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Erstes Blatt.

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Für Stadt- itnb Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswatts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

( Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- nud Landkreis Sana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Veramwortl. Redakteur: G. Schrecker ich Hanam

^T. 60 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Mittwoch den 12. März

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

1902

Hue Stadt und Cand,

Hanau den tu März.

* Weibliche Beamte. Der Kaiser hat in einem Er­laß an den Minister der öffentlichen Arbeiten und den Kriegs­minister genehmigt, daß bei der Staatsbahnverwaltung, wie schon jetzt im Fabrkartenausgabedienste, so auch imTelegra- phen- und Güterabfertigungsdienste weib­liche Beamte unter Beobachtung der Grundsätze für die Besetzung der Beamtenstellen mit Militäranwärter nach Maß­gabe des Etats eingestellt werden. Gleichzeitig hat der Eisen­bahnminister bestimmt, daß weibliche Personen für den Kanzlei­dienst nicht mehr anzunehmen sind. Die gegenwärtig im Kanzleidienst beschäftigten weiblichen Personen sind unter An­rechnung der seitherigen Eifenbahndienstzeit in den Fahrkarten­ausgabe-, Telegraphen- oder den Güterabfertigungsdienst zu überführen.

* Passionsgottesdienst. Heute Abend 8 Uhr findet der Passionsgottesdienst in der Johanniskirche statt, gehalten von Herrn Pfarrer Lamm.

* Gesellenprüfung für Schlosser. Der Prüfungs­Ausschuß wird in nächster Zeit einen Prüfungstermin dahier abhalten. Diejenigen, welche die Prüfung abzulegen beab­sichtigen, wollen sich baldigst bei dem Vorsitzenden des Prü- fungs - Ausschusses, Herrn Schlossermeister Jg. Peteler, Schnurstraße 16, schriftlich melden. Dem Gesuch um Zu- Xaffunq zur Prüfung sind beizufügen: 1) ein kurzer selbstge­schriebener Lebenslauf; 2) von Lehrlingen das Lehrzeugniß oder der Lehrbrief; 3) das Zeugniß der Fortbildungs- oder Fach­schule, sofern der Lehrling zum Besuch bergen veroslichtet war. Die Prüfungsgebühr (3 Mk.) ist vor dem Prüfungs­termin an den Vorsitzenden des Prüfungs-Ausschusses zu ent­richten.

* Die diesjährige musikalisch - deklamatorische Abendunterhaltung der höheren Mädchenschule findet morgen Donnerstag den 13. d. M., abends 7V» Uhr, in der Centralhalle" statt. Der Reinertrag ist wie im vorigen Jahre auch diesmal wieder für dieKinderkrippe" bestimmt. Wie uns mitgetheilt wird, sind nur noch wenige Eintritts­karten ä 1 Mk.- in den beiden hiesigen Hofbuchhandlungen zu haben.

* Benefiz Art. Haas. Für die am nächsten Freitag stattfindende Vorstellung zum Vortheil unserer jugendlichen Heroine Frl. Haas zeigt sich reges Interesse und zwar mit Recht, da das zur Aufführung kommende, hier noch nicht ge­gebene gewaltige Drama HebbelsMaria Magdalena" sicher­lich einen bedeutenden künstlerischen Genuß verspricht.

Feuilleton.

Die künftige Kunstmctropolc des

Düffeldorf, 8. März.

