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Erstes Blatt.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- geipaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
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Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. ,
Erdrückt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Mdjta Organ für Stadt- itt* Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Berantwortl. Redakteur: S. Schrecker in Hanau.
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Nr. 273. FernsprechaMluß Nr. «ES. Samstaa den 22. November
Fernsprechanschlnß Nr. 605»
1902
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanau.
Eine Anzahl betheiligier Handwerker hat bei mir die Errichtung einer Zwangsinnung für alle diejenigen, welche in dem Stadt- und Landkreise Hanau das Schneider- und Mützenmacher-Handwerk als stehendes Gewerbe selbständig betreiben, gleichviel ob dieselben der Regel nach Gesellen und Lehrlinge halten oder nicht, beantragt,
Ich habe daher auf Grund des § 100 Abs. 1 derMeichs- gewerbeordung in der Fassung des Gesetzes vom 26. Juli 1897 (R. - G.-Bl. S. 663) den Herrn Oberbürgermeister Dr. Gebeschus zu Hanau zu meinem Kommissar zur Ermittelung, ob die Mehrheit der betheiligten Gewerbetreibenden im Bezirk der geplanten Zwangsinnung der Einführung des Beitritiszwangs zustimmt, bestellt. (A. II. 13769.)
Cassel am 6. November 1902.
Der Regierungs-Präsident. -
I. V.: Mauve.
Wird veröffentlicht.
Hanau den 21. November 1902.
Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.
V 11429
v. Beckerath.
Candkmd Danau.
Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
Die Königliche Regierung hat mittelst Verfügung vom 15. November d. Js. -achträglich angeordnet, daß die Liquidationen der Vorsitzenden und Mitglieder der vereinigten Einkommensteuer * Vorein- schähungskommisstonen über Reisekosten und Tagegelver, sowie über Versäumnitzgebühren nur in einer Ausfertigung aufgestellt und eingereicht werden. Im Anschlüsse an meine Verfügung vom 17. November d. Js., St. 4980, bringe ich dieS zur Kenntniß der Herren Vorsitzenden der Voreinschätzungskommissionen.
Hanau den 22. November 1902.
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer-Veranlagungs-Koutmission. für den Landkreis Hanau.
St 5024 I. V.: V a l e n t i n e r, Rea.-Assessor.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Sturmlaterne, 1 Schulchorbuch, 1 rothes neues Portemonnaie ohne Inhalt, 1 Taschenmeffer, 1 Brille mit Futteral, 1 Drille ohne Futteral, 1 Paar alte braune
Feuilleton
Geistliche Mufil-Aufftihrimg in der Marienkirche am 24. November, abends TIa Uhr.
Am letzten Sonntage im Kirchenjahr feiert die evangelische Kirche das Todtenfest. Da lag es denn nahe, in der am folgenden Tage stattfindenden geistlichen Munkaufführung den Gedanken an die Vergänglichkeit alles Irdischen und die Sehnsucht des Menschen nach einem vollkommeneren Zustande der versammelten Gemeinde in musikalischem Gewände vorzüführen. Eine Elegie für Orgel von Dk. J. G. Herzog leitet den musikalischen Gottesdienst ein. Nach dieser stimmungsvollen Komposition singt der Chor das tiefempfundene schottische Kirchenlied „DaS Leben welkt wie Gras, wie Blumen auf der Flur." — Schneller oft, als man es ahnt, streckt der Tod seine Hand auch nach dem Menschen aus. Darum folgt als zweites Chorlied der Choral „Wer weiß, wie nahe mix mein Ende". Die Melodie stammt aus dem Jahre 1805. — Der gewisse Tod erfüllt aber die Seele der meisten Menschen mit Schrecken. Darum ruft uns der nun folgende Sologesang von J. Naff zu: „Sei still, wie Gott es will." Aber dies Slillesein ist schwer. Unser Herz ist mit tausend Fasern an Gottes schöne Welt geknüpft. Das, zeigt uns F, Schuberts herrlicher Gesang „Im Abendröth." Doch zuversichtlich klingen auch daraus die Worte: „Ich will im Busen tragen deinen Himmel schon allhier." Diese Sehnsucht nach einem vollkommneren Zustande, vor allem nach Frieden ist wohl nicht schöner zum Ausdruck gebracht worden als in Beethovens feierlich erhabener Hymne „Heilige Nacht, o gieße du Himmelsfrieden in dies Herz." Aber es ist nur einer, der uns diesen Frieden geben kann. Das hören wir aus dem alten geistlichen Volksliede (1500) vom Blümlein auf der -
Herrenhandschuhe, 1 Kinder-Grimmerhandschuh (linker), 1 Frauenrocksack mit folgendem Inhalt: 1 Bleifeder, 1 Hausschlüssel, 1 kleines Messer mit Perlmutterschalen, 1 weißes Taschentuch, 1 Fingerhut und 1 KleideHglter.
