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für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Berantwortl. Redakteur; G. S ch r e ck e r in Hanau,

- T. 64 Bezirks-FernsprechaMInß Nr. 98.

Monlacl den 17. März

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1902

Amtliches.

Stadtkreis hanau.

Der Königliche Gewerberatb Scheibe! zu Fulda wird am Mittwoch den 19. d. Mts., von 6-TM Uhr abends, in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitnehmern Gelegen­heit zu Besprechungen geben.

Hanau den 17. März 1902.

Königliche Polizei-Direktion.

P 2613 v. Schenck.

Landkreis hanau.

Bekanntmachunsien des Königl. Landrathsamtes.

An der evangeli'chen Volksschule in E n k h e i m ist eine Lehrerstelle zu besehen.

Das Grundgehalt der Stelle beträgt 1200 Mark, der Ein­heitssatz der Alterszulage 150 Mark und die Miethsent- schädigung 350 Mark.

Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zmgnissen binnen 10 Tagen an den stellvertretenden Vorsitzenden des Schulvorstandes Herrn Metropolitan von Starck in Bergen einreichen.

Hanau den 13. März 1902.

Der Königliche Landrath.

J V 2517 v. Schenck.

Unter Hinweis auf die Bestimmung im Artikel 83 Nr. 2 der Ausführungs-Anweisung vom 6. 7. 00 zum Einkommen­steuergesetz ersuche ich die Herren Bürgermeister und Guts Vorsteher, die am Schlüsse dieses Monats fällig werdenden Ausfall-Listen Ende März der Königlichen Kreiskaffe hier einzureichen.

Hanau den 15. März 1902.

Der Vorsitzende

der Einkommensteuer-Veranlagnngs-Kommission für den Landkreis Hanau.

St. 1689 J. A.: Valentin er, Reg.-Assessor.

Gefundene und ucrlorcitc Gegenstände rc.

Gefunden: 1 braunerHerren-Glagö-Handschuh (linker), mit gelber Wolle gefüttert.

Verloren: 1 Brief mit der Adresse Druckerei Meerboit, enthaltend einen Check von 390 Mark.

Hanau den 17. März 1902.

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Stadttheater in Hanau.

Hanau, 17. März.

Ueber die jüngstvergangene Theaterwoche ist nicht viel zu berichten, da die Neueinstudrrungen aus schon oft besprochenen Stücken bestanden und wir uns darüber kurz fassen können. Die ang zeigte einaktige Novität von L Nobmann,Wenn die Liebe gebt konnte wegen Er­krankung von Fräulein Haas nicht zur AuMhrung kommen und wurde der Einakterabend'durch die Wiederholung von FuldaSZeche" ergänzt. Rodmann hatte mit seinem dramatischen Erstlingswerk Leb nslügen," das vor einign Jahren mich über unsere Bühne ging, Interesse erweckt, sodaß man weiteren Arbesten mit Spannung ent- gegcmchen konnte. So viel uns bekannt, enthält der für den Rest der Sanon aufgestellte Spielplan die erste Aufführung des Stückchens nicht mehr, sodaß wir auf die Bekanntschaft der Novität vorerst ver­zichten müssen. Die Auffüh ung von WolffsPrezioia" hatte ein aus- verkaustes Haus zur Folge. Der Zauber der Romantik seiner Hand­lung, dazu der bestrickende Reiz der Weber-chen Musik, erhalten das sonst an bedenklicher Altersschwäche leidende Stück immer noch dem Repertoir der Bühne. Die Wiedergabe war eine recht lobenswertbe, besonders die anmuthige Verkörperung der Titelrolle durch Fräulein Silben sei hervorgehoben. Mitglieder eines hiesigen, durch seine guten Leistungen bekannten Gesangvereins, unterstützten die Aufführung ourch ihre Mitwirkung, so konnte auch in gesanglicher Beziehmtg und bet den sonst genügend gewürdigten Leistungen unseres Theater­orchesters auch in musikalischer Hinsicht von einem guten Erfolg be­richtet werden. Die Wiederholung vonFlachsmann als Erzieher gewann ein besonderes Interesse, als die Titelrolle erstmalig hier m andere Hände gelegt war; Herr Retz b ach spielte diesmal den Flachs­mann. Da der junge Darsteller auch dem Ensemble der nächsten Saison angeboren wird, so können wir feine Darstellung vom Freitag nicht einfach übergehen. Herr Schmith war als ein ganz vorzüg­licher Darsteller des Flachsmann gewürdigt und bekannt und insofern hatte Herr Retzbach schon eine schwere Stellung, als er in dieser Komödie das Erbe desselben antrat. Aber der Flachsmann des Herrn Retzbach war auch ein ganz anderer als derjenige des vorigen Ver­treters. Wir schätzen jede selbständige Auffassung eines Darstellers von einer Rolle, wenn sie den Absichten des Verfassers einigermaßen entspricht, aber hier schoß Herr Retzbach doch gewaltig über das Ziel hinaus. Seine D -rstellung dieses verknöcherten Schulmannes hatte eine verzweifelte Aehnlicheit mit der seines Berliners aus der Schrippe," der seines überreizten Zustandes wegen in eine Kalt- wasserheilanstalt geschickt ist; zwischen diesen beiden Charakteren ist ja doch ein himmelweiter Unterschied. Der Dichter geißelt im Flachs-

