Erstes Blatt.
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Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- -ärtige Abonnenten mit dem betreffenden Posiaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau
Eiurückungsgebiihr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg,, im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau. '
^T. 63 Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98.
Samstaa den 15. März
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1902
Gcsmidciie und vcrlorcue Gegenstände rc.
Gefunden: 1 brauner Herrcnglacähandschuh (linker), mit gelber Wolle gefüttert. •
Verloren: 1 silbernes Kettenarmband.
Dom Wasenmeisier am 14. d. M. eingefangen: l Wolfshund und 1 rother Spitz mit weißen Abzeichen, beide m. Geschl.
Hanau den 15. März 1902.
Hus Stadt und Cand»
Hanau den 15. März.
Lokal-historische Notizen.
1 6. März 1769 starb der Superintendent Walther zu Hanau.
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* Kirchliches. Nächsten Sonntag wird im Morgengottesdienst der Marienkirche Herr Pfarrer Schuchard aus Hep^eta bei Trevsa predigen. Derselbe steht seit einer Reihe von Jahren im Dienste der Inneren Mission und hat die ausblühenden Anstalten der Inneren Misston, das Er- ziebungshaus für schwachsinnige Kinder und das Brüderhaus hei Treysa zu leiten. Er wird über die Aufgaben der Inneren Mission in unterer Provinz sprechen und am Sonntag Abend um 8 Uhr im Vereins Hause über seine besondere Arbeit an den schwachsinnigen Kindern einen Vortrag halten, wozu auch alle Freunde des kirchlichen Lebens und der Inneren Mission freundlichst einqrladen sind.
* Landwirthschaststammer - Umlage. Für das Jahr 1902 ist für Zwecke der Landwirthschaftskammer die Erhebung einer Umlage in der bisherigen Höhe (Vs e/o des Grund - steuer-Reinertrages) beschlossen worden.
* Gesellen - Prüfung. Der Prüfungs - Ausschuß für das Schuhmacher-Handwerk hatte am 12. d. M. drei Lehrlingen die Prüfung abzunehmen. Zu diesem Akte hatten sich auf besondere Einladung Herr Direktor Heckeröth sowie das Handwerkskammer-Mitglied Herr K. Müller eingefanden. Nachdem die Prüflinge ihre praktische sowie theoretische Prüfung abgelegt, welche theils ganz vorzüglich war, richtete Herr Müller ernste Mahnworte an dieselben, unter dem Hinweis, nunmehr als pflichtgetreue Gesellen sich weiter auszubitden, um einstmals ihrem Stande Ehre bereiten zu können, denn durch tüchtige Handwerker und gemeinsamer Kraft würde das Pfuscher- thum dem ehrlichen Handwerk den Platz räumen müssen. Unsere Devise sei: „Das Handwerk dem Handwerker!"
* Die elektrische Ueberland-Centrale in Bildet. Wie wir in früheren Mitlheilunoen eingehend dargelegt haben, plante die Thüringer Eleklrizitäts-Aktiengesellschaft, Sitz Berlin, im benachbarten Vilbel die Errichtung einer elektrischen Ueber- land-Centrale, um von dort aus die umliegenden Ortschaften mit Elektrizität für Licht- und Krafizw.'cke zu versehen. Im Kreise Hanau hatten z. B. 20 Gemeinden sich durch Vertrag verpflichtet, Elektrizität von dem proffklirten Werke zu beziehen. Mit den Gemeinden des diesseitigen Kreises sind nun jetzt, und zwar mit Zustimmung der Thüringer Elektrizstäts- Aktiengeselltchaft, Verhandlungen im Ganze, die auf Lösung der Verträge hinzielen, da infolge der-gegenwärtigen ungünstigen wirthschaftlichen Lage das Zustandekommen der Ueberiand- Centrale zu dem ursprünglich angegebenen und festgelegten Zeitpunkte nicht zu erwarten ist.
