Erstes Blatt
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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kam«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzciie oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
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iNr. 272. F-rnlvr-tmMm Nr. «»L. Freitag den 21. November ; mi!^«bM.^lt^W4>CTIH^^ ’>■■ —g—lIM»II»I>»IBMMMMMMII^BMMiMB—M———1
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Amtliches
Bekanntmachung.
Die Frist für den Umtausch der im Reichs-Postgebiet und , in Württemberg bis Ende März d. J. gültig gewesenen Post- i werlhzeichen gegen solche mit der Inschrift „Deutsches Reich" (läuft noch bis Ende 1902. Bis dahin kann der Umtausch ' bei allen Reichs-Pollanstalten und Königlich Württembergischen < Postanstalten sowie bei den Landbriefträgern bewirkt werden, f Vom 1. Januar 1903 ab werden Anträge auf Umtausch alter 1 Postwerthzeichen nicht mehr berücksichtigt.
Soweit noch Sendungen mit alten Postwerthzeichen vor- j kommen, werden sie von den Postanstalten bis zum Abläufe der Umtauschfrist nicht in der Beförderung aufgehalten und ■ auch nicht mit Nachtaxe belegt. Die nach Ablauf der Frist (etwa noch verwendeten alten Postwerthzeichen werden von den i Postanstalten als ungiltia behandelt.
Berlin W. 66 den 17. November 1902.
( Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.
J. A.: Gieseke.
Am 1. Dezember d. J. findet eine außerordentliche ’ Zählung der Pferde, des Rindviehs, der Schafe und der Schweine statt.
Es wird dabei die Mitwirkung der selbständigen Ortsein- : einwohner bei der Austheilung, Ausfüllung und Wiederein- sammlung der Zählpapiere in Anspruch genommen werden.
Die große Wichtigkeit dieser Zählungen sowohl für die ) Staats- und Gemeindeverwaltung, als für die Förderung t wissenschaftlicher und gemeinnütziger Zwecke berechtigt zu der Erwartung, daß die Ausführung des Geschäftes allerorts die bereitwilligste Unterstützung der Haushaltnnakvochändr und der für das Zähleramt bestimmten Personen finden wird.
Ich weile hierbei ausdrücklich darauf hin, daß diese Zäh- , lungen zu keinerlei steuerlichen Zwecken Verwendung finden. (A. III. 9977.)
Cassel am 31. Oktober 1902.
Der Regierungs-Präsident. j V 10835 I. V.: Mauve.
Candkreis hanau.
Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
Nach Mittheilung des Großherzoglichen Kreisamtes Friedberg ist in Okarbeu die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die Gemarkungsiperre ist ungeordnet worden.
Hanau den 17. November 1902.
Der Königliche Landrath.
V 11260 v. Beckerath.
Feuilleton.
Haimlkl Stadtlhcater.
Hanau, 21. November.
Die dameuswerthe Absicht unserer Theaterleitung, dem kunst- llebenden Publilum durch das Gastspiel des Lindemann-Ew'emble die Bekanntschaft mit dem interessantesten Werke eines fremdländischen Dichters zu vermitteln, hat leider fast gar kein Entgegenkommen ge. fimden, denn der Theaterraum war gestern bei der Aufführung der sunfaktigen Tragödie „Die todte Stadt" (La citta morta) nur sehr mäßig besiM. Und doch war diesmal in sehr ausgiebiger Weise und mit vollem Rechte in den Voranzeigen auf die eigenthümliche Schönheit und den wunderbaren poeti'chen Stiumuingsgehalt des Stückes aufmerksam gemacht worden, in dem sich Gabriele d'Annunzio als ein wirklicher Dichter offenbart. Die von wenigen Personen getracene Handlung der Tragödie ist meisterhaft aufgebaut, sie entspricht den strengen Anforderungen des Dramas, htbrm sie sich aus den Charakteren^ entwickelt, die anfänglich verhaltenen Leidenschaften und Empfindungen steigert bis zur Katastrophe. Und diesem Kampfe ver- wrter menschlicher Leidenschaften gibt die düstere Szenerie einer ver- lunkenen Herrlichkeit, das Trümmerfeld des goldreichenMykene, den Hinter- gruud und die Gestalten des klassischen Alterthums werfen ihr« Schatten unheilverkündend in das Schicksal dieser paar Menschen, die gekommen, ihre vieltausendjährige Grabesruhe zu stören. Ueber die Handlung der Tragödie ist an Dieser Stelle schon vorher ausführlich berichtet worden, sodaß wir nicht zu wiederholen brauchen; auch die Vorzüge und Schönst iten der Dichtung haben ihre Würdigung vorher schon gesunden, und es bleibt uns nur noch, den Darstellern unsere Anerkennung und den Dank auszusprechen für ihre prächtigen Leistungen, die sie trotz des mäßigen Besuches geboten. Die Damen Mangel und Walt her, erstere als blinde Anna und letztere als Bianca Maria, und die Herren Eißfeld und Löbius als Leonardo und Alessandra boten ganz Hervorragendes und auch Hermance Bille lugte sich mit der kleineren Rolle der Amme in das treffliche Ensemble em.
