amner
Erstes Blatt.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf' gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
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Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Psg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur; G. Schrecker in Hanau,
Rr. 220
sternspreckanschlnß Nr. 605
Samstaa den 20. Sevlember
Fernsprechanschluß Nr. 605.
1902
„Amtliche Beilage" Nr. 18.
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Amtliches
Landkreis hanau.
Bekanntmachnnsien des Könisil. Landrathsamtes.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises erließe ich, die aufgestellten Nachweisungen über die durch die Manöver verursachten Flurschäden ohne Rücksicht auf die in meiner Kreisblottverfüoung vom 16. v. Mts. — M 3766 — gesetzte Frist möglichst nmgehrnd hierher einzureichen.
Hanau den 19. September 1902.
Der Königliche Landrath.
J. M. Nr. 4465 v. B e ck e r a t h.
Strafbefehl.
Auf den Antrag der Königlicken Staatsanwaltschaft wird gegen den Milchhändler Wilhelm Sauer in Groß- ruheim wegen der Beschuldigung, am 25. Juli 1902 in Hanau aus Fahrlä sigkeit abgerahmte Milch, die durch Wasser- zusatz gefälscht war, feilgeböten zu haben, ohne sich vorher von der Beschaffenheit dieser von Bau-rn zufammengekauften Milch zu überzeugen, Uebertretung der.M11 und 16 des Nabrungs- mittelgesetzes, wofür als Beweismittel bezeichnet ist: Zeugniß des Nahrungsmittel-Chemikers Dr. R au in Hanau, eine Geldstrafe von 10 — zehn — Mark und für den Fall, daß dieselbe nickt beigetrieben werden kann, eine Haftstrafe von zwei Tagen festgesetzt.
Zugleich werden dem p. Sauer die Kosten des Verfahrens auferlegt; auch wird angeordnet, daß desfen Ver- urtheilung binnen einer Woche nach der Rechtskraft heg Straf- befehls im „Hanauer Anzeiger" zu veröffentlichen ist.
Hanau den 1. September 1902.
Königliches Amtsgericht 4.
Die Rechtskraft wird bescheinigt.
Hanan den 19. September 1902.
Habeney, Aktuar.
16056
Handelsregister.
A. 21 Firma A. Sonneberg, Hanau: Die Gesammi- prokura des Kaufmanns Martin Schmidt in Frankfurt a. M. und des Franz Xaver Müller in Hanau ist erloschen.
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Feuilleton
Krieg im Frieden.
Augenblicksbilder von den Manövern des 18. Korps. (Schluß.)
aus
Die ersten Schützenlinien sind bereits im Begriff, oem Thal, das die beiderseitigen Streitkräfte noch trennt, zur Höhe emporzusteigen. Andere drängen nach, und das Donnern der Kanonen und das Knattern der Gewehre wird immer
unheimlicher. Das Echo des Lärmens schallt aus dem zur Linken liegenden Wald und erzeugt dort ein Rauschen, als ob der Sturm ihn peitschte. In dichten Massen rücken nunmehr Die Reserven nach, frische Bataillone schwärmen aus und verstärken die ersten Schützenlinien, alles bereitet sich auf den letzten Angriff vor. Die Artillerie, bie vor diesem letzten Sturm den Feind noch durch ein erhöhtes Bombardement mürbe zu machen hat, spielt einen Tanz auf, daß einem Hören und Sehen vergeht, die Schützenlinien geben Schnellfeuerund „Sprung! auf! marsch marsch!" erschallt es von den Kompagnieführern, worauf einzelne Schützenketten dem Feinde entgegenstürzen, während Die liegengebliebenen mit höchster Kraft das Feuer fortsetzen. Dann der letzte Sturmanlauf! Tamboure schlagen, ein be- mubendes Schnellfeuer von hüben und drüben und Alles stürzt unter „Hurrah" über die letzten Hindernisse auf den Feind los. Doch dessen Stellungen waren zu stark, mit unerschütterlicher Ruhe hat er den Feind zurückgeschlagen und die tapferen
Angreifer müssen weichen.
"Meister Lampe ist heute in tausend Nöthen. Wohin er sich auch wendet, überall ein unheimliches Donnern und .krachen, Kanonenschlunde und blitzende Gewehrläufe starren ihm drohend entgegen, ein Getrampel von Menschen und Pferdehufen, daß er weder ein noch. aus sich weiß und nur in rasender Flucht noch sein Heil erhofft. Mit den zurück-
Dem Kaufmann Martin Schmidt in Frank-
. surt a. M. ist Einzelprokura ertheilt.
Hanan den 18. September 1902.
Königliches Amtsgericht 5.
16032
Hue Stadt und Cand.
Hanau, 20. September.