* Königl. Zeichen-Akademie Hanau. Aus dem Jahresbericht der Anstalt ist Folgendes zu ersehen: Die Ge- sammtzahl der Schüler betrug zu Anfang dös Sömmer- semesters 298 (gegen 265 des Vorjahres); davon waren 62 Tagesvollichüler, welche durchschnittlich 42 Stunden wöchentlich am Unterricht theilnahmen; die übrigen Schüler besuchten denselben im Durchschnitt 11 Stunden in der Woche. Die Ge- sammizabl der Schülerinnen betrug 33 (im Vorjahre 26); von diesen waren 10 Tagesschülerinnen mit 33 Stunden und 23 Schülerinnen, welche wöchentlich durchschnittlich 18 Stunden nahmen. Zu Anfang des Wintersemesters b trug die Geiammtzahl der Stiller 278 (gegen 259 des Vorjahres); davon waren 60 Tagesschüler, welche durchschnittlich 42 Stunden wöchentlich am Unterricht theilnahmen; die übrigen Schüler besuchten denselben im Durchschnitt ll1^ Stunden in der Woche. Die Gesammtzahl der Schülerinnen betrug 37 (im Vorjahre 24); von diesen waren 10 Tagesschülerinnen mit 37 Stunden und 27 Schülerinnen, welche wöchentlich durchschnittlich 18 Stunden nahm'N. Von den 298 Schülern im Sommersemester waren 162 Einheimische, 13i Auswärtige, 5 Ausländer; von den 33 Schülerinnen 19 Einhkimi'che und 14 Auswärtige. Von den 278 Schülern im Wintersemester waren 145 Einheimische, 126 Auswärtige, 7 Ausländer ; von den 37 Schülerinnen 22 Einheimische und 15 Auswärtige.
Um die Beziehungen zwischen den Fachschulen und Interessentenkreisen zu stärken und letztere für die Mitarbeit an den Aufgaben der Schulen zu gewinnen, erließ der Herr Minister für Handel und Gewerbe unter dem 17. Januar 1902 eine reue Geschäftsanweisung für die Direktion, wonach der Direktor dem Kuratorium der Schule nicht untergeordnet ist, das Kuratorium aber neben dem Direktor an der Verwaltung der Schule berheilizt werden soll. Ausgehend ferner von den fortgesetzt geäußerten lebhaften Bedenken der einheimischen Industriellen gegen die Zulassung von Ausländern zum Besuche preußischer Fachschulen bestimmte der Herr Minister am 2. Februar, daß Mittheilungen über Einrichtungen und Betrieb der Fachschulen an ausländische Behörden künftighin nur durch ihn selbst gegeben werden und baß die Ankündigung der Lehrkurse in ausländischen Blättern von jetzt ab unterbleiben soll. In dankenswerther Weise hat die Handelskammer Hanau nach Mittheilung vom 8. Februar beschlossen, ihre Mitglieder zum Zwecke der Verleihung von Stipendien an Schüler der Königl. Zeichen-Akademie auf einstweilen 5 Jahre zu Beiträgen in der Geiammthöhe von jährlich 1000-1200 Mk. zu verpflichten. Nach einer am 11. Februar 1902 ergangenen Verfügung hat der Herr Minister genehmigt, daß Direktor Pros. Wiese an einem am 1. April beginnenden zivei- monatlichen und die Lehrer Schimke und Eitzenberger an einem am 1. März beginnenden viermonatlichen Lehrkursus bei Prof. Meurer in Rom theilnehmen und ihnen für diesen Zweck Reisestipendien bewilligt. Die diesjährige öffentliche Schulfeier verbunden mit der Prämiirung der Schülerarbeiten aus den Jahren 1900 und 1901 ist mit Rücksicht auf die bevorstehende Abreise des Direktors nach Rom auf Samstag den 22. März, nachmittags.3 Uhr, festgesetzt. Die sich daran anschließende Ausstellung der Schülerarbeiten aus den letzten 2 Jahren wird bis zum 30. März dauern. — 25 Schülern wurde der unentgeltliche Besuch des Unterrichts seitens der Anstalt gewährt; für 53 Schüler wurde das Schulgeld auf die Hälfte ermäßigt. 90 Schüler erhielten von der Stadt Hanau eine Schulgeldbeihilfe; für 4 Schüler bezahlte der Hanauer Kunstgewerbe-Verein, für 8 Schüler der Kunstindustrieverein das volle Schulgeld. — Der Staats- 5 it sch u ß für die Unterhaltung der Anstalt betrug 1901 Mk. 77 640. Die Einnahmen aus Schulgeldern ergaben in 1901 Mk. 12 700. Die Ausgaben betrugen 1901 für Lebrer- und Beamtenbesoldungen und Remunerationen Mk. 73 000, für Unterhaltung des Gebäudes und seiner Umgebung Mark 2500, für Unterrichtsmittel, Heizung, Beleuchtung und sonstige „Sächliche Ausgaben" Mk. 17 000.