Stadtkreis hanau»

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Am Mittwoch den 19. März 1902, nachmittags von 3 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neu- städter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitig feiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau den 17. März 1902.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.

Dr. Gebeschus. 4938

Lokal-Historische Notizen.

17. März 1848 wurde der bisherige Oberbürgermeister zu Hanau, Eberhard, Mitunterzeichner des Ha- nauer Ultimatums, zum Minister des Innern er­nannt, was er bis zum 23. Februar 1850 geblie­ben ist.

*

* Miffiousstunde» Heute Abend 8 Uhr findet in der Kapelle der Altstädter Hospitalkirche Misstonsstunde statt.

* Innere Mission. Gestern predigte im Morgen­gottesdienst der Marienkirche Herr Pfarrer Sch u ch a r d aus Hephata bei Treysa über die großen Liebeswcrke der Inneren Mission. Auf Grund des Wortes Gal. 5, 13: Durch die Liebe dieneEiner dem Anderen beantwortete er die beiden Fragen: 1. Wer treibt die Innere Mission? 2. Wie treibst D u Innere Mission? Der rechte Grund der Inneren Mission ist der lebendige Glaube an die Liebe Gottes, die uns in Christo offenbar geworden ist. An dieser Liebe entzündet sich auch die rechte Liebe zu dem Nächsten besonders zu den Elenden, Kranken, Verstoßenen und Verirrten aller Art und durch diese Liebe ist um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Liebesarbeit der Inneren Mission ins Leben gerufen worden, als die Glaubensmänner W i t h e r a, Fliedner, Löse u. A^ überall auf den Glauben drangen, der in der Liebe thätig ist. Es wurde dann ein Üeberblick über die einzelnen Urtheilsgebiete der Inneren Mission gegeben, über die Thätigkeit der Diakonissen- H äuser mit ihren 15 000Schwestern, der Diakonissen- Häuser mit 4000 Brüder, der 300 Rettungshäuser für verwahrloste Knaben und Mädchen, der Stadt mission, der Anstalten für Epileptische. Idioten, Krüp­pel, für Trunksüchtige, Gefallene, über die be­wahrende und fürsorgende Lukasarbeit in den Jünglings­und Jnngfraueu-Vereinen. In dem zweiten Theil wurde dann mit ernsten und herzlichen Worten zur Mitarbeit

