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Erstes Blatt

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Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- eoärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hansa,

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Nr. 295. Fernspre-sMsKnß Nr. 605. Donnerstag den 18. Dezember Fernsprechanschluß Nr. «05. 1902

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Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Taschenmesser mit weißer Schale, 1 oesgl. mit brauner Schale, 1 Schul-Geographiebuch mit dem Namen Adolf Daßbach.

Verloren: 1 Portemonnaie mit 10 Mark Inhalt, 1 desgl. mit ca. 22 Mark Inhalt. 1 desgl. mit 1,50 Mark und einem Trauring gez. R. B. 1901, auf der Klein-Bahnstrecke, Abzweigung LangendiebachRückingen, eine Wagenfeder von einer Lokomotive.

Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Ab­zeichen w. Geschl.

Entlaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Ab­zeichen m. Geschl.

Aus Stadt und £and.

Hanau, 18. Dezember.

Aus dem Geeichtslaal.

Sitzung des Langenielboldee Schöffengerichts vom 17. Dezember.

G Langenselbold, 17. Dezbr. Am Kirchweihsonn- tag (26. Oktober) hatte der Dienstknecht W. zu Langendiebach abends zum Viehfüttern seine Sonntagskleider ausgezogen und sie mit den werktäglichen vertauscht. In Letzteren nahm er auch am Abendessen theil und als er wieder in seine Stube kam und die Sonntagskleider anziehen wollte, machte er die unangenehme Entdeckung, daß ihm mittlerweile ein Langfinger die Uhr aus der Westentasche gestohlen hatte. Der Verdacht der Thäterschaft fiel auf einen übel beläumderen Menschen, den Dienstknecht Gabel von Hesseldorf, der u. A. wegen Brand­stiftung und Diebstahl vorbestraft ist, sich in der Umgegend umhertrieb und im Sommer bei derselben Herrschaft bedienstet gewesen war. Die polizeilichen Recherchen ergaben, daß die Uhr einem Goldarbeiter in Hanau von einem bäuerlich ge­kleideten Menschen mit einem verbundenen Auge verkauft wor­den war. Gabel hatte kurz vorher ein Renkontre mit einigen Ravolzhäuser Dienstknechten gehabt und dabei u. A. auch eine Verletzung am Auge davongetragen. Als Gabel hörte, daß der Bestohlene ihn verdächtigt hatte, kam er auf den Hof und stieß allerlei gräuliche Drohungen gegen den W. aus, verzog sich aber wieder, als er merkte, daß er nicht an ihn konnte. Am 7. November wollte der Gendarm den Gabel in einer Wirthschaft in Langendiebach verhaften, hatte aber damit ein schweres Stück Arbeit zu verrichten. Zunächst schleuderte er dem Beamten eine Menge Schimpfwörter entgegen, dann setzte er sich kräftig zur Wehr und der Gendarm konnte ihn erst mit Hilfe seiner Waffe überwältigen. Entsprechend dem Antrag des Amtsanwalts erkennt das Gericht gegen den Angeklagten, der als ein verwegener Mensch bezeichnet wird, auf ein Jahr Gefängniß. Der Holzbildhauer Laufs von Berlin hat sich bettelnd und landstreichend in der Umgegend umhergetrieben. Er wird zu 4 Wochen Haft und Ueber- weisung an die Landespolizeibehörde verurtheilt.

* Sitzung der Strafkammer II vom 17. Dezember.

Verleitung zum Meineid.

