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Gedruckt und verlegt in der Duchdruckerei des verein, ev,

General-Anzeiger.

Amtliches Am M Stadt- und Fandkreis Hanan.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

Nr. 162

Fernsprechanschluß Nr. 605.

Dienstag den 15. Juli.

Fernsprechanschlnß Nr. 605.

1902

Gefundene mid verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Eisenbahnfahrkarte, 1 Füllfederhalter mit goldener Feder.

Verloren: 1 Schürze, 1 weißer Kinderstrohhut, 1 Portemonnaie mit 1,30 Mark Inhalt, 1 desgl. mit 5 Mark Inhalt, 1 Faß Spiritus, 25 Liter enthaltend, Nr. 4666 auf dem Wege HanauBruchköbel.

Zugelaufen: 1 gelber Pinscher.

Hanau den 15. Juli 1902.

Hue Stadt und Cand,

Hanau, 15. Juli.

Der Bau von ArbciteMohnnngcu.

Im Jahre 1901 sind seitens der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau zum Ban von Arbeilerwohnungen ausgezahlt worden an:

1, die gemeinnützige Baugesellschaft in Cassel

2. den Spar- und Bauverein in Cassel. *

3. den Arbeiter-Bauverein in Cassel . . .

4. den Spar- und Bauverein in Wiesbaden

5. die Stadt Wiesbaden ......

6. die Stadt Hanau .......

7. die katholische Kirchengemeinde Frankfurt- Bornheim ........

8. den St. Joseph-Bauverein in Hanau. .

9. die gemeinnützige Baugesellschaft in Hanau

10. den Spar- u. Bauverein in Witzenhausen

11. die Kreissparkasse in Witzenhausen . .

12. die gemeinnützige Baugesellschaft in Höchst

13. die gemeinnützige Gesellschaft zur Be­schaffung von Wohnungen in Höchst

14. den Oberurseler Spar- und Bauverein

15. die gemeinnützige Baugenossenschaft in Homburg v. d. Höhe . . . . .

16. 70 einzelne Arbeiter unter Bürgschaft von Darlehnskassen .... . .

149 000 Mk.

146 700

97 850

3 380 50 000

100 000

25 000

46 500

30 000

875

41 350

23 700

50 800

19 500

50 000

214 556

zujammen 1049 211 Mk.

Im laufenden Jahre 1902 sind schon jetzt wieder für Arbeiterwohnungen zur Auszahlung gelangt:

1. an Bauvereine rc. ...... . 540 985 Mk.

2. an einzelne Arbeiter . . . . . . 107 765 zusammen 648 750 Mk. und weitere 1445 610 Mk. sollen im Laufe des Jahres 1902 zu dem gleichen Zwecke noch zur Auszahlung gelangen. Der Vorstand bemerkt hierzu: Zieht man in Betracht, daß die ent­sprechenden Zahlungen in den Jahren 1899 und 1900 sich auf rund 599 000 Mk. und 801000 Mk. belaufen haben, so erhellt ohne Weiteres, daß eine derartige Steigerung der zum Bau von Arbeiterwohnungen zu geringem Zinsfnß aus­geliehenen Darlehen nicht durchführbar ist. Denn auf der einen Seite ist die Versicherungs-Anstalt verpflichtet, darauf zu achten, daß die durchschnittliche Verzinsung der von ihr ange­legten Kapitalien nicht zu tief sinkt, und auf der anderen Seite darf nicht vergessen werden, daß durch das außerordent­liche Wachsen der alljährlich zu zahlenden Rentensummen der Gesammtbetrag der der Versicherungs-Anstalt zu Ausleihe­zwecken noch zur Verfügung stehenden Kapitalien von Jahr zu Jahr immer mehr zurückgeht. Infolge dessen hat der Ge- sammtvorstand zunächst an der früheren Bestimmung festge­halten, wonach ein Bauverein, der schon mehr als 500 000 Mark Darlehen empfangen hat, den Mehrbetrag mit 3^2 ®/o verzinsen muß, und sodann den Beschluß gefaßt, 1. alljährlich nicht über ein Drittel der überhaupt zur Kapstalanlegung ver­fügbaren Summen, keinesfalls aber mehr als < 50 000 Mark im Jahre zu 3 °/o für Arbeiterwohnungszwecke auszuleihen, und von dieser Gesammtsumme z/s für Arbetter-Bauvereine und Vs für einzelne Arbeiter zur Verfügung zu stellen, 2. bei allen derartigen Darlehen unbedingt eine Tilgung von jährlich mindestens IV2 °/o zu verlangen, und 3. keinem Bauverein mehr als 30 000 Mk. jährlich zu bewilligen. Dagegen hat der Vorstand anderseits beschlossen, allen Bauvereinen ohne Weiteres eine Vertheilung von durchschnittlich 3*/» % Divi­dende zu gestatten. Sollen höhere Dividenden vertheilt wer­den, so behält sich der Vorstand die Prüfung im Einzelfalle vor, ob das Unternehmen noch als ein gemeinnütziges zu be­trachten ist. Nach diesen Beschlüssen ist es nicht ausgeschlossen, daß der Vorstand in einem Jahr auch mehr als «oOOOO Mk. für Arbeiterwohnungszwecke ausleiht, allein in diesem Fall würden die 750 000 Mk. übersteigenden Beträge nur zu dem für sonstige Kapitalanlagen üblichen Zinsfüße (augenblicklich 4 %) zur Verfügung stehen und würden die betreffenden Bau­vereine alsdann in eine Prüfung einzutreten haben, ob sie das