Verloren: 1 Schildkrottportemostnaie mit 11 Mark Inhalt, 1 goldener Kneifer mit Kettchen und mit Futteral, 4900 Kronen 4’/o ungarische Staatsrente von 1902 mit Coupon.
Zugelaufen: 1 braun- und weißgefleckte Bernhardinerhündin.
Hanau den 22. November 1902.
Hub Stadt und £and,
Hanau, 22. November.
Lokal-historische Notizen.
23. November 1769. Errichtung der Civil-Wittwen- und Waisenkasse zu Hanau.
* * ♦
♦ Der Sprechverkehr von Schlächtern (Bezirk Cassel) ist auf Großkrotzenburg, Bruchköbel, Mittelbuchen, Wachenbuchen, Hochstadt (Kr. Hanau) und Marköbel ausgedehnt worden. ;
* Neue Baupolizeiordnung. Der Herr Regierungspräsident hat mit Zustimmung des Bezirksausschusses eine neue Baupolizeiordnung (II) für alle Gemeindest, die nicht unter die Baupolizeiordnung I fallen und nach der jeweiligen letzten Volkszählung über 2000 Einwohner haben, sowie für den nicht unter die Ballpolizeiordnung I fallenden Theil der Stadt Marburg, die Städte Hünfeld und Ziegenhain, die Landgemeinden Äeffeiltadt, Sooden a. di Werra, Lalzschlirf, Groß-NenNdorf und den Gutsbezirk Netzstdorf' erlassen. Die neue Polizeiverordnung wird in der letzten Nummer des Amts- battS veröffentlicht und tritt am 1. Januar 1903 in Kraft.
* Bahnpolizei. Auf Grund der Ausführungsbestimmungen der Herren Minister der öffentlichen Arbeiten und des Innern vom 17. September d. J. zum Kleinbahngeletz, die Handhabung der Bahnpolizei betreffend, hat . der Herr Re- gierungsprästdent die Königliche Polizeidirektion zu Hanau als diejenige Ortspolizeibehörde bestimmt, welche für die ganze Strecke der Kleinbahn von Hanau nach Hültengesäß mit Abzweigung nach Langenselbold die Polizeibeamten zu bestellen und zu vereidigen hat. j
* Herbstversammlutrg des Kreisobstbauvereins. Wir wollen nicht verfehlen, Interessenten darauf aufmerksam zu machen, daß morgen Sonntag den 23. d. Mts., nachmittags von 3 Uhr an, in Bischofsheim im Gasthause der Frau Christian Reuhl Wittwe, die diesjährige H erb st Ver
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Heide, Jesu Christo. Tröstend vernehmen wir darin die Worte: „Einst hat er wohl gehangen so lilienbleich am Stamm. Da floß sein Blut so rosenroth, da starb das Gotteslamm." Wer diesen Trost sich zu wir gemacht hat, der kann dann auch mit dem Solisten singen: „Komm, süßer Tod, komm, selige Ruh!"
