Erstes Blatt
Hanauer G Anzeiger
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- «ärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedmckt und verlegt in der Buchbruckerer des verein, ev, Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Mt- M Lanttreis 7
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebiihr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg.
im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Vcraiüwortl. Redakteur.: <L. Schrecker in Hanau.
Nr. 92
FernsprechansKlnß Nr. 605
Montag den 21. April
Fernsprechanschluß Nr. 605
1902
M
Amtliches.
Stadtkreis Banau. Ausschreiben.
Am 19. d. Mts. dahier gestohlen:
I. Aus einem offenen Hausflur ein Opelfahrrad mit der Fabrik-Nr. 58976 im Werthe von 150 Mark. Dasselbe hat schwarzen Rahmenbau, gelblich-weiße Felgen, Pneumatikluftreifen, gerade Lenkstange mit Korkgriffen, Sattel mit liegenden Federn und Pedale mit Gummieinlagen. An der Gabel des Rades befindet sich ein kleines Messingschild mit der Aufschrift: „Opel-Niederrad-Speeial".
IL Aus einem Bleichgarten:
Zwei baumwollene Kopfkiffennberzüge, drei roth- und gelbgestreifte Betttücher, ein blau- und rothgestreifter und ein blau- und rothgeblümter Bettüberzug, zwei graue Ar- bettshofen im Gesammtwerthe von 18 Mark.
Um Nachforschungen nach den gestohlenen Gegenständen, Festnahme der unbekannten Thäter und telegraphische Nachricht hierher wird ersucht.
Das Ausschreiben vom 6. Dezember v. Js., J.-Nr. P 11273/01, soweit es den gestohlenen Ueberzieher betrifft, ist erledigt.
Hanau den 21. April 1902. J.-Nr. P 4436/02 Königliche Polizei-Direktion.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in den Gemarkungen von Langenselbold und Langendievach belegenen, im Grundbuche von da zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Weißbinders Heinrich Spindler II. und dessen Ehefrau Margaretha geb. G o t t - lieb zu Langenselbold eingetragenen Grundstücke:
I. Artikel 1015 von Langenselbold
Abth. 1 Nr. 6, 7, 31, 36.
Nr. 6 V 410 in der Langenläng, Acker 5 ar 89 qm, ff 7 „ 411 „ „ „ 5 if 89 if jetzt VIII 1373b die Rode 16 „ 36 „ 6,19 Mk. R.-E. „ 31 X 612 im Linnenlohegut, Acker 3 „ 80 „ „ 36 „ 613 Linnenlohegut, „ 3 ,/ 96 „
II. Artikel 703 von Langenviebach
Abth. I Nr. 3 n. 4.
Nr. 3 Ktbl. 12 Nr. 50 auf'm Linnes, Acker 5 ar 30 qm, „ 4 „ 12 „ 49 „ „ „ 5 „ 16 „ am 16. Jnrri 1902, vormittags 91/» Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle
versteigert werden. , .
Der Versteigerurigsvermerk ist am 3. April 190- in das Grundbuch eingetragen.
Es ergeht die Aufforderung, Rechte, soweit sie zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, spätestens im Versteigerungs- termine vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten allzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringuen Gebots nicht berücksichtigt und bei der Vertheilung des Ver- steigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und deil übrigen Rechten nachgesetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Versteigerung entgegenstehendes Recht haben, werden aufgefordert, vor der Ertheilung des Zuschlags di- Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegen- standes tritt.
Langenselbold den 15. April 1902.
Königliches Amtsgericht.
7185
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Griff von einem Kinderregenschirm. 1 schwarzer Damenhandschuh (linker). 1 Doublä-Halskette, a Anhänger ein Herz mit grünen und wechen^Stemchen: besetz. 1 graugrünes Portemonnaie mit ^rchalt. ^n einer Drosch liegen geblieben 1 Packet, enthaltend 1 Hose, 1 ^^te und Rock. Am Samstag auf dem Wochenmarkt stehen geblieben 2 Milchkannen und 1 Geflügelkorb. „ .
