Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt.

ißlt Allst W An

General-Auzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kam«.

Bezugsprers: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. .

Vedruckt und verlegt in der Buchdrucker« des verein, ev«

Einrücknngsgebiihr:

Für Stadt- itnb Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau. . ; Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecke; in Hanau,

nii nrwin-- ... ^..^t -;jn-\..-t-^ l^TT/ -^^ I himi twWUMmawm^__

Nr. 2 68. Fernfprechavs« Nr. 605. Samstasi den 15. November Fernsprechanschluß Nr. 665.

KmgBa^|lIIIM>IIIIMIIIBMMMMilll ll^llll1^t1W WMMMMMMMmMMMMOMMgSW^MMMMMMWMI

1902

Amtliches.

Landkreis Ranau, <

Bekanntmachnnqen des Kömqs. Landratdsamtes.

Das I. und II. Bataillon Infanterie-Regiments Hessen- Homburg Nr. 166 wird am 18., 20.» 2L und 22. November d. J. ein Schießen mit scharfen Pa­tronen im Gelände bei Bilchofsheim, Schußrichtung gegen die große Lohe, abhalten. Das Schießen wird jedesmal um 8 Uhr morgens beginnen und um 3 Uhr nachmittags be­endet sein.

Das Gelände Bilchofsheim Höhe 184, 1 km nördlich Hochstadt Hühnerberg, 1 km nordwestlich Wachenbuchen Kleine Lohe Niederdorfelden Straße Niederdorfelden- Bergen Weg Gronau-Bischofsheim wird durch Sicherheits­posten abgesperrt und darf während des Schießens nicht be­treten werden.

Den Weisungen der Sicherheitsposten ist unbedingt Folge zu leisten.

Die Straßen Wachenbuchen-Niederdorfelden können passirt werden.

Hanau den 10. November 1902.

Zillmann.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 12. November 1902.

Der Königliche Landrath.

M. 5389 I. A.: Dalentiner, Reg.-Assessor.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 weißes Spitzentaschentuch (gez. N. R.), 1 brauner Kinder-Krimmerhandschuh (linker), 1 Portemonnaie mit 3,60 Mark Inhalt, 1 desgl. mit 80 Pfg., 3 kleinen Schlüssel und 2 entwertheten österreichischen Briefmarken.

Stehen geblieben: 1 rothes Schild mit der Auf­schriftMargarine".

Verloren: 1 Portemonnaie mit 1 Mark und einigen Pfennigen Inhalt, 1 desgl. längliches mit 6 bis 7 Mark Inhalt, 1 brauner Muff (Goldotter).

Entlaufen: 1 sieben Monate alter brauner Jagd­hund (der ganze Unterkörper und Beine gesprenkelt) m. Geschl.

Vom Wasenmeister am 15. d. Mts. eingefangen: 1 weißer Spitz mit gelben Abzeichen, 1 schwarzer Bastard mit weißer Brust, 1 gelber Spitz mit weißer Brust und weißen Vorderpfoten, sämmtlich m. Geschl.

Hanau den 15. November 1902.

Mi« n WfflF**^ffHfmffaMMME^^

Feuilleton.

Frankfurt während des Rückzugs der französischen Armee im Jahre 1813.

Von Philipp Lot; (Frankfurt).

