Erstes Blatt.
Hanauer U Anzeiger
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vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 19 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebiihr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantworte. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Nr. 142. FernsvrechmsLW Nr. 605.
Samstag den 21. Juni.
ArrnsvrechmMW Nr. 605
1902
Hue Stadt und Cand.
Hanatt, 21. Juni.
* Postttliches. Die Frist für den Umtausch der im Reichs-Postgebiet und in Württemberg bis Ende März d. J. giltig gewesene Postwerthzeichen gegen neue Postwerthzeichen mit der Inschrift „Deutsches Reich" wird bis Ende Dezember 1902 verlängert. Der Umtausch kann nach wie vor bei allen Reichs-Postanstalten und Königlich Württembergischen Postanstalten sowie bei den Landbriefträgern bewirkt werden. Soweit noch Sendungen mit alten Post- werthzeichen vorkommen, werden sie von den Postanstalten bis zum Abläufe der Umtauschfrist nicht in der Beförderung aufgehalten und auch nid^t mit Nachtaxe belegt werden. Dies gilt auch für Sendungen mit württembergischen Postwerthzeichen, die im Reichs-Postgebiet, und für Sendungen mit Reichspost-Werthzeichen, die in Württemberg zur Auflieferung kommen.
* Offenlegung der Steuerliste. Laut Bekanntmachung des Magistrats liegt vom 18. Juli ab zwei Wochen lang die Steuerliste für das Jahr 1902 im Bureau der Steuerverwältung, Stadtschloß Eingang von der Marien- straße, eine Treppe hoch, zur Einsicht aller Betheiligten auf. Es liegt int Interesse aller zur Stadtverordnetenwahl berechtigten Bürger, sich zu überzeugen, ob ihr Einkommen richtig angegeben ist. Bekanntlich hat bei einem Einkommen von unter 660 Mk. der Bürger kein Recht zur Stadtver- ordnetenwahl, vielmehr tritt es erst bei einem Einkommen von über 660 Mark ein. Wir sind gerne bereit, für Wähler, welche uns ^bezüglichen Wunsch unterbreiten, in den Listen nachsehen zu lassen, ob sie eingetragen und richtig eingeschätzt sind. Einfache Namensnennung genügt. Es' wird sich für alle Diejenigen, welche bei den letzten Wahlen wegen irriger Streichung ihrer Namen von dem Wahlrechte keinen Gebrauch machen konnten, dringend empfehlen, unser Anerbieten zu benutzen oder aber sich selbst von der Eintragung zu überzeugen.
* Invalidenversicherung. Eine Quittungskarte verliert ihre Giltigkeit, wenn sie nicht innerhalb zweier Jahre nach dem auf der Karte verzeichneten Ausstellungstage bei den Quittungskarten-Ausgabestellen zum Umtausch eingereicht oder zur Verlängerung vorgelegt wird. Dies ist für den Versicherten unter Umständen insofern nachtheilig, als dadurch auch seine Anwartschaft auf Rente rc. erlöschen kann. Die Anwartschaft auf Rente erlischt: a) bei versicherungspflichtigen Personen dann, wenn während zweier Jahre nach dem auf der Quittungskarte verzeichneten Ausstellungstage nicht wenigstens für 20 Beitragswochen Beiträge auf Grund einer versicherungspflichtigen Beschäftigung oder der Weiterversiche-
Feuilleton
Erinnerungen nu die ültesten germanischen
(Original-Feuilleton des „§an. Anz/ Die Bogelsberger Sage vom wilden Weibsbild bei Birstein.