In doppelter Beziehung war der heutige Tag denkwürdig in der Geschichte der schönen Kunst- und Gartenstadt am Niederrhein. Einmal feierte Düsseldorf heute die Schlußstein- legung seiner neuen großartigen Rheinwerftbauten, dann aber die Einweihung des neuen Kunstausstellungspalastes, der mit Beginn der großen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung am 1» Mai d. Js. dem Publikum seine Pforten öffnen wird. Unter großer Betheiligung seitens der Staats- und Kommunal- behörden wurde um ll1/* Uhr die Schlußsteinlegung des Rheinwerfts vorgenommen. Als Ehrengäste waren erschienen Ihre Excellenzen der Minister der öffentlichen Arbeiten, Herr von Thielen, der Finanzminister Herr Freiherr von Rheinbaben, der Oberpräsident der Provinz Westfalen Freiherr von der Recke von derHorst, Staatsminister a. D., der Oberpräsident der Rheinprovinz Wirklicher Geheim­rath Nasse, Ministerialdirektor S ch u l tz-Berlin, ferner zahl­reiche Beamte der Staatsregierung, der Provinzial- und Strombauverwaltung. In zündender Rede wies Herr Ober­bürgermeister Marx auf den ersten großen Anfang hin, der zu der jetzigen großartigen Ausgestaltung des Rheinwerfts Düssel­dorfs führte, die Anlage des am 30. Mai 1896 eröffneten neuen Hafens, ein Werk, das bestimmt sein sollte, den Ver­kehr zwischen dem Süden unseres Vaterlandes, seinen nordischen Küsten und den Küsten des Auslandes mit dem gewerbfleißigen Westen zu erleichtern. Noch ein weiterer Gesichtspunkt war es, der gerade zur Ausführung der heute vollendeten Er­gänzung jenes großen Anfanges anspornte; Düsseldorfs Rhein­

* Milktärkonzert. Am nächsten Sonntag Abend gibt unsere Ulanenkapelle ein Slreichkonzert im Saalbau zum Deutschen Haus", worauf wir hiermit schon heute empfehlend hinweisen.

* Unfall. Ein hiesiger Metzgerbursche glitt beim Ausschneiden von Ochsenfüßen mit dem besser ab und durch­stach sich die Pulsader. Er wurde sofort ins Diakoni ssenhaus gebracht und dort verbunden. Später konnte er wieder cnt- laffen werden.

* Ein Schwindler verhaftet. In Münster i. W. wurde ein Zeichner namens Joh. Roith aus Wien festge­nommen, der in verschiedenen Städten unter falschem Namen raffinirt angelegte Schwindelmanöver ausführte. Derselbe ist jedenfalls identisch mit einem am 23. August v. I. auch hier aufgetretenen Logisschwindler, der sich Herm. Tölz nannte und für einen Ingenieur aus Hamburg ausgab.

8. Grotzairheim, 12. März. (Wahlresultat). Die Wahl der Gemeindeverordneten erreichte gestern ihren Ab­schluß. Die ausgeloosten Vertreter wurden einstimmig wiedergewählt und zwar in der 1. Klaffe die Herren Franz Karl Lenz und Peter Adam, in der 2. Klasse die Herren Joseph Kämmerer und Adam Reuter, in der 3. Klasse wie bereits gemeldet, die Herren Friedrich Otto Rupp und Ernst Schramm. Wahlberechtigt waren im Ganzen 860 Personen. In der 1. Klasse wählten von 52 Wahlberechtigten 30, in den 2. Klasse von 208 91 und in der 3. Klasse von 600 222 Personen. Im Jahre 1900 haben gewählt in der 1. Klaffe 21, in der 2. Klasse 82 und in der 3. Klaffe 168 Personen.

X Langendiebach, 12. März. (Diebstahl.) Wie s. Z. von uns gemeldet, verschwanden einem hiesigen Ein­wohner wiederholt Gegenstände und Baarbeträge aus seiner Wohnung. Der Verdacht lenkte sich auf Frau H., die daS Reinemachen der Wohnung besorgte. Der Bestohlene plazirte bekanntlich seinen kleinen Sohn unter das Sopha während der Anwesenheit der Verdächtigen und dieser beobachtete nun Frau H., wie sie mittels Nachschlüssels einen Behälter öffnete und diesem einen Geldbetrag entnahm. Durch den schnell herbci- eilenden Eigenthümer wurde die Diebin dingfest gemacht und in Untersuchungshaft genommen. Heute hatte sie sich vor der Hanauer Strafkammer zu verantworten. Sie erhält 6 Monate Gefängniß ohne Anrechnung der Untersuchungshaft und wird weiter in Haft behalten.