* Stadttheater . Wie schon berichtet, geht heute Lauff's gewaltiges Drama: „Der Heerohme" in Scene. Wohl selten hat em Stück ein so groß s Aufsehen erregt, wie dieses Werk. Die Handlung ist ergreifend, lebenswahr und von
Stadtkreis Danau, Bekanntmachnnuen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Das Weishaupt'sche Stipendium für einen besonders talentvollen Gold- oder Silberarbeiler ist von den auf die ausgeschriebene Bewerbung ausgetretenen Bewerbern nach dem einstimmigen Vorschläge der berufenen Sachverständigen und des Lehrer-Kollegiums der Königlichen Zeichenakademie für dieses Jahr dem Tagesschüler her Zeichenakademie E. Buschmann zuerkannt worden. Zugleich ist beschlossen worden, den Verfertigen! der nächstbesten Entwürfe eine öffentliche Belobung zu ertheilen; es sind dies nach der Reihenfolge der Bewerthung:
Alfred Mildner,
E. Peh meyer,
C. Buschmann,
C. B u s ch m a n n, Jean Jodry.
H. Feh, Heinrich Becker, Alfred Mildner, H. Semmer.
Die eingereichten Entwürfe sind zur Zeit in der Aula der Königlichen Zeichenakademie ausgestellt.
Hanau den 20. November 1902.
Der Magistrat.
Dr. Gebetchus. 21067
Hu9 Stadt und Cand.
Hanau, 2l. November.
Lvkal-Morischc Notizen.
2t. November 1619» Vermählung, des hessischen Landgrafen Wilhelm V. mit Amalie Elisabeth, Gräfin von Hanau.
* * *
Geffentliche Sitzung der Stadtverordneten- nersammlung
vom 30. November 1902.
Anwesend die Herren: Canthal, Vorsteher; Aukamm, Bailly, Craß, Eberhard, Dr. FueS, Glaser, Hoch, Jost jr., Jung, Kehl, Koch, Küstner, Sucht, Ott, Rodde, Schroeter, Hchwabe, Steinheuer, Spatz, Stübing, Treusch, Voltz, Wörner und Dr. Wagner.
Vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr Gebe- schus, Erster Beigeordneter Bode, die Sradträthe Dr. LucanuS und König.
hervorragender Schönheit. Der Inhalt ist. in aller Kürze folgender: „Im August 1870, zur Zeit, da die deutsche Jugend in heller Begeisterung für Recht und Freiheck des Vaterlandes zu den Waffen greift, kliwrt der SiegeSjubel auch bis in die Mauern des Predigerseminars, wo der junße Geistliche Wilm Verhage zum Hirten des SBoIE^a usgebildet werden solle. Eine leidenschaftliche Sehnsucht nach Liebe, Freiheit und Heldeulhaten zwingt ihn zur Flucht. — Er eilt zu seiner Jugendliebe, um Abschied zu nehmen und sich dann gleichfalls den über den Rhein ziehenden Truppen anzuschließen. Sein Aufeinhalt wird entdeckt. Nachdem seine Vorgesetzten vergebens versucht haben, ihn zur Rück- unb Einkehr zu bewertn, brandmarken sie ihn und seine Geliebte öffentlich auf der Kanzel. Der alte Mesdag, der Vater seiner Jugendgespielin, durch die öffentliche Schmähung seiner Tochter in seiner Ehre geschändet, erschlägt Wilnr. — Eine glühende Leidenschaft und tiefe Ernpfindung birgt das heerliche Werk. Auch auf das unbefangenste Gemüth kann es nur erhebend wirken. Die Besetzung ist wie folgt: Wilm: Herr Becker, Mesdag: .Herr Jimgk, Hannecke: Frl. Hohenfels, Verhage: Herr Gehrmann u. s. «.
§ Kaufmännischer Verein. Im Saale der „Central- Halle" fand gestern der erste der vom Kaufmännischen Verein allwinterlich veranstalteten Vortragsabende statt. Als Redner fitngirtc Herr Ludwig Sternberg aus Nenbrandenburg, der eine Anzahl der besten Schöpfungen Reuters rezitirte. Daß diese Abende nach wie vor einen ungewöhnlichen Reiz aus- üben, zeigte auch gestern wieber der überaus zahlreiche Besuch, war doch nicht allein der Saal, sondern auch die Gallerie bis auf den letzten Platz besetzt. Und daß kein Einziger unbefriedigt von bannen ging, dürfen wir wohl getrost behaupten, denn so gespannte Aufmerksamkeit, solche schier andachtsvolle Stille, wie sie während der ergreifenden Stellen der Vorträge herrschte, ist nur. bei innerlich gefesseltem, mit Herz und Sinn in das Gehörte sich versenkendem Publikum möglich. Doch dies ist allein des Redners Verdienst, denn' der Wirkung einer solchen Erwache, w'e fk Her'- Sternberg führt- kann
Fernsprechauschluß Nr. 605» 1902
Der Vorsteher Herr Canthal verliest zunächst ein Schreiben des Landgerichtsprästdenten Geh. Ober-Justizraths Koppen, in dem derselbe seinen Dank für die ihm anläßlich seines 50= jährigen Amtsjubiläums zu Theil gewordene Gratulation übermittelt.