mann ein System, das in starrem Trotze die eigene Leere imb _ Un­wissenheit verbergend, am Altgewohnten und Hergebrachten, festhält. Flachsmann ist jedem frischen Luftzuge abhold und erblickt in jedem geistig Höherstehenden seinen Feind. Des Dichters ewig gleichgestellte Uhr hat ihn gleichsam zur Maschine werden lassen, die nur mechanisch ihre Arbeit verrichten kann. Was Herr Retzbach bot, war aber ein nervös überreizter Mensch, besonders im ersten Akte lief seine Dar­stellung Gefahr, stark humoristisch zu wirken, in den beiden weiteren Akten war dieses zu seinem Vortheil weniger zu wnstatireu. Ob solchen scharf ausgeprägten Charakteren, die eine realistische Darstellungskunst erfordern, das Talent des Herrn Retzbach gerecht zu werden ver­mag, davon konnte uns seine Darstellung am Freitag nicht überzeugen. Eine schöne Leistung bot noch Herr Möbius in dem Regierungs- schulrath Prell/ Man glaubte seiner Darstellung gern die Begeisterung für seinen Beruf, die er sich im Gegensatze zu Flachsmann noch im weißen Haare erhalten hat.

£ Stiftungsfest. Am vorigen Samstag feierte der GesangvereinSumser" in derCentralhalle" sein 56. Stif­tungsfest durch einen Herrenabend, der die geräumigen Saal­lokalilöten bis auf den letzten Platz gefüllt hatte, ein Beweis, welcher Beliebtheit sich der Verein in den Kreisen unserer Bürgerschaft erfreut. Vortreffliche Gesänge, herrliche Soli, zündende Jnstrumentalvorträge der Ulanenkapelle, erheiternde humoristische Piecen, fröhliche Gesichter, das war die Physiog­nomie des Abends. Nach der schwungvoll gespielten Egmont- Ouverture seitens der Ulanenkapelle begrüßte der Vorsitzende, Herr Karl Link, die Gäste und ertheilte das Wort dem Ehrenmitglied des Vereins Herrn Wilh. Kämmerer. In trefflicher und in der ihm eigenen packenden und überzeugenden Weise begrüßte der letzte noch lebende Gründer des Vereins die Gäste, gedachte in warmen Worten der in diesem Jahre Heimgegangenen Freunde und Mitbegründer und mahnt zu reger und emsiger Arbeit im Verein. Sein Hoch galt dem Blühen und Gedeihen des GesangvereinsSumser". Es folgte nunmehr die Abwickelung des Programms. Gesanglich hatte sich der Verein keine leichte Aufgabe gestellt, da neun Chöre, neu einstudirt, zum Theil recht schwierige Kompositionen, znm Vortrag gelangten. Der GesangvereinSumser" verfügt be­

dieser Liebesthätigkeit aufgefordert, die nur dann recht gedeihen kann, wenn sie von der fürbittenden und opferwilligen Theil­nahme bewußter Christen getragen wird. Daß die Worte der herzandrängenden Predigt nicht vergeblich waren, erwies sich an der reichen Kollekte, die am Ausgang erhoben wurde und an dem zahlreichen Besuch der Abendversammlung im Saale des evangel. Vereinshauses, wozu der Redner noch eingeladen hatte. Hier berichtete derselbe in einem iVi» ständigen Vortrag über das Leben und Arbeiten fit der Idioten - Anstalt Hephata, die von ihm ge­leitet wird. Mit sichtlicher Theilnahme und ge­spannter Aufmerksamkeit folgten die zahlreichen Zuhörer den interessanten, aus der Fülle reicher Erfahrung und ge­nauer Sachkenntniß geschöpften Ausführungen. Gewiß ist durch den gestrigen Tag das Interesse an der Arbeit der Innern Mission und besonders an der Anstalt in Hephata lebhaft gefördert worden. Mancher Leser desSonntag s- boten wird nun auch dieBriefe aus Treysa" in Zukunft mit größerem Eifer lesen als seither. Auch im Kinder- g o t t e 8 d i e n st hatte Herr Pfarrer S ch u ch a r d vor einer großen Kinderschaar von seinen armen Pflegekindern erzählt und wir hoffen, daß der gute Same, der so reichlich in die Herzen der Großen und Kleinen ausgesät wurde, auch gute Früchte bringen wird.

