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BtzugSprriS:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 00 Pfg., für auf« wärlige Abonnenten mit dem betreffenden Poslausschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

EinrückungSgebühr:

Für etabt« und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für AuSwärtS 15 Pfg., im Reklamenthell die Zeile 25 Pfg., für »luSwSrt« 85 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Duchdruckerei bei verein, ev.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Faudltrcis Kauau.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nerantwortl. Redakteur: «. Schr«ck«r in Hanau,

^r. 115 Fernsprechanschluß Nr. 605.

Dienstag den 20. Mai

Fcrnsprechanschluß Nr. 605. 1902

Amtliches.

Ausschreiben.

Schäfer, Johann Tobias, Taglöhner von Offenbach, wirb seit dem 9. L M. vermißt. ES wirb vermuthet, daß ihm ein Unglück zugestoßen ist, oder daß er sich freiwillig das Leben genommen hat.

Signalement: Alter: 31 Jahre. Größe: ca. 1,67 Meter. Statur: gesetzt. Haare: schwarz. Bart: schwarzer Schnurrbart.

Kleidung: bimtier Sackrock, blauer Kittel, dunkelge- streifte Weste, helle Lederhose, Schnürschuhe, rothbraune Strümpfe, grüne Mütze, rothgestreiftes Hemd.

Besondere Kennzeichen: tätowirt, auf der Brust einen Athleten, auf dem linken ArmLerne leiden ohne zu klagen", auf dem linken Zeigefinger die Buchstaben K. M.

Wir bitten um Nachricht, falls über den Verbleib des Schäfer etwas bekannt oder dessen Leiche gesunden werden sollte.

Offenbach, am 14. Mai 1902.

Die Polizeiverwaltung.

Bräu N i g.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 16. Mai 1902.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

P 5308 v. Schenck.

Ausschreiben.

Mörtel# Helene, geboren am W. Dezember IüV0 zu Oberrad, hat sich am 11. lsd. Mis. aus der elterlichen Wohnung dahier entfernt, ohne bis jetzt etwas von sich hören zu lassen.

Dieselbe wird wie folgt beschrieben: ca. 1,50 ni groß, dickes, bleiches Gesicht, starker Körperbau, hellblonde Haare, blaue Augen, und war bekleidet mit blau und schwarz karrirtem Kleid, blauer Jacke, gelb und braun melirtem Strohhut, hell­blauen Strümpfen und Schnürschuhen.

Wir ersuchen um Anstellung von Ermittelungen und Nach­richt, im Falle deren Aufenthalt bekannt werden sollte.

Offenbach den 15. Mai 1902.

Die Polizeiverwaltung.

Bräunig.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 16. Mai 1902. ,

Der Königliche Landrath und Pvlizei-Direktor.

P 5304 v. Schenck.

Feuilleton.

Ueber Sernmif, Kiinstglitser und Schmiul unserer Zeit.

Ein Begleitwort zur gegenwärtigen Ausstellung in der Aula der Königlichen Zeichen-Akademie von Dr. Richard ©runiwanu.

Die Künste die sich jahrzehntelang darin gefallen hatte, heute im würdevollen langen gothischen Gewände und morgen im koketten Röckchen der Rokokozeit einherzugehen, die sich bald im Reifrock seligen Angedenkens, bald im griechischen Kostüm und am liebsten in den Prachtgewändern der Renaissance sehen ließ, sie ist dieser thörichten Maskerade endlich müde geworden und hat vor etwa einem Decennium das Gewand der eigenen Zeit angelegt. So steht sie denn heute nicht mehr als die mit unechtem Flitter aufgeputzte Puppe von ehedem vor uns, sondern als die lebensvolle, jugendfrische Tochter der Gegenwart.

Der Aufschwung des künstlerischen Lebens unserer Zeit äußert sich naturgemäß am unmittelbarsten in den dekorativen Künsten, weil diese am meisten in unser Dasein einzugreifen befähigt, unsere alltägliche Umgebung in erster Reihe umzuge- stalten berufen sind. Die Weltausstellung von 1900 hat mit der Uebersicht, welche sie über das moderne kunstgewerbliche Schaffen gegeben, zugleich den Nachweis für dessen volle künst­lerische Berechtigung erbracht; denn auf allen Gebieten konnte ein erfreulicher Fortschritt, eine Entfaltung eigener Erfindungs­kraft und eine Ueberwindung der zu lange als ein wahrer Hemmschuh wirkenden eklektischen Richtung konstatirt werden. Insonderheit gilt dies von den beiden historisch ehrwürdigsten Zweigen kunstgewerblicher Thätigkeit, die auch auf der Aus- stellung nach der Zahl der Aussteller und nach der Bedeutung

Stadtkreis Ranau.

Belmmtmachlmgen dts OberMfiermeisteramles.

Betanntmachlma.

Der frühere Aufseher Richard Winkler hierselbst ist zum städtischen Hilfsfeldhüter bestellt und als solcher verpflichtet worden.

Hanau den 17. Mai 1902.

Der Oberbürgermeister.