* Bom Korpsmanöver. Der Nordbahnhof _ bot gestern Morgen bei Abgang der ersten Züge ein äußerst Meines Bild. Die „Manöverbwumler" hatten sich so zahlreich ejngefnnden, daß der Bahnhof sich‘ als viel zu fleht erwies. Die Bahn hatte ihre liebe Noth, die Schaulustigen alle zu befördern. Das Haupttreffen imirbe gestern bei Ostheim erwartet, hinter welchem die 21. Division eine vorzügliche Vertheidignugsstellung inne hatte, namenflid) die Artillerie war ausgezeichnet postirt. Die Hessen kamen aus der Richtung von Altenstadt und hätten einen Flänkenmarsch gegen den rechten Flügel der 21. Division gemacht. Der Großherzog von Hessen hielt auf einer Höhe bei Ostheim beim Stäbe des Korpskommandeurs und bildete den Gegenstand des Interesses her Zuschauer. Gegen 10 Uhr blies es „das Ganze halt." Nach der Kritik rückten die Truppen-in ihre Quartiere. Heute Morgen operirt das gesammte Korps'gegen einen markirten Feind (166 er), der bei Langenselbold Stellung genommen hat.
* Die Ängriffsübung mit schwerer Artillerie. Wie bereits an dieser Stelle mehrfach mitgetheilt, findet am Dienstag den 23. September im Vogelsberg ein Scharfschießen mit schweren Feldhaubitzen statt. Die Ausdehnung des an diesem Tage gesperrten Gebietes haben wir bereits bekannt gegeben. Wer dem Schießen beiwohnen will, wird gut thun, Früh .nach WachterSbach zu fahren und byt^r b^ obfahrenden Zug der Birsteiner Bahn zu Senilen. Von Birstein geht links die Straße nach Hetiersrolh und Hihkirchen ab. Von Hitzkirchen aus wählt man den Mdtbxg nach Kefen- rod, welcher vor dem Herzberg hinzieht. Voneiner Biegung desselben aus hat man nach Norden etwas links den von den Pionieren befestigten Galgenberg vor sich. Die schweren Geschütze sind gestern Morgen von hier aü§/ halbem auch das in Mainz formirte 1. Bataillon angekommen war, in das Gelände östlich von Gelnhausen gebracht. Für die Bespannung der Munitions- rc. Wagen waren nicht allein die Pferde verschiedener Trainaötbeilungen, sondern auch ca. 230 schwere Arbeitspferde aus hiesiger Stadt und Umgegend gemiethet.
* Vahnverkehr. Die preußische StMlisLahuverwaltung hat beschlossen, in Dunkelheit und bei Nebel zur Deckung von Zügen, die auf freier Strecke halten müssen, rothbrennende Magnesiumfackeln zu verwenden, deren Licht nach angestellten Versuchen auch im Nebel 5—600 Meter weit sichtbar ist.
gelegten Langohren setzt er über Felder und Gräben, und überall sperren seine natürlichen Feinde ihm den Weg zur Fucht. Schon in aller Herrgottsfrühe hätten ihn die ersten Reiter bei Gelegenheit des' vorzüglichen Frühstücks an einer delikaten Zuckerrübe gestört und seitdem geht es hin und her in toller Flucht und dabei schließen sich die Ketten immer dichter und für sein Leben wurde Demänd mehr einen Pfifferling geben. So bleibt er endlich liegen, todesmatt, abgehetzt bis zum letzten Athemzug, ergeben in fein Schicksal sich fügend.
Die preußischen Angreifer müssen zurück, die Hessen haben ihre Stellung behauptet. Aber nicht im wilden Lauf, sondern fechtend, langsam geht der Rückzug vor sich/ über die von den Pionieren geschlagenen Brücken her Nidder, welche bald trennend zwischen den beiden feindlichen Armeen liegt. Allmählich verläuft sich der Schwärm und Nur vereinzelte Schüsse zeigen an, daß versprengte Theile sich noch in den Haaren liegen. In einem Thaleifischgitt vor Butterstadt hat die Infanterie der 21. Division ihr Biwack aufgeschlazen, weit hinausreichende Vorposten übernehmen die Sicherung für die ruhende Abtheilung. Ein buntes Lagerleben entwickelt sich, eine kleine Zeltstadt ist im Nu aufgebaut, Kochgrüben werden ausgehoben und bald brodelt der Kessel mit den obligaten Erbsenkonseroeu über dem Feuer. Die Regimentskapellen sind ins Lager beordert und spielen zu dem frugalen Male fröhliche Tafelmusik, lustige Soldatenlieder erschallen und bei eintretender Dunkelheit flammen die Wachtfeuer auf, in deren Kreis noch manch Stückchen von xchtem Soldatenhumor sich abspielt. Und wenn der Zeiger der Uhr die neunte Stunde erreicht hat, dann wird zum Zapfenstreich geblasen. Die Trommeln werden gerührt, die Kompagnie muß antreten und das Kommando j/Helm ab zum Gebet" erinnert den muhen Krieger zum Gedenken an seinen Schöpfer. Dann geht es in die Zelte, d-e Wachtfeuer sinken zusammen und feuchter Herbstnebel senkt sich herab, das Lager mit seinem Schleier verdeckend.
