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Hanauer M Anzeiger

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Wonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ey, Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- »nd Landkreis Kann«.

Erschein täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückuugsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg.

im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Derantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

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Nr. 192. gernforeWW Nr. 605. Dienstag den 19. August.

Fer«IprechansKl»ß Nr. 605. 19 02

Amtliches.

StM- und Landkreis Hanau, Ausschreibe».

Am 17. vor. Mts. erschoß sich ein Unbekannter in der Wirthschaft von Seibert zu Niederrad, Schwarzwaldstr. 94.

Beschreibung: Ungefähr 20 bis 23 Jahre alt, 1,65 Meter groß, blondes Haar, gewöhnliche Stirn, braune Augenbrauen, blaue Augen, gewöhnliche Nase, Anflug von Schnurrbart, blaffe Gesichtsfarbe und schlanke Gestalt. Besondere Kennzeichen keine.

Bekleidung: dunklen Kammgarnanzug (Rock, Hose und Weste) in ziemlich gutem Zustande, hellgraue, schwarz« und gelbgestreifte Hosenträger, ebenfalls in fast neuem Zustande, weiße Strümpfe mit angestrickten grauen Spitzen, die Sohle mit Leinwand benäht. Die Strümpfe sind gezeichnet mit J. G.". Ferner weißes Jägerhemd, schwarze SchnürsLuhe, welche sehr defekt sind.

Eine Photographie des Verstorbenen liegt zur Ansicht auf Zimmer Nr. 36 des Polizei-Präsidiums offen.

Um zweckdienliche Recherchen und Nachricht zu III b 8052 wird ersucht.

Frankfurt a. M. den 12. August 1902.

Der Polizei-Präsident.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 15. August 1902.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

P 8106 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.

Königliche Lehranstalt

für Wein-, Obst- und Gartenbau.

Wir bringen hiermit zur Kenntniß, daß an der hiesigen Lehranstalt

4 ) ein Obstverwerthunaskursus für Frauen in der

Zeit vom 25. bis 30. August d. Js.,

2 ) ein Obstverwerthungsikursus für Männer in der

Zeit vom 1. bis 6. September d. Js.

abgehalten werden. Die Kurse beginnen jedesmal an den zu­erst genannten Tagen, vormittags 9 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch ertheilt, sodaß die Theilnehmer Gelegenheit haben, die verschiedenen Verwerthungsmethoden einzuüben.

Der Unterricht umfaßt: Obstweinbereitung und Behandlung desselben im Keller, Bereitung von Essig, Branntwein und Beerenwein, Schanmweinbereitung, Untersuchung des Mostes auf Zucker und Säure. Bereitung von Gelee, Marmelade und Herstellen von Konserven und Obstsäften; Dörren des Kern- und Steinobstes und des Gemüses. Obsternte, Auf­bewahrung und Verpackung des frischen Obstes.

Das Honorar beträgt 6 Mark, für Nichtpreußen 9 Mark. Unterkunft für die Frauen besorgt die Direktion, an welche auch die Anmeldungen zu den Kursen bis spätestens 14 Tage vor Beginn derselben zu entrichten sind.

Geisenheim a. Rhein, den 23. Juli 1902.

Der Direktor.

Goethe, Königlicher Landesökonomierath.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: In einem Laden stehen geblieben 1 Nadel- Schirm Mit Naturgriff, am 12. Juli d. Js. in der Philipps- ruher Allee 1 goldener Ring mit grünlichem Stein.

Verloren: 1 Kinderschuh, gelb mit blauem Futter auf dem Wege von Wilhelmsbad nach Hanau über Kefselstadt, 1 Kinder-Korallenohrring, 1 goldenes Medaillon mit Photo« graphie auf dem Wege Klein-SteinheimKesselstadt.

Entlaufen: 1 kleiner weißer Spitzhund mit rothgelben Abzeichen, m. Geschl.

Zugelaufen: 1 kleiner weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, w. Geschl.

Hanau den 19. August 1902.

Hue Stadt und Cand.

' Hanau, 49. August.

