Erstes Blatt.
ii liniier
Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Psg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
General-Anzeiger
nmger
.»««.« ^^^ Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kana«
Wachnhauj-S IN Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- Hub Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Psg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck c r in Hanau,
Nr. 214
Fernfvrechanfchluß Nr. 605.
Samstaq den 13. September.
Fenisprechanschluh Nr. 605.
1902
Amtliches
Zwangsversteigerung.
, Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Dörnig- Heim belegene, im Grundbuche von dort Band III Artikel 160 Fol. 259 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Schuhmachers Wilhelm Heck IV, Ludwigs Sohn, von Dörnigheim eingetragene Grundstück
Q 301, in der Landwehr, Acker, — 3 ar 44 qm am 14» November 1902, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an Gerichtsstelle — Marktplatz 18 — Zimmer Nr. 14 — versteigert werden.
Das in Art. 529 der Grundsteuermutterrolle von Dörnigheim eingetragene Grundstück ist bei einem Reinertrag von vierzig Hundertstel zur Grundsteuer veranschlagt.
Hanau den 8. September 1902.
Königliches Amtsgericht 2
15713
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 neuer emaillirter Löffel.
Verloren: 2 Gold-Füllfederhalter.
Zugelaufen: 1 gelber kleiner Hund mit gestutzten Ohren und Ruthe, m. Geschl.
Hanau den 13. September 1902. $
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 13. September.
Lokal-historische Rotsten.
13. Septbr. 1544 wurde der ehemalige Mönch und nachherige Kanngießer zu Riga in Tiefland, Burkard Waldis, gebürtig aus Allendorf a. d. Werra, als Probst und Pfarrer zuAbterode am Meisner eingeführt. Dieser Mann ist einer der besten Dichter des sechzehnten Jahrhunderts und durch diese Gabe einer der aller- berühmtesten Hessen, die es überhaupt gibt. Jahr und Tag seiner Geburt und seines Todes sind bis jetzt unbekannt. Von seinen merkwürdigen Lebensschicksalen erwähnen wir hier nur den Umstand, daß er aus einem heftigen Gegner der Reformation, wodurch er sich eine 3*/s jährige Gefangenschaft zu Riga zuzog, ein eifriger Bekenner der evangelischen Wahrheit wurde. Leider gehörte auch er zu den hessischen Pfarrern, welche sich der Margaretha an der Sol, dem Nebenweibe Philipps des Großmüthigen, ergeben zeigten, und so mag es gekommen sein, daß man ihn, der noch vor Landgraf Philipp gestorben ist, in Hessen bald und gänz-
lich vergessen hat.
* Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau. Für den Kreis Hanau — Land — stellen sich die Ergebnisse der Bewilligung von Alters-, Invaliden- und Kranken-Renten in der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende Juni 1902 wie folgt:
Davon sind - erledigt durch
Von den Rentenempfängern sind bzw. waren beschäftigt
Altcrrrenteu Inval.-Rent. kraukenrent.
Rinantmen :
278 216
366/294
9 9
55
44
!653ij519 99
Kssammt-
Jahres- betran der bewilligten
Renten
22
29734
41072
1287'
29)72095
!S0
■30
60
20
26 10
26 15 20
2 —'_
215 177 8 48 41'30
Räch Abgang durch Tod -c. bleiben noch zu Zahlen
-^ ^
99'
174'
'14913 24869
' 526:
20
20
20
277'40308 60
Von der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau, deren Bezirk die Regierungsbezirke Cassel und Wiesbaden, sowie das Furstenthum Waldeck umfaßt, sind seit dem 1. Januar 1891 überhaupt bewilligt:
8381 Altersrenten im Gesammt-Jahresbetrage von 1,134,518.—■ M.
19426 Invalidenrenten „ , » » "-,00,918.40 „
<>93 Krankenrenten „ „ * » >»,10<.20 „
28500 Renten mit einem Gesammt-Jahresbetrage von 3,900,543.60 M.
Hiervon sind nach Berücksichtigung der durch Tod rc.
erfolgten Abgänge Ende Juni 1902 noch zu zahlen:
3484 Altersrenten im Gesammt-Jahresbetrage von 496,äOa.4O M.
12366 Invalidenrenten „ - 662.40 .
433 Krankenrenten „ „ „ ' >»,^7.40 „
16283 Renten mit einem Gesammt-Jahresbetrage von 2,269,715.20 M. Der von dem Reiche zu leistende Zuschuß belragr l;,)' ■ ,.
