Erstes Blatt.
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Eiurnckungsgebühvt
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Psg., für auS- Wartige Abonnenten mit dem betrefsenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdrucker« des verein, ev.
Waisenhauses in Hanau. '
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Berantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Nr. 2 8 9. Fernsprectans« Nr. 605. DoNNersLast den 11. Dezember Fernsprechanschluß Nr. 605. 1902
Amtliches.
Landkreis Danau.
Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
Im Mai d. Js., abends 10’/i Uhr wurde ein Pferdefuhrwerk in der Nähe des Ueberaanges der Staatsstraße Hanau—Gelnhau'en bei Station Lieblos auf dem Bahndamm haltend aufgefunden, dessen Führer eingeschlafen war, und nicht bemerkt hatte, daß sein Pferd vom Fahrweg abgelenkt und ein Stück in die Bahnstrecke eingebogen war. Bei der völligen Finsterniß wäre es kaum möglich gewesen, den herannahenden Personenzug noch rechtzeitig zum Halten zu bringen und so die Zertrümmerung des Fuhrwerks und die schwere Ver- unglückung des Fuhrmanns und seines Pferdes zu verhüten, wenn nicht seitens eines Mannes, der von der Straße aus die gefährliche Lage erkannt hatte, der Station eiligst Mittheilung gemacht worden wäre, sodaß das Bahnpersonal unter Hilfe zweier Reisender das Fuhrwerk noch entfernen konnte.
Auch der Personenzug und seine Insassen waren hierbei großer Gefahr ausgesetzt. . . ■
Dem Melder der vorliegenden Gefahr ist seitens der Königlichen Eisenbahnverwaltung eine Belohnung bewilligt und der betreffende Fuhrmann ist seitens des Königlichen Landgerichts zu Hanau auf Grund des § 316 des Strafgesetzbuches wegen fahrlässiger Gefährdung eines Eisenbahntransportes verurtheilt worden.
Ich mache dies zur Warnung für die Führer von Fuhr- werken hiermit öffentlich bekannt.
Hanau den 6. Dezember 1902.
Der Königliche Landrath.
5VNr. 11975 v. Beckerath.
Der Metzgermeister Karl Kreis in Grotzauheim beabsichtigt auf seinem dortigen Grundstück Kartenblatt Q Nr. 667/149 — Brandversicherungs-Nr. 4 — ein nettes Schlachthaus zu errichten.
Es wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Einwendungen gegen die Anlage, zu welcher die Zeichnungen und Beschreibungen im Bureau des Kreis-Ausschusses hier offen liegen, binnen 14 Tagen, vom Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet, hier anzubringen sind.
Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird Termin auf
Samstag den 3. Januar 1903, vormittags 10 Uhr, tn das Bureau des Kreis-Ausschusses anberaumt und werden die Interessenten mit dem Bemerken vorgeladen, daß im Falle des Nichterscheinens gleichwohl mit der Erörterung der erhobenen Einwendungen vorgegangen werben wird.
Hanau den 8. Dezember 1902.
Der Vorsitzende deS Kreisausschusses.
Der Königliche Landrath.
J91r. A5058 v. Beckerath. 22234
Stadtkreis Kanau. Bekanntmachungen des Oberbiirgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Wir haben mit Zustimmung der Stadtverordneten-Ver- sammlung eine Aenderung der Gebührensätze für das Pumpen und die Abiuhr der Latrine beschlossen und zwar sollen vom 1. Januar 1903 an folgende Gebühren erhoben werden:
1. für das Pumpen von je 1000 Liter = 1 cbm Latrinen- masse ein Pumplohn von 60 Pfg.
2. für die Abfuhr von 1 cbm (1000 Liter) Latrinenmasse, die nicht schwerer als 20° nach dem Leck'schen Aräömeter ist, ein Abfuhrlohn von 1,20 Mark.