Eine Waldhöhle zwischen Birstein und Neuenschmitten heißt man „Am wilden Weibsbild". Hier soll ein Schloß gestanden haben, worin das wilde Weibsbild wohnte; es muß eine Riesin gewesen sein, da sie selbst dieses Schloß gebaut habe, denn wenn auch vom Haus nichts mehr übrig ist, als ein Stück Grundmauer, so sieht man doch schon daran, daß hier Riesenkräfte thätig waren. Ungeheure^ Felsplatten liegen da so künstlich über einander geschichtet, daß es noch wie eine haushohe Mauer aussieht. Alles Land rings umher gehörte der wilden Frau als Eigenthum und mußte verzehntet werden. Das war so gekommen: Man weiß nicht mehr recht, wodurch sie sich das Wohlgefallen eines mächtigen Königs der Vorzeit erworben hatte, der ihr eine Bitte erlaubte. Sie erbat aber so viel Land, als sie mit einer Kuhhaut umspannen könne, und als ihr das zugesagt wurde, schnitt sie eine Haut in ganz dünne Riemen und erlangte so die Herrschaft über die ganze damit umspannte Gegend. In alten Zeiten hat man das wilde Weib auch gesehen, namentlich in der Adventszeit, mit blendend weißem Linnen bekleidet, vom Kopf bis zu ben Fußen, wie sich in uralter Zeit die Bräute _ kleideten, und das mehl- weiße Mädchen war nur dadurch erschreckend, daß es lo groß war und in das Geäst der Bäume hineinrerchte. Aber das ist schon lange her.
Die Sage vom Charlottenfels bei Birstein.
Sind wir nun einmal mit der Kleinbahn von Wachter^ bach aus zu dem allen Jagdschloß Birstein (eigentlich Birs-stein,
rung geleistet, sowie b) bei selbstversicherten Personen dann, wenn während derselben Frist nicht wenigstens für 40 Beitragswochen Beiträge entrichtet worden sind. Hiernach muß z. B. eine am 25. Juli 1900 ausgestellte Quittungskarte einer versicherungspflichtigen Person spätestens am 25. Juli 1902, mit wenigstens 20 Beitragsmarken versehen, zum Umtausch vorgelegt sein, wenn vorerwähnte Nachtheile vermieden werden sollen.
* Hanauer Geschichtsverein. Morgen Vormittag von 11 bis 12Vi Uhr ist das neue Museum, Altstädter Markt Nr. 6, dem Publikum geöffnet. Im Erker liegen von der Rauhschen Münzsammlung einige Schubladen mit Münzen deutscher Fürsten aus. Die Ausstellung von Kupferstichen, Urkunden u. dergl. wird nach den Sommerferien, die in den Juli fallen, beginnen. Am letzten Sonntage haben viele Personen im alten Museum die Embleme und Modelle betrachtet, die int großen historischen Festzug zum 300jährigen Jubiläum der Neustadt Hanau mitgeführt worden sind. Diese Gegenstände, deren eigentliche Eigenthümerin die Stadt Hanau ist, sind dem Geschichtsverein dauernd überwiesen worden und verbleiben seiner Fürsorge anvertraut. Sie bilden nun eine beträchtliche Vermehrung des mittelalterlichen Museums, welches, wenn nicht alle Aussichten trügen, in absehbarer Zeit ebenfalls in die Räume des Altstädter Rathhauses überführt werden wird. (Sind wir einmal so weit, dann halte ich Sie wiederum beim Wort, lieber ungenannter Wohlbekannter, K. K., und dann möge halt ein Fest gefeiert werden, der gefeierten Sache und der Feiernden würdig!) Neue Rechte legen aber neue Pflichten auf und so sieht sich der Vorstand des Geschichts- vereins zu folgender Bitte veranlaßt: Von dem Frstzuge von 1863 (50j. Gedenktag der Schlacht bei Leipzig) sind ihm ebenfalls die Banner, Embleme und Aehnliches von Seiten mehrerer Bürger theils geschenkt, theils vorbehaltlich des Eigenthums- rechtes überwiesen worden. Von den früheren Zünften sind auch viele Schilder, Laden und Embleme in seinem Besitz. Doch fehlen noch manche, nnd es wäre doch sehr schön, wenn die Sammlungen sowohl der Gegenstände der beiden Festzüge (1863 und 1897) wie auch diejenigen sämmtlicher Zünfte im Geschichtsverein eine bleibende, dabei zugleich eine Allen zugängliche Äufbewahrungsstätte fänden. Wo und in welchen Händen diese Sachen sich befinden, weiß man nicht, man weiß nur, daß sie existiren, und so ergeht an ihre Eigenthümer auf diesem Wege die freundliche Bitte, dieselben dem Geschichtsverein zur Schaustellung überweifen zu wollen. — Briefe und dergl. gehen an Herrn Professor Dr. S u ch i e r. Bestellungen erledigen sich am besten in den Vorstandssttzungen des Vereins, Donnerstag nachmittags halb sechs bis sieben Uhr, Altstädter Markt Nr. 6, eine Stiege hoch, Glasthüre links.