]![ Oberifsigheim, 11. März. (Wahlen.) Bei den am vergangenen Mittwoch und Donnerstag stattgefundenen Gemeindewahlen wurden die ausscheidenden Mitglieder der Gemeindevertretung, Landwirth Konrad Preiß II. in der III. Klasse, Landwirth Johannes Schäfer III. in der II. Klaffe

seite war bisher keine ästhetisch erfreuliche Erscheinung, und auch die betheiligten fachtechnischen Behörden, vor Allem die Rheinstrombauverwaltung hatte an dem bisherigen Zustande wenig Frende; und seitdem Düsseldorf in die Reihe der mo­dernen Großstädte eingetreten war, hatte sich das Antlitz der schönen Kunst- und Gartenstadt dem vernachlä'sigten Rhein­ufer ganz ab und ausschließlich der großartigen Ausgestaltung der Innenstadt mit ihren prächtigen Straßen, Plätzen, Mo­numentalbauten und Gartenanlagen zugewendet. Aber Düssel­dorf ist eine Stadt, die sich einer weitsichtigen Kommunal­politik rühmen darf. Man verkannte nicht die Nothwendigkeit, die Lage Düsseldorfs am herrlichen Rheinstrom auszunutzen und gleichzeitig mit einem Schlage die Schattenseiten dieser Lage, nämlich die Hochwassergefahr nach Möglichkeit zu be­seitigen. So entstand der Gedanke, die beiden gegebenen Punkte des nördlichen und südlichen Theiles des Düsseldorfer Rheinufers, die Halenanlagen und den Kopf der neuen festen Rheinbrücke durch ein großes, einheitliches monumentales Bau­werk zu verbinden, welches der schönen Stadt am Niederrhein ein schönes Ufer und gleichzeitig Schutz vor dem Hochwasser gewähren sollte. Dank der energischen und schnellen Arbeit der Firma Philipp Holzmann u. Co., Frank'urt und der sach­kundigen Leitung des städtischen Wasserbauinspektors Ott- mann wurde das gewaltige Werk in weniger als 3 Jahren vollendet. Der grundlegende architektonische Entwurf, der für die Wahl des unmuthig wirkenden Steingeländers bestimmend blieb, stammt von dem Architekten Otto Eberlein-Köln. Die weitere Ausführung übernahm der rühmlichst bekannte jetzige Beigeordnete R a d k e, der Schöpfer des deutschen Hauses der Pariser Weltausstellung. Zierliche Thürmchen und Ausbauten, theils zu Restaurationszwecken, theils für andere praktische Zwecke, z. B. für Uhren u. dergl. verwendet, be­leben hier die sonst zur Eintönigkeit neigenden Linien der Werft. Die Anlage einer unterkellerten, breiten Uferstraße oberhalb der unteren, ausschließlich zu Zwecken des Güterver­kehrs bestimmten Uferstraße war ein glücklicher Gedanke; die

und Landwirth Kaspar Heck in der I. Klasse wieder­gewählt. Außerdem wurde von der I. Klasse, an Stelle des kürzlich zum Schöffen und Beigeordneten gewählten Land- wirths Heinrich Lind, der Landwirth Heinrich Göbel neu gewählt.

)( Rückinqen, 10. März. (K ir ch en orgel.) Heute kam die für unsere neue Kirche bestimmte Orgel hier an. Mit der Montirung routae alsbald begonnen. Das Werk wird geliefert von der bekannten Orgelbauanstalt Katzmann zu Gelnhausen. Es erhält 19 Register. Wie man hört, soll die Orgelweihe am Palmsonntags stattfinden.

Aus dem Gerichtssaal.

Sitzung der Strafkammer I vom 11. März.

Wilderer.