8823

Verdingung

Die zum Um- und Erweiterungsbau der Schule in Döruistheim erforderlichen Lieferungen und Arbeiten sollen in öffentlicher Ausschreibung im Gauzru vergeben werden.

Die Angebote nebst den verlangten Proben sind versiegelt und mit entsprechender Au-schrift versehen postsrei bis gum Er- öffnungstermin am Donnerstag Den 22. Mai 1902, vormittags 10 Uhr, an das Bürgermeisteramt in Dörnigheim einzusenden.

ZulchlagSfrist 14 Tage.

Die Zeichnungen und Verdingsunterlogen können im Dienstzimmer des Unterzeichneten, Augustastraße 25, eingesehen und daselbst die Verdingsanschläge und Bedingungen gegen Erstattung von 1,20 Mark bezogen werden.

Hanau den 12. Mai 1902.

Der Königliche Baurath. e ck e r.

Hus Stadt und Land.

Hanau, 20. Mai.

Lokal-historischc Notizen.

20. Mai 1635. Erstürmung von Gelnhausen durch die Schweden.

Kgl. Pulverfabrik bei Hanau. Weidlich Hauptm. A la suite des Fukart.-Regts. Nr. 6, von der Stellung als Unterdirekior der Pulverfabrik bei Hanau ent­hoben und zur Dienstleistung bei der Jnfp. der technischen Institute der Art. kommandirt. Bartolomaeus, Haupt­mann A la suite des Fußart.-Regts. Nr. 7 und Direktions- assistent bei der Art.-Werkstatt in Spandau, als Unterdwektor zur Pulverfabrik bei Hanau.

* Das Raiffeisen-Denkmal. Die Anordnung für die Festlichkeiten gelegentlich der Enthüllung des Raiffeisen- ^Denkmals am Mittwoch den 9. und Donnerstag den 10. Juli

der vorgeführten Leistungen ein besonderes Interesse bean­spruchen bürsten: Von der Keramik und der Goldschmiedeknnst.

Wenn die Errungenschaften des forschenden Menschengeistes auf dem Gebiete -er Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert auch allen Arten des Kunstgewerbes zu Gute gekommen sind, so doch in ganz besonders hohem Grade der Keramik. Denn was wäre diese heute ohne ihre kristallinischen Glasuren, mit deren seit 1885 erfolgter Einführung wohl eine schon bei den Japanern vorhandene Technik ausgenommen wurde, aber zuvor doch noch völlig unbekannte mannigfache künstlerische Wirkungen erzielt worden sind! Die Königl. Manufaktur in Kopenhagen, welche als die erste diese kristallinischen Glasuren beim Por­zellan zur Anwendung brächte, wußte alsbald damit der so schwierig im Feuer zu behandelnden Masse jene milden Farben- Harmonien zu verleihen, welche ihre Erzeugnisse auszeichnen und sie auch wegen des überraschenden Geschicks in der Aus- sührung und der Präzision der Zeichnung alsbald so beliebt und gesucht gemacht haben. Wir bewundern an den Gefäßen der Kopenhagener Manufaktur nicht minder auch die Feinheit der Masse, ihre Durchsichtigkeit und ihren Glanz, alles Eigen­schaften, die dem Porzellan den ersten Rang in der Keramik sichern und ihm den stolzen BeinamenKönig der Keramik" eingetragen haben, wir bewundern den Feuerzauber, mit welchem der talentvolle technische Leiter der Anstalt Krog, manches keramische Erzeuguiß nahezu in einen kostbaren Stein zu verwandeln verstanden hat und wir begreifen die Schätzung, welche unter solcher Leitung die Königl. Manufaktur zu Kopen­hagen allgemein erfahren und die tonangebende Stellung, zu welcher sie sich seit 1889 emporgeschwungen hat, zunial sie ja auch die Ausbildung der farbigen Unterglasurmalerei auf Porzellan in Europa zuerst in die Hand genommen hatte. Von der Zartheit, welche uns in ihren Schöpfungen so anmuthet, von dem mehr malerischen Reiz, den sie für uns haben, unterschei­den sich wesentlich jene Porzellane, welche die Firma B i n g

dieses Jahres in Heddesdorf-Neuwied ist nunmehr erschienen. Die Denkmals-Kommission hat in ihrer Sitzung folgende Zeit- eintheilung beschlossen: Mittwoch den 9. IM: vormittags 10 Uhr: Generalversammlung der Landivirthschaftlichen Central- DarlehnSkasse und des Wetteraluerbanbei (nur für Genossen­schaftsmitglieder). Nachmittags 2 Uhr: Einfaches, gemeinschaft­liches Mittagessen. Nachmittags 5 Uhr und abends: Concert, GesangSvorträge, Ansprachen der VerbandSvertreter und Ver« einSgenossen aller Bezirke, gemeinschaftliche Lieder u. s. w. auf dem Festplatze in Heddesdorf. Donnerstag den 10. Juli, vor­mittags 101/» Uhr: Festakt. (Referate: 1) Raiffeisens LebenS- lauf, 2) LebenSwerk, 3) wirthschaftliche Bedeutung, 4) sittliche Bedeutung des Raiffeisen-Werkes.) Mittags 12*/» Uhr: Ent­hüllung des Denkmals, Nachmittags 2 Uhr: Festessen. Nach­mittags 5'/, Uhr: Dampferfahrt rheinabwärtS nach dem Sieben- gebirge. Während der Zeit, wo die Theilnehmer an der Dampferfahrt sich entfernt haben, findet in der Festhalle Concert statt. Nichtmitglieder haben, soweit der Platz reicht, Zutritt zu den Fest-Abenden (Concert rc.) gegen Lösung von Eintritts­karten. Die einmal gelösten Eintrittskarten gellen für die beiben Festtage. Einzelkarten, die für einen Abend gelten, werden nicht angegeben. Am dritten Tage findet, falls genügend Theilnehmer vorhanden sind, ein Ausflug nach Maria-Laach unter Führung Kundiger aus Neuwied-HeddeS- dorf statt.

