Erstes Blatt.
Hanauer G Anzeiger
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General-Anzkiger.
Amtliches Organ für Stakt- und Landkreis Kamm.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Für Stadt- uttb Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwortl. Redakteur: G. S ch r t ck«r in Hanau. -
Ar. 85
Fernsprechanschluß Nr. 605»
Samstaa den 12. April
Fernsprechanschlnß Nr. «05. 1902
Amtliches.
Landkreis Danau.
Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich unter Hinweis auf meine Verfügung vom 26. März 1885, J. St. 1696, in Nr. 76 des Kreisblattes, innerhalb 8 Tagen die Nachweisungen der im Etatsjahr 1901 vorgekommenen Wanderlager und Wanderauktionen und der zur Gemeindekasse eingezogenen Wanderlagersteuern einzureichen oder Fehlanzeige zu erstatten.
Hanau den 9. April 1902.
Der Königliche Landrath.
J.St. 1925 I. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Die Grundstücke zu I sind mit 23,79 M. Reinertrag
Die Grundstücke zu II mit 403,08 „
Die Grundstücke zu III mit 3,39 „
zur Grund
Dte Grundstücke zu II sind mit 360 M. und Nutzungswerth zur Gebäudesteuer veranlagt.
Hanau den 5. April 1902.
Königliches Amtsgericht 2.
st euer, 918 M.
6688
Gefundene und verlorene Gegenstiindc re
Verloren: 1 Zehn-Markstück. 1 Hundertmarkschein. Hanau den 12. April 1902.
Den Herren Gemeinde- bezw. Gutsvorständen werden in den nächsten Tagen die Gewerbesteuerrollen für 1902 zugehen. Nach Vorschrift im Artikel 40 Nr. 3 der Gewerbesteuer-An- weisuna vom 5. 11. 95 sind die Rollen im Monat April eine Woche lang öffentlich auszulegen und der Ort sowie die Zeit der Auslegung eine Woche vor Beginn derselben in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.
In der Bekanntmachung ist darauf hinzuweisen, daß nur den Steuerpflichtigen des Veranlagungsbezirks die Einsicht in die Rolle gestattet ist. Nach Ablauf der Anslegungsfrist ist die Bescheinigung auf dem Dreiblatt der Rolle zu vollziehen und mir anzuzeigen, an welchen Tagen die Rolle öffentlich ausgelegen hat.
Hanau den 9. April 1902.
Der Vorsitzende
des Steuer-Ausschusses der GewerbesteuerMsst III und IV für den Landkreis Hanau.
J. St. 1924 I. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in den Gemarkungen Ravolzhausen, Bruchköbel, Niederissigheim belegenen, im Grundbuche von
I. Ravolzhausen Band VII Artikel 300,
II. Bruchköbel Band VII Artikel 370,
III. Niederissigheim Band IV Artikel 214 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Ziegeleibesitzers Reinhold Opifieius in Frankfurt a. M.—Bockenheim eingetragenen Grundstücke:
I. der Gemarkung Ravolzhausen:
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343 — 24 ar 34 qm, Acker auf 344 — 7 „ 40 „ „ ii
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II. der Gemarkung Bruchköbel:
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lverden, während andererseits, namentlich bei denjenigen, die den Fortbildungsunterricht im Rechnen und im Rechtschreiben nicht genossen hatten, sich leider auch mangelhafte Leistungen zeigten; ein Beweis, daß die Reorganisation des Schulplanes sich als nothwendig erweist. Das Handwerkskammervorstandsmitglied Herr Müller ermähnte die nunmehrigen Gesellen dringend, behufs ihres späteren Fortkommens auch die zur Abhaltung kommenden Meisterkurse zu besuchen.
* Lehrverträge. Die Handwerksmeister werden daran erinnert, daß, um späteren Unannehmlichkeiten vorzubeugen, die neuabgeschlossenen Lehrverträge im Laufe dieser Woche an den Beauftragten der Handwerkskammer, Herrn K. Müller da- hier, einzureichen sind. Falls mit den früher eingetretenen Lehrlingen Verträge nicht abgeschlossen sein sollten, so muß dieses nachgeholt werden. Auch diese Lehrverträge sind alsbald an die vorbezeickneie Adresse einzusenden.