* Ein Hanauer. Geheimer Bergrath Professor Dr. Karl Klein, Direk-or des mineralogisch-petrographischen In­stituts und Museums zu Berlin, vollendete am letzten Freitag, den 15. August, sein sechzigstes Lebensjahr. Seine Vaterstadt ist Hanau. Universitätslehrer ist er seit 4869. Die akade­mische Laufbahn hat er in Heidelberg begonnen; 1877 kam er nach Göttingen und wurde als Nachfolger von Websko 1887 an die Universität zu Berlin berufen. Von seinen zahlreichen krystallographischen und petrographischen Arbeiten sind beson­

ders die Untersuchungen über die Struktur der optisch-anomalen Krystalle hervorzuheben. Der gefeierte Gelehrte, dem an sei­nem Geburtstage eine Menge ehrender Glückwunschschreiben von Nah und Fern zugingen, ist auch Mitglied der König­lichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin.

* Centennarfeier. Am 20. August werden bekannt­lich seit der Geburt des letzten Kurfürsten von Reffen, Friedrich Wilhelm L, hundert Jahre verflossen sein. Das Andenken an diesen Fürsten soll in Cassel durch eine Gedächtnißfeier in der Hof- und Garnisonskirche, durch eine Ausstellung von Gegenständen, die auf den Kurfürsten Bezug haben, sowie durch einen Vortrag des Herrn Kabinetsraths Adolph Schimmel- pfeng gefeiert werden. Auch ist ein Festessen der ehemaligen kurhessischen Offiziere geplant.

* Wochenbericht der Zentralstelle fürObstvcr- werthnng in Frankfurt a. M. (vom 11. bis 16. August 1902). Die Geschäftslage hat sich gegen die Vorwoche etwas gebessert und sind wieder belangreiche Abschlüsse in allen vorkommenden Obstarten zu verzeichnen, doch lassen auch in dieser Woche die Angebote noch zu wünschen übrig. Tafel- und Mostäpfel, namentlich letztere, sind in recht großen Posten noch verhältnißmäßig wenig angemeldet. Angebote find daher in allen Sorten sehr erwünscht, da starke Nachfragen vor­handen. Die Durchschnittspreise stellten sich in dieser Woche wie folgt: Aprikosen 30 Mk., Pfirsiche 35 Mk., Heidelbeeren 42-14 Mk., Himbeeren 24.50 Mk., Mirabellen 18-20 Mk., Reineklauden 1820 Mk., Frühbirnen 814 Mk,, Frühäpfel 1015 Mk. per Zentner.

* Oberst Schiel, der bekannte Burenführer, wird im September, einer an ihn ergangenen Aufforderung entsprechend, im Saale des Vereinshauses der Turngemeinde einen Vortrag über den Burenkrieg halten. Der Reinertrag ist zu wohl­thätigen Zwecken bestimmt, da das Arrangement in den Händen des Vaterländischen Frauenvereins liegt.

* Turuspkele. Den hiesigen Turnvereinen wurde der städtische Spielplatz am Wasserwerk II seitens der Stadtbehörde auf das Bereitwilligste zur Verfügung gestellt, um dort abends und Sonntags Uebungsspiele abzuhalten.

* Strauß - Concert. Um einen Andrang an der heutigen Abendkasse zu vermeiden, machen wir darauf aufmerk­sam, daß Eintrittskarten im Vorverkauf in G. M. Alberti's Hofbuchhandlung und imDeutschen Haus" zu haben sind (siehe Inserat).

* * Schützenfest. Das Schützenfest war gestern Abend noch recht zahlreich besucht. Das Feuerwerk hatte seine An­ziehungskraft nicht verfehlt und der geräumige Festplatz bot ein lebhaft bewegtes Bild. Leider drohte der Himmel wieder mit Regen, sodaß das Feuerwerk etwas früher, wie beabsichtigt, abgebrannt werden mußte. Dieses selbst war hübsch zusammen­gestellt und brächte allerlei originelle pyrotechnische Neuheiten. Natürlich wurde von der Jugend auch der Tanzplatz eifrig frequentirt. Das Sommerfest des Schützenvereins hat also doch immer noch besser abgeschlossen, als wie es nach dem trüben Aussehen des Sonntags den Anschein hatte.