Die nun folgende Fantasie für' Orgel leitet aus der düstern Stimmung in eine freudvollere über. Nach dem Sturme bricht siegreich das Licht hervor^ Daran schließt der Chor das Lied „Liebe, die für mich gUorben rc." nach Mozarts „Ave verum corpus". Nun kann der Chor jubeln: „Christus, der ist mein Leben, sterben ist mein Gewinn." (Mel. von M. Vulpius 1609.) Aber dieser Christus ist nicht todt. Er lebt, und wir werden auch, leben. Darum muß nun mit Nothwendigkeit Handels ewig schöne Arie „Ich weiß, daß mein Erlöser lebet", folgen. — Noch' einmal vernehmen wir des Christen innigsten Wunsch, im Himmel zu wohnen, in dem. Chorliede „Jerusalem, du hochgebauteStadt, wollt Gott, ich wär in dir". Die Melodie stammt auS dem Jahre 1663, wahrscheinlich von M. Frank. Mit einer Toccata und Fuge von J. S. Bach schließt der musikalische Gottesdienst.
* Kunstindustrie-Verein. Der am nächsten Diens-
tag stattfindende Vortrag des Herrn Dn Köppen aus Berlin, Dozent für Kunstgeschichte und' Redner der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung, verspricht sehr interessant zu werden und hohen künstlerischen Genuß zu bieten. Und wen sollte nicht „Venedig und seine KünflschÜtze" begeistern? Ueber einen in Kottbus über dasselbe Thema gehaltenen Vortrag schreibt das dortige Tageblatt: „Der gestrige Vortragsabend im „Volksbildungsverein" führte den wie immer in reicher Zahl erschienenen Mitgliedern ;,.la bella Veneeia“ vor. Herr Dr. Alfred Köppeu aus Bdrlin- ■ der sich das Thema „Venedig und seine Kunstschätze" gestellt hatte, ficht Don früheren Voriragen hier in seht gutem Renommee. Er versteht, wirklich feffelnd zu sprechen, und wäre auch imstande,
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 16 Seiten
sammlung des Hanauer Kreisobstbauvereins ab» gehalten wird, auf der Herr Direktor Wagner von Geln- Hausen einen Vortrag über das wichtige Thema der Obstverwerthung halten wird. Der Besuch auch dieser viel Anregung und Belehrung versprechenden Versammlung sei hiermit bestens empfohlen.
* Wetterproph ezeiun g. Bei dem Eintritte starker Kälte in den letzten Tagen werden Manche Denen recht geben, die für 1902/1903 einen langen kalten Winter vorhersagen. Es läßt sich jedoch aus folgenden Gründen das Gegentheil behaupten: Wie im Jahre 1883/1884, nach dem Ausbruche des Vulkans Krakataua, zeigt sich auch Heuer nach Untergang der Sonne häufig eine auffallend rothe Färbung des Abendhimmels, welche durch Staubtheilchen verursacht sein soll, welche durch die heftigen vulkanischen Ausbrüche in diesem Jahre in die Luft geschleudert wurden und sich dort schwebend erhalten. Trifft dieses zu, so ist die Erde mit einem in der Atmosphäre schwebenden Staubmantel umgeben, welcher sen Einfluß auf die Wärmeausstrahlung der Erde in den Weltraum ist, indem er diese vermindert. Durch die verminderte Wärmeabgabe wird jedoch ein geringeres Sinken der Temperatur bedingt, so daß, wie im Jahre 1883/1884, auch Heuer kein sehr strenger Winter zu erwarten ist.
* Marktpreise. 3m Monat Oktober 1902 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 100 kg Weizen Mk. 15.01, Roggen Mk. 14.09, Gerste Mk. 14.94, Hafer Mk. 14.59, Erbsen (gelbe) zum Kochen Mk. 23.25, Speise- Bohnen (weiße) Mk. 22.63, Linsen Mk. 32.25, Eßkartoffeln Mk. 4.24, Richtstroh Mk. 4.64, Knimmstroh Mk. 4.—, Heu Mk. 6.—, Rindfleisch im Großhandel Mk. 119.25; Rindfleisch im Kleinhandel für 1 kg von der Keule Mk. 1.50, vom Bauche Mk. 1.30, Schweinefleisch Mk. 1.70, Kalbfleisch Mk. 1.30, Hammelfleisch Mk. 1.05, Speck (geräuchert) Mk. 2.10, Mutter Mk. 2.34, Eier 1 Schock — 60 Stück 3.98 Mark.