In die Tagesordnung einireiend, berichtet Stadtv. Lu St zunächst über Punkt 1 der T.-O. „Erwerb der Parzelle EE Nr. 439/62 am „Grünenweg" zu Mk. 3,50 pro Quadratmeter". Hiernach hat sich in dem am 14. Oktober d. J. statt- gehabten Termin in der eingeleiteten bezüglichen Enteignungs- sache der Besitzer Herr Ed. Weiß mit der Zahlung des Preises von Mk. 8,50 pro Quadratmeter, den auch die übrigen Eigenthümer des fraglichen StraßenkörperS erhalten haben, einverstanden erklärt. Die Stadtverordnetenversammlung gibt ihre Zustimmung zur Zahlung des vorbezeichneten Kaufpreises. Weiter berichtet vorgenannter Referent zu Punkt 2 der T.-O., daß in einem Enteignungstermin am 14. Oktober d. J. der Eigenthümer der Parzelle GG Nr. 373/65 an der Uferstraße, Herr Peter Körner, erklärt bat, daß er seinen Antrag auf Entfernung der elektrischen Kabel aus seinem Grund und Boden zurückziehe und damit einverstanden sei, daß die Kabel in demselben verbleiben, worauf der Antrag auf Durchführung deS Enteignungsverfahrens seitens des Vertreters der Stadt zurückgezogen worden sei Dient zur Kenntniß.
Gegen die „Fl e i s L n o th".
Nachdem der Magistrat dem Beschlusse der Stadtverordnetenversammlung hinsichtlich einer an den Bundesrath und die Ministerien zu machenden Eingabe beigetreten ist, legte derselbe einen Entwurf der Petition mit dem Ersuchen um Zustimmung vor. In der Eingabe wird nur um Gestaltung einer vermehrten Einfuhr von Schweinen aus dem Auslande gebeten, der auf Oeffnung der Grenze für Schlachtvieh hinzielende Antrag ist fallen gelassen worden. Die Eingabe stützt sich auf den Nachweis, daß auch hierorts eine ganz erhebliche Abnahme der Schlachtungen von Schweinen stattgefunden hat und eine Erhöhung des Preises für Schweinefleisch um 71/» Pfg. pro Pfund nachgewiesen werden konnte, neben einer Verringerung der Qualität. So wurden in den ersten 9 Monaten des Jahres 1902 an Schweinen geschlachtet 7696, im gleichen Zeitraume 1901; 8653, 1900: 8724. Bei den Schweineschlachtungen zeigt sich also eine Abnahme, anders gestaltet sich die Sachlage bei den Schlachtungen von Rindern. Die Statistik weist nach, daß in dem oben angeführten Zeitraume zur Schlachtung gelangten in 1900: 2398, in 1901: 2472, in 1902: 2661 Stück, also eine Zunahme zu verzeichnen ist. Kälber wurden geschlachtet: 1900: . 3764, 1901: 3912, 1902: 3807 Stück. Schafe: 1900: 1156, 1901: 1193, 1902: 1298. — Die Stadtverordnetenversammlung stimmte dem Wortlaute der Eingabe zu.
man sich einfach nicht entziehen. Ob er mit hinreißende^' Macht hochdramatische Szenen schildert, ob er mit lyrischer Weichheit zarte Poesie, mit bestrickenden Tönen anmutige Stimmungsbilder wiedergibt, oder ob er mit bezauberndem Geschick und künstlerischer Mimik den köstlichen Humor zur Geltung bringt, mit dem dieser große norddeutsche Volksdichter seine Werke so reichlich ausgestattet, immer bleibt er wahr, immer wirkt er dermaßen überzeugend, daß man glaubt, die sprechenden Personen selbst zu hören. Obwohl Herr Sternberg in Anbetracht dessen, daß der Zweck eines Bortrags doch in erster Linie der sein muß, seinen Zuhörern den Dichter verständlich zu machen, nicht den reinen mecklenburgischen Dialekt anwenden konnte, vielmehr dem süddeutschen dialektischen Verständnisse einige Konzessionen machen mußte, so besaß seine Aussprache doch noch hinreichende dialektische Färbung, um auch nach dieser Seite hin seinen Vorträgen den Stempel des Wahrhaftigen aufzuprägen. Durch einige erläuternde Bemerkungen vor jeder Programmnummer half Redner dem Verständnisse noch wesentlich nach und wir können den Abend wohl im Sinne aller Besucher als einen ungewöhnlich genußreichen bezeichnen.
Telegraphischec Wettelbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 21. November,
9 Uhr 36 Min.
Ein Maximttin von 773 mm lagert über Südnorwegen, ein Minimum unter 755 mm vorm Kanal. In Deulsch- lanb ist die Witterung ruhig, theilweise heiter, kalt, nur an der ostdeutschen Küste mild.
Prognose für den 22. November: Erwärmung wahr- sckeinlich, zunächst im Westen.