Mithin bleiben Ende Juni 1902 , aus Mitteln
der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau an Renten zu zahlen jährlich ..........., ^.1,455,565.20.
* Der Winterbedarf an Kohlen. Um die regelmäßig im Herbste wiederkehrende Verkehrssteigerung bewältigen zu können, erläßt die preußische und hessische Eisenbahndirektion eine Bekanntmachung mit dem Ersuchen, den Hausbedarf an Kohlen u. s. w. für den Winter jetzt schon zu beziehen. Ferner möge die Landwirthschast ihren Bedarf an Düngemitteln derart in Auftrag geben, daß die Lieferungsbestellungen auf das ganze Jahr vertheilt werden.
* Auf einen frühen und scharfen Winter schließt man, weil in Sibirien bereits scharfer Frost und heftiger Schneefall eingetreten ist. In der Lüneburger Haide in Hannover ist der erste Herbstreif gekommen. Der Nachsommer ließ sich zuerst so schön an, daß man auf warmes Wetter bis weit in den September hinein hoffte. Seit einigen Tagen ist die Temperatur fast überall aber gesunken, so daß stellenweise empfindliche Kühle herrscht. Man hat sich eben wieder einmal verrechnet, wie so oft in diesem Jahre, mit Bezug auf das Wetter.
* Manöver. Auf dem Gelände zwischen Langendiebach und Ravolzhausen bot sich gestern Nachmittag dem Beschauer ein interessantes Bild, die gesammie 42. Brigade mit Artillerie und Cavallerie kochte dort ab, nachdem das Gefecht zu Ende gegangen war. Es war der erste Tag im Divisionsmanöver. Die 42. Brigade operirte von Gelnhausen anrückend gegen die.41. Brigade und auf der Rüdigheimer Höhe kam es zum Zusammenstoß. Besonders interessant gestaltete sich -ine Attacke der 13. Husaren gegen die gegnerische Infanterie. Eine günstige Situation ausnutzend, warf sich die Cavallerie gegen die 80er, den An griff besonders schneidigausführend. Gegen 2^2 Uhr nachmittags endete das Gefecht. 166er, 80er, 81erj 27er Artillerie und 6er Ulanen kochten ab und schlugen die Zelte auf zum Biwackiren. Dazwischen standen die Regiments tapellen und fistelten.lustige Weisen. Leider beeinträchtigte die Wikterungsunbill das interessante Lagerleben. Die Ulanen bezogen NotPitartiere, zum Theil in Ravolzhausen, zum Theil auch in der Hanauer Kavallerie-Kaserne, während die übrigen Truppen im Biwack blieben. Schon frühzeitig nahm heute das Gefecht seinen Anfang, das sich heute wieder mehr in der Richtung nach Bulter- städterhöfe hin ziehen wird. Die 166er beziehen heute in Alten st ad t Quartier. Die Korpsmanöver Ende nächster Woche werden sich vornehmlich in der Nähe Hanaus abspielen.
* Das nächste Bilvack in unserer Nähe, an dem die Hanauer Garnison betheiligt ist, findet am Montag bei Ostheim statt.
* Schulfreier Manövertag. Wie wir hören, besteht die Absicht, während der Manöverzeit an einem Tage den Schulunterricht auszusetzen, um Gelegenheit zum Besuche des Manövers zu geben. Nach unseren Informationen wird jedenfalls der nächste Freitag für den Besucher der lohnendste Tag sein. Donnerstag beginnen die Korpsmanöver, also Division gegen Division. Während der erste Manövertag vornehmlich dazu dient, Fühlung mit dem Gegner zu gewinnen, bringt der zweite Tag, also der Freitag, die Entscheidung.