Wie noch erinnerlich sein wird, wurde Anfang d. J. der Bäcker Konrad Gärtner von Weichersbach vom hiesigen Schwur­gericht wegen Brandstiftung zu 1'/, Jahren Zuchthaus ver­urtheilt. Der Bruder des Verurteilten, der Gastwirth Jo­hannes Gärtner, setzte nun alle Hebel in Bewegung, um ein Wiederaufnahmeverfahren herbeizuführen. Unter anderem machte er Zeugen ausfindig, die den Brand, der ja nicht zu hellen Flammen sich entwickelte, sondern nur in einem Klimmen der feuchten Scheuervorräthe sich bemerklich machte, schon vor 10 Uhr beobachtet haben wollen, während, wie in der Schwur­gerichtsverhandlung nachgewiesen, der Verurtheilte erst um 10 Uhr, höchstens ein paar Minuten vorher, das Lokal seines Bruders verlassen hatte, und demgegenüber auch solche, die mit dem Verurteilten noch 20 Minuten nach 10 Uhr in der Wirthschaft Karten gespielt baben wollten. Unter den Letzteren befand sich auch der Schäfer Bl. von Weichersbach. Das Wiederaufnahmeverfahren wurde daraufhin auch eingeleitet und beschlossen, über die angegebenen Umstände Beweis zu er­heben. Zu diesem Zwecke wurde der genannte Bl. auf den 5. Auaust d. I. zur Vernehmung nach Schwarzenfels geladen. Am Tage vorher nun rief der Gastwirth G. den Bl. in seine Wohnung und fragte ihn, was er aussagen wollte, und auf dessen Bemerkung, daß er bei seiner Aussage vor dem Schwur­gericht, wonach er schon lange vor 10 Uhr das Lokal ver­lassen und überhaupt nicht Karten gespielt habe, bleiben werde, suchte er ihn zu gegensätzlicher Aussage zu veranlassen. Du kannst ja ruhig sagen, es wäre 20 Minuten nach 10 gewesen, es thut Dir nichts, und wenn Du sagst, es wäre

11 Uhr gewesen, so thut es Dir auch nichts. Die Anderen behaupten es, und es kann ja auch so gewesen sein, wir haben ja schon manchmal zusammen Karten gespielt," meinte er. Bl. machte hiervon bei seiner Vernehmung in Schwarzenfels andern Tages Mittheilung, was zur Erhebung einer Anklage gegen den Gastwirth G. wegen Verleitung zum Meineid führte. In der heutigen Verhandlung wiederholte Bl. die erwähnten An­gaben, doch dünkten sie dem Gericht so schwankend, daß auf sie allein hin eine Verurtheilung nicht erfolgen könne, zumal es hier ja wesentlich darauf ankomme, den genauen Wortlaut der vom Angeklagten getharren Aeußerungen festzustellen. Es er­folgte deshalb Freisprechung. Der Staatsanwalt hatte l1/» Jahre Zuchthaus beantragt.

Beamtenpersonal-NachrichLen.

Eruanttt: der bisherige Steuerinspektor Zimmermatt» in Ziegenhain zum Kataster-Inspektor bei der Königlichen Re­gierung in Aurich vom 1. Januar k. J. ab, die Referendare Dr. Kaufmann, Dr. Koref und Littmann zu Ge­richtsassessoren, die Rechtskandidaten Bari muß, Freiherr v. Seckend orff-Gutend, Osius, v. Götz und Hecht zu Referendaren, der bisherige Oberfeuerwerker Bartel zum Polizei-Kommissar bei der Königlichen Polizei-Direktion in Cassel.

Beauftragt: der Regierungs - Supernumerar Kreiß mit der kommissarischen Verwaltung der Kreissekreiärstelle bei dem Landrathsamt Witzenhausen vom 1. Januar 1903 ab.

Versetzt: der Amtsgerichtsrath Dr. Schemann in Neu- kirchen an das Amtsgericht in Hersfeld, der Amtsrichter Dr. Göring in Rorburg an das Amtsgericht in Friesewald.

* KommnnallandLags-Abgeordneter. DerKreis- tag des Landkreises Hanau wählte in seiner gestrigen Sitzung an Stelle des nach Wiesbaden versetzten Herrn v. Schenck einstimmig den Amtsrichter Herrn Dr. Lucas in Langenselbold zum Kommunallandtagsabgeordneten für den Rest der Wahl­periode (bis Frühjahr 1904). Weiteren Kreistagssitzungs- bericht siehe Seite 2.

* Aus Anlaß des Weihnachtsverkehrs werden am Sonntag den 21. Dezember die Packetannahme- und Ans- gabeschalter sowie die Briefausgabeschalter bei den Kaiserlichen Postanstalten in demselben Umfange wie an Werktagen für den Verkehr mit dem Publikum geöffnet sein.

