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General-Anzeiger.

MN Organ für Stadt- und Landkreis Damit.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Berantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau. .

Nr. 93 Fernsprechanschlnß Nr. «05.

Hue Stadt und Cand,

Hanau den 22. April.

Lokal-WvrisHc Notizen.

2 2. April 1609 starb der letzte Abt des Benediktiner­klosters Schlächtern (welches sich übrigens schon seit 50 Jahren der Reformation angeschlossen hatte) Jo­hannes Wankel, 1592 zum Abt erwählt.

* * *

* Die Heranziehung der Anlieger der Lam- bohstratze zur Zahlung von Stratzenkosten-Bei- trägen. Das Königliche Oberverwaltungsgericht hat unterm 6. Januar d. I. zwei wichtige Urtheile über die Heranziehung von Anliegern der Lamboystraße zur Zahlung von Straßen- kostenbeiträgen erlassen. Diese Urtheile wiederholen zunächst die schon früher von dem genannten Gericht ausgesprochene Entscheidung, daß die Lamboystraße zur Zeit des Inkrafttretens des Ortsstatuts von 1880 über die Anlegung von Straßen «ls Ortsstraße, die für den inneren städtischen Verkehr und bett Anbau bestimmt war, noch nicht vorhanden gewesen sei; die Lamboystraße sei vielmehr im Jahre 1880 nur eine Laud- straße gewesen, welche eine kürzere Verbindung des nördlichen Stadttheiles mit der Frankfurt-Leipzigerstraße herstellen sollte. In den Urtheilen wird dann weiter Folgendes ausgeführt:

Der Straßenausbau ist 1898 vollendet; damit ist der Zeit­punkt eingetreten, an dem die Stadt bei dem Vorhandensein der sonstigen Voraussetzungen berechtigt ist, von den Anliegern die Straßenkostenbeiträge einzuziehen. Unerheblich für die Bei­tragspflicht der Anlieger ist es, daß der vollständige Ausbau der Lamboystraße sich auf einen längeren Zeitraum erstreckt, daß insbesondere die Straßenentwässerung und der Grund­erwerb schon vor Jahren bewirkt worden sind. Die von der Stadt geforderten Kosten der dreijährigen Unterhaltung der Straßen hat das Oberverwaltungsgericht abgesetzt, weil dieselben nicht für die Vergangenheit, sondern für die Zukunft gefordert werden, sich demnach nicht als ein Ersatz für aufgewendete Kosten darstellen. Offen bleibt jedoch die Frage, ob nicht jetzt, nach­dem die 3 Jahre abgelaufen sind, die Stadt doch noch zur Heranziehung dieser Unterhaltungskosten berechtigt ist. In Beziehung auf die Entwässerungskosten hat das Gericht eine wichtige Ent­scheidung getroffen. Die städtische Entwässerungsanlage dient bekanntlich der Entwässerung der Grundstücke wie der Straßen; für die Beitragspflicht der Anlieger an neuen Straßen kommt nur die Straßenentwässerung in Betracht. Die Stadt hatte deshalb schätzungsweise festgestellt, welcher Kostenantheil auf die Entwässerung der Grundstücke und wieviel auf die Straßenentwässerung entfalle und das Ergebniß für die Letztere durch Ortsstatut auf 25 M. für den lfd. Mtr. Grundstückslänge festgesetzt. Das Oberverwaltungsgericht hat nun dieses Ver­fahren gebilligt und entschieden, daß der vom Militärfiskus geleistete Beitrag zu den Kosten des Straßensiels in der Lamboystraße nicht auf die Kosten für die Entwässerung dieser Straße, sondern auf die Kosten der gesammten Kanalisation anzurechnen sei, weil die städtische Entwässerungsanlage ein einheitliches Ganze bilde, an dessen Einrichtungen sämmtliche Straßen theilnehmen.