* Das Hahrrenkammharts ist täglich geöffnet.
Birs-Jagd) gekommen, so müssen wir uns auch den Char- lottenfels ansehen, der eigentlich der Spitzküppel heißt. Davon geht folgende Sage: Ein Birsteiner Mann ging einmal auf den Spitzküppel, um sich Holz zu holen. Wie er zufällig zur Erde schaute, fiel ihm eine wunderschöne goldgelbe Schlüsselblume auf, die brach er ab und betrachtete sie wohlgefällig. Als er aber auf sah, bemerkte er eine uralte, schwer mit Eisen beschlagene Thüre, wie das Thor an der Nonneburg etwa, und diese Thür stand sperrangelweit offen. Da trat er hinzu und ging als ein Unverzagter in den Berg. Hier kam er in eine hohe Halle, da saßen auf drei Hochsitzen drei mächtige, alte Männer mit langen, weißen Bärten um einen runden, steinernen Tisch, die starrten ihn an, aber redeten kein Wort. Dem Manne wollte angst werden, aber er faßte sich zusammen und bemerkte nun erst, daß rings an den Wänden goldene und silberne Gefäße und andere blinkende Kleinodien standen. Nun wollte er aber auch nicht umsonst in den Berg gegangen sein und legte seine Blume auf den Tisch, um einen goldenen Becher zu ergreifen. Kaum hielt er ihn in der Hand, so erfaßte ihn wieder die Angst und er lief, was er laufen konnte, rückwärts nach der Thür. Aber die Alten schüttelten ihre Häupterund eine Stimme rief: „Vergiß das Beste nicht!" Er aber eilte zur offenen Thür hinaus, die so rasch hinter ihm mit einem Donnerschlag zugeworfen wurde, daß ihm eine Ferse zerschlagen wurde. Den Becher aber hatte er gerettet. Von einer Thür im Berge aber war nichts mehr zu sehen, er hat oft danach gesucht, aber nie etwas davon gefunden.
Das sind unsere alten, bergentrückten Götter, die sich in die Tiefen der Berge zurückgezogen und alle goldenen Schätze da geborgen haben.
Der Milchbar» bei Birstein.
Um Alles Ungewöhnliche, was die Natur eines Landstrichs besitzt oder woran sich eine geschichtliche Erinnerung knüpft, sammelt sich ein Duft von Sagen und Liedern, wie sich die
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Uuterhaltuugsblatt 14 Seiten
* Hessischer Forstverein. Wie wir schon vor längerer Zeit mittheilen konnten, hält der hessische Forstverein am 30. Juni und 1. Juli d. I. dahier seine 25. Versammlung ab. Nach den geschäftlichen Berathungen findet bekanntlich am Montag den 30. Juni, nachmittags 3Vi Uhr, im Hotel „zum Adler" ein Festessen statt, sowie am 1. Juli, vormittags, ein Ausflug in die Oberförsterei Wolfgang. Den Verhandlungen voraus geht am 29. Juni, abends, eine gesellige Vereinigung im „Bürgerverein". Wie der Königl. Forstmeister Herr F e n n e r bekannt gibt, werden diejenigen Herren, welche an der Versammlung, namentlich an dem Festessen und dem Ausfluge theilzunehmen beabsichtigen, gebeten, sich in die im „Hotel Adler" und im Restaurant „zu den drei Rindern" ausliegenden Listen bis spätestens am 25. d. M. einzeichnen zu wollen.