Geld zu diesem Zinsfüße haben wollen, der später nicht etwa herabgesetzt wird. Doch würden die Bauvereine in dem Um­stände, daß ihnen das Kapital bei pünktlicher Zinszahlung unkündbar bewilligt wird und weiter eine Beleihung bis zu 75 °/o des Werthes stattfindet, immer noch eine erhebliche Förderung ihrer Zwecke finden.

* In den Ruhestand. Herrn Kreißsekretär Schnei­der hierselbst ist mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand die nachgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienste zum 1. Januar k. I. unter Bewilligung der gesetzlichen Pension er­theilt worden. Mit ihm verläßt ein Beamter die liebgewonnene Stätte seines 10jährigen Wirkens, der es in seltenem Maße verstanden hat, sich die Zufriedenheit seiner Vorgesetzten und die Wertbschätzung des Publikums zu gewinnen.

* Statistik des Genostenschäftsraths. Amtlicher Statistik zufolge hat sich die Zunahme im Genossenschaftswesen von 1899 zu 1900 auf 633 Genossenschaften und 111139 Genossenschafter belaufen. Die erheblichste Zunahme hat der Allgemeine Verband der deutschen landwirthschaftlichen Genossen­schaft zu Darmstadt zu verzeichnen gehabt, ihm folgteRaiffeisen- Neuwied" und diesem Schultze-Delitzsch". Während die Genossenschaften mit beschränkter Haftpflicht, sich bei Schultze Delitzsch" ganz wesentlich vermehrt haben, hat umgekehrt beiDarmstadt" undNeuwied" die Form der unbeschränkten Haftpflicht einen erheblich größeren Zuwachs als die der beschränkter! Haftpflicht aufzuweisen ge­habt. Bei den übrigen Verbänden ist die Zunahme der Form der beschränkten Haftpflicht weit stärker, als die der unbe­schränkten und bei den keinem Revisionsverbande angeschlossenen Genossenschaften ist die Form der unbeschränkten Haftpflicht offensichtlich im Rückgänge, die der beschränkten in steter Zu­nahme begriffen. Bekanntlich ist die letztere Form erst durch das Wirthschaftsgenossenschaftsgesetz vom Jahre 1899 geschaffen. Es existirten Mitte 1900 in Preußen ausschließlich der Central- genoffenschaftskassen 9456 Genossen mit 1331450 Genossen, wovon auf die Genossenschaften mit unbeschrankter Haftpflicht 6561 und 770 244, auf die mit unbeschränkter Nachschußpflicht 108 und 15 749 und auf die mit beschränkter Haftpflicht 2 787 und 545 457 entfielen. Daß das Genossenschaftswesen stetig zunimmt, geht daraus hervor, daß im Jahre 1898 auf 1000 der Bevölkerung 35,33 Genossen, 1899 schon 38,74 und 1900 gar 42,27 Genossen entfielen. Die durchschnittliche Mitgliederzahl der einzelnen Genossenschaften nimmt allmählich zu; sie betrug 1898; 135, 1899: 139 und 1900: 141. Auf je 100 000 Einwohner kamen Mitte 1900 in Ostpreußen 3984 Genossen, in Westpreußen 3035, in Berlin 1844, in Brandenburg 3420, in Pommern 3756, in Posen 4688, in Schlesien 3888, in Sachsen 5075, in Schleswig-Holstein 3832, in Hannover 5772, in Westfalen 3770, in Hessen-Nassan 8470, im Rheinland 3888 und in Hohenzollern 22 7 7.