* Der Jahresbericht der Handelskammer, der in der gestrigen Sitzung derselben zur Besprechung gelangte, spricht sich ziemlich ungünstig über die Lage des Arbeiismarktes aus. Es könne zwar noch kein abschließendes Urtheil gfeällt werden, da erst ein kleiner Theil der Gewerbebetriebe die an sie ergangene diesbezügliche Anfrage beantwortete, doch stehe jetzt schon fest, daß das abgeschlossene Geschäftsjahr hinter dem nicht sehr günstigen Vorjahre noch zurückstehe. Arbeiiereni- lassungen hätten zwar nicht in wesentlichem Umfange stattge- funden, doch sei die Arbeitszeit häufig beschränkt worden, der Verdienst dadurch zurückgegangen und darum die Kaufkraft der Arbeiterbevölkerung geschwächt, was natürlich wieder auf viele Geschäfte zurückwirkt. Am ungünstigsten schloß das Bau­gewerbe ab, während der Holzhandel durch das Fehlen der amerikanischen Konkurrenz einen Aufschwung nahm. Die in Deutschland herrschende Depression mache sich aber auch in den anderen europäischen Staaten bemerkbar, worunter wiederum der Export leide. Besonders kennzeichnend für die gesummte Geschäftslage sei das schlechte Weihnachtsgeschäft, viele Reisende bezeichnen die Lage als geradezu trostlos und kehrten zurück, da sie absolut nichts abzusetzen vermöchten. Es herrsche auf allen Gebieten eine Ueberproduktion und diese würde über kurz oder lang wohl zu größeren Arbeiterentlassungen führen, wenn der Absatz nicht bald ein höherer werde.

* Die zollpolitische Lage nach Annahme der Zoll­tarifvorlage durch den Reichstag besprach die Handelskammer in ihrer gestrigen Sitzung und kam zu dem Schlüsse, daß mit Ausnahme einiger, der Fuldaer Industrie zu Gute kommenden Verbesserungen, für die der dortige Abgeordnete Müller nach­drücklich eintrat, die Wünsche der Handelskammer vollständig unberücksichtigt blieben. Doch sei der Zolltarif nur eine Rüstung, mit der die Regierung für neue Handelsverträge kämpfen müsse, und die Handelskammer müsse deshalb bestrebt sein, nun wenigstens beim zweiten Akt, der Schaffung von Handelsverträgen, noch etwas zu erreichen, denn bei den jetzt beschlossenen hohen Zollsätzen, besonders auf Getreide, sei eine schwere Schädigung hauptsächlich unserer doch wesentlich auf das Ausland angewiesenen Edelmctall'ndustrie zu befürchten. Es wurde beschlossen, eine dahingehende Eingabe an den Handelsminister und an den Reichskanzler zu richten und auf die Schwesterkammern zum Anschluß an diese Eingabe -inzuwnken.

* Arbeitszeit der weiblichen Arbeiter. Zwecks Ausarbeitung einer bezüglichen Gesetzesvorlage wurde die Handelskammer vom Herrn Minister für Handel und Gewerbe um ihre Meinungsäußerung ersucht darüber, ob es zweck­mäßig erscheine, an den Tagen vor Sonn- und Feiertagen den Schluß der Arbeitszeit für weibliche Arbeiter, der gegenwärtig auf 51/» Uhr festgesetzt ist, auf eine noch frühere Zeit zu verlegen. Die Handelskammer vertrat in ihrer gestrigen Sitzung die Ansicht, daß eine noch weitere Reduzirung der hier in Frage kommenden Arbeitszeit zu Unzuträglichkeiten fuhren würde, da das Hand-in-Hand-Arbeiten männlicher und weiblicher Arbeiter dadurch sehr erschwert, ja in manchen Be­trieben durch das Aufhören der Letzteren auch den Ersteren das Arbeiten unmöglich wird, daß aber andererseits auch bei den weiblichen, Arbeitern ein derartiges Bedürfniß nicht vor- liege. In diesem Sinne soll dem Minister geantwortet werden.