* Der 3. Süddeutsche Verband Slrends'scher Stenographen tagte am Sonntag den 17. d. Mts. hier- selbst (zum Grafen Philipp Ludwig). Besucht war derselbe gut, selbst von Vertretern anderer Systeme und nahm einen sehr anregenden Verlauf. Die Verhandlungen zeigten wiederum das einige und feste Zusammenstehen sowie die rege Thätigkeit aller Arendsianer in Süddeutschland. Bei dem stattgefundenen Preisschreiben kamen zwei Preise nach Hanau und erhielten dieselben Herr Gustav H ä m m e r l i n g (1. Preis), Herr Friedrich K a h m e r (3. Preis). Beide Herren sind Mit­glieder des hiesigen Arends'schen StenographenvereinsCon- cordia" und kennen das System erst seit Jahr. Die vom hiesigen Arends'schen Stenographenverein Apollobund heraus- gegebene illustrirte stenographische ZeitungKunst" wird laut Beschluß des Verbandstags im Verband obligatorisch eingeführt. Besondere Anerkennung verdient der Stenographenverein Apollobund, der sein Möglichstes aufgeboten, die Theilnehmer voll und ganz zu befriedigen. Erst in herangerückter Mitter­nachtsstunde trennten sich die Stenographen mit dem stillen Bewußtsein neben ernster Arbeit auch einige vergnügte Stun­den verlebt zu haben.

* Deutscher Athleten - Wettstreit. Bei dem am 16., 17. und 18. August in Friedberg stattgesimdenen großen Deutschen Athleten-Wettstreit errang der Stemm- und RingklubEiche" folgende Preise: Herr August K o h n jr. in der ersten Klasse den 2. Ehren­preis im Ringen, den 5. Preis im Klassenringen, den 6. Preis im Steinstoßen und den 7. Preis im Stemmen. In der III. Klasse errang Herr Gustav Schreiber den 38. Preis im Klassenringen. Lobende Anerkennungen erhielten Herr August W a a s und Karl S ch l e u ch e r. Herr Aug. Kohn besiegte den Meisterschaftsringer Herrn Gries aus

Frankfurt a. M. in dem oben angegebenen Ehrenpreisringen, wofür Kohn großen Beifall erntete. Dieses Resultat ist für den noch jungen Verein sehr erfreulich.

* Der Eisenbahnbeamtenverein Hanau unter­nahm am Sonntag einen Ausflug nach Großauheim ins Gasthauszum Stern". Die Betheiligung war eine recht starke und die Stimmung schon deshalb eine sehr animirte. Noch besser aber wurde die Laune, noch heiterer die Gemüther und noch vergnügter die Theilnehmer durch die anregenden Darbietungen, besonders die humoristischen Vorträge. Vielen Beifall fanden auch die Produktionen des Kunstfahrers Wohl­fahrt. Daß auch der Tanzbeflissenen nicht wenige waren und daß deren Ausdauer und Energie bei Ausübung dieses schönen Sportes nichts zu wünschen übrig ließ, wird wohl auch ohne besondere Betonung kaum Jemand bezweifeln. Auch Küche und Keller des Wirthszum Stern" verdienen volle An­erkennung.

* Operetien-Gastspiel. Das Wiesbadener Residenz- Operetten-Ensemble veranstaltet im hiesigen Stadttheater ein auf 3 Tage berechnetes Gastspiel. Morgen Mittwoch wird derO b e r st e i g e r" gegeben.

* Wiener Spitze. Das seit einigen Tagen in der Wiener Spitze" concertirende Damenorchester hat sich während der kurzen Zeit seines Hierseins bereits allgemeine Beliebtheit erworben, wie der demselben gespendete reichliche Beifall an jedem Abend aufs Neue beweist. Ein Besuch kann bestens empfohlen werden.