* Landmesser - Prüfung. Nach einer ministeriellen Verordnung werden zur Landmesser-Prüfung nicht mehr die Besucher von Fachklassen, sondern nur allein diejenigen der höheren Lehranstalten (Gymnasien, Realgymnasien und Ober­realschule) zugelassen, die die Reife zur Versetzung in die Prima erlangt haben.

* Vorortsverkehr. Nach einer aus den Kreisen der Hanauer Holzhändler an die Handelskammer gerichteten Zu­schrift wurde es als erwünscht erachtet, daß auf der Eisenbahn- strecke Frankfurt a. M.-OsibahnhofHanau-Westbahnhof der Vorortsverkehr eingeführt würde. Die Angelegenheit wurde seitens der Handelskammer eingehend geprüft. Bei der großen Anzahl der zwischen Frankfurt a. M. und Hanau auf beiden Strecken verkehrenden Zügen wurde es sowohl von anderen Holzhändlern Hanaus, als auch von sonstigen Interessenten bestritten, daß ein Bedürfniß für weitere Vermehrung der Ver­kehrsgelegenheit nachweisbar sei. Hiernach beschließt die Kammer, von einem Vorgehen in dieser Angelegenheit zur Zeit abrusehen.

* Bahnübergang am Westbahnhof. Von be- theiligter Seite war die Handelskammer darauf aufmerksam gemacht worden, daß der Bahnübergang an dem Hanauer Westbahnhofe nicht ausreichend beleuchtet sei. Die Kammer hatte sich darauf an die Königl. Eisenbahn-Direktion in Frank­furt a. M. gewandt und darauf ist der Bescheid eingegangen, daß eine Verbesserung der Beleuchtung noch dadurch herbei­geführt werden könnte, wenn die städtische Laterne jenseits des Ueberganges, links an der Straße nach Kesselstadt, um mehrere Meter näher an den Uebergang herangesetzt und mit Glühlicht versehen würde. Dem Magistrat der Stadt Hanau ist seitens der Handelskammer ein entsprechender Antrag unterbreitet worden.

* Verkehr mit Goldwaaren nach Oesterreich. Wegen ungleicher Behandlung der gefärbten Goldwaaren deut­scher und österreichischer Fabrikation auf den österreichischen

Punzirungsämtern hatte die Handelskammer Hanau sich am 28. Februar 1901 an das Reichsamt des Innern mit dem Anträge gewandt, für eine beschleunigte Wiedergleichstellung Sorge zu treffen. Wie aus Pforzheim berichtet wird, ist dort­hin durch das badische Ministerium des Innern Kenntniß von einer Note gegeben worden, welche das k. k. Ministerium des kaiserl. und königl. Hauses und des Aeußern in Wien an die dortige kaiserl. deutsche Botschaft gerichtet hat. Danach hat das österreichische Finanzministerium die Erlasse, auf Grund deren die ungleiche Behandlung stattfand, zurückgezogen und gestattet, daß auch die ausländischen Goldwaaren gleich der inländischen in gefärbtem Zustande der Untersuchung auf den Feingehalt unterzogen werden. Da Hanaus Interessen bei dieser Angelegenheit in hohem Maße betheiligt sind, so beschloß die Handelskammer Hanau dieserhalb bei dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe anzufragen.