Verloren: Auf dem Wege Halnstraße-Frankfurterstraße bis Lothringerstraße 1 kleine goldene Nadel mit ~ kleinen weißen Perlen. , , Gelandet: 1 Stamm Floßholz. Abhanden gekommen: 1 großer Mülleimer.
Hanau den 21. April 1902.
Hue Stadt und £and.
Hanau den 21. April.
* Missionsstunde. Heute Abend findet Missionsstunde in der Kapelle des Alt-Hanauer Hospitals statt.
* Kontrol-Versammlrmg. Dienstag den 22. April, Vormittags 9 Uhr, in Hanau (Paradeplatz): Reservisten der Jahresklassen 1899, 1900 und 1901 sowie zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften von Hanau, außerdem Reservisten, Wehrleute I und Ersatzreservisten (Jahrgänge 1889—1901) sowie die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften von Kesselstadt mit Philipps- ruhe, Wilhelmsbad und Neuhof; Nachmittags 3 Uhr in Gro ß- auheim (Schulhof): Reservisten, Wehrleute I und Ersatzreservisten (Jahrgänge 1889— 1901) sowie die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften von Groß- auheim, Großkrotzenburg und Pulverfabrik.
* Frühjahrs-Gewitter. Gestern Nachmittag zogen mehrere heftige Gewitter, verbunden mit Hagelschlag und einem kräftigen Platzregen, über unsere Stadt. Da daS Unwetter ziemlich unvermittelt sich entlud, so mag wohl manchem Spaziergänger eine gehörige Taufe bescheert worden sein. Das Gewitter hätte beinahe auch auf eine eigenthümliche Art ein Feuer verursacht. Die Inhaber des Baumaterialienlagers in der Vorstadt hatten eine Anzahl Säcke mit ungelöschtem Kalk in der an das Lager anstoßenden Scheunentenne untergebracht. Die niederströmenden Wassermassen fanden auch Eingang in die Tenne und machten die Säcke unten total naß, wodurch der Kalk ins Brennen gerieth. Die den Kalk umhüllenden Säcke bräunten plötzlich lichterloh und schlugen hohe Flammen. Das Feuer leckte bereits an den Wänden hinauf und setzte eine kleine Lattenthüre in Brand, als zufällig Jemand vom Hinterhause nach der Scheune sah und die Flammen bemerkte. Kräftige Hände brachten alsbald die brennenden Säcke aus der Scheune und das Feuer zum Verlöschen. Wäre der Fall bei Nacht geschehen oder die Flammen einen Augenblick später entdeckt worden, so hätte diese bie Heu-, Stroh- und sonstige brennbare Vorrüthe erreicht und großes Schadenfeuer verursacht. — In der Franksurterstraße schlug der Blitz bei dem Installateur Am end in die Telephonanlage. — Aus dem Hessischen wird berichtet, daß bei Langst a d t ein W o l k e n b r u ch niedergegangen ist.
* Bom schwarzen Brett der Frankfurter Akademie. ' Am Dienstag den 22. April beginnen folgende Vorlesungen : Vormittags 9 Uhr Dr. v. Möllendorff,, Handelsgeographie, vormittags 10 Uhr Professor Dr. Mors, Roman. Seminar, nachmittags 3 Uhr Dr. Arndt, Sozialwissenschaftliche Uebungen, nachmittags 5 Uhr Dr. Freudenthal, Uebungen im Völker- und Staatsrecht, nachmittags 5 Uhr Professor Dr. Bleicher, Versicherungsrechnung, nachmittags 6 Uhr Prosessor Dr. Bleicher, Versicherungssemiuar, nachmittags 6 Uhr Dr. Klumker, Theorien und Systeme der Armenfürsorge.
