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Erstes Blatt.

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Bedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

General-Auzeigtt.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kana«.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

V-rantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 15

Bezirks-FernstzrechansKluß Nr. 98.

Samstag den 18. Januar

Bezirks-Ferusprechanschluß Nr. 98. 1902

Hus Stadt und Cand.

Hanau, 18. Januar.

g. Gustav Adolf-Verein. Der Zentralvorstand des evangelischen Vereins der Gustav Adolf-Stiftung hat bei der ätzten Hauptversammlung in Köln beschlossen, seine nächst- jährige 55. Hauptversainmlung in den Tagen vom 15. bis 18. September in Gaffel abzuhalten. Im Laufe der Zeit hat sich bei den Festen des Zentralvereins die schöne Sitte heraus­gebildet, daß die Provinz, die sich seines Besuches erfreuen darf, dem willkommenen Gast ein Gastgeschenk widmet, das dem Vorstände an einem Tage des Festes feierlich überreicht wird. So hat das evangelische Rheinland in den Tagen von Köln eine Festgabe im Betrage von 147 000 Mark dan­gebracht. Es ist natürlich nicht zu erwarten, daß aus unseren Provinz eine gleich hohe Gabe kommen wirb; aber die Evangelischen im Bezirk des Hauptvereins von Hessen-Nassau werben es als ihre Ehrenpflicht ansehen, ihre Liebe zur Arbeit des Gustav Adolf-Vereins ebenfalls nach Kräften durch die That zu beweisen. Die Pfarrer der Gcncraldiözcse Hanau- Gelnhausen-Fulda haben beschlossen, ihrerseits ein Viertel Prozent ihres baaren Jahreseinkommens beizusteuern, und die übrige Geistlichkeit wird jedenfalls diesem Vorgehen folgen. In manchen Gemeinden werden auch schon von den Konfirmanden freiwillige Gaben dargebracht. So steht zu hoffen, daß dem Verein auch bei dem Kasseler Jahresfeste eine dankenswcrthe Unterstützung seiner Arbeit durch die Evangelischen unserer Provinz zu iheil werden wird.

* Zur Abnahme der Meisterprüfungen sind für die im Reg.-Bez. Cassel errichteten Prüfungskommissionen fol­gende Herren zu Vorsitzenden ernannt worden: a) in Cassel (für die Kreise Cassel Stadt und Land, Hofgeismar, Wolf­hagen, Melsungen, Fritzlar und Homberg) Privatmann Carl Ruch in Cassel, b) in Eschwege (für die Kreise Eschwege, Witzenhausen und Rotenburg a'F.) Schuhmachermeister und Lebrer an der gewerblichen Fortbildungsschule Waßmann in Eschwege, c) in Fulda (für die Kreist Fulda, Hersfeld, Gers­feld und Hünstld) Schlossermeister Fleischmann in Fulda, d) in Hanau (für die Kreise Hanau, Gelnhausen und Schläch­tern) der Direktor der gewerblichen Fortbildungsschule Hecke- roth in Hanau, e) in Marburg (für die Kreise Marburg, Frankenberg, Kirchhain und Ziegenhain) Schlossermeister See- binger in Marburg, f) in Arolstn (für das Fürstenthum Waldeck) Zimmermeister Frdr. Müller in Mengeringhausen.

k. Gemeindehäuser. Man liest gegenwärtig- viel HN den Zeitungen von Familienabenden, auf denen Vorträge über innere wie äußere Mission aus der Geschichte der Kirche wie des Vaterlandes gehalten werden. Diese Familienabende und

Kleines Feuilleton

Stadtthcetcr in Hannn.

Hanau, 18. Januar.