* Ladenpreise. Im Monat Oktober 1902 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 1 kg Mehl zur Speisebereitung Weizen 34 Pfg., Roggen 23 Pfg., Gersten-Graupe 45 Pfg., -Grütze 45 Pfg., Buchweizengrütze — Pfg., Hafergrütze 44 Pfg., Hirse 40 Pfg., Reis Java (mittlerer) 43 Pfg., Kaffee, Java-, mittlerer (roh) 2 Mk. 20 Pfg., gelber (in gebrannten Bohnen) 2 Mk. 80 Pfg., Speisesalz 20 Pfg., Schweineschmalz 1 Mk. 75 Pfg.
* Durchschnittspreise. Der Durchschnitt der höchsten Tagespreise für Fourage beträgt mit einem Aufschlage von 5 vom Hundert für den Monat November 1902 in dem Stadt- und Landkreise Hanau für Hafer 7 Mk. 93 Pfg., für Heu 3 Mk. 32 Pfg., für Stroh 2 Mk. 59 Pfg. pro Zentner.
durch die bloße Rede alle die historisch und künstlerisch hochbedeutsamen Stätten, welche er aus gereifter eigener Anschauung kennt, vor unserem geistigen Auge erstehen zu laffen. Nun war aber fast jedes einzelne seiner Worte durch ein Bild
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belebt, eine schier unendliche Serie der farbenprächtigsten Lichtbilder illustrirte jeden Schritt und Tritt in der altberühmten Lagunenstadt von der Einfahrt über den gewaltigen Molo an bis zu der abendlichen Erholung in den Parkanlagen und Seebädern des Lido. So konnte dieser Vortragsabend in der That als ein nicht zu verachtender Ersatz für einen etwa zweitägigen Aufenthalt in der „Königin der Adria" gelten. Ja, mancher Zuhörer, der schon Gelegenheit hatte, sich dem Löwen auf dem St. Markusplatze persönlich vorzustellen, behauptete, von der durch den Vorttag geweckten Erinnerung größeren Genuß gehabt zu haben, als von dem Besuch selbst. Denn nicht immer ist das Meer von so strahlend blauer Farbe, wie auf diesen Bildern, oft rollen die Fluthen des Canale grande braun und schmutzig dahin, und mancherlei Aergernisse mit gaunerischen Gepäckträgern, KAlnern und dem Gesinde! der Armenviertel beeinträchtigen dem Fremden den ungetrübten Natur- und Kunstgenuß. In instruktivster Weise erläuterte der Redner bei einer Gondelfahrt durch den Canale
grande die Eigenthümlichkeiten des venetianischen Baustils an den zahllosen Palästen, von denen für uns Deutsche der Palazzo Bendramin als Todesstätte Richard Wagners die größte Bedeutung hat. Ein,Todeshauch liegt auch ohne diese wehmüthige Erinnerung über dieser „stillsten Stadt" der Welt. Wir können es nachfühlen, daß selbst den lebensfrohen Goethe melancholische Gedanken bei dem Dahingleiten auf den stillen Gewässern beschlichen, daß ihn — eins seiner venerischen Epi- granime spricht davon^ — die „Gondola" zugleich an die Wiege und den— Sarg erinnerte. Und hinwieder ist diese merkwürdige Stadt die Heimath des farbenfreudigen Tizian und Tirpolo. Auch der Gemäldegallerie, dem Museum degli bolli arti, statteten die Zuhörer an der Hand des Herrn Vortragenden einen Besuch ab. Fast überreich war die Fülle