Die Berechnung erfolgt nach einzelnen Kubikmetern, ein ««gefangenes Zehntel wird für voll gerechnet; Pfennigbruch- theile werden nach oben abgerundet.
Die frühere Eintheilung der Latrinenmasse nach der Qualität in drei Gruppen kommt hierdurch in Fortfall.
Hanau den 9. Dezember 1902.
Der Magistrat.
_________Dr. Gebeschu 8.22203 Gcsiindciic und verlorene Gegenstitildc rc.
Gefunden: 1 kleines Taschenmesser mit Perlmutter- schalen, 1 brauner Herren-Umhang, 1 Kontobuch mit dem Namen Eoert.
Verloren: 1 Portemonnaie mit ca. 8 Mark Inhalt, 1 neuer brauner Herren-Handschuh, 2 Spitzenbarben, 1 Koffer mit Wäsche auf der Straße Niederissigheim—Hanau.
LsililvirthschaftWtt Mmin Am.
Nächste Versammlung Samstag den 13. Dezember d. Js., nachmittags 2'/» Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen hier.
Tages-Orbnttng:
1. Geschäftliche Mittheilungen.
2. Neuwahl des Vereinsvorsitzenden.
3. Vortrag des Kerrn Direktor Wagner an der land- wirihsch. Winterschule zu Gelnbausen über die Kraft- futterstoffe in ihrer Bedeutung für die Fütterung des Milchviehes und die Zubereitung der Futterstoffe.
4. Wahl der Rechnungs-Revisoren.
5. Sonstige Mittheilungen.
Der Borstand. 21961
Hue Stadt und Land.
Hanatt, 11. Dezember.
* Sprechverkehr. Fortan ist Hanau und die Post- agentur in Dörnigheim zum Sprechverkehr mit folgenden Orten zugelassen: Arnstadt, Marlishausen, Ilmenau Rosa (Sa.-Mein), Elgersburg, Eisenach, Hotzelroda, Stockhausen (Gzth. Sachs.), Erfurt, Waldschösschau, Mühlhausen (Thür), Hönged«, Nordhausen, Vielen, Großwerther, Hesferode, Salza (Harz), Rudolstadt, Schwarz« (Saalbahn), Volkstedt (Schwarzb.- Rud.), Suhl, Albrechts, Goldlauter, Heinrichs (Thür), Lauter bei,H.uhl.
* Hanauer Gssschichtsverein. Ganz gewiß ist schon manchem Altstädter und Manchem, , der in der Altstadt zu thun hatte, aufgefallen, daß zwischen Tiefestraße und Metzgerstraße keine direkte Verbindung besteht. Namentlich sollte man meinen, daß von dem Hofe, der sich an den Johanniskirch- platz «»schließt, ein Gäßchen nach der Metzgerstraße führen sollte. Nun, das Gäßchen hat bestanden nnb hieß die Löffelgasse ; es war überbaut und glich also mehr einem Durchgang. Auf alten Plänen der Altstadt ist es verzeichnet. Nun ist auch im Kreuterschen Hanse (Metzgerstraße 8. u. 10) der Schlußstein des steinernen Thorbogens gefunden worden, welcher an jener Stelle die Gasse abschloß, welche schon lange vollständig verbaut ist. Der Stein, der die Jahreszahl 1582 und einen ausgehauenen Löffel zeigt, ist von der Familie Kreuter dem Vereine überwiesen worden. — Es haben außerdem noch folgende Schenkungen stattgefunden: Herr Bernhard Gerhard (Hirschstraße) überwieS 1 Tschako und 1 Epaulette von der Bürgergarde (Zeit von 1834—1850); Herr Wilh. Berthold (Marktstraße): ■ eine kolorirte Darstellung „Der Abend vor dem Constitutionsfeste, 8. Januar 1831"; Herr Karl Helbig: 1 Hanauer Mühl-Ordnung von 1727; 1 Neu-Hanauer Bürger-Ordnung von 1727; 1 „Fuldische wöchentliche Polizei-Commerzien- und Zeitungs- Anzeigen, Nr. 52 Jahrgang 1780". — Allen freundlichen Geben sei der herzlichste Dank des Geschichtsvereins ausgesprochen. Es kann weiter mitgetheilt werden, daß die Vorbereitungen, um im Laufe des nächsten Jahres dem Publikum die Erinnerung an die Bürgergarde möglichst lebendig vorzu- führen, im Gange sind, und wenn nicht alles trügt, wird vielleicht sogar der 2. Oberstock des Rathhauses, in welchem die jüngere Vergangenheit Hanaus eine Heimstätte finden soll, zugänglich gemacht werden können.