* Unfälle. Der Schlosser J o st aus Hochstadt, der beim Aufstellen des Turngerüstes in der Maulbeerallee beschäftigt war, bestieg eine gegen einen Bock gelehnte Leiter. Bei diesem Beginnen neigte sich der Bock seitwärts und die Leiter drohte umzufallen. Der genannte Schlosser sprang von der Leiter herab und zog sich dadurch einen Knöchelbruch des rechten Beines zu. — Der bei dem Landwirth Hofmann dahier beschäftigte Dienstknecht Reis er t fiel beim Verrichten einer Arbeit vom Heuboden auf die Tenne herunter, und zwar auf einen Haufen gefüllter Kartoffelsäcke. Er erhielt eine Schädelquetschung am rechten Auge und einen Rißbruch am linken Unterarm.
* Oswald Nier. Der bekannte Weinhändler Oswald Nier, der kürzlich in Berlin freiwillig aus dem Leben schied, hat einen Theil seiner Jugendjahre hier verlebt, indem er, wie uns ehemalige Mitschüler desselben mittheilen, eine der hiesigen höheren Lehranstalten besuchte.
* Monatsoper in Hanau. Wie bereits mitgetheilt, geht morgen Sonntag die reizende Operette „Waldmeister" von Joh. Strauß erstmalig und für Hanau als Novität in Szene. Den Werken von Joh. Strauß Rühmendes nachzu- sagen, ist überflüssig; „Waldmeister" war eine seiner letzten Kompositionen und ist vollkommen der „Fledermaus" und dem „Zigeunerbaron" ebenbürtig.
* * Werniug'sche Kriegsfestspiele. Der „Hanauer Krieger- Verein" hat Vorbereitungen getroffen zur Aufführung der Werning'schen Kriegsfestspiele im Stadttheater, die überall da, wo sie bereits in Szene gegangen sind, den größten Erfolg aufzuweffen hatten. Neben dem ernsten patriotischen Zweck, den die Aufführung der Festspiele verfolgt, geht die hochzuschätzende Absicht, die zu erwartenden Ueberschüsse zum Besten humanitärer Anstalten und zur Versorgung bedürftiger Veteranen und deren Wittwen und Waisen zu verwenden. Die Werning'schen Kriegssestspiele — der deutsch-französische Krieg in lebenden Bildern mit verbindender Dichtung und Musik — werden seit 8 Jahren in allen Städten Deutschlands von Kriegervereinen mit dem größten Erfolg aufgeführt. Hier sind 10 Spieltage mit theilweise 1 und 2 Vorstellungen vorgesehen. Besondere Vorstellungen sollen stattfinden für die Mitglieder und Angehörigen der Stadt- und Land-Kriegervereine sowie für die Stadt- und Landschulen. Wir verweisen im klebrigen auf die Bekanntmachung im Jnieratentheil, aus welchem ersichtlich ist, daß unter den Ausschüssen sich die angesehensten Namen unserer Stadt und der näheren Umgebung befinden, welche das Unternehmen mit ihrem Einfluß unterstützen werden. Wir zweifeln nicht, daß auch hier die Kriegsspiele denselben Erfolg erreichen werden, den sie vordem schon in anderen Städten gehabt haben.