In Beziehung auf die Berechnung der Angliederbeiträge hat das Oberverwaltungsgericht in den vorliegenden Urtheilen das von der Stadt bisher gehandhabte Verfahren der Berech­nung der beitragspflichtigen Straßenlänge bemängelt; die Stadt berechnete die gesammte Straßenlänge und zog daran die Seitenstraßen ab, ohne Rücksicht darauf, ob diese bereits vorhanden oder erst projektirt waren. Das Oberverwaltungs­gericht erklärte nun, der Grund und Boden dieser _ erst projektirten Straßen gehöre noch zu den beitragspflich­tigen Grundstücken und deshalb dürften solche Straßen an der gesammten Länge nicht in Abzug gebracht werden. Endlich hat das Oberverwaltungsgericht auch unter Bezugnahme auf eine frühere Entscheidung dargethan, daß das Ortsstatut vom 24. Februar 1880 über die An- leKung von Straßen und Plätzen in Hanau allerdings erst durch die Polizeiverordnung vom 28. August 1883 über die Anforderungen an fertige Straßen in Kraft gesetzt worden sei, dies habe jedoch nur die Bedeutung, daß vor dem Inkraft­treten der Polizeiverordnung von 1883 das durch das Orts­statut ausgesprochene Verbot des Bauens an unfertigen Straßen wirkungslos gewesen sei, daß aber für die Pflicht der An­lieger zur Zahlung von Straßenkostenbeiträgen entscheidend sei der Erlaß des Ortsstatuts von 1880.

Durch die vorliegenden erschöpfenden Entscheidungen ist nun Klarheit geschaffen über die Pflicht der Anlieger der Lamboystraße und auch der W il h el m stra ß e zwischen der Wilhelmsbrücke und Eisenbahn zur Zahlung von Straßen­kostenbeiträgen.

Dienstag den 22. April

* Einweihung des neuen Bereinshauses der Turngemeinde. Gestern Abend fand in derCentral- Halle" eine außerordentliche Hauptversammlung der Turn­gemeinde zwecks Festsetzung der zu arrangirenden Festivitäten anläßlich der Einweihung der neuen Turnhalle statt. Das von den bereits früher gewählten vorbereitenden Ausschüssen aufgestellte Programm fand die Genehmigung der Versamm­lung, ebenso wurden die zur Durchführung desselben erforder­lichen Ausgaben im Gesammtbetrage von 900 Mk. bewilligt. Die Einweihung wird am 29. Juni stattfinden und zwar wird der offizielle Festakt vormittags 11 Uhr vor sich gehen, hieran anschließend das gemeinsame Mittagsmahl eingenommen und am Abend ein Festkommers veranstaltet werden, bei dem neben den verschiedenartigsten turnerischen Aufführungen und sonstigen Darbietungen die von dem großherzogl. Hofschau­spieler Hesse in Darmstadt entworfenen und bereits mehrfach mit größtem Erfolge in Szene gegangenen Festspiele zur Auf- führung gelangen. Leider war es in Anbetracht der unzulänglichen Räumlichkeiten nicht möglich, zu dem Festabend auch die Angehörigen der Mitglieder zuzulassen, da bei Restaurationsbetrieb wohl nicht über 600 Sitzplätze zur Verfügung stehen werden. Es werden des­halb außer den Mitgliedern selbst nur die Spitzen der Behör­den, die an der Erstehung des Vereinshauses regen Antheil genommenen hiesiger Bürger und Vertreter auswärtiger Turner- schaften zur Betheiligung gebeten werden. Auch von einem allgemeinen Schauturnen war man gezwungen abzusehen, da der Turnplatz allein für Publikum und Turner nicht ausreicht und der Saal schon den anderen Festlichkeiten entsprechend her­gerichtet sein muß. Um jedoch den Angehörigen auch gerecht zu werden, wird am Samstag den 5. Juli eine Wiederholung der Aufführungen für dieselben stattsinden. Als bleibendes Andenken an das Weihefest werden eine Festzeitung und eine Ansichtspostkarte mit dem Bilde des neuen Vereinshauses in größerer Auflage hevgestellt. Hierauf gab Herr O. Schott einige erläuternde Erklärungen über die Vorbereitungen und den voraussichtlichen Verlauf des Wormser Kreisturnfestes, worauf Herr Turnwart Otto Gehrhard noch ein kurz skizzirtes Bild der beabsichtigten Gauturnfahrt am 4. Mai nach Langen entwarf.