P.-A. Altstadt-Jubelfeier. In der gestern Abend abgehaltenen konstituirenden Sitzung des Preß-Ausichuffes für die Altstadt-Jubelfeier wurde berichtet, daß die Einzel-Ausschüsse tüchtig arbeiten, um in aller Kürze die Einzelheiten des Programms dem Central-Ausschusse vorlegen zu können. Nach den Vorarbeiten des Vergnügungs-Ausschusses zu urtheilen, steht eine prächtige Feier zu erwarten, würdig der Kunststadt Hanau. — Der Preß-Ausschuß wählte zu seinem Vorsitzenden Herrn Bibliothekar Dr. Q u i l l i n g, zum stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Zeitungsverleger Loß- b e r g e r, zum Schriftführer Herrn Redakteur S ch r e ck e r, und ergänzte sich durch Zumahl der Herren Akademielehrer Wenig und Z i m m e r m a n n, Kaufmann Weift, Zeichner H. H u m m e l.
* Drucksachen - Ausstellung. Der für diese Ausstellung gebildete PreMus^chuß erläßt nachstehende Mittheilung : Auf Anregung des Verbandes der deutschen Buchdrucker, Ortsverein Hanau, hat sich ein Komitee unter dem Vorsitze der Herren Prof. Wiese und Buchdrucker Möbius gebildet, das beabsichtigt, in den von der Direktion zur Verfügung gestellten Räumen der Königl. Zeichenakademie während der Osterierien 1903 eine Drucks« chen-Ausstellung zu veranstalten. Sie soll im Anjchlnß an die vorangegangenen verwandten Ausstellungen in anderen Städten die Fortschritte
darlegen, die der Buchdruck und die vervielfältigenden Künste genommen haben; sie soll sowohl belehrend wie anregend aus die Fachleute und auf die Bevölkerung wirken. Da bereits zahlreiche Zusagen und Ueberweisungen von Hanauer, auswärtigen und ausländischen Firmen auf erste Anfragen eingelaufen sind, steht eine lebhafte Betheiligung qn der Ausstellung und eine umfassende Darbietung auf dem Felde des Druckes und des Buchgewerbes mit Sicherheit zu erwarten.
* Stadttheater. „Gast spiel: Schall und Rauch." Serenissimus wird also heute die Stadt Hanau mit seinem Besuche beehren und Kindermann sein treuer Adjutant, wird ihm folgen. Wir werden den gutmüthigen, strengen Herrn nun von Angesicht zu Angesicht kennen lernen, der den Deutschen seit Jahren durch seine geistreichen Aus spräche kein Fremder mehr ist. Er wird den Veranstaltungen des Theaters Schall und Rauch beiwohnen und vermuthlich auch hier seiner Gewohnheit gemäß den Regisseur, die Schauspieler und den Dichter Huldvollst anzusprechen geruhen. Die Loge von Serenissimus befindet sich auf der Bühne, sodaß Hochdieselben dem ganzen Publikum sichtbar sind.
* II. Abonnemeuts-Coneert „Centralhalle". In dem sm 18. cr. stattfindenden 2. Abonnements - Concert, welches diesmal auf vielseitiges Verlangen erst um 8 Uhr beginnt, wirken außer dem berühmten Violinvirtuosen Willy Burmester eine junge Engländerin Fräulein Lilli Schlesinger, Concertsängerin (Schülerin der bekannten Sängerin Ernestine Epstein, Frankfurt a. M.) und Herr Lill E. Hafgren mit. Alles Nähere ist aus dem aussührlichen Programm, welches wir morgen veröffentlichen, ersichtlich.