* Abendmtterhalttmg. Der Lehrers ün ger- chor veranstaltete am Samstag Abend in der „Centralhalle^ unter seinen Mitgliedern, Freunden und Bekannten des Vereins eine Abendunterhaltung. Der Verein hatte sich gesanglich eine interessante und dankbare Aufgabe gestellt. Er brächte unter der tüchtigen Leitung des Herrn Wilh. Hamburger zur Aufführung 2 Chöre mit Orchesterbegleitung und einige kleinere a capella Chöre im Volkston. Durch die vortrefflichen Darbietungen zeigte der Verein, daß er durch guten exakten Vortrag, gute Aussprache und sichere Intonation große Wirkungen zu erzielen im Stande ist, wobei die musikalische Bildung der Mitglieder sehr zu statten kommt. , Eine besonders dankbare Ausnahme fanden die beiden Volkslieder „Das arme Däumchen" und „Herbstlied" von W. Breidenbach und der im Volkston gehaltene Chor „Mägdlein hab Acht!" von Karl Fr. Appel. Der Vortrag ließ erkennen, daß der Leiter deS Vereins, Herr W. Hamburger, mit unermüdlichem Eifer und mit großem Kunstverständniß die Lieder eingeübt hatte. Als Solist trat Herr Karl F. Appel auf. Obwohl etwas indisponirt brächte er „Zarenlied" von Lortzing und „Ganz leise" von H. Sommer warmfühlend und mit schönem Geschmacke zur Geltung. Der Arie aus „Hans Heiling" von Marschner mit Orchesterbegleitung verhalf der Vortragende durch künstlerische Verwendung des reichen Stimmenmaterials und durch einen temperamentvollen Vortrag zu packender Wirkung. Besonders lobend sind hervorzuheben die Vorträge unserer Jnfanteriekapelle unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Schmidt; dieselben waren Glanznummern an dem Abend, wozu sie der bis ins einzelne ausgearbeitete, feinfühlige, exakte Vortrag stempelte. Herzlich war der Beifall, der der Kapelle und ihrem Dirigenten zu Theil wurde. Eine interessante, äußerst angenehme unb ansprechende Abwechselung bildete der Schwank: „Papa hat's erlaubt" von L'Arronge, um dessen vortreffliche Wiedergabe sich Mitglieder des Vereins und dem
selben nahestehende Damen verdient machten. Es war wirklich eine nette Leistung! Das Programm bot als Schluß- nummer eine allerliebste humoristische Ensemblescene mit Gesang und Reigen, betitelt: „Mädchenstreiche im Pensionat," eine vortreffliche und dankbare Arbeit des Vereinsmitgliedes Herrn H. Wi l la mowitz, der auch die Aufführung in Scene setzte und mit bestem Erfolge leitete. Die einzelnen Rollen wurden von Angehörigen der Mitglieder flott gespielt. Vielleicht haben wir Gelegenheit, die gesanglichen Leistungen des Lehrersängerchores in einem Konzert in der nächsten Saison bewundern zu können. Wie wir hören, hat der Verein seine gesangliche Thätigkeit in vollem Umfange wieder ausgenommen.
* Wäfchediebstahl. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurden aus einem Bleichgarten der Nordstraße eine Anzahl Betttücher, Bettüberzüge sowie zwei Arbeitslosen entwendet.
* Fahrrad gestohlen. Einem Kaufmann L. von hier, der am Samstag Abend sein Opelfahrrad in den offenen Flur eines Hauses der Langstraße gestellt hatte, wurde dasselbe gestohlen.
* Unfug» Durch Alkoholgenuß erhitzte Gemüther ließen ihren Uebermuth in verflossener Nacht wiederum an Mülleimern aus. Ein Mülleimer wurde in die Kinzig geworfen. Hoffentlich gelingt es, die Verüber dieser Rohheiten zu ermitteln. — Auf dem Wege nach Klein-Steinheim wurden in der Nacht von Samstag auf Sonntag von Nachtschwärmern zwei Laternen wieder in Brand gesetzt und dann total zertrümmert, sodaß außer dem demolirten Brenner nur noch die Gestelle übrig geblieben sind.