* Zur Fleifchtheuernng. Hinsichtlich unserer Stellungnahme zu der Fleischtheuerung operirt die „Voiksst." in der gewohnten Weise gegen uns, ohne Neues zu erbringen. Verlogen sei der Versuch, eine „Fleischnoth" zu bestreiten, denn die amtliche Schlachthausstatistik habe ergeben, daß von allen Vieharten, mit Ausnahme der Hämmel, im Monat August weniger zur Schlachtung gekommen seien. Wir sind der Meinung, daß sich durch diese Statistik nicht eine Fleischnoth, sondern eine „Geldnoth" dokumentirt, da viele Familien wohl gezwungen sind, infolge der erhöhten Preise eine Beschränkung in dem Fleischkonsum eintreien zu lassen. Aus der Polemik ersehen wir weiter, daß der Finanz-Ausschuß der hiesigen Stadtverordnetenversammlung den sgzialdemokratiichen Antrag auf Aufhebung der städtischen Fleischabgaben abgelehnt, dagegen den „liberalen" Antrag auf Aufhebung der Grenzsperre angenommen hat. — Ebenso interessant wie die letztere zu mancherlei Betrachtungen Anlaß gebende Notiz sind die Nachrichten über die gleiche Angelegenheit aus den Nachbarstädlen. In Wiesbaden lehnten die Stadtverordneten den Antrag auf Aufhebung der Fleischaccise ab, stimmten ab für einen Antrag betr. Oeffnung der Grenzen. — Bemerkenswerth ist ein Vorgang in Offenbach a. M. Die dortige Fleischerinnung richtete an die Stadtverordneien-Verfammlung ein Schreiben, in dem gesagt wird, daß man bisher von einer Fleischpreiserhöhung abgesehen habe, sowie die Bitte ausgesprochen wird, das Oktroi auf Schlachtvieh aufzuheben, da sonst die Fleischer gezwungen sein würden, einen Aufschlag eintreten zu lassen. Bei Abschaffung des Oktrois würde von einem Aufschlag der Preise für Fleisch- und Wurstwaaren vorläufig abgesehen werden. Das Schreiben wurde von der Stadtverordnetenversammlung an den Ausschuß überwiesen.
* Das Hahnenkammhaus ist täglich geöffnet.
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 14 Seiten.
* Bestätigt. Der Herr Minister für Handel und Gewerbe hat die erfolgte Wahl des Herrn Koepke-Schmalkalden zum Dirigenten der hiestgen gewerblichen Fortbildungsschule bestätigt, ebenso die Wahl des Mittelschullehrers Goebelzum Lehrer an der kaufmännischen Fortbildungsschule im Hauptamte.
* Belohnung landwirthichaftlicher Dienstboten. Der Kreisausschuß des Landkreises Hanau hat beschlossen, nachstehenden Dienstboten je eine Geldprämie von 20 Mk. zu Theil werden zu lassen: 1) Dienstknecht Peter Schmidt, seit 1857 in Diensten der Familie Emmel zu Hochstadt; 2) Dienstknecht Christian S ch i l d g e n, seit 25 Jahren bei Landwirth Fr. Lerch zu Marköbel; 3) Dienstknecht Philipp Dauth, seit 31 Jahren in Diensten der Familie des Bürgermeisters S t r o h zu Marköbel; 4) Dienstknecht W. Leipold, seit 17 Jahren bei Kasp. Heck zu Oberissigheim; 5) Dienstmagd Regine Roth, seit 27 Jahren bei Hch. Heck Wwe. zu Oberissigheim; 6) Dienstmagd Margar. Heußer, seit 16 Jahren bei Landwirth Joh. Heck zu Bruchköbel; 7) Dienstmagd Elis. Reich, seit 24 Jahren bei Bürgermeister K ö p p e l zu Mittelbuchen.
* Meisterprüfung. Es gereicht uns zur besonderen Freude, mittheilen zu dürfen, daß ein junger Goldschmied, Herr Ernst G u 6 f f r o y aus Hanau, seit 5 Jahren erster Gehilfe in der Firma J. Schuhmacher, Inhaber Friedr. Am- rhein in Crefeld, seine Meisterprüfung gemacht und mit Auszeichnung bestanden hat.