* Neuer Gütertarif für Hanau. Mit Giltigkeit vom 1. März hat Eisenbahnsekretär H e N k e I in Frankfurt a. M. einen neuen Gütertarif für Frankfurt, Offenbach und Hanau im Verkehr mit allen deutschen Stationen ausgegeben, welcher mit Genehmigung der Königl. Eisenbahn- direktion auf Grund amtlichen Tarifmaterials ausgearbeilet ist und dem Geschäftsmann ein zuverlässiges Hilfsmittel für die Frachtberecknung bieten und die Beschaffung des umfangreichen amtlichen Tarifmaterials ersetzen soll. Die Frachtsätze werden nach den in einem alphabetischen Kilometerzeiger enthaltenen Entfernungen aus der eingedruckten allgemeinen Kilometer- Tariftabelle entnommen, die sich von der amtlichen darin vor- theilhaft unterscheidet, daß noch die Sätze für 6 .allgemeine Ausnabmetarife (Rohstoffe, Kalisalze, Düngekalk, Wegebaustoffe, Getreide, Eisenerz) ausgenommen sind. In besonderen Abschnitten sind dem Tarif 42 Ausnahmetarife, die Einheitssätze für die Tarifbildmrg, Mittheilungen über den geschäftlichen Verkehr mit der Eisenbahn, sowie die deutschen Expreßgut- und Packettarife beigegeben. Letztere werden namentlich von Interesse sein, da sie in der Geschäftswelt noch wenig bekannt sind, und in vieler Beziehung Vortheile bieten. Vergleichende Zusammenstellungen erläutern dabei, wie am billigsten und zweckmäßigsten verfrachtet wird. Da der mit großem Fleiß und umfangreicher Arbeit zufammen- gestellte Tarif durch Nachträge richtig und zuverlässig gehalten werden soll, können wir denselben als roerthvolles Auskunftsmittel warm empfehlen. Das Buch ist bei den Eisenbahn- Abferligungsstellen käuflich. ■ *
• Stadttheater. Um dem scheidenden Fräulein Bran- d ow Gelegenheit zu geben, sich noch in einigen Paraderollen von dem hiesigen Publikum zu verabschieden, ist mit ein Hauptgrund der morgigen „Zaza"-Ausfübrung. . Ihre vorzügliche Verkörperung der Titelrolle hat dem künstlerischen Ruhmeslranz der trefflichen Darstellerin ein neues Blatt eingefügt. Fräulein Brandow tritt nur noch an 2 Abenden auf. Die glänzende Ausstattung des Stückes ist die gleiche, wie bei der Premiere — auch das „zugkräftige" Automobil ist von der Firma Heß wiederum in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt worden. — Vorverkauf heute Samstag Nachmittag von 4—5, Vorrecht der ungeraden Nummern. — Als nächstes Benefiz
(für Herrn Paul Gehrinann) wird am Mittwoch das Lustspiel „Als ich wiederkam" von Blumenthal und Kadel- burg gegeben.
* Benefiz Kraul. Haas. Das Benefiz für Fräul. Haas, das wegen ihrer Erkrankung verschoben werden mußte, findet Freitag den 21. März statt.
* Militär - Konzert im „Deutschen Haus". Morgen Sonntag Abend von 8 Uhr ab konzertirt die Kapelle des Ulanen Regiments unter Leitung des Kgl. Musikdirigenten Herrn Urbach im Saalban „zum deutschen HauS". Das uns vorliegende Programm ist vorzüglich zusammengestellt. Kompositionen älterer und neuerer Meister, Soli, Streich- Quartette, sowie die schönsten Walzer von Waldteufel und Strauß sind eingereiht. Wir wünschen der beliebten Kapelle ein gut besetztes Haus.
* Eine größere amerikanische Erbschaft soll, wie bestimmt verlautet, nach Hanau und benachbarte Städte gefallen fein.
* Silberne Hochzeit feiern morgen die Eheleute Phil. Koch in der Norbstra^e.
* Sinaspielhalle Brauerei Dörr. Die Vorstellungen finden wie gewöhnlich morgen nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr stitt.
* An der „Wiener Svttze" tritt morgen sowie am Montag Abend zum ersten Male die beliebte Kenzerigesellichaft Schwarzwälder Singvögel auf und es stehen den Besuchern sicher recht vergnügte Abende iN Aussicht.
