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Erstes Blatt.

Danauer G Ansktger

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kam«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., sür Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur; G. Schrecker in Hanau,

Nr. 136

Fernsprechanschluß Nr. 605»

Samstag den 14. Juni.

Fernsprechanschluß Nr. 605»

1902

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 12

Amtliches.

Stadt- und Landkreis Hanau. Ausschreibe«.

Am 9. d. Mts. wurde dahier im Rhein eine unbekannte, männliche Leiche gelandet; dieselbe hat etwa 810 Tage im Wasser gelegen.

Signalement: 3540 Jahre alt, korpulent, 1,90 Meter groß, vollkommenes Gesicht, rothblonde Haare, röthlicher Schnurr- bart, gute Zähne. Auf der rechten Hand ist ein Anker täto- wirt. Bekleidet war die Leiche mit gelber Hautjacke, weiß­leinenem Hemd,0. 8." gez., blauem Kammgarn-Sackanzug, blau- und rothgestreiftem Vorhemd, blauem Selbstbinder, baum­wollener, weißer Unterhose, grauwollenen Strümpfen und Zug­stiefeln.

Im Besitz des Verlebten fanden sich vor: 24,39 Mk., drei chinesische Silbermünzen und 7 Kupfermünzen, ein goldner Ring mit rothem Stein, eine unechte Uhrkette, ein Coupon der Bankvan Leening" (Leihhauses) in Rotterdam, B. 2. Mai 1902 Nr. 13848, auf den NamenVogelaar" lautend, Be­trag 4 fl., sechs kleine Schlüssel und Kinderspielzeug (eine Rassel und eine kleine Tamburine).

Um Recherchen und evtl. Nachricht über die Person des Verlebten wird gebetm.

Mainz, 10. Juni 1902.

Polizeiamt.

I. V.: K i n d h ä u s e r.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 12. Juni 1902.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

P 6105

v. Schenck.

Bekanntmachung.

Königliche Oberförstern Mslfgang.

Am Mettag den 20» Juni d. Js., soll die dies- jährige Grasnutzung von 4 ha Wiesenfläche in 20 Parzellen im Jagen 91 a des Schutzbezirks Neuwirthshaus, sowie die Grasnutzung in den Jagen 122 c und 129 a des Schutzbe­zirks Lamboybrück öffentlich meifibietend verpachtet werden.

Zusammenkunft nachmittags 5^2 Uhr an Ort und Stelle im Jagen'91a.

Nähere Auskunft ertheilen der Hegemeister König und

Förster Lange, sowie der Unterzeichnete.

Forsthaus Wolfgang den 12. Juni 1902.

Der Königliche Forstmeister.

Fenner.

10386

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Paar und 2 einzelne Kinderschuhe, 1 Paar braune Glacehandschuhe, 1 weißes Taschentuch mit Monogramm B. R., ^2 Meter langes und ca 2 cm breites blau und weißes Band, 1 Metzgerschürze, 1 Kinderportemonnaie mit etwas Geld, 1 halbseidener Damenschirm.

Im Lamboywald gefunden: 2 L-chlüffel, 1 Schürze, 1 weißer Kinder-Spitzenhut, 1 goldener Kettenring mit Klee­blatt, 1 Pompadour mit einem weißen Taschentuch.

Verloren im Lamboywald: 1 silberne Damenuhr mit Kette, 1 Herrenschirm mit melirtem Griff, 1 weißer Leder- gürtel, 1 Portemonnaie mit doppeltem Schloß und ca. b bis 7 Mark Inhalt, 1 braunes Portemonnaie mit ca. 0 Mark Inhalt, 1 Damenschirm im Alpenverein, 1 Herrenschirm (Selbstspanner).

Entlaufen: 1 halbgeschorener weißer Spitz, m. Geschl. Hanau den 14. Mai 1902. _________________

politischer «lochenbericht.