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

In den Straßen wechselten die mannigfachsten Szenen. Auf einem Wagen brächte man zum Bockenheimer Thor einen verwundeten Chevanxleger herein, ein junges Blut, durch den Hals geschossen. Er wurde mit Geschenken überhäuft. Ein Anderer brächte sein nicht unbedeutend verwundetes Rößlein zum Thore herein, das er unter Thränen herzte und küßte. Für Roß und Reiter wurde gesorgt. Da ward plötzlich die Aufmerksamkeit abgelenkt. Vom Neuthor her erschallt brausen­des Hurrah und Vivat pflanzt sich durch die große Friedberger Gasse immer weiter fort. Etwa 50 bärtige Reiter auf kleinen Pferden mit langen Lanzen, spitzem Kalkpak auf dem Kopf sprengen der Zeit zu. Es sind Kosaken. Sie werden wie Wunderihiere betrachtet; aus allen Fenstern wird ihnen zuge- subelt und zugetrunken; sie wurden geherzt und geküßt, als ob man Freunde geküßt hätte. Ueberaus komisch gestaltete sich die U n t e r h a l t u n g. Die Frankfurter verstanden nicht russisch und die Kosaken nicht deutsch; also nahmen die Bürger ihr gewöhnliches Hilfsmittel zur Hand, das sie bei den Fran­zosen anwandten. Sie nannten die KolakenMusje", redeten gebrochen deutschvor mich"/-vor dich", vagirten mit den Handen und schrieen, als ob sie es mit Schwerhörigen zu thun halten. Das Alles ließen sich die Russen wohl gefallen, zumal die Zugaben reichlich ausfielen; nur dasMusje" fand ihren Beifall nicht.Do nix Musje do Franzuski do" und hier schlugen sie mit der Faust auf die Brustdo Kosak, do Kamerad." Und nun ging's los, Kamerad in allen Ecken bis tief in die Nacht hinein. Niemand hatte eine

Hue Stadt und Cand.

Hanart, 15. November.

Handwerkerorganisatlon. Am 1. Oktober v. J. ist der letzte Theil des Gesetzes über die Handwerkerorganisation (8 133 der Gewerbeordnung, betreffend Führung des Meister­titels) in Kraft getreten. Die Bildung der Prüfungsausschüsse nahm aber noch längere Zeit in Anspruch, so daß erst im April d. I. die Vorbereitungen beendet waren. Für den Hand­werkskammer-Bezirk Cassel wurde für diejenigen Gewerbe, die eine verhältnißmäßig kleine Zahl von Gewerbetreibenden um­fassen, ein Prüfungsausschuß in Riffel gebildet; für die an­deren Gewerbe außer diesem Ausschuß noch Prüfungsaus­schüsse in Eschwege, Fulda, Hanau, Marburg und Arolsen. Die ersten Prüfungen wurden in Cassel im Mai abgehalten und haben bis jetzt hier 18 Prüfungen stattgefunden; es liegen aber eine so große Anzahl von Anmeldungen noch vor, daß voraussichtlich bis Ende d. J. sich 40 Handwerker der Meister­prüfung unterziehen werden. In Hanau und Marburg sind bis jetzt je zwei Prüfungen abgehalten- Um der Wichtigkeit dieser Veranstaltungen einen sichtbaren Ausdruck zu geben, hatte der Herr Regierungspräsident Veranlassung genommen kürzlich im Regierungsgebäude zu Cassel in Gegenwart des Kom- miffars der Handwerkskammer, Herrn Regierungsrath Liste- mann, des Vorsitzenden und der Vorstandsmitglieder der Handwerkskammer, des Vorsitzenden und' der Beisitzer der Prüfungskommissionen, den zuerst geprüften 15 Handwerks­meistern den künstlerisch ousgestatteten Meisterbrief mit einer die Bedeutung die.es Ereignisses hervorhebenden Ansprache feierlichst zu überreichen. Mit einem Dank des Vorsitzenden der Handwerkskammer an den Herrn Regierungspräsidenten für dessen thatkräftige Unterstützung des Handwerkerstandes schloß die einfache aber würdige Feier. ";

* Weihnachtsbefcheerung in dörr Kinderhorten. Der Vorstand des Vereins Kinderhort' beabsichtigt auch in diesem Jahre seinen Zöglingen, den Knaben und Mädchen, deren Zahl 240 beträgt und welche nur Kinder armer Eltern sind, eine gemeinschaftliche Weihnachtsbescheeruttg zu veran- stalten. Tag und Stunde derselben wird in den hiesigen Zeitungen bekannt gegeben. Um in der Lage zu sein, jedem Knaben und Mädchen eine Freude durch ein nützliches Weih­nachtsgeschenk bereiten zu können, wird die Sammlung durch eine Büchse in den nächsten Tagen beginnen und bittet der Vorstand, die Sache durch eine Gabe unterstützen und auch hierdurch der gemeinnützigen und segensreichen Anstalt ein wohlwollendes Interesse bezeugen zu wollen.