Das beliebte Mitglied unseres L-tadttheaters, Herr Re­gisseur Schwarz, hatte für. seinen gestrigen Vortheilsabend das Blumenthal'sche LustspielGräfin Fritzi", für unser Theater eine Novität, gewählt und damit ein ausverkauftes Haus erzielt. Der Benefiziant wurde mit lebhaftem Beifall empfangen und auch das Lustspiel selbst fand freundliche Auf­nahme, obwohl die etwas dürftige Handlung die Freude etwas zu trüben geeignet war.Gräfin Fritzi" hat mancherlei merkwürdige Wechselfälle erlebt. Sie war nur wenige Jahre nach ihrem ersten theatralischen Versuche Mitglied der Wiener Hofoper. Hier verliebte sich ein ungarischer Graf Laray in sie und reichte ihr die Hand zum Ehebunde. Die hochadligen Freunde und Verwandten des Grafen wollten aber von der Theatergräfin" nichts wissen. Der Graf griff zur Waffe, um seiner Gemahlin Genugthuung zu verschaffen und fiel in dem Duell. Zwei Jahre weilte die Wittwe auf dem einsamen Schloß in Ungarn. " Doch jetzt hat sie überwunden und wir treffen sie in dem Haust des Berliner Stadtverordneten Mein­hard, von dessen Schwägerin, mit der sie in der Sommerfrische zusammengetroffen war, dort eingeführt. In dem gastlichen Hause findet sie freundliche Aufnahme und zwei Anbeter, Franz Helling und Rechtsanwalt Opitz. Ersterer ist kaum ernst zu nehmen; er soll seine Kousine Hedda heirathen und man fühlt und weiß von vornherein, daß trotz seiner anfäng­lichen Abneigung er schließlich ganz gehorsam sein wird. Der Rechtsanwalt, der mit viel Behagen das Leben genießt, liebt gleichfalls die Gräfin, wenn die Sache nicht ein bedenkliches Häkchen hätte. Sie war bei dem Theater und will wieder dahin zurück. Das geht doch über den Spaß. Als die

in Stadt und Land recht beliebt geworden. Man ist bei der Abhaltung dieser Familienabende fast überall auf die Säle der Gasthäuser angewiesen, welche aus mancherlei Gründen nicht immer geeignet sind. Es sollte die Erbauung von Gemeinde­häusern angestrebt werden. In solchen Gemeindehäusern kann die Gemeinde zusammenkommen zur Unterhaltung in christlichem Geiste, kann die Pflege der Jugend durch Jünglings- und Jungfrauenvereine ihre Stätte finden, können die Kirchen- gesangvereine ihre Uebungsstunden abhalten, kann die Gemeinde­schwester ihre Wohnung finden. An einzelnen Orten unseres Regierungsbezirkes ist ja der Gedanke schon Wirklichkeit ge­worden. Leider wird es fast überall auf dem Lande an den nöthigen Mitteln fehlen. Es wird noch Jahrzehnte dauern, ehe allgemein an die Erbauung von Gemeindehäusern gegangen wird. Aber, wenn nur erst einmal die Nothwendigkeit einge­sehen wird. Wo ein Wille ist, da findet sich auch ein Weg. Möchte man wenigstens daran gehen zunächst einen Fonds zu sammeln und für den Plan in den einzelnen Gemeinden Stimmung zu machen. Vielleicht könnte in den Orten, da Spar- und Darlehnskassen sind, ein Theil der Ueberschüsse dem Gemeindebausbaufonds zugeführt werden. Wenn diese Zeilen dazu dienen, dem Gedanken an Gemeindehäuser einen Boden zu schaffen, so haben sie ihren Zweck erfüllt.

* Wallonische Kirche. Morgen Vormittag um 11 Uhr findet Gottesdienst in französischer Sprache in der Ka­pelle statt.

* Evangelisches Vereinshaus. Morgen Abend 8 Uhr wird Herr Judenmissionar Goldstern aus Frankfurt a. M. im hiesigen evang. Vereinshause eine Missionsstunde halten, wozu Jedermann freundlichst eingeladen ist.

* DieZwanglose Bereinigung geborener Hessen-Casseler zu Berlin" hielt am 8. b. M. in ihrer Januarsitzung, wie es seit elf Jahren üblich ist, eine Grimm­feier ab. Der erste Vorsitzende, Oberlehrer F. Wolfs, be­handelte in seiner beifällig aufgenommenen Festrede die ältesten Beziehungen der Brüder Grimm zu Berlin. Nahezu dreißig Mitglieder waren erschienen, mehrere Herren traten der Ver­einigung bei. Samstag den 18. d. Mts. findet ebenfalls im Klublokal (Heidelberger Centralhotel Friedrichstraße) eine Nachfeier des Grimmfestes im weiteren Familienkreise statt. Jeder Hesse, der sich zeitweilig in Berlin aufhält, wird an Hessenabenden am ersten Mittwoch des Monats freundlich will­kommen geheißen.