* Garde-Verein. Nachdem sich bereits gelegentlich der vom hiesigen Garde-Verein zur Feier der 30. Wiederkehr des Schlachtentags von St. Privat abgehaltenen Gedenkfeier ein freundschaftliches Zusammengehen der Garde-Vereine Frankfurt und Hanau bemerkbar gemacht hatte, konnte es nicht ausbleiben, daß sich diesem zwanglosen, von echt kameradschaftlichem Geiste zeugenden Uebereinkommen noch mehr Militärvereine anschlossen, so der „Verein ehemaliger Jäger" in Aschaffenburg und der „Jäger- und Schützenverein"-Frankfurt. Als dann gelegentlich des 7. Stiftungsfestes des Frankfurter Garde-Vereins der Wunsch laut wurde, in jedem Jahre einen gemeinsamen Familienausflug in eine der 3 bis jetzt in Fragr kommenden Städte zu unternehmen, wurde dem freudigst beigestimmt und beschlossen, den ersten gemeinsamen Ausflug nach Aschaffenburg zu richten. Wie unS nun mitgetheilt wird, findet dieser Ausflug am 27. Juli d. J. statt und zwar werden die Frankfurter Vereine bei genügender Betheiligung einen Extrazug, welcher in Hanau zu halten hätte, beantragen. Der Verein ehemaliger Jäger hat das sonstige Arrangement in die Hand genommen und bereits, soviel wir hören, in jeder Hinsicht vorgearbeitet, sodaß jedem Theilnehmer in Aschaffenburg einige frohe Stunden winken, gewürzt durch Concert, Preisschießen, ein gemüthliches Tänzchen und nicht zuletzt durch ein gutes Glas „Bayrisch". Bemerken wollen wir noch, daß auch Freunde und Bekannte an dem Ausfluge theilnehmen können. Lifte zirkulirt bereits. Alles Nähere durch Annoncen. — Auch an der Denkmalsenthüllung 31t Groß-Steinheim wird der Garde-Verein sich betheiligen und einen Kranz am Denkmal niederlegen lassen.
* National-Stenographie. In der vorgestern Abend stattgefundenen Generalversammlung des National-Stenographen- Vereins wurde einstimmig beschlossen, zur weiteren Ausbildung der Mitglieder den Mittwoch Abend von 9 Uhr ab zu nehmen, sodaß der Verein jede Woche bis zum Verbandstag im
Ferne des Himmels blau anläßt und zarter, feiner Staub um Obst und Blumen setzt.,
Unterhalb des Birsteiner Schloßberges, wo der Weg nach Sotzbach Hinfahrt, fließt ein starkes und hübsches Brünnchen, der Milchborn geheißen. Aus drei Röhren sprudelt das Wasser. Die Buben kommen aus der dicken, die Mädchen aus den zwei anderen. Wenn man das Ohr auf den Boden legt, hört man die Kinder im Wasser patscheln. Aus dem Milchborn sind alle Birsteiner geschöpft worden.
Kunst und Leben.
Wozu die Photographie gut ist. Man hat so oft von den Missethaten und Indiskretionen der Photographie -gesprochen. Jetzt dringt sie jedoch siegreich in das öffentliche Leben ein, indem sie in einem Falle in Frankreich offiziell zur Beglaubigung der Akten des Civilstandsrcgisters gebraucht wird. Man weiß, daß die Akten des Civilstandsregisters von Saint-Pierre auf Martinique durch die Katastrophe vernichtet worden sind. Glücklicherweise hat das französische Kolonial- Ministerium jedoch die Duplikate; aber es wäre eine langwierige und theure Arbeit gewesen, die hundertfünfzigtausend Akten von Geburts-, Heiraths- oder Todesfällen kopieren zu lassen. Der Ministerrath hat also beschlossen, diese Stücke photographiren zu lassen und bei dem Parlament ein Gesetz zu beantragen, das unter diesen Umständen der Photographie alle notariellen Rechte zuerkennt. Es ist das erste Mal, jdaß die Photographie eine solche Verwendung findet. Aber warum, schreibt der „Gaulois", könnte dies nicht immer so sein ? Man würde dabei doch Beamte sparen.
Nette Funde haben die italienischen Archäologen Halb- herr und Pernier soeben in Hagia Triada (Kreta) gemacht. Am hervorragendsten unter den Ausgrabungen ist, wie berichtet wird, eine große Vase aus schwarzem Stein mit 25 fein aus- geführten Figuren in Hochrelief.