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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für AuSwärtS 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kam«.
»Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecke« in Hanau,
$?T, 84 Fernsprechanschlnß Nr. 605.
Freitag den 11. April
Fernsßrechanschluß Nr. 605
1902
Amtliches.
Candkreis Ranau.
dekanntmachunqen des Königl. Landrathsamtes.
Die Herren Bürgermeister erinnere ich an meine Verfügung vom 2. Oktober 1900, nach welcher mindestens einmal im Jahr eine Revision der Geschäftsbücher der Vermiltelungsagenten für Jmmobiliaroerträge (Immobilienmakler) vorzunehmen ist.
Hanau den 7. April 1902.
Der Königliche Landrath.
J V 3308 I. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.
An die betreffenden Herren Bürgermeister.
Die Einreichung der Zählkarten über die im I. Quartal 1902 stattgehabten Brände wird hiermit in Erinnerung gebracht und bis zum SO. d. Mts. bestimmt erwartet.
Fehlanzeigen sind nicht erforderlich.
Hanau den 8. April 1902.
Der Königliche Landrath.
V 3305 I. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.___________
Stadtkreis Banau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung»
Bei der beginnenden Bauthätigkeit machen wir darauf aufmerksam, daß nach den Bestimmungen im § 24 des Bau- Unfallversicherungsgesetzes vom 30. Juni 1900 in der Fassung der Bekanntmachung vom 5. Juli,1900 Unternehmer von Regiebauten Arbeits-Nachweisungen bei der unterzeichneten Behörde einzureichen haben.
Als Unternehmer eines Regiebaues gilt Jeder, welcher nicht ein Baugewerbe im Jnlande betreibt, also nicht Mitglied einer Bau-Berufsgenossenschaft ist, ob er die Kenntnisse und Fertigkeiten dazu besitzt oder nicht.
Unternehmer, welche der oben erwähnten gesetzlichen Verpflichtung nicht rechtzeitig nachkommen, können in eine Ordnungsstrafe bis zu 100 M. genommen werden.
Wegen der Form der einzureichenden Rachweisungen verweisen wir auf die Bekanntmachung des Reichsverstcherungs- amtes vom 12. Dezember 1887 (Amtsblatt von 1888, S. 5), abgedruckt im „Hanauer Anzeiger" vom 3. Dezember 1888, Nr. 283 u. ff.
Hanau den 7. April 1902.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschu 8.______________6587
Zwangsversteigerung.
Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die besteht in Ansehung des in Wachenbuchen belegenen, im Grundbuche von dort Band VII Artikel 402 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des
1. Johannes Giesel, Johannes Sohn,
2. Ackermann Wilhelm Giesel, beide von Wachenbuchen, je zur ideellen Hälfte eingetragenen Grundstücks:
M 168, Unterste Bachgasse, Haus Nr. 96,
a. Scheuer mit Hofraum, 3 ar 63 qm, M dies Grundstück
am 4. Juni 1902, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz 18, Zimmer Nr. 14, versteigert werden.
Hanau den 5. April 1902.
Königliches Amtsgericht 2. 6576
Gesundem und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Theater-Billet, I. Rang-Loge, zur 9. Vorstellung. 1 Griffelköcher mit dem Namen Krafft und 1 Fibel. 1 weiße seidene Kinderkapuze mit blauem Band. 1 Stück graue Schnur und ^2 Meter seidene braune Litze, mit tinem Zettel Jac. Wiedersum Nachf. Im Laden Marktplatz 15 1 DoublS-Bro'che liegen geblieben, Empfangnahme daselbst.
Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, m. Geichl.
Vom Wasenmeister am 10. d. Mts. eingefangen: 1 weißer Bernhardinerhund mit rothen Abzeichen, m. Geschl.
Oanau den 11. Avril 1902.
Die Eisenbahncil im Abgcordnctenhausc.
Am Mittwoch standen die Eisenbahnen vor dem Richter- stuhl des Abgeordnetenhauses. Der dem Hause vorgelegte Etat der Eisenbahn-Verwaltung gab Gelegenheit, unser ge-
sammtes Eisenbahnwesen einem allgemeinen Ueberblick zu unterwerfen. Die hierbei geübte Kritik fand zwar auch Schattenseiten an den preußischen Staatsbahnen, die Anerkennung aber überwog doch in dem Maße, daß das, was einzelne Redner als Mängel zur Sprache brachten, thatsächlich in bett Schatten treten mußte.
Auch diesmal wurde, wie vorauszusehen war, der alte Wunsch verlautbar, daß die Eisenbahn-Finanzen von den allgemeinen Staatsausgaben scharf getrennt werden, während gegenwärtig bekanntlich die Ueberschüsse der Eisenbahnen theil- weise für die allgemeinen Staatszwecke Verwendung finden. Die Frage ist nicht lediglich vom finanztechnischen Gesichtspunkte zu beurtheilen, sondern greift in die Verhältnisse der gesunden Volkswirthschaft hinüber. Die Absonderung der finanziellen Erträge der Eisenbahnen vom allgemeinen Staatshaushalt müßte zunächst zur Folge haben, daß auf der einen Seite gewaltige Ueberschüsse sich anhäufen, auf der anderen Seite durch den Ausfall der bisherigen Zuschüsse ein tiefes Loch entsteht, dessen Ausfüllung ein Kunststück wäre, für welches noch Niemand eine befriedigende brauchbare Lösung hat in Vorschlag bringen können.
Die Deckung des Defizits, welches bei den allgemeinen Staatsausgaben infolge des Ausbleibens der Reinerträge der Bahnen entstehen müßte, macht nun freilich den parlamentarischen Finanzpolitikern nicht allzu viel Sorge, hingegen liegt ihnen umso mehr die Nutzbarmachung der Eisenbahn- Ueberschüsse für weitere Tarif-Ermäßigungen am Herzen. Wieweit unter Umständen mit Herabsetzungen der Güterund Per'sonen-Tarife nach unten zu gehen wäre, lasten die Freunde der Tarif-Reformen vorläufig dahingestellt; die Vermuthung erscheint aber naheliegend, daß sie eine unterste Grenze überhaupt nicht anerkennen möchten. Als Stütze für das Verlangen nach Derbilligung der Fahrpreise wird stets geltend gemacht, daß erfahrungs- mäßig ebenso wie neue Bahnen auch neue Tarife häufig nicht nur keine Verringerung, sondern eine Steigerung der Eisen- bahn-Einnabmen durch stärkere Inanspruchnahme der Verkehrsmittel zur Folge haben. Das ist in gewissem Maße richtig, gilt aber nur für solche Fälle, die den