Der Landwirth L. von Ziegelhütte und der Bauernsohn S von Dietershof werden aus "der Untersuchungshaft vorgeführt und sind angeklagt, das Wildern gewerbsmäßig, gemeinschaft­lich mit Schlingen in Wäldern zur Nachtzeit und während der gesetzlichen Schonzeit betrieben zu haben. Die Förster fanden in dem Jagdrevier auf den Feldern des L. mehrfach Schlingen ausgelegt und ertappten schließlich den Angeklagten L. als er sich einen in einer Schlinge gefangenen Hasen holte. Bei der körperlichen Visitation wurde auch noch ein ausein- andergenommenes Gewehr und Patronen bei ihm gefunden. Es stellte sich dann heraus, daß er mit dem S. gemeint chast- lich die Jagd ausgeübt hatte, er soll in einem Jahre allein für 300 Mk. Wild nach Schlüchtern verkauft haben. Heute erzählen die Beiden allerlei Märchen und widerrufen frühere Geständnisse. S. wurde von Herrn Geheimrath Dr. Sunckel auf seinen Geisteszustand untersucht, weil er ein fast blöd­sinniges Benehmen zur Schau trägt; der Sachverständige er­klärt, der Angeklagte sei zwar beschränkt, aber immerhin ver­antwortlich für seine Thaien. Vielleicht könne man ihn etwas milder beurtheilen, weil er verbrecherischen Versuchungen nicht den moralischen Widerstand entgegensetzen könne, wie ein geistig höher stehender Mensch. Die Gewerbsmäßigkeit konnte den Angeklagten nicht nachgewiesen werden, dagegen die übrigen Qualifikationen (Schlingenstellen, zur Schonzeit rc.). L. erhält wegen gemeinschaftlichen Jagdvergehens 2 Monate Gefängniß, S. der auch noch dem Förster thätlichen Widerstand entgegen« setzte, 3 Monate Gefängniß. Die Strafen gelten durch die seit November erlittene Untersuchungshaft als verbüßt.

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Sitzung des Hauauer Schöffengerichts vom 1L März.

Der Taglöhner N. von hier erhält eine Woche Haft, weil er sich auf den Namen seines Arbeitgebers von einem Mctz- germeister Waaren für seinen eigenen Bedarf entlehnte.

erwähnten Unterkellerungen bieten dem unten schaffenden Han­del und Wandel ausreichende Stapelräume.

Eine über das lokale Gebiet weit hinausragende Bedeutung hat das zweite Ereigniß, das heute alle Gemüther bewegt. Düsseldorf, die uralte Kunststadt, die einst mit ihrem Ruhm die ganze Welt erfüllte, die so manche Künstlergeneration, und so manche Künstlerschule hinaussandte, ja lange Zeit an der Spitze der deutschen Kunststädte stand, dieses Düsseldorf, dar­über gibt man sich hier ehrlicher Weise keiner Täuschung hin, hatte in den letzten Jahren nicht nur die führende Stellung verloren, sondern im Range der deutschen Kunststädte eine seiner wahren Bedeutung, seinem wahren Können geradezu hohnsprechend niedrige Stufe erhalten. Dieser Vorgang, der zunächst nur lokrle Interessen zu schädigen drohte, bedeutete aber weiterhin für die deutsche Kunst als solche einen empfind­lichen Verlust. Sind doch gerade hier am Niederrhein beide, die idealen und materiellen Voraussetzungen des Gedeihens der schönen Künste in so reichem Maße vorhanden, wie kaum anderswo im deutschen Reich. Uralte Kunstdenkmäler zeugen von dem tief eingewurzelten Schönheitssinn der Bevölkerung, eine blühende Industrie bietet die materiellen Bürgschaften. Der Grund aber für jenen Rückgang, nicht der Düsseldorfer Kunst, sondern ihres Ansehens, war unschwer zu finden. Eine gewisse Genugthuung gewährt der Düsseldorfer Künstler- schaft der Gedanke, daß nicht ideelle Mängel, nicht Ver« irrungen ihres Entwickelungsganges, nicht ein Nachlassen ihres Wollens und Könnens den Grund bilden, sondern eine Reihe von Thatsachen rein materieller Natur. Die mo­derne Entwickelung des Ausstellungswesens, des Kunst­handels und damit der .Kunstproduktion ist eS, die Düsseldorfs alten Ruhm zu untergraben begonnen hatte. Die ganze neuere Kunstentwicklung spielte sich mehr und mehr auf den modernen Kunstausstellungen ab, diesen großen Märkten, denen sich der Kunsthandel und vor allem auch die Presse an« pasten. Düsseldorf konnte mit dieser Entwicklung des Aus­stellungswesens fast ausschließlich nur aus dem einen Grunde