* Fahrradmarder. Aus Aschaffenburg wird geschrieben: Daß am 3. d. Mts. dahier ein einem auf dem Jägerhofe bediensteten Schweizer gehöriges Rad und einige Tage darauf auch in Hanau einem Fahrradhändler ein Rad ver- niuthlich von ein und derselben Person gestohlen wurde, haben wir bereits berichtet, nunmehr gelang es auch gestern Vormittax unserer findigen Polizei, den Fahrraddieb dahier, als er mit einer „Dame" zechte, festzunehmen. Erst leugnete er alles, als er jedoch in Nummer Sicher untergebracht worden war, wurde er mürb und gab zu, daß er dahier das Fahrrad gestohlen habe. In Hanau will er aber kein Rad sich angeeignet haben. Mit der Verhaftung des Fahrradmarders, der sich dahier in verschiedenen Wirthschaften unter den falschen Namen Bildhauer Edmund Walter aus Frankfurt a. M. und Reisender Schott aus Frankfurt a. M. einlogirt hatte, hat unsere Polizei einen glücklichen Fang gemacht, indem sie hierdurch einen Menschen einstweilen von der Bildfläche wegschaffte, der sich schon längere Zeit von der Fahrradmarderei ernährte. Bei der Verhaftung des Diebes, welcher der ledige 35 Jahre alte Schachmeister Eduard Weidmann von Kreuznach ist, führte derselbe ein Pantherrad, das zwischen der Lenkstange und der Bremse die Nr. 38 hat, mit sich. Er will dasselbe in Würz- burg von einem Bau weg gestohlen haben. Nach Würzburg reiste er per Bahn von Hanau ab. Weiter sind bei dem „Marder" verschiedene Adressen gefunden; es ist anzunehmen, daß er daselbst Fahrräder verkauft hat. Im Polizei-Central- Blatt sind mehrere Fahrraddiebstähle vorgemerkt, wobei die Beschreibung des Diebes ziemlich genau auf den dahier Verhafteten stimmt. Die Recherchen werden das Weitere ergeben.
* Hanauer Geschichtsverein. Morgen werden im Sitzungszimmer (Altstädter Markt Nr. 6, 11—121/« Uhr) ausgestellt sein: einige Schubladen der Rauh'schen Münzsammlung, das Prachtwerk Dr. Bickell's über die Bau- und Kunstdenkmäler im Kreise Gelnhausen und einige Bände der Ziegler'schen Chronik. — Mit Rücksicht auf den hohen Werth der zwei letztgenannten Werke wird um möglichste Schonung der Blätter beim Umwenden und Hinlegen freundlichst ersucht.
* Metzplätze. Die diesmalige Herbstmesse wird voraussichtlich sehr stark besucht werden. Bei der Versteigerung der Meßplätze, welche am Donnerstag Morgen stattfand, wurde von einem Schaubudenbesitzer der Preis für den Quadratmeter, der nach der Taxe 5 Mk. beträgt, bis auf 9 Mk. gesteigert. Für den Platz für das erste Karoussel waren 350, für das zweite 250, für die Schiffsschaukel 125 Mk. das Höchstgebot.
* Blitzschlag. Bei dem Unwetter, das sich gestern Abend über unsere Stadt entlud, schlug der Blitz _ in den Schornstein des Fischer'schen Hauses in der Nebengasse.
* Concert im Kaiserhof. Wie bereits milgetheilt, findet morgen Sonntag, nachmittags 4 Uhr anfangend, im Concertgarten „zum Kaiserhof" großes Militärconcert statt und zwar concertirt die Ulanenkapelle unter dem Kgl. Musik- dirigenten, Herrn Urbach. Bei eintretender Dunkäheit wird ein großes Brillant-Feuerwerk abgebrannt.
* Aberrdrmterhaltttng mit Tanz. Das Hanauer Sängerquartett (Dir. Herr Musiklehrer I. Brodt) veranstaltet morgen von abends 7 Uhr an in der „Centralhalle" eine Abendunterhaltung mit Tanz, auf die wir empfehlend aufmerksam machen möchten. Das vorgesehene Programm ist dem Vernehmen nach ein allen Anforderungen durchaus entsprechendes.