Trübe Tage sind über das Königreich Sachsen her auf­gezogen. Eine tückische Krankheit bedroht das -eben ft 0 n: g Alberts, dieses ehrwürdigen Herrschers, der im Frieden als gesegneter Lenker seines Volkes, im Kriege als siegreicher H - Herr Dank und Ruhm auf sein Haupt gehäuft hat, und der fest steht zu Kaiser und Reich. Mit seinen treuen Unter­thanen vereinigen sich alle Deutschen in der innigen Bitte 3n Gott um das Leben des heißgeliebten Monarchen.

Der Reichstag ist bis zum Oiltober vertagt worden, nachdem er noch zuguterletzt eine. Reche vonwichtign Gesetz-Entwürfen angenommen hatte: Die B, ss £

Konvention, das Zuckersteuergesetz, das Saccharingesetz und das Branntweinsteuergesetz; alles fand schließlich eine große Mehrheit, und zwar in einer Form, der die Regierung zu­stimmen wird. Dieses Ergebniß ist nur nach schweren Kämpfen erzielt worden. Bis zum letzten Augenblicke war der Aus- gang ungewiß, und nur der Thatkraft und der diplomatischen ' Gewandtheit des Reichskanzlers ist es zu danken, daß jene in unser Wirthschaftsleben tief einschneidenden Gesetz-Entwürfe glücklich unter Dach und Fach sind.

Auch die Mitglieder des preußischen Abgeord­netenhauses haben ihre Koffer bereits gepackt, und wenn diese Zeilen unsern Lesern zu Gesicht kommen, dürften sie vielleicht Berlin schon verlassen haben. Nur die Zolltarif- Kommission wird in Thätigkeit bleiben. Möge es ihren Mitgliedern gelingen, die mittlere Linie zu erreichen, die die verschiedenen wirthschaftlichen Interessen ausgleicht und die im Entwürfe der verbündeten Regierungen in bestmöglicher Weise vorgezeichnet ist!

Unsere Abwehrpolitik gegen die Polen steht unter einem glücklichen Stern. Wie Graf Bülow im preußischen Abgeord­netenhause, so hat der Kaiser in Marien bürg feierlich versichert, daß die preußische Regierung fest entschlossen ist, dem polnischen Uebermuth gegenüber keine Schwäche und Nach­giebigkeit zu zeigen. Die Worte des Kaisers haben in allen nationalen Kreisen großen Beifall gefunden. Man weiß jetzt, daß mit der Versöhnungspolitik, die bei den Polen nur Un­dank fand, entgiltig gebrochen ist.

Diese erfreuliche Gewißheit hat allerdings die Zustimmung der Czechen nicht gefunden. Einer ihrer Führer hat sich sogar nicht gescheut, im österreichischen Abgeordnetenhause Schmähungen gegen den deutschen Kaiser auszustoßen, die die Grenze des parlamentarischen Anstandes weit überschritten. Sein unver­antwortliches Treiben ist nicht ungestraft geblieben. Die scharfe Abwehr, die der Czeche durch den Präsidenten des Ab­geordnetenhauses und den Ministerpräsidenten erfuhr, sind ein Beweis dafür, daß die Czechen mit ihren Anschauungen allein stehen. Im Uebrigen hat ein Wiener Blatt recht, wenn es von den Beleidigungen schreibt:Kaiser Wilhelm und das deutsche Reich können nicht davon berührt werden, oder sich im Geringsten darum kümmern, womit einige czechische Redner sich selbst befleckt haben.

In Frankreich hat sich inzwischen das neue Ministerium der Volksvertretung vorgestellt. In der auswärtigen Politik bleiben die Ziele dieselben, wie schon daraus hervorgeht, daß Delcass« sein Amt behalten hat. Auf dem Gebiete der innern Politik sind die neuen Minister einig in dem Kampfe gegen den Einfluß der Kirche auf Schule, Verwaltung und Heer. Ob sich nicht in andern Punkten Meirmngs-Verschiedenheiten herausstellen werden, wird die Zukunft lehren. Eine der wichtigsten Reform-Arbeiten des neuen Kabinets, die für uns von besonderem Interesse ist, bezieht sich auf die Einführung der zweijährigen Militär-Dienstzeit. Hier wird sich vor allem feine Lebensfähigkeit erweisen müssen.