, * Zollrnckvergütmtg. Die Zentralstelle für Vorbe­reitung von Handelsverträgen hat die hiesige Handelskammer ersucht, ihren Standpunkt zu dem sog. Zollrückvergütungssystem nach amerikanischem Muster darzulegen. Es würden nach diesem System bei den zum Export gelangenden Waaren die­jenigen Beträge den heimischen Fabrikanten zurückoergütet werden, die als Zoll für aus dem Auslande bezogene unb in diesen Waaren verarbeitete Rohmaterialien entrichtet wurden, und zwar deshalb, um den deutschen Fabrikanten mit dem ausländischen konkurrenzfähig zu machen. Wenn z. B. ein Textilindustrieller Garne aus England bezieht, die er ja ver­zollen muß, und dann die fertige Waare nach England expor- tiren will, so ist er dem englischen Fabrikanten gegenüber im Nachtheil. Dieses System würde aber eine wohl pon Manchem lästig empfundene behördliche Ueberwachung der fraglichen Be­triebe bedingen und es mürbe trotzdem der Identitätsnachweis der in den Waaren enthaltenen Rohmaterialien schwer zu er­bringen sein. Die Kammer will sich über diese ebenso wichtige als schwierige Frage noch näher orientiren und setzt ihren Beschluß deshalb bis zur nächsten Sitzung aus.

-^- «OO-Jahrfeier der Altstadt Hanau. Die gestern Abend im kleinen Saale derCentralhalle" stattge- habte Sitzung des Vergnügungs-Ausschusses beschäftigte sich mit der Beschlußfassimg über die Gestaltung des Festes. Herr Prof. Wiese eröffnete dieselbe und bewillkommte die Er­schienenen. Er schilderte in kurzen Worten die Arbeiten der verschiedenen Kommissionen und gab bekannt, daß durch die Sammlungen bereits ein schönes Resultat erzielt, denn bis jetzt seien 5000 M. zu Händen der Finanz-Kommission und 2000 M. sicher noch zu erwarten, allerdings knüpften ver­schiedene Geber die Bedingung daran, daß daS Geld nur zu wohlthätigen Zwecken Verwendung finden solle. Aus diesem Grunde könnten dem Vergnügungs-Ausschuffe für alle Ver­anstaltungen nur 2000 M. überwiesen werden und müßte darauf Rücksicht genommen werden, daß durch Erhebung von Entree sich ein Theil der entstehenden Kosten deckt. Hierauf wurden die Protokolle der bis jetzt stattgefundenen Sitzungen der Einzel - Ausschüsse verlesen. Es war hieraus zu ersehen, daß man bereits mit der Absicht umging, den Fackelzug der bedeutenden Kosten wegen zu streichen. Nach längerer, sehr eingehender Debatte wurde jedoch beschlossen, dem Central-Ausschusse eine Resolution zu unterbreiten, dahin­gehend, an dem Fackelzug festzuhalten und zugleich die städt. Behörden, die nebenbei bemerkt der ganzen Angelegen­heit sehr kühl gegenüberstehen, zu ersuchen, die städt. Gebäude bei der evtl. stattfindenden Illumination nicht auszuschließen. Ferner wird noch stattfinden eine akademische Feier im Stadt­theater, kirchliche Feier, Aufführung lebender Bilder im Stadt- theater, evtl. an 2 oder 3 Tagen, und Kommers in den Sälen zum deutschen Haus, Centralhalle, Turnhalle und Saalbau. Der Eintrittspreis für die letzteren Veranstaltungen, an welchen auch Damen theilnehmen können, wurde auf 30 Pfg. festgesetzt, Passepart outkarten, gültig für die 4 Säle, kosten 75 Pfg. Auch soll eine in künstlerischer Weise ausgestattete Festzeitung herausgegeben und zum Preise von 30 Pfg. dem Publikum zugänglich gemacht werden.

* Stadttheater. Zu den morgen Freitag in Szene gehenden drei hervorragenden einaktigen NovitätenKönig Renö's Tochter",Herbst" undAbschied vom Regiment", die gegenwärtig an allen größeren Bühnen ganz eminente Erfolge erzielen, bemerken wir noch folgendes:König Renö's Tochter" ist eines der herrlichsten und poetischsten einaktigen Dramen der deutschen Literatur. In ergreifender Weise schildert der Verfasser Henrik Hertz die Wiederkehr der Sehkraft bei einem blinden Mädchen. Schmidt-Häßler's tiefempfundenes Stim­mungsbildHerbst" führt uns den Lebensabend eines Greises vor Augen und das Hartleben'sche Drama:Abschied vom Regiment" schildert eine Szene aus dem Offiziersleben. Sämmtliche Stücke übten stets eine gewaltige Wirkung aus