Die heutige Nummer umfasst ausser dem ttnterhaltuuasblatt 12 Seite»
* Neue Thiere des Frankfurter Zoologischen Gartens. Ein sebr werthvolles Geschenk hat der Zoologische Garten von Herrn Missionar Schlosser Togoland erhalten, nämlich eine rothe Schopfantilope und eine Masowik'sche Zwergantilope. Beide Thierchen sehen fast wie zwerghafte Rehe aus und es ist das erste Mal, daß diese Arten lebend im Garten vertreten sind. In die R e p t i l i e n s a m m l u n g wurden neue Schlangen von Madagaskar und von Brasilien eingereiht, sowie exotische S ch ild krö t enarten. Ein kleiner deutscher Vogel — die Wasseramsel — ist gegenwärtig in Zoologischen Gärten eine recht seltene Erscheinung, ebenso der etwa drosfelgroße Brauenheherling aus China. — Am vergangenen Mittwoch verweilten verschiedene Herren vom New-Aorker Thiergarten in Frankfurt und bestellten Modelle des zuletzt gebauten Hauses „für kleinere Säugethiere," das in gleicher Weise drüben im Dollarland aufgeführt werden soll. — Der überaus warme August gestattete dem Zoologischen Garten nicht nur mit den Thieranschaffungen fortzusahren, sondern brächte ihm auch die größte Kasseneinnahme seit 1876 (kurz nach Eröffnung des Instituts), was für die Zukunft eine recht günstige Perspektive eröffnet. — Am nächsten Sonntag (21. September) findet in diesem Jahre der letzte 50 Pfennig-Tag statt.
* Fahrraddiebstühl. Einem hier wohnenden Schlosser wurde gestern Abend 7 Uhr in Groß-Steinheim ein fast neues Fahrrad entwendet.
* Zimmerbrand. In dem Hause Marktstraße Nr. 1 entstand heute Morgen durch eine Unvorsichtigkeit im 1. Stock ein kleiner Zimmerbrand, der aber bald wieder gelöscht'werden konnte. Es verbrannten nur einige Gardinen.
* Wanderverfammlung des Kreis-Krieger- Verhandes. In Gronau findet morgen eine Wander- versämmknng des Kreis-Kriegerverbandes Hanau statt. Die Mitglieder des hiesigen Kriegervereins werden ersucht, sich an der Versammlung zahlreich zu betheiligen.
* Die Gemälve-Ausstellung in der Aula der Kgl. Zeichenakademie ist geschlossen. Dafür sind von morgen ab die infolge des Preisausschreibens des Kunstgewerbe- Vereins eingelaufenen Entwürfe ausgestellt.
* Stiftungsfest. Am Samstag den 8. Oktober cr., abends 8 Uhr beginnend, feiert der Verein „Einigkeit" sein 19. Stiftungsfest in den Sälen der Centralhalle, wozu ein sehr unterhaltendes Programm vorgesehen ist. An musikalischen, gesanglichen und theatralischen Aufführungen sind ebenso zahlreiche wie au Güte vorzügliche Nummern ausgesucht, sodaß Unterhaltungsstoff in Fülle geboten ist. An tüchtigen Kräften zur Durchführung der gestellten Aufgaben fehlt es bei der „Einigkeit" nicht und wird daher jeder Besucher auf seine
Kunst und Leben.
* Stadttheater. Als erste Novitäten sind Fulda's Lustspiel „Die Zwillings-S chwester" mit Frl. To ran (der Nachfolgerin Frl. Brandow's) in der Titelrolle, und das Lustspiel „So leben wir" von Leon Leipziger (mit Herrn Schwarz in der Hauptrolle) und Max Halbes Schauspiel „Haus Rosen Hagen" in Aussicht genommen.
— Der Beginn der Vorstellungen ist wie bisher um 7 Uhr. Neu-Anmeldungen auf Abonnements nimmt Herr Kempf-Bamberger, Leimenstraße 46, entgegen. Es sind infolge Trauerfalles mehrere sehr gute Plätze (I. Rang, Parterrelogen und Sperrsitze) frei geworden. — Gastspiele sind abgeschlossen mit dem Kgl. Hofschauspieler K o n r a d Dreher und dem bekannten Berliner Hofschauspieler Adalbert Matkowsku.
* Hessenlarr-. Inhalt der Nummer 18 des „Hessenland" : Jordan, Richard f., „Einfahrt in den Golf von Nicoya"; — Herbert, M., „Kühlung des HerzenS" (Gedichte). Bennecke, W. „Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen". Ein Gedenkblatt zu seinem hundertjährigen Geburtstag (Fortsetzung). — Knetsch, Dr. Carl. „Baltzer Wilhelm". — Wolfs, Louis. „Wilhelmsthaler Wasserspiel" (Gedicht). — Keller- Jordan, H. „Ein welkes Blatt". — Schwalm, I. H. „De ahle, schlachte Zoh" (Gedicht in Schwälmer Mundart) — Aus alter und neuer Zeit. — Aus Heimath und Fremde. — Hessische Bücherschau. — Personalien.
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 44 bis Vil Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet. — „Museum des Hanauer GeschichtSvereinS" (Alt- städter Rathhaus, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sovn- und Festtagen vormittags von 44—12’/s Uhr. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.