* Coucertgarten Kaiserhof. Der schöne Concertgarten im Restaurant Kaiserhof soll nach einer Bekanntmachung des Pächters desselben seiner Bestimmung wieder mehr zugängig gemacht werden. Die Nähe des Waldes, der geräumige Platz und der an sich schon hübsche Spaziergang dorthin machen diesen Garten an schönen Sommerabenden zu einem so angenehmen und gemüthlichen Ausenthalt, daß man die beabsichtigte Wiedereinführung der Militär-Abonnementskonzerte nur sreudig begrüßen kann. Wenn die schmetternden oder gemüthvoll träumenden Weisen der Kapelle durch einen linden prächtigen Sommerabend klingen, dazu die Hellen Sommertoiletten der Damen ein farbenschönes, wechsel- volles Bild erzeugen, dann ist der Aufenthalt in einem Garten wie der Kaiserhof beim Glase Bier ein doppelt angenehmer und dem Unternehmen um so mehr Ersolg zu wünschen. Es wird vorläufig beabsichtigt, einen Cyclus von 6 Abonnementskonzerten zu arrangiren. Ausgeführt werden die Concerte von unserer rühmlichst bekannten Ulanenkapelle unter Leitung des Kgl. Musikdirigenten Herrn Urbach, es ist also zugleich auch ein Kunstgenuß gewährleistet. Die Concerte sollen in der Regel Dienstag Abends, 8 Uhr beginnend, schönes Wetter vorausgesetzt, abgehalten werden, die Zahl ist vorläufig auf sechs festgesetzt. Bei zahlreicher Betheiligung im"Abonnement finden statt der vorgesehenen sechs Concerte deren acht statt, zu welchen die Abonnenten dann ohne jede Preiserhöhung Zutritt haben. Damit die Abende auch der Abwechslung nicht entbehren und um den Besuchern einen möglichst angenehmen Aufenthalt zu schaffen, wird bei 2 evtl. 4 Concerten der Garten durch Lampions 'beleuchtet, an einem noch zu bestimmenden Abend auch ein großes Feuerwerk abgebrannt. Die einzelnen Concertveranstaltungen' werden durch besondere Annoncen bekannt gegeben. Der Preis für das Abonnement ist folgendermaßen festgesetzt; Eine Einzelkarte, giltig für alle Concerte, Mk. 1.50, die Familienkarte, giltig für 4 Personen zu allen Concerten, Mk. 4, Beikarten hierzu Mk. 1. Eine Abonnementsliste zum Einzeichnen befindet sich im Umlauf. Zum Schlüsse sei noch bemerkt, daß das Etablissement neu renovirt wurde und demgemäß einen erhöhten schmucken Anstrich erhalten hat, Küche und Keller des Pächters, Herrn Georg Kilian, besitzen ebenfalls ein gutes Renommee. Wird nun noch der Himmel ein Einsehen haben und nicht gerade mit konstanter Bosheit sich die Concertabende zum Gießen aussuchen, dann sind alle Vorbedingungen für die Empfehlung eines Unterstützungswerthen Unternehmens gegeben.
Hub Stadt und Land.
Hanau den 12. April.
Lokal-historische Notizen.
13. April 1735. Renunciation des Landgrafen Friedrich I. von Hessen, Königs von Schweden, auf die Hanauer Erbschaft zu Gunsten seines Bruders W i l- helm (VIII.).
13. April 1759. Schlacht bei Bergen unweit Frankfurt zwischen den Hessen und verbündeten Braunschweigern und Hannoveranern und den Franzosen (7jähr. Krieg), in welcher der Graf Johann Casimir von Jsenburg- Birstein, hessen-kassel'scher Generalleutnant und Inhaber eines Infanterie-Regiments, fiel.
13. April 1840 starb der Superintendent Vulpius zu Hanau, 96 Jahre alt (geb. 7. Februar 1744) nach einer Dienstzeit von 68 Jahren überhaupt und von fast 67 Jahren im geistlichen Amte, in welches er als Pfarrer an der lutherischen Gemeinde zu HMUM am. 27, September 1766 eingetreten war. Emeritirt ward er am 15. Juni 1833. Er war nie verheiratet und führte leiblich wie geistig ein äußerst einfaches Leben, welches freilich, als geistliches Leben angesehen, im Verhältniß zu seinem Amte ein allzu einfaches war.
