eine mittlere Aepfelerte, Birnen, zum Theil auch Pflaumen, unter Mittel. Die bevorstehenden Angaben wurden gegen Mitte des laufenden Monats abgeschlossen.

* Meisterprüfungen. Wie bereits erwähnt, unter­zogen sich am Samstag hiesige selbständige Handwerker der Prüfung zur Erlangung des Meistertitels. Es waren dies die Herren Maler Keipp und Bäcker Kern, die beide sowohl in Theorie als Praxis die Prüfung mit dem Prädikatsehr gut" bestanden.

* Ferienkurse. Zurückgebliebene Schüler des Gym­nasiums, der Realschule" nnd der anderen höheren Schulen

können noch in die an anderer Stelle angezeigten Ferien­kurse eintreten, auf welche wir noch einmal empfehlend Hin­weisen wollen.

** Ein frecher Schwindel. Die Herren Fahrrad­marder scheinen auf neue Tricks zu kommen. In der Nacht vom Sonntag zum Montag miethete sich im GasthofeZur Post" ein gutgekleideter junger Mann von 2628 Jahren ein, der sich unter dem Namen G. Borr, cand. theol. aus Bafel, in das Fremdenbuch eintrug. Gestern Morgen suchte der Herr einen hiesigen Fahrradhändler auf, stellte sich als Vizefeldwebel der Reserve vor, der hier beim Infanterie- Regiment eine Uebung machen müsse und verlangte ein gutes Rad auf ein paar Stunden zu leihen, weil er sich die Stadt ein wenig ansehen wolle. Dem Herrn Kandidaten wurde bereitwilligst ein solches Rad ausgefolgt, er radelte lustig fort und ist bis jetzt noch nicht zurückgekehrt. Nachfragen beim Regiment haben ergeben, daß die Angaben desVizefeldwebels der Reserve" Schwindel sind. Das Rad war ein Brennabor- rad mit schwarzem Nahmenbau und nach unten gebogener Lenkstange. Der Gauner, der auch seine Zechschuld im Betrag von 3.80 Mk. in derPost" zu bezahlenvergaß", ist in der Richtung nach dem Franksürter Thor davongefahren.

* Parolemuffk. Da die hiesigen beiden Miltärkapellen verhindert sind, am nächsten Sonntag im Schloßgarten die übliche Parolemusik aufzuführen, so wird dafür heute Nach­mittag von 67 Uhr das Trompeterkorps des hiesigen Ulanen - Regiments im Schloßgarten concertiren.

* Stenographie. Die 5. Jahresversammlung des Südwestdeutschen Verbandes für National-Stenographie (System v. Kunowski) tagte am 19.21. d. Mts. in Baden-Baden. Samstag, abends 9 Uhr, fanden die Verbandsverhandlungen im Saale der Bierbrauerei Balzer statt. Nach dem erstatteten Jahresbericht hat der Verband um 7 Vereine zugenommen. Im Geschäftsjahr wurden 1037 Personen unterrichtet. Als Verbandsdelegirter zum 5. Deutschen Bundestag in Cöln wurde Herr Joh. Match. S ch w i n d i-Hanau gewählt. Der nächste Verbandstag findet vom 20.22. Juli 1903 in Col- mar statt. Sonntag den 20. Juli, vormittags 9 Uhr, ver­sammelten sich die Stenographen in der Aula der Ober-Real­schule und Realgymnasium, wo der Verbandsvorsitzende in einer Begrüßungsrede die anwesenden Stadt- und Schulbehörden sowie die zahlreichen Stenographen anderer Systeme herzlich willkommen hieß. Hierauf führte der Vorsitzende eine Klaffe stenographirender Schüler und Schülerinnen im Alter von 1017 Jahren vor. Das Lesen und Schreiben wurde als mustergiltig von den Anwesenden anerkannt. Darunter waren Kinder, die das System erst seit 13 Stunden kannten. Anschließend hieran hielt Herr Redakteur Hermann Koeblin- B.-Baden einen 3Aftünbigen Vortrng über das Thema Moderne Stenographie". Rauschender Beifall war der Dank der Zuhörer und meldeten sich sofort ^zahlreiche Stenographen anderer Systeme und Laien zu dem nächsten Kursus. Um 11 Uhr fand das große öffentliche Preiswett- schreiben in Geschwindigkeitsstufen von 60280 Silben statt. Die Preisvertheilung ergab 65 Preise und zwar: 51 erste, 8 zweite, 5 dritte und eine lobende Anerkennung. Das Preisrichteramt bestand aus 10 Personen, darunter auch der Delegirte des hiesigen National-Stenographen-Dereins und durften dieselben am Preisschreiben nicht theilnehmen. Am Montag den 21. Juli, vormittags 10 Uhr, fand Zusammenkunft im Kaiserhof statt. Nach­mittags war allgemeiner Ausflug nach demAltenSchloß", welches den Äugen ein prächtiges Panorama bot. (Hier kamen die Mit­glieder des hiesigen Spestart-Touristen-Vereins ebenfalls an.) Am Abend trennte man sich mit dem Wunsche auf ein frohes gesundes Wiedersehen in Colmar 1903.