* Postperfonalieu. Uebertragen ist die Stelle eines Ortsinipekrors in Hanau dem Oberpostsekretär Lenz ««§ St. Johann.

* Hessischer Stävtetag. Eine Vorstandssttzung, des hessischen Städtetages wird voraussichtlich am 12. April in Fulda stattfinden, in der die Tagesordnung für die diesjährige Hauptversammlung fesiaestellt werden wird. ,

* Hessen-Nassauischer Sparkafsen-Berband.

Am 22. h. Mts. findet in Hersfeld eine Sitzung des Vor­standes desSparkafsenverbandes für die Provinz Hessen- Nassau und das Fürstenthum Waldeck" statt, wobei es sich um Festsetzung der Tagesordnung für die Hauptversammlung in Ma-bnrg handelt. Die Kreissparkasse Hettenhausen ist dem bessen-nassanischen Svarkassenverbande beigetreten.

* Ein Hanauer Künstler. In dem von der Kgl. Akademie der Künste zu Berlin für das laufende Jahr aus dem Gebiet der Bildhauerei ausgeschriebenen Wettbewerb um den Preis der Dr. Paul Schultze-Sliftung im Betrage von 3000 Mk. zu einer einjährigen Studienreise nach Italien ist der Preis dem Bildhauer Adolf Amberg aus Hanau seitens der durch das Statut berufenen Preisrichter zuerkannt worden.

* Mufterregister. Im Monat Februar wurden seitens des Amtsgerichts Hanau Bekanntmachungen über 109 neu ge­schützte Muster (davon 8 plastische und 101 Flächenmuster) veröffentlicht.

kanntlich über ein gutes Stimmenmaterial, das der vortreffliche Leiter, Herr Hans Grundmann, nach jeder Richtung hin verwerthet. Sowohl nach der Seite der Aussprache, die uns besonders gut gefiel, als auch nach der der Nuance und Into­nation erwies sich der Verein als besonders gut geschult. Mit dem form- und klangschönen Len'schen Chor:Bei der Heim­kehr" führte sich der Verein durch eine gute Vortragsweise vor­trefflich ein.Z Ein Prüfstein echten Könnens, aber auch fleißigen Studiums war wohl der Chor:Der Ausmarsch" von Phil. Orlh. An der Hand eines äußerst stimmungsvollen Textes hat der Komponist hier ein packendes Werk geschaffen, das an die Ausführenden große Anforderungen stellt. Dem Chor gelang der Vortrag vortrefflich, insbesondere kamen die Kraftstellen zu entsprechender Wirkung. Als eine von Humor durchwehte Chorkomposttion bot der Verein:Im Wirths- häusel" mit Klavierbegleitung von C. v. Rößler und erntete damit stürmischen Beifall. Sie mußte da capo gesungen wer­den. Auch der Walzer:In dem schönen Mai" von Weidt mit Begleitung des Klaviers verfehlte seine Wirkung nicht. Die Begleitung der Chöre führte Herr Lehrer J. Mtlbach in bekannter meisterlicher Weise aus. Außerdem bot der Ver­einSumser" noch:Ruh umhüllt" von Weinwurm,Am Aarensee" von Hermann undLindenwirths Rösle", alles ansprechende Chöre, durch die die Sänger ihre Stimmmittel mit bestem Erfolge in den Dienst der schönen Sache stellen konnten. Auch der Chor:Die goldnen Sterne singen des Nachts ihr Abendlied", die Bearbeitung einer Volksmelodie von W. Breidenbach, fand großen Beifall. Herr W. Kämmerer wünschte in einer darauf folgenden kurzen Ansprache, daß Herr Breidenbach auf dem betretenen Wege fortfahren möge, unsere Gesangeslitteratur durch noch weitere Volksgesänge zu bereichern, und brächte ihm zur Anerkennung eink.äftigeS Hoch". Herr Breidenbach dankte für die ehrende Anerkennung und betonte, daß nicht ihm, sondern Herrn Grundmann, der mit Kunstverständniß und Sachkenntniß diesen (ihr einstudirt