* Ehrend. Wie wir erfahren, ist es einem unserer 'Mitbürger, Herrn Otto Lüer, vergönnt- am 18. d. M. auf eine 25jährige ununterbrochene Thätigkeit als Buchhalter in

Ahnung, daß nur 15 Kilometer von Frankfurt die eisernen Würfel fielen, Napoleon die vereinten Bayern und Oester- reicher total schlug und seiuem Heere den Durchgang erzwäng. Allerdings hörte man im Osten stark kauo- niren; die Thürmer meldeten wiederholt starken Brand in Hanau es war der aufsteigtnde Pulver- dampf vom Schlachtfeld auch waren den Behörden im Laufe des Tages warnende Anzeigen zugegangen; allein man achtete ihrer nicht und hielt die Kämpfe f$r unbedeutende Scharmützel. Alles gab sich der Freude hin. In der Nacht erhielt Graf von Nechberg Nachricht über den Ausgang der Schlacht und den Befehl,Frankfurt zu räumen, sich auf die Vertheidigung der Brücke zu beschränken und Sachsenhäusen zu halten." Die an die Nidda vorgeschobenen Truppen wur­den zurückgezogen und die Stadt geräumt; die Division nahm Stellung in und hinter Sachsenhausen. -

Sonntag, den 31. Oktober, sah man hier und da noch einzelne Patrouillen; auch waren die Thore noch besetzt; trotz der gegebenen Ordre hielt man so große Eile nicht für ge­boten. Es war über Nacht anders geworden. Zeitig wurde der Ausgang der Schlacht bei Hanau bekannt; allgemeine Aufregung und Bestürzung erfaßte die Gemüther; die Straßen an der Brücke und am Hanauer Thor füllten sich mit Neugierigen; man harrte mit Astgst der Ereignisse der nächsten Stunden. Am Ende der Gärten, etwa da, wo jetzt der Hanauer Bahnhof ist, hielt die letzte bayerische Vedelte, ein Chevauxleger, die Pistolen schußbereit in der Hand, den Säbel am Faustriemen. Vorgebeugt lugte er aufmerksam die Hanauer Landstraße entlang, Dutzende Skengieriger standen um ihn herum. Da gewahrte man von den Röderhöfen her Infanterie; es waren Oesterreicher, bei Hanau abge­schnitten und versprengt. Sie hatten sich während der Nacht mit Hilfe von Bauersleuten durch den Wilhelmsbader- und Bischofsheimer Wald zu ziehen gemußt und waren glücklich bis nach Frankfurt gekommen, dicht gefolgt von den Fran­zosen. Da wurde es den Zuschauern doch unheimlich, und

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Uuterhaltuugsblatt 14 Seite«.

der Bijouterie- und Kettenfabrik von Hoffe & Schlingloff hier- selbst, zurückzublicken. Er verstand es durch Fleiß und treue Pflichterfüllung, wie auch durch sein biederes Wesen, sowohl die Gunst seiner Herren Chefs, als auch die Achtung seiner Kollegen in vollstem Maße zu erwerben. Indem wir dem verehrten, allbekannten Jubilar unsere herzlichen Glückwünsche entbieten, geben wir der Hoffnung Raum, daß demselben seine geistige und körperliche Frische noch recht viele Jahre erhalten bleiben möge. Bemerken möchten wir noch, daß bei oben­genannter Firma noch einige Herren bereits viele Jahre un­unterbrochen thätig sind. Gewiß ein schönes Zeichen von gutem Einvernehmen zwischen Prinzipalität und Angestellten.