* 3ur Fortsetzung der Mainkanalisation. Nach dem provisorisch vereinbarten Vertrag über die Fortsetzung der Mainkanalistrung von Offenbach nach Aschaffenburg der definitive Abschluß hängt von einer Einigung über die Fragen der Schifffahrtsabgaben und der tarifarischen Auseinander­setzung zwischen den Uierstaaten ab sollen auf der neuen Kanalstrecke sechs Haltungen (Schleusen) errichtet wer­den, welche nach den benachbarten Ortschaften folgende Namen erhielten: Mainkur, Kesselstadt, Krotzenburg, Groß-Welzheim, Klein-Ostheim und Main- a s ch a f f. Bezüglich der Konzessionirung von Wassertrieb- werken und sonstigen Wasserbenutzungsanlagen wurde, laut Frkf. Ztg.", provisorisch vereinbart, daß solche Konzessio- nirungen der Regierung des jeweiligen Territorialstaates zu­kommen sollen, jedoch zu versagen seien, wenn die unter­nehmende Regierung im Interesse des Schifffahrtsbetriebes und der Flößerei auf der kanalisirten Strecke begründete Ein­wendungen dagegen erhebt. Diese Bestimmung wurde haupt­sächlich von der preußischen und hessischen Regierung als meist- betheiligtenTerritorialstaaten" gefordert, aber auch Bayern, das zum großen Theil für die Fortsetzung der Mainkanali- sirung als unternehmender Staat erscheint, hat seine Zu­stimmung in Aussicht gestellt, obgleich sich durch den Wegfall der Möglichkeit, die Wasserkräfte an den Wehren zu benutzen, die finanzielle Rentabilität des Unternehmens für Bayern weiter verschlechtert.

* Werning sche Kriegsfestspiele. Von den uns vorliegenden Recensionen über die Aufführungen derWerning- schen Kriegsfeftspiele heben wir für heute nur folgende hervor: DerAnzeiger für Neumarkt i. Schl." schreibt vom 21. Sep­tember er. Folgendes:Die Werning'schen Kriegsfeftspiele, welche seit vorigem Sonntag in unserer Stadt inBaum's Hotel" durch den hiesigen Militärverein zur Aufführung gelangen, haben an Zugkraft von Abend zu Abend zugenommen. Schaaren- weise strömen die Bewohner der Stadt und Umgegend zu den Festspielen und gar Mancher, der sich nicht zeitig genug eine Eintrittskarte besorgt hatte, mußte wieder umkehren und konnte erst am folgenden Abende der Vorstellung beiwohnen. Einen so starken Besuch, wie die Mittwoch- und Donnerstag-Vor­stellungen, dürfte wohl selten eine Theater-Aufführung in unserer Stadt gehabt haben. Ueber 200 Personen konnten am Donnerstag keinen Eintritt erhalten, da der Saal bereits lange vor Beginn der Vorstellung besetzt war. Recht zahlreich war an Mittwoch Nachmittag auch unsere liebe Schuljugend ver­treten; aus der Nähe und Ferne waren Schüler und Schüler­innen mit ihren Lehrern herbeigeeilt, um das patriotische Fest­spiel anzusehen, und füllten den Saal und die Gallerten bis auf den letzten Platz. Wir können nur Jedem rathen, der die

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Festspiele noch nicht gesehen hat, denselben einen Besuch abzu- statten. In wunderbar schöner Weise werden die einzelnen Bilder, seien es ernste, seien es heitere, zur Darstellung ge­bracht." Ferner berichtet dieSchlesische Zeitung", Bres- lau, Folgendes:Die vom Militärverein Neumarkt seit dem 15. September er. aufgeführten Werning'schen Kriegsfeftspiele Der deutsch-französische Krieg 1870/71" erfreuen sich des größten Beifalls aller patriotischen Kreise. Nachdem die ersten Vorstellungen bereits volle Häuser gefunden, mußten gestern über 200 Personen, zum Theil aus größerer Entfernung ge­kommen, zurückgewiesen werden, da der Saal im hohen Hause die Zahl der Einlaß Begehrenden nicht zu fassen vermochte."

* Volks- und Jugendspiele. In Frankfurt a. M. finden in diesem Sommer folgende Kurse in den Volks- und Jugendspielen statt: 1) Für Lehrerinnen vom 10. bis 17. Mai; 2) Für Lehrer vom 15. bis 23. August; 3) Für Leh­rerinnen am Ort von: 29. September bis 4. Oktober. Die Spielkurse selbst sind kostenfrei. Anmeldungen sind an Turn- inspektor Weidenbusch in Frankfurt a. M. zu richten.

* Vom schwarzen Brett der Frankfurter Aka­demie. Am Mittwoch den 23. April beginnt folgende Vor­lesung: Vormittags 8 U^r: Dr. v. Möllendorff, Konsular­praxis.