J. 8. Reichsgericht. Der fahrlässigen Körperverletzung hatte sich der Korbmacher Johann Georg Saam in Hanau schuldig gemacht und war deshalb vom Landgericht Hanau verurtheilt. Saam hatte am Abend des 21. Mai mit einem einspännigen Wagen beim Paradeplatz einen ihm entgegen­kommenden Radfahrer M. überfahren, wodurch dieser Ver­

Gräfin bei Kommerzienraths im Gespräch verräth, was sie ge­wesen, erfaßt die Anwesenden ein gelindes Entsetzen und selbst der durchaus nicht engherzige Rechtsanwalt scheint wenig Freude an der Entdeckung zu haben, indeß ein Hinderniß für die Ehe ist es ihm nicht und als die Gräfin nach gehöriger Abwägung des pro et contra da­von absieht, nach dem früheren Schauplatz ihrer Thätigkeit znrückzukehren, kann die Verlobung vor sich gehen. Den Stoff zu einer Nebenhandlung gibt der Kommer- zienrath, der vor Thorschluß noch einen letzten dummen Streich machen will und dem das bei der lustigen, aber grundbraven Operettensängerin Zerline Grunde! gelingt. Die Frage, die dem Gespräch in dem Lustspiele und eigentlich auch der ganzen Handlung zu Grunde liegt, ist eine heutzutage wohl kaum noch ernst aufzuwerfende, noch ungelöste. Der Verfasser belehrt dahingehend, daß es auch bei dem Theater brave Leute gibt, und gleicht dabei einem Rechtsanwalt, der einen Angeklagten ver­theidigt, der schon freigesprochen ist. Die Aufführung am hiesigen Theater war im Geiste der Dichtung gehalten und als eine im Ganzen wohlgelungene zu bezeichnen. Für die Be­liebtheit des Benefizianten, der den Rechtsanwalt Opitz zu ver­körpern hatte, zeugte die schon erwähnte sympathische Be­grüßung und nicht zuguterletzt die Fülle der ihm nach dem ersten Aktschlüsse dargereichten Spenden. Eine würdige Part­nerin war Frl. Brand ow, die der Rolle derGräfin Fritzi" die ihr zu Gebote stehenden trefflichen und oft ge­würdigten Vorzüge ihrer Darstellungskunst angedeihen ließ. Von den Damen sind noch zu erwähnen Frau Rieger als Frau Kommerzienrath, Frl. G y p e n als Zerline Gründet, Frl. Hannewald als der übermüthige BackfischHedda", Frau Hantke als Justizräthin Hellwig. In den Herren­rollen thaten sich weiterhin hervor Herr Gehrmann, der seine Rolle als Kommerzienrath Meinhard äußert dezent und gelungen wiedergab, Herr Krön als Franz Helling, Herr M ö b i u s als Kapellmeister Ambrosius u. s. f.

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Uuterhaltuugsblatt 14 Seiten.

letzungen erlitten. Gegen das Urtheil hatte Saam Revision beim Reichsgericht eingelegt, welche unrichtige Gesetzesanwendung rügte. Der höchste Gerichtshof konnte jedoch keinerlei Rechts- irrihum in dem angefochtenen Urtheil erkennen, erachtete viel­mehr die Schuld des Angeklagten in ausreichender Weise fest­gestellt. Die Revision wurde deshalb kostenpflichtig verworfen. Das gleiche Schicksal hatte die Revision des Maschinisten Karl Schmidt von Wächtersbach, welcher am 4. November vom Landgericht Hanau wegen Heirathsschwindelei und Unterschlagung zu mehrjähriger Gefängnißstrafe verurtheilt war.