Die Waffenstreckung der Buren geht friedlich und ohne Störungen weiter. Es macht den Eindruck, als ob die Buren die Friedens-Bedingungen aufrichtig angenommen hätten und entschlossen wären, sie treu zu erfüllen, das heißt, gehorsame Unterthanen des Königs von Großbritannien zu werden. Würdiger und offener als Schalk Bürger und Louis Botha dies am Schluß ihresöffnen Briefes an alle Offiziere und Beamte der Burghers" zum Ausdruck gebracht haben, konnte nicht gesprochen werden:Jetzt, da der Friede geschloffen ist wenn er auch nicht ein Friede ist, wie wir ihn ersehnten laßt uns da verharren, wohin Gott uns geführt hat. Mit gutem Gewissen können wir erklären, daß 2*/^ Jahre lang das Volk den Kampf in einer Weise geführt hat, wie es die Geschichte bisher kaum kannte. Lasset uns einander die Hände reichen für einen andern großen Kampf, der vor uns liegt, für die geistige und soziale Wohlfahrt des Volkes, lasset uns allen bittern Gefühlen entsagen, lasset uns vergessen und ver­geben, auf daß die tiefen Wunden heilen mögen!" Die beste Antwort, die auf diesen Brief folgen könnte, wäre eine weit­gehende Amnestie am Tage der Krönung von König Eduard VII.

Hue Stadt und Cand.

Hanau, 14. Juni.

Lokal-historische Notizen.

15. Juni 1449 trat ein heftiger Frost undsaurer Wind" in ganz Hessen ein, welcher nicht allein den Wein, sondern auch Obst und Getreide zerstörte. Es ist dies einer der spätesten Fröste, von denen man in unseren Gegenden weiß, da er nach richtiger Rechnung der damaligen Zeit am 24. Juni, nach. der für das vergangene Jahrhundert geltenden Rechnung aber am

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 12 Seiten

27. Juni eingefallen ist. Im vergangenen Jahrhundert kam ihm das Jahr 1821 mit seinem, doch nur sehr leichten, Reif am 21. Juni am nächsten.

15. Juni 1849» Erstürmung des Schlosses Hirsch­horn am Neckar durch das kurhessische 3. Infanterie- Regiment.

* Hanauer Kleinbahnen. Ein langjähriger Wunsch der an den Linien der Hanauer Kleinbahn belegenen Ort­schaften ist jetzt auf wiederholte Befürwortung des Königl. Landrathsamt zu Hanau in Erfüllung gegangen. Wie wir vernehmen, hat nämlich der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten genehmigt, daß im Uebergangsverkehr der Hanauer Kleinbahn für B r e n n st 0 f f e (wie im Ausnahmetarif 2 ge­nannt), für Düngemittel, Holz des Spezialtarifs II unb III, Kartoffeln, Kohlen, Rüben und für Wegebaustoffe (wie im Ausnahmetarif 5 genannt.) Zwischen der Staatsbahnstation Hanau-Nordbahnhof einerseits und soweit ein Bedürfniß vorliegt Stationen der Tarif­gruppe VI (Direktionsbezirke Cassel, Frankfurt a. M. und Mainz) sowie rheinisch-westfälischen Kohlenversandstationen an­dererseits Ausnahmesätze eingeführt werden. Ausnahme- sätze auch für Steine des Spezialtarifs III zu genehmigen, hat der Herr Minister vorläufig nicht genehmigt. Die vorstehend erwähnten und genehmigten Vergünstigungen sind außerordentlich wichtig für die Interessenten. Das Kgl. Landrathsamt hat unseres Wissens nach unter Aufwendung eines umfangreichen Materials verschiedene Male diesbezügliche Anträge gestellt, die nunmehr zum größten Theile genehmigt worden sind, was sicherlich in den betheiligten Kreisen mit Genugthuung begrüßt werden wird.