* Dom Fahnenweihfeft in Keffelstadt. Die Nachfeier am Montag hatte leider unter bet, Ungunst der Witterung zu leiden, was um so bedauerlicher ist, als seitens des festgebenden Vereins alle Vorbereitungen getroffen waren, um den Besuchern wieder einige angenehme Stunden zu be­reiten. Was hier der launische Wettergott vereitelt, das soll nun am nächsten Sonntag nachgeholt werden, indem eine Nachfeier für den Nachmittag geplant ist. Insbesondere soll auch das Feuerwerk am Schluß abgebrannt werden, was wohl nicht verfehlen dürfte, dem Feste eine besondere Anziehungs­kraft zu verleihen. Denjenigen, welchen am Sonntag in der Unruhe des Augenblicks oder in Folge zu weiter Ent­fernung der Text der Festrede entgangen ist, welche Herr Bäckermeister Stock an die versammelten Theilnehmer bei der Ankunft auf dem Festplatz hielt, bringen wir, einem nach­träglich geäußerten Wunsche folgend, die Rede noch zum Ab­druck. Dieselbe lautete:

Hochgeehrte Festgenossen, werthe Sangesbrüder! Ein freudiges Ereigniß versammelt uns heute hier in den Gefilden Kesselstadts. Gilt es ja doch, das Fahnenweihfest des Ge­sangvereinsHumor" heute festlich zu begehen, und da drängt

es mich, Ihnen Allen, werthe Festgenosfen und Sangesbrüder, welche aus Nah und Fern hierher gekommen sind, um unser Fest mit ihrer Gegenwart zu verherrlichen, im Namen des GesangvereinsHumor" den innigsten herzlichsten Dank auszusprechen. Der GesangvereinHumor" blickt auf ein 18jähriges Bestehen zurück und ist in den Mitgliedern des Ver­eins in den letzten Jahren der Gedanke wach geworden, sich eine Fahne, ein Banner anzuschaffen, welches die Zusammen­gehörigkeit, die Eintracht, die Liebe und die Lust zum Gesang immer mehr festigen soll. Und so blickt nun heute der Verein auf seine neue Fahne, welche derselbe aus eigner Kraft ange­schafft hat. Möge uns nun dieses Banner ein neuer Sporn sein, mittels des Gesanges das Edle und Schöne zu fördern und möge unser Verein ferner eine Pflanzschule deutscher Sangeskunst sein. Und nun überlassen wir uns einige Stunden in Liebe und Eintracht dem Gesang und dem geselligen Ver­gnügen, mit dem Wunsche, daß die uns vorgetragenen Lieder- roetfen uns immer mehr zu Edlem und Höherem anspornen möge. Sie aber verehrte Festgenoffen und Sangesbrüder fordere ich auf, mit mir einzustimmen in den Ruf: Das deutsche Lied und seine Dichter leben hoch, hoch, hoch!"