* Das Habnonkammhaits ist jetzt nur an Sonntage»» geöffnet.
* Kurort Wilbelmsbad. Morgen Nachmittag von 4 Uhr ab findet in den Säle»» zu Wilhelms bad Konzert der Infanterie-Kapelle Nr. 166 statt.
s Langenselbold, 15. März. (Gemeinde- vcrordnetenwahlen.) Bei den am 13. und 14. laufenden Monats hierselbst vorgenommenen Ersatzwahlen haben Stimmen erhalten: in der dritten Abtheilung 1. der Maurer Heinrich Hüben er 99 Stimmen, 2. Weißbinder Peter Schmidt II. 93 Stimmen, 3. Landwirth Wilhelm Köhler 1IL 57 Stimmen, 4. Pflasterermeister Wilhelm Baslermann 52 Stimmen, 5. Pulverfaörikarbeiter Friedrich Reinstädt II. 45 Stimmen, 6. Schuhmachermeister Wilhelm Jörg 40 Stimmen, 7. Schuhmachermeister Heinrich Hercher III. 9 Stimmen, 8. Flalchenbierbändler Conrad Reis 8 Stimmen, 9. Maurer Awon Häfner 6 Stimmen, 10. Weißbindermeister Wilhelm Weidenback 4 Stimmen, 11. Jakob Fischer, Fahrbursche, 2 Stimmen, 12. Gastwirth Wilhelm Ein- schütz 1 Stimme. Da Keiner der unter 1 bis mit 10 aufgestellten Kandidaten mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erhalten hat, so sind die eingangs unter 1 bis mit 4 bezeichneten Personen auf die engere Wahl zu bringen. Zur Vornahme der engeren Wahl (Stichwahl) ist bereits auf Donnerstag den 20. l. Mts. und zwar während der Stunden von 10 bis 12 Uhr vormittags und nachmittags von 4 bis 6 Uhr Termin anberaumt worden. In der zweiten Abtheilung haben von 115 Wählern 58 ihr Stimmrecht ausgeübt. Von den 116 abgegebenen Stimmen entfielen auf 1. Gastwirth Wilhelm Einschütz 45 Stimmen, 2. Landwirth Friedrich Wilhelm Fuchs 39 Stimmen, 3. Landwirth Johannes Schadt III. 16 Stimmen, 4. Landwirth Jakob Fuchs II. 15 Stimmen, 5. Landwirth Johannes Haas I. 1 Stimme. Gewählt sind sonach Gastwirth Wilhelm Einschütz und Landwirth Friedrich Wilhelm Fuchs, welche sich zur Annahme der Wahl bereit erklärten. In der ersten Abtheilung haben nur 17 Stimmberechtigte ihr Wahlrecht ausgeübt. Insgesammt sind 34 Stimmen abgegeben worden. Davon hat erhalten Landwirth und Beigeordneter Hermann Lehr 10 Stimmen. Derselbe ist sonach gewählt worden und bat die auf ihn gefallene Wahl angenommen. Weiter entfielen auf Gutspächter Jean Koch auf Baumwieserhof 8 Stimmen, Direktor Moses Katz 8 Stimmen, Posthalter und Landwirth Friedrich Rauscher I. 7 Stimmen, Apotheker Emil Kohl 1 Stimme. Es hat demnach engere Wahl stattzufinden zwischen Gutspächrer Jean Koch und Direktor Moses Katz. Der Termin zur Vornahme der engeren Wahl ist ebenfalls auf Donnerstag den 20. l. Mts. und zwar nachmittags von 2 bis 3 Uhr angesetzt. Die Wahlhandlungen werben im Sitzungssaale des Rathhauses hierselbst vorgenommen.
X. Langendiebach, 14. März. (Wahlen.) Gestern und heute fanden dahier die Ergänzungswahlen für die aus der Gemeindevertretung ausscheidenden Gemeindeverordneten statt. In der I. Klasse wurde das bisherige Mitglied Wilhelm Wörner wiedergewählt. In der II. Klasse wurde das ausscheidendeMitglied Gastwirth Keller wiedergewählt, dagegen neugewählt wurde Landwirth Carl Naß. In der zweiten Klasse standen sich zwei Parteien gegenüber und war der Wahlkampf ein recht lebhafter. Die Gewählten siegten nur mit wenigen Stimmen Mehrheit. In der III. Klasse wurde neu- gewählt Wilh. Jakob Rasch«