* Ordensanlegttttg. Dem Prinzen Victor zu Jsenburg und Büdingen-Birstei« zu Birstein wurde die Erlaubniß zur Anlegung des ihm vom Großherzog von Hessen und bei Rhein verliehenen Kommandeurkreuzes 1. Kl. des Ludwigs-Ordens ertheilt.

* Sprechverkehr. Vom 19. Juni ab wird der hiesige Sprechverkehr auf Dalherda, Dipperz, Eckweisbach, Eicheuzell, Giesel, Hettenhausen, Hofbieber, Kleinsassen, Schmalnau und Milseburg ausgedehnt werden.

* Wallonische Kirche. Morgen wird Herr Pfarrer Neßler aus Berlin den Gottesdienst abhalten.

* Die diesjährige Bezirkssteuer ist vom Kom- munallandtag auf 438 000 Mk. festgesetzt und dieselbe Ver- theilung wie im vorigen Jahre beschloffen worden. Die für dieselbe maßgebenden Grundsätze sind für die einzelnen Land- und Stadtkreise dieselben geblieben.

* Hanauer Geschichtsverein. Morgen von 11 bis 12^/2 Uhr ist das neue Museum, Altstädter Markt Nr. 6, ge­öffnet. Im Erker liegen einige weitere Schubladen der Rauh- schen Münzen-Sammlung aus. Im alten Museum, frühe­res Regierungsgebäude, Marienstraße, sind von 11 bis 12 Uhr unter Leitung des Herrn Baurath Thyriot zu besichtigen: a) der Mithrasstein aus Groß-Krotzenburg und andere römische Alterthümer; b) die Gigantensäule aus Butterstadt soweit sie zusammengesetzt ist; c) der kürzlich im Main aufgefundene Einbaum; d) ein großer Theil der Modelle, Embleme u. s. w., welche im Festzuge zum 300jährigen Jubiläum der Neustadt Hanau mitgeführt worden sind.

* Silberne Hochzeit. Morgen Sonntag den 15. d. M. feiert der Pulverarbeiter Johannes R up p er t, Grüner­weg 28, das Fest der silbernen Hochzeit.

* Miether Jubiläum. Der Schuhmacher Herr Hain wohnt jetzt 25 Jahre ununterbrochen im Hause der Wwe. Marx, Nordstraße; morgen ist der diesbezüglicheJubi- läumstag".

* Sonntagsschule. Das für morgen Nachmittag ge­plante Wald fest der Sonntagsschule des evanglischen Ver­einshauses wird wegen der Ungunst der Witterung aufgehoben. Voraussichtlich wird dasselbe im Monat August abgehalten werden.

* * Vom Lambohfest. Am12." hatte sich die Situation so aussichtsvoll gestaltet, daß man begründete Hoff­nung haben konnte, diesmal werde es einenungewaschenen" Lamboywald zu feiern Gelegenheit geben, was nämlich schon lange nicht mehr der Fall war. Das Thermometer war so schön aufwärts gestiegen und zeigte eine richtige Lamboywalds- iemperatur an, von einem ziemlich wolkenlosen Himmel lachte die Sonne so hoffnungsvoll hernieder, daß auch von Denjenigen, welche noch zweifelhaft gewesen waren, eiligst die Vorbereitungen getroffen wurden, um die einstige Befreiung Hanau's aus schwerer Kriegesnoth in der hergebrachten Weise begehen zu können. Da wurde noch Kuchen gebacken, die nöthige Atzung herbeigeschafft, dasLamboywaldskleid" frisch gestärkt und gebügelt und was sonst noch die kleinen Sorgen sind, die die Hausfrau und die jungen Damen nothwendigerweise vorher