O Vor 350 Fahren ein Stückchen aus der Lokalgeschichte BürgetFrankfurt a. M. Während des Mittelalters stand Bürzel, wie insgesammt 156 verschie­dene Ortschaften der näheren und weiteren Umgebung, zu der mächtigen Reichsstadt Frankfurt im Verhältnisse deS Burglehens. Die sich hieraus ergebenden Verpflichtungen bestanden für die Bewohnerschaften jener 156 Gemeinden darin, daß sie bei Frankfurter Kaiserwahlen oder bei herannahender Kriegsgefahr die Graben umb die Stadt zu Frankinfort helffin graben und besseren." Wegen der hohen Zahl der lehenspflichtigen Ort­schaften fiel der einzelnen Gemeinde naturgemäß nur eine kleine Stadtgrabenstrecke zur Ausbesserung zu. Beispielsweise hatte Bürzel nur 15 Ruten des Grabens herzustellen. Gegen Er­stattung einer kleinen Jahres-Gebühr konnten sich die Dorf- schaften von dieser Verpflichtung loskaufen. Für Bürge! be­trug, wie Bürgermeister Lammert in seinerGeschichte von Bürzel" erwähnt, diese Gebühr im Jahre 1372 zehn Denare, 1380 neun Pfennige, 1430 fünfzehn Heller, 1438 und 1444 dagegen 10 Gulden. Aus dem Burglehen ergab sich für die Bevölkerung der einzelnen betheiligten Gemeinden die Berech­tigung, zu Kriegszeiten Perlon, Vieh und Fährnisse im Bereich der stark befestigten Reichsstadt Frankfurt in Sicherheit _ zu bringen. Die Bewohner brauchten ferner für die in Frankfurt ein- oder ausgeführten Waaren nur geringe oder auch gar keine Zölle zu entrichten, auch weniger Weggeld zu bezahlen. Diese Sonderrechte mußten sie sich indessen alljährlich am Sankt ^Gertrudistage (15. November) gegen eine unbedeutende Gebühr neu bestätigen lassen. Im Hochsommer 1552, also vor 350 Jahren, belagerte Moritz von Sachsen in Gemein­schaft mit anderen Fürsten die Stadt Frankfurt, welche eine starke kaiserliche Besatzung hatte. Die Gemeinde Bürzel hatte aber, wie zahlreiche andere Dorfschaften, in dieser dringenden Noth seine aus dem Burglehen herrührenden Verpflichtungen nicht erfüllt und nicht an der Herstellung der Festnngsgräben mitgeholfen. Zur Strafe für diese Renitenz wurde ihr und den anderen säumigen Orten nach Aufhebung der Belagerung vom Rathe der Stadt Frankfurt das Burgrecht für immer entzogen.

* Obstverwerthung. Nach dem Wochenbericht der Frankfurter Zentralstelle für Obstverwerthung war der Verlauf der letzten Geschäftswoche im Allgemeinen befriedigend. An­gebot und Nachfrage hielten sich in ziemlich gleicher Höhe, nur in Sauerkirschen blieb das Angebot zurück. Die Ernte in Spätkirschen ist jetzt in vollem Gange und es wurden. belang­reiche Abschlüsse gemacht; eine knappe Mittelernte dürfte zu erwarten sein. Aprikosen und Pfirsiche fanden auch in dieser Woche starken Absatz, während der Absatz in Beerenfrüchten noch zu wünschen übrig läßt. Die Durchschnittspreise betrugen: Erdbeeren 32 Mark, Kirschen je nach Sorte 1220 Mark, Stachelbeeren 12 Mk., Johannisbeeren llVe Mk., schwarze 12^ Mk., Aprikosen 30 Mk., Pfirsiche 35 Mk., Frühbirnen 1520 Mark per Zentner.

* Zusammenstoß. In der Frankfurterstraße stieß gestern ein junger Stahlroßreiter mit einem Fuhrwerk zu­sammen, Fant zu Fall und erlitt einige leichte Verletzungen.

!?! Athleten-Wettstreit. Bei dem am Sonntag stattge- fundenen Gartenfest des Stemm- und Ring-ClubsEiche"- Hanau, verbunden mit Athleten-Wettstreit und Meisterschafts­stemmen und Ringen von Hanau errangen folgende Herren Preise: Im Juniorstemmen: 1. Preis: Wilh. Benzing, 2. Aug. Waas, Louis Lochmann, 3. Aug. Huth, Karl Schleucher. 4. Karl Froschhauer, 5. Wilh. Ebert, 6. Peter Mohrs, 7. Andr. Weingärtner, 8. Wilh. Eich, 9. Aug. Klöppel. Im Juniorringen: 1. Preis: Louis Lochmann, 2. Wilh. Ebert, 3. Andr. Weingärtner, 4. Karl Cröplin, 5. Wilh. Benzing, 6. Wilh. Eich, 7. Peter Mohrs, 8. Karl Froschhauer, 9. Aug. Huth, 10. Aug. Waas. Die 1. Meisterschaft von Hanau für das Jahr 19021903 im Stemmen errang Herr Aug. Koyn jr. Die 2. Meisterschaft im Stemmen Herr Gust. Schreiber. Die 1. Meisterschaft im Ringen errang ebenfalls Herr Aug.