* Silberne Hochzeit feiern heute Louis Herbert und Frau.
* . * *
X. Langendiebach, 10. Dezbr. (Jag d.) Bei der hier abgehaltenen Treibjagd wurden276 Hasen geschossen. Wie wir hören, wird im Laufe des nächsten Monats die hiesige Gemeindejagd, welche als eine der schönsten und ergiebigsten Jagden des Kreises bekannt ist, auf weitere 6 Jahre neu verpachtet. Die jetzige schon hohe Pachtiumme dürfte sich diesmal no$ erhöhen, da mehrere zahlungsfähige Liebhaber auf die . Jagd reflektiren. Für unseren Gemeindejäckel sehr erfreulich !
Aus dem Gerichtsfaal.
Oitzttnü der Strafkammer n vom 10. Dezember.
Verschiedenes.
Der Kaufmann W. zu Hünfeld soll sein Dienstmädchen dadurch bedroht haben, daß er ihm mit dem Meffer in der Hand in drohender Haltung entgegentrat. Das Dienstmädchen war mit der Hausfrau uneinig geworden und gab ihr aus eine Frage keine Antwort, worauf sie der Angeklagte auffor- derte, doch wenigstens zu antworten, wenn sie gefragt werde. Daß er dabei ein Messer in der Hand gehabt habe, will der Angeklagte ni$t einmal mehr wissen, wenn aber, dann sei es eine reine Zufälligkeit gewesen. Die Strafkammer erkennt ebenso wie das Hünfelder Schöffengericht auf Freisprechung. — Der Dienstknecht E. von Salmünster war vom Schöffengericht zu einer Gefängnißstrafe verurtheilt worden, weil er einen Zeugen verprügelt hatte. Seine Berufung gegen dieses Uriheil wird verworfen. — Am 26. Januar war zu Rhina in einer Wirtschaft Tanzmusik, zu der sich eine Anzahl Burschen aus Oberstoppel eingefunden hatten. Den Anlaß zunl Streit gab diesmal der Umstand, daß die Ober- stoppeler Burschen sich mit dem Rhinaer Tanzkomitee nicht über die Höhe des zu leistenden Beitrags an die Musik einigen konnten. Sie wollten nur 50 Pf. pro Person zahlen, während die Rhinaer 70 verlangten. Da nun die Oberstoppeler nicht tanzen durften, stellten sie sich mit Stöcken in den Tanzsaal und sangen Lieder, was die Rhinaer dadurch zu verhindern suchien, daß sie im geeigneten Moment die Musik einsetzen ließen. Schließlich wurden die Gemüther so erhitzt, daß bald die übliche Keilerei im Gange war. Die Oberstoppeler schlugen tüchtig auf die Rhinaer und umgekehrt die Rhinaer auf die Oberstoppeler, bis der Gendarm erschien und der Schlacht ein Ende machte. Von beiden Parteien halten je zwei Mann blutige Kövfe mit Beulen und sonstigen Andenken davongetragen. In dem üblichen Nachspiel vor dem Schöffengericht zu Burg- Haun wurden die zwei Rhinaer Angeklagten freigesprochen, die beiden Oberstoppeler Angeklagten erhielten je 2 Monate Gefängniß. Die Letzteren haben Berufung eingelegt und behaupten, sie hätten lediglich Angriffe abgemehrt. In der langen Verhandlung kann nicht festgestellt werden, wer der eigentliche Angreifer war, und so werden auch diese Beiden freigesprochen. — Der Hüttner nnb Holzarbeiter G. von Maiersbach wurde noin Forstaufseher dabei betroffen, wie er ein Reh geschossen