* Der Gardcvcrein Frankfurt a. M. feierte am Sonntag Nachmittag im Frankfurter Concertgarten sein acht­jähriges Stiftungsfest und zugleich die Erinnerung an den Tag von St. Privat. Trotz der wenig verlockenden Witte­rung füllte sich der große Garten im Laufe des Nachmittags bis auf den letzten Platz und die Erschienenen unterhielten sich anscheinend auf's Beste. Das ganze 32 Nummern umfassende Programm war so vielseitig und so geschickt zusammengestellt, daß Jedermanns Geschmack vollauf Befriedigung finden mußte. Der Vorsitzende des Gardevereins, Herr Subdirektor Voigt, hieß die Anwesenden in einer Ansprache herzlich willkommen, namentlich die zur Feier erschienenen ehemaligen Jäger aus Aschaffenburg und die ehemaligen Gardisten aus Hanau. Das Hoch auf den obersten Kriegsherrn fand begeisterten Wider­hall. Für die Aschaffenburger Gäste dankte Herr Moritz. Er erinnerte an den denkwürdigen Tag von St. Privat und schloß mit einem Hoch auf die Mitkämpfer von 1870/71. Herr Rummel, Vorsitzender des Gardevereins Hanau, brächte ein Hoch auf die Kameradschaft aus. Bei musikalischen Dar­bietungen aller Art floß die Zeit in angenehmer Weise hin. Für die Damen und Kinder waren allerhand Spiele arran- girt worden, die lebhafte Betheiligung fanden. Die Herren erprobten am Schießstande ihre Treffsicherheit. Nach Anbruch der Dunkelheit wurde im Saale zum Tanze aufgespielt ^und zahlreich betheiligte sich die Jugend an der Huldigung Terp- sichorens.

* Ausgestellt. In dem Erker der Firma J. Jäger Söhne (Krämerstraße) ist der Ehrenpreis, welchen, Herr Aug. Kohn bei dem großen Deutschen Athleten-Wettstreit in Fried­berg errungen hat, ausgestellt.

* Ein äußerst raffinirter Gaunerstreich wurde gestern Mittag gegen 1V» Uhr auf dem hiesigen Westbahn- Hofe verübt. Im Bureau der Fahrkarten-Ausgabestelle hatte der Schalterbeamte F. das eingenommene Geld von 60 Mark auf ein Zählbrett gelegt und mußte sich behufs Verrichtung einer Nothdurft auf ganz kurze Zeit aus dem Bureau entfernen. Als er retourkehrte und die Thür seines. Bureaus öffnete, sah er gerade noch zur rechten Zeit, wie ein Mann auf dem wohl nicht gewöhnlichen Wege durch das Fenster das Zimmer eiligst verließ, das auf dem Brett aufgezählte Geld war ver­schwunden. Der Beamte eilte dem frechen Eindringling nach, packte ihn beim Kragen und übergab ihn dem Stationsvor­steher. Das entwendete Geld hatte er in der Tasche stecken. Der Einsteiger war der 43jährige Gelegenheitsarbeiter Linde- mann, der zu der angegebenen Zeit auf dem Perron sich auf- hielt, den Vorgang des Geldaufzählens sowie das Entfernen des Beamten beobachtet hatte und diesen günstigen Augenblick benutzte, durch das Fenster in das Bureau einzusteigen und sich das Geld anzueignen. Die Freude über den ziemlich mühelosen Gewinn war allerdings nur eine kurze. Da er ohne festen Wohnsitz ist, wurde er alsbald in Haft genommen.

* * *

W. Grotz-Auheim, 18. August. (Evangel. ge­rn ischterKirchengesangverein.) Nach dem gestrigen sehr gut besuchten und sehr erbaulichen Gottesdienste im Bet- saal der evangelischen Gemeinde hier fand noch ein recht feier­licher Akt, nämlich die Trauung eines eifrigen aktiven Mit­gliedes und zugleich Mitbegründerin des gemischten evange­lischen Kirchengesangvereius, der Tochter des Herrn Zugführer