* Die Kindesleiche im Koffer. Ein ähnlicher Fall, wie er sich kürzlich in Königsberg ereignete, hat sich auch hier in Hanau zugeiragen. Einer in der Nordstraße wohnenden Frau fiel heute Morgen ein aus dem Zimmer ihres Dienstmädchens kommender intensiver Leichengcruch auf. Die Frau benachrichtigte die Polizeibehörde und bei einer Durchsuchung des Zimmers fand man im Koffer des Dienstmädchens eine bereits in Verwesung übergegangene Kindesleiche. Das in der Kantine der Ulanenkaserne beschäftigte 20jährige Dienstmädchen namens Helene H. aus Heubach wurde alsbald verhaftet. Dasselbe gestand, am 27. März d. J. bei der früheren am Kanalplatz wohnenden Herrschaft ein Kind geboren und dasselbe alsbald nach, der Geburt durch Strangulation mittelst eines um den Hals gelegten Strickes getödtet zu haben. Die Kindesleiche legte die unnatürliche Mutter in einen Koffer und ging der gewohnten Beschäftigung, als ob nichts geschehen sei, wiederum nach, da auch die Dienstherrschaft von der stattgefun- denen Entbindung nichts gemerkt hatte. Als am 1. April das Mädchen die Dienststelle wechselte, nahm es die im Koffer befindliche Kindesleiche ebenfalls mit, bis heute Morgen, wie bemerkt, durch den intensiven Geruch die Sache entdeckt wurde.
*
* ** Ravolzhansen, 21. April. (Jubiläum.) Wie kürzlich bereits mitgetheilt, wurde Herrn Daniel Schröder von hier für 50jährige ununterbrochene Thätigkeit bei der Firma I. Brüning u. Sohn in Langendiebach durch Herrn Landrath v. Schenck das allgemeine Ehrenzeichen überreicht. Wie uns noch berichtet wird, wurde dem Jubilar auch seitens des Aufsichtsrathes und der Firma selbst auf Wärmste gratulirt und ihm hierbei von dieser ein ansehnliches Geldgeschenk überreicht. Ebenso händigte ihm Herr Heinrich Brüning im Namen der früheren Besitzer eine namhafte Geldsumme aus. Der Direktor der Gesellschaft brächte Herrn Schröder persönlich seine Glückwünsche dar, von den Mitarbeitern wurde ihm ein hübscher Sessel gestiftet und gleichzeitig eine kleine Feier zu Ehren des Jubilars veranstaltet. Es sind diese Ehrungen recht ein Beweis der allgemeinen Achtung und Werthschätzung des biederen Arbeiterveteranen sowohl seitens seiner Arbeitskollegen als seiner Arbeitgeber.
- 1. Langendiebach, 20. April. (Herrenabend.) Der schon mehrfach preisgekrönte Gesangverein „Sängerlust" hatte gestern Abend anläßlich des 20jährigen Stiftungsfestes im Saale des Gasthauses „zum Schwanen" einen Herrenabend veranstaltet, und zwar unter Mitwirkung der Ulanenkapelle aus Hanau. Der Saal war dicht besetzt und wir bemerkten zahlreiche Gäste und Sangesbrüder aus Hanau unb den benachbarten Orten. Wenn von den bisher' gegebenen Festlichkeiten der hiesigen Gesangvereine dokumentirt Werden konnte, daß die dargebotenen Leistungen ernste Arbeit und , Streben nach Vervollkommnung erkennen ließen, daß manche §ßerle aus dem Kranze deutscher Lieder geboten wurde, so kann man dieses speziell von dem gestrigen Herrenabend der „Sänger-- lust" sagen. Wo eben Alle einmüthig zusammenwirken und mit Lust und Liebe zur Sache, mit eisernem Fleiß, mit Ausdauer und Energie nach einem gemeinsamen Ziele streben, da ist ein Gelingen immer gesichert. Die gute'. Schulung dieses Gesangvereins, unter der bewahrten Leitung'