* Fleischer Bezirks Berbaudotag beider Hesse» und Nassau. Am 3. und 4. Juni b. I. findet in den Sälen deS Stadtparks zu Cassel der Bezirkstag deS genannten Verbandes statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte zur Deratbung: 1. Jahresbericht des Vorstandes. Referent: Nud. OckS-Frankfurt: 2. Kassenbericht. Referent: Ph. Kröcker-Offenbach. 3. Subvcntionirung einer Fachschule für den Deutschen Fleischer-Verband. Referent: Gg. Schwarz- Fulda. 4. Herausgabe eines Verbandsorgans unter Regie des Verbandes. Referent C. Schnell-Caffel. 5. Schaffung eines Reichsgewerbeamtes und gleichartiger Aemter in den BundeS- staaten. Referent: Ant. Schwarz-Fulda. 6. Genossenschafts­wesen. Referent: Herm. Weidmann-Wiesbaden. 7. Miß­bräuchliche Benutzung der Freibänke. Referent: Gg. W. Gold- mann-Worms. 8. Die Vergebung des Bedarfs an Fleisch- unb Wurstwaaren an die Menagen. Referent: L. Pirr-Gießen.

9. Die Erhebungen der Reichskommission für Arbeiterstatistik ü5er die Verhältnisse der im Metzgergewerbe Beschäftigten. Referent: C. Lautz-Darmsiadt. 10. Erlaß einer Arbeitsordnung. Referent: Ph. Kröcker-Offenbach. 11. Zuständigkeit des Markt- orteS für alle aus dem Marktverkehr entspringenden Klagen. Referent: C. Lautz-Darmstadt. 12. Ergänzungswahl des Vor­standes. 13. Die Entsendung von Delrgirten gum Verbands­tage in Stuttgart. 14. Bestimmung des Ortes für den nächsten "^»^MMM"MW""»>IM«M^«»l| und GroNdahl in Kopenhagen auf den Kunstmarkt bringt Hier werden mehr plastische Wirk:»ngen gesucht, hier will sich Kraft und Energie aussprechen, unb dieses Ziel, das matt sich gesetzt, wird dou einer Schaar junger dänischer Künstler, an deren Spitze Willumsen steht, unter Verwendung von kristal­linischen Glasuren an vielfach durchbrochenen Vasen mit aner- kennenswerihem technischen Vermögen erreicht. Fehlt es aber dabei den Formen hier und da an nngezwungener Natürlich­keit, so zeigt in dieser Beziehung die Fabrik von Roer- strand in Schweden einen gesünderen Sinn, wie sie auch zu mehr Selbständigkeit fortzuschreiten strebt und in der That in einen eigenen tiefschwarzen Grund, der den dänischen Werken fremd ist, ihre schönsten Effekte, die zudem durch einen leicht- bewegten plastischen Dekor noch gehoben werben, für den Lieb­haber und Kenner erzielt. Leider hauptsächlich vorerst noch für denLiebhaber und Kenner", denn die Zahl derer, die heut­zutage den keramischen Erzrugnjsien der besten Art ein tieferes thatsächliches Interesse entgegenbringen, ist noch sehr beschränkt, nicht als wenn der Grund dafür in der Geschmacklosigkeit des Publikums läge, sondern, weil bei den hohen Preisen der mo­dernen Kunsttöpfereien und besonders der Porzellane, die ja in der Regel als Einzelstücke, als Unica hergestellt, natürlich einen entsprechend hohen Werth repräsentiren und deshalb nur ge­wissen Kreisen zugänglich sind, gerade die hervorragendsten Leistungen der zeitgenössischen Keramik auch nicht allgemeiner bekannt, gekannt und gewürdigt werden können.

Um so höher ist das Verdienst anzuschlagen, welches sich das Atelier Glaiigny in Versailles erworben hat. Ein reicher Gelehrter heißt eS, habe seine geistigen und finanziellen Fähig­keiten durch Gründung dieses Instituts in den Dienst der schönen Aufgabe gestellt, Töpfereien von künstlerischem Werth und aus gediegendstem Rohstoff zu solchen Preisen herzustellen, daß sie auch für den nicht gerade mit Glücksgütern gesegneten, aber mit Geschmack begabten Sterblichen erschwinglich stob.