* Drncksachen-Aussteünng. Die in der gestrigen Nummer d. Bl. erwähnte, in der Osterwoche dahier stattsindende Ausstellung von Erzeugnissen der vervielfäl­tigenden Künste wird in Anbetracht ihrer Eigenart sicher­lich weit über die Grenzen Hanaus hinaus Beachtung finden, Neben dem Hauptkomitee (Vorsitzender: Herr Prof. M. Wiese, 2. Vorsitzender: Herr M. Möbius) sind eine Finanz-, Katalog-, Annahme-, Preß- und Empfangs-Kommission gebildet worden. 1. Vorsitzender der Finanz-Kommission ist Herr Fabrikant Aug. Brüning, 2. Vorsitzender Herr Fa­brikant L. Limbert. Weiter gehören dieser Kommission noch an die Herren Jean Knoblauch, G. Rath, Ed. Hof­mann. Vorsitzender der Katalog-Kommission ist Herr Dr. F. Quilling von der Kgl. Zeichenakademie. Ferner wurden in diese Kommission noch gewählt die Herren Bernh. Wenig, Hch. Heusohn, Fr. Kaufmann, M. Möbius. In die Annahme-Kommission wurden gewählt die Herren Druckereibesttzer Gruber, Huning, Loßberger, Herzing-Klein-Steinheim, die Herren Buchhändler Alt- mannsperger und Feddersen, ferner die Herren Prof. M. Wiese, Dr. Quilling, M. Möbius, H. Heusohn, W. Schultz, B. Wenig, G. Rath, H. Wagner, K. Gebser. Die Preß-Kommission besteht aus den Herren Dr. F. Quilling, Bernh. Wenig, G. Schrecker, Jean Knoblauch, A. Rautenberg, H. Wagner, die Empfangs-Kommission aus den Herren Prof. Wiese, Feddersen, L. Limbert, A. Huning, M. Möbius, H. Wagner, Ed. Hofmann. Sonstige Komiteemitglieder sind die Herren Wilh. Böhm, Hch. Müller, A. Friedrich, Chr. Weißbrod.

* Kaufmännischer Verein. Wie aus dem Inseraten­teil ersichtlich, findet nächsten Donnerstag in der Centralhalle der erste Vortrag dieser Saison im Kaufmännischen Verein statt, und zwar durch Herrn Rezitator Ludwig Sternberg, der den Stoff zu seiner Rezitation den Werken Reuters entnehmen wird. Dem Herrn Redner geht ein vorzüglicher Ruf voraus, so daß man auf einen genußreichen Abend mit Sicherheit

sie machten sich mit den Oesterreichern nach der Stadt davon. Plötzlich gewahrte man unter den Baumstücken nach den Röderhöfen zu einzelne Reiter, im Zwielicht noch nicht er­kennbar. Der Bayer hebt sich im Sattel; wie in Erz gegossen stehen Roß und Reiter. Da kracht ein Schuß durch den Morgennebel; der Deutsche reißt sein Pferd herum und ventre & terre geht es nach der zweiten Vedette am Hanauer Thor. Alles schrie:Sie kommen!" und eilte in panischem Schrecken hinter die Constabler Wache. Die beiden Chevauxlegers jagen durch die Allerheiligengasse, dicht ver­folgt von etwa sechs französischen Grenadieren zu Pferd. Wie am Schnürchen biegen die Bayern um die Ecke in die Fahrgasse ein; die Franzo'en, weniger ortskundig, schießen vorbei und stürmen eine Strecke auf der Zeil hin, wenden aber dann und nehmen die Verfolgung wieder auf. Da kommen vom Neuthor her zwei andere verspätete Chevaux­legers. Die beiden ersten Reiter, welche ihre nacbeilenden Kameraden bemerken, stellen sich an der Töngesgasse. So kommen die Franzosen in die Mitte. Es kracht und knallt; die Säbel klirren, laute Rufe erschallen, Franzosen und Bayern hauen auf einander los, daß die Funken sprühen. Trotz allen Spektakels wurde Keiner verwundet; nur der Haarbusch eines Chevauxlegers, der vom Helm geschossen ward, fiel als Opfer dieses kleinen Gefechtes. Die Bayern sprengten der Brücke zu, immer verfolgt von den Franzosen; als aber zwei derselben von bayerischen Jägern erschossen wurden Pro­fessor F. C. Schlosser sah sie von den Pferden stürzen machten die Anderen Kehrt.

Bald sah man französische Reiter, Kürrassiere und Dragoner mit gespannten Pistolen lärmend die Stadt durchreiten und nach Bayern suchen, und gar Mancher hatte sich verspätet. Zwei Chevauxlegers kamen von der Hauptwache hergesprengt, hinter ihnen schießend und tobend eine Anzahl Franzosen. Auf dem Theaterplatz riefen etliche Bürger:Dorthin!" und deuteten nach der Kalbächer Gasse; von da wiesen sie andere in die Kastenhospitalgasse, und hier waren die Beiden, wie