* *
♦ Mifsionspersammlung. Am Sonntag Abend um
Uhr findet, so Gott will, eine Missionsoersammlung im Dienste der Basier Mission im evangelischen Vereinshause statt. Herr Pfarrer Goebels wird eine An'prache halten. Außerdem wird Fräulein Rhiem über ihre Misstonsarbeit unter den Frauen Indiens berichten. Der Islam hat in Nordindien bewirkt, daß. die vornehmen Hindus ihre Frauen in ähnlicher Weise abschließen wie die Moslims. Da sie hier in Langeweile verkommen, haben sich englische und amerikanische Frauengesellschaften gebildet, diese Zenan as (Frauengemächer) regelmäßig zu besuchen und ihren Bewohnerinnen das Lesen, Singen und weibliche Arbeiten zu lehren. Eine schwierige, aber vielversprechende Aussaat. Auch Fräulein Rhiem steht in dieser „Ze nana -Mission". Ihre Mittheilungen werden gewiß auch vielen Frauen und Jungfrauen unserer Stadt von
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großem Interesse sein.
* Die Sonittagsskarten. Bei der gestrigen Berathung des Eisenbahuetats im Mgeordnetenhanse nahm der Vertreter unseres Wahlkreises, Herr Emil Junghenn, Gelegenheit, für Wiederauflegung der Sonntagskarten von Hanau nach Frankfurt und dem Taunus einzutreten.
* Beförderung. Dem Vernehmen nach wird der jetzige Kommandeur des hiesigen Ulanen Regiments, Herr Oberst Frhr. v. Fritsch, demnächst das Kommando einer Brigade erhalten.
* Musterung. Montag den 14. April: Musterung der Militärpflichtigen der Stadt Hanau, welche im Jahre 1880 geboren sind, sowie derjenigen älteren Jahrgänge, welche eine definitive Entscheidung noch nicht erhalten haben; Dienstag den 15. April: Loosung und Klassifikation.,
* Kontrol-Versammlung. Montag den 14. April, vormittags 9 Uhr, in Langenselbold (Kirchplatz): Reservisten, Wehrleute I und Ersatzreservisten (Jahrgänge 1889 bis 1901) sowie die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften von Langenselbold mit Bruderdiebacher- und Baumwieserhof; vormittags 11 Uhr: Desgleichen von Oberrodenbach, Niederrodenbach, Langendiebach mit Reuserhof; mittags 1 Uhr: Desgleichen von Hüttengesäß, Neuwiedermuß, Ravolzhausen, Rückinaen und Wolfgang.
* Gefellen-Prüfung. Unter dem Vorsitz des Direktors der gewerblichen Fortbildungsschule, Herren Heckeroth, sowie im Beisein der Mitglieder der betreffenden Prüfungsausschüsse und des Handwerkskammer-Vorstands-Mitgliedes Herrn K. Müller wurde gestern die theoretische Prüfung einer Anzahl Lehrlinge, die nunmehr die Lehre beendet hatten, abgehalten. Dieser Prüfung unterzogen sich 6 Schlosser, 3 Schreiner, 2 Weißbinder und 7 Mechaniker. DaS Resultat der schriftlichen Prüfungsarbeiten konnte zum Theil ein sehr gutes genannt
Wiese „ „ „
„ am Sindach, | Fechenmühle Nr. 48, I a. Wohnhaus mit
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Anbau Q, abgesondertem Abort 0,
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Hofraum und Hansgarten,
Mühlengebäude, jetzt Fabrikbau,
Fabrikgebäude A mit Wohnräumen, d. Werkstätte (B),
6. Maschinenbaus mit Schornstein (C),
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f. Scheuer mit Stall (D),
g. Anbau an die Scheuer (E),
h. Futterküche mit Gerätheraum (F),
i. Fabrikgebäude mit zwei offenen Trockenschuppen (H I und H II),
k. Fabrikgebäude (J),
1. Holzschuppen (K),
m. Fabrikgebäude mit Brennofen und Schornstein (L),
n. Laufgallerie (M),
o. Keller zum Anfeuchten der Erde (8), — 12 ar 98 qm, Acker Fechenmühle, „ „ an der Mühle,
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III. der Gemarkung Niederissigheim: ÄrtbL 5 Nr. 158 = 3 ar 20 M, Wiese auf der dürren Seite,
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am 6. Juni 1902, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle Marktplatz 18, Zimmer Nr. 14, versteigert werden.
Die hetttige Nummer umfaßt außer dem Unterlmttunasblatt 14 Seiten