* Römische Funde. Wie uns Herr Georg Rausch- Windecken berichtet, hat derselbe in letzter Zeit wieder eine Reihe interessanter Funde auf dem Gebiete der Limesforschung gemacht. Zunächst legte er am sogen. Rothenberg zwischen Heldenbergen und Eichen neben der Straße eine 150 m lange und 90 m breite Umfassungsmauer frei, in deren Innern sich die Reste von 7 bis 8 Gebäuden befinden, wovon zwei bereits freigelegt sind. Das eine ist 30 m lang, 15 m breit und enthält einen großen Keller, zu dessen beiden Seiten sich je 1214 Zentner schwere Ecksteine befinden. In dem Keller fand man 2 römische Lanzen, 1 Messer resp. Dolch, einen römischen Eisenhammer, mehrere eiserne Handwerksgeräthe, eine Marmorplatte mit sehr schönen Verzierungen und ver­schiedenes Andere. Etwa 20 m von dieser Fundstelle entfernt stieß Herr Rausch auf ein Gebäude, bei dessen Ausgraben ein innerer Raum * freigelegt wurde. Der Wandputz dieses Raumes ist noch sehr gut erhalten und zeigt hübsche Malereien, der Fußboden ist vollständig mit Backstcinplatteu gepflastert und gleichfalls noch in gutem Zustande. Durch ein in bei Mauer zum Vorschein gekommenes Bleirohr aufmerksam gemacht, forschte man weiter und gelangte nach Durchbruch der Wand in einen zweiten Raum, dessen teilweise noch gut erhaltene Wände aus Marmorplatten bestehen, während der Fußboden römische Platten aufweist. Auch hier zeigen die Wände recht schöne Malereien. Außer einigen eisernen Handwerksgerätheu, einigen Marmorstücken mit und ohne Verzierungen, einer Reib- unb einer Waagschale wurden hier eine werthvolle, in Stein ausgehauene Frauen-Figur, der Hals einer Amphora, eine römische Münze sowie zwei Elfenbeinnadeln gefunden. Von besonderem Werthe ist die gefundene Münze deshalb, weil man nach der auf ihr verzeichneten Jahreszahl das Alter dieser großen römischen Ansiedlung annähernd berechnen kann. Sie dürfte ungefähr um das Jahr 200 nach Christi Geburt entstanden sein. Voraussichtlich finden sich hier noch viele Gegenstände von historischem Werthe. Wie leicht zu be­greifen, übt diese interessante Fundstelle einer größeren ehe­maligen römischen Ansiedelung bedeutende Anziehungskraft auf die Bewohner der Umgegend aus und bildet täglich den Ver­einigungspunkt zahlreicher Schaulustigen aus Nah und Fern.

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Kunst und Leben.

Ein Kunstwerk aus . . . Schnee. In französischen Blättern liest man: General Archinard hat soeben ein Wert des Bildhauers Falgniöre erworben, dessen Geschichte sehr interessant ist. Es ist eine Marmorstatuette, eine mit ge­kreuzten Armen aus einer Kanone sitzende Frau mit stolzem Blick und energischer Haltung. Falgniäre vollendete dieses Werk, kurz bevor der Tod ihn überraschte. Aber das Modell der Statue hatte er bereits im Jahre 1870 gemacht, und zwar auf den Fortisikationen, während der Belagerung von Paris. Als er in einer Winternacht auf Wache stand, modellirte er beim Schein des Mondes mit Schnee diese weibliche Gestalt. Er machte sie damals überlebensgroß, und als im Lager die Reveille ertönte, beherrschte das Schneeweib stolz uub aufrecht die Ebene dem Feinde gegenüber. Es war die Statue des Widerstandes; sie dauerte so lange, als die Belagerung und der Winter währten. Der große Künstler nahm später seine Idee wieder auf; er reproduzirte sein Werk in Marmor und gab ihm die Proportionen eines Kunstgegenstandes.

Die Londoner sindein fahrendes Volk." Täglich, Sonntags ausgenommen, wo der Verkehr nur etwa ein Viertel der Wochentage beträgt, sind 1,500,000 Menschen auf Reisen innerhalb der Mauern ihres Babels, die 3,000,00 Fahrten unternehmen. Davon entfallen auf die Eisenbahnen rund eine, auf die Pferdebahnen anderthalb Millionen, auf Omnibusse eine halbe Million. Etwa 75,000 Droschkenfahrten bilden noch die Dreingabe. Im Ganzen werden täglich in London für die Völkerwanderung etwa 500,000 Mk. der aller- niedrigsten Schätzung nach ausgegeben.

Herausgeholfen. Frau:Mir wirst Du nichts vor* lügend ich habe es genau gesehen, Du hast das Mädchen in die Backe gekniffen." Mann:Beruhige Dich, Liebste, das war nur ein Geschäftskniff, damit sie mich nicht an den fälligen Monatslohn erinnert, den ich erst nächste Woche be­zahlen kann!"