* Hauptversammlung. Am Samstag Abend hielt der christliche Arbeiterverein seine diesjährige Hauptversamm­lung ab. Aus dem erstatteten Jahresbericht war zu entnehmen, daß das abgelaufene Vereinsjahr vielseitigen Arbeitsstoff er­bracht hat, sowie eine Vermehrung der Mitgliederzahl verzeich­net werden konnte. Der erste Vorsitzende Herr Ohler wurde wiedergewählt. Die Ergänzungswahl für die _ aus­scheidenden Vorstandsmitglieder ergab, daß die Herren Fischer, Kleinhans, Lamb wieder-, Brückner und S chmauch neugewählt wurden.

* Ehrung eines Jubilars. Der christliche Arbeiter­verein veranstaltete am Sonntag zu Ehren seines Vorstands­mitgliedes Herrn Konr. Haas, der, wie berichtet, sein 50» jähriges Arbeitsjubiläum begehen konnte, imElephanten- sälchen" einen Familienabend. Die Feier nahm den würdigsten Verlauf. Sowohl der 2. Vorsitzende des Vereins, wie auch Herr Pfarrer Lambert würdigten in längeren Ansprachen die Verdienste des Jubilars um den Verein, die es erklärlich erscheinen ließen, daß einem im Lebendes Arbeiters so bedeut­samen Ereigniß, wie es das 50jähr. Arbeitsjubiläum ist, auch von Seiten des Vereins die rechte Würdigung zu theil wurde. Vom Vorsitzenden des Verbandes mittelrheinischer evangelischer Arbeitervereine, Herrn Pfarrer Schmitt-Höchst a. M., war ein herzliches Begrüßungs- und Glückwunsch-Telegramm an den Jubilar eingelaufen.

* Ein Boot gestohlen. In der Nacht vom 20. zum 21. d. M. wurde das an der Mainspitze liegende, dem Ver­einsdiener G. gehörende Vergnügungsboot gestohlen. Das Drahtseil, woran das Boot befestigt war, hatten die Thäter durch Hin- und Herbiegen auseinandergerissen. Vielleicht liegt auch nur ein etwas derber Scherz vor.

* Sektion. An der gestern in dem Koffer eines Dienst- mädchens gefundenen 'Kindesleiche wurde am Nachmittage die Sektion vorgenommen. Bemerken wollen wir noch, daß die unnatürliche Mutter nicht bei dem Pächter der Ulanen-Kantine, vielmehr zuletzt bei dem Pächter einer Bataillonskantine der Jnfanteriekaserne bedienstet war, was allerdings mit dem Vor­fall nicht das Geringste zu thun hat und lediglich nur zur Ergänzung der Registrirung des Vorfalls dient.

* Eine vollständige Mondfinsterititz, die während des größten Theiles ihrer Dauer auch bei uns beobachtet werden kann, ist für heute Dienstag den 22. April zu er­warten. Das Berliner astronomische Jahrbuch gibt für den Verlauf folgende Zeiten an: Anfang der Finsterniß 6 Uhr 0,3 Minuten mitteleuropäischer Zeit, Anfang der vollständigen Verfinsterung 7 Uhr 10,2 Minuten, Mitte der Finsterniß 7 Uhr 52,8 Min., Ende der vollständigen Verfinsterung 8 Uhr 35,4 Min., Ende der Finsterniß überhaupt 9 Uhr 45,3 Min. Berberich macht in derNaturw. Rundschau" darauf aufmerk­sam, daß die Sonne an jenem Abend erst um 7 Uhr 13 Min. untergeht; es stehen also die Sonne und der total verfinsterte Mond gleichzeitig über dem Horizont, eine Folge der Refraktion, welche beide Gestirne in größerer Nähe erscheinen läßt, als sie in Wirklichkeit sich befinden.

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st. Ostheim, 22. April. (Burenvortrag.) Der für Sonntag Abend angesagte Burenvortrag des Transvaal­burghers Georg B u tz hatte sich eines recht guten Besuchs zu erfreuen. Und das mit Recht. Herr Butz verstand es, mit klaren und gemeinverständlichen Worten seinen Zuhörern die Freuden und Leiden der Buren in Krieg und' Frieden vor Augen zu führen, wobei er besonders ihre große Frömmigkeit und Gastfreundschaft hervorhob. Auch einige Erlebnisse «äh»