* * Gewitter. Gestern Nachmittag zwischen 2 und 4 Uhr zog ein heftiges Gewitter, von schweren Niederschlägen begleitet, in der Richtung von Westen nach Osten über unsere Stadt. Gewaltige Donnerschläge ließen sogleich vermuthen, daß es mehrfach eingeschlagen hatte, was sich nachher auch be­stätigte. Zunächst schlug der Blitz in die elektrische Alarm­anlage im Polizei-Direktions-Gebäude, wie sich ferner daselbst feststellen ließ, in einen Feuermelder, der aber noch zu ermitteln ist. Weiter schlug der Blitz in die elektrische Anlage des Hauses der Wittwe Döring (Neue Anlage), in die elektrische Anlage des Zimmermeisters Wörner und in diejenige der Schuh­fabrik Wachsmuth, an sämmtlichen betroffenen Leitungen mehr oder weniger erheblichen Schaden verursachend. Inder Schuhfabrik war der Arbeitssaal voller Schwefeldunst. In ein der Firma Jäger u. Rumpf gehörendes Arbeiterwohn- Haus am Großen Rohr (jetzt Dettingerstraße) schlug der Blitz ebenfalls ein, jedoch ohne zu zünden. Ein glücklicher Um­stand war hierbei der, daß der Blitz an der Wand ent­lang fuhr, in deren direkter Nähe eine Wiege mit einem Kinde stand, ohne dasselbe zu beschädigen. Er streifte rings herum die Wand, fuhr in die Küche, hier durch den Herd fahrend und die Asche zerstäubend, und ging dann in den Boden. Der Blitz hatte nur das Fensterkreuz und die Vor­hänge angesengt, welche von der Frau aber gleich gelöscht werden konnten. Aus alledem ist deutlich die Gefahr ersicht­lich, welche bei Gewittern demjenigen droht, der sich einer elektrischen Anlage nähert; man soll daher auch dem Telephon auf jeden Fall fern bleiben. Ferner ist es räthlich, sich mög­lichst in der Mitte des Zimmers aufzuhalten und ins­besondere eiserne Gegenstände, wie den Ofen oder Herd, zu meiden.

* Berh »steter Schwindler. In verschiedenen Tages­blättern erschien vor Kurzem eine Annonce des Inhalts, daß nach Afrika (Transvaal) eine größere Anzahl Kaufleute und Handwerker bei hohem Lohne und freier Fahrt gesucht werde. Reflektanten wurde dann von einem angeblichenInstitut zur Förderung und Hebung der Kultur in Afrika" ein gedrucktes Zirkular mit der Unterschrift Karl Schulze zugesendet, dessen Hauptinhalt offenbar danach ab- zielte, 20 Mk. Kaution von jedem Stellensuchenden zu erhalten. Der angebliche Karl Schulze ist nunmehr verhaftet und hat zugestanden, daß das genannte Institut nicht existirt und er keine Stellen zu vermitteln oder zu vergeben habe.

Aus dem Gerichtssaal.

Sitzung des Hanauer Schöffengerichts vom 22. Juli.

Der Taglöhner K. belästigte eines Abends im März nach Theaterschluß einen jungen Mann dadurch, daß er ihm fort­während in die Kniekehle trat. Als ihm ein Schutzmann dies verbot, wandte er sich gegen diesen. Er trat dem Schutzmann­auf den Fuß, zerriß ihm die Uniform und schlug ihm ins Gesicht. Dafür erhält der mehrfach vorbestrafte K. 4 Monate Gefängniß. Der Viehhändler St. von Mühlheim ist des Vergehens gegen die Reg.-Pol.-Derord. vom 22. Januar 1902 angeklagt, weil er ein Kalb anstatt gefahren durch Treiben transportirt hat. Das Schöffengericht hat neulich schon in einem ebenso gelagerten Falle auf Freisprechung erkannt, weil es die betreffende Polizeiverordnung nicht als zu Recht be­stehend erachtet, heute wird in demselben Sinne erkannt. Der Tagelöhner P. erhielt ein Strafmandat von 15 Mark, weil er wieder einmal nächtlichen Unfug verübt hat. Das Schöffengericht erkennt gleich auf drei Tage Haft. Die Tagelöhner G. und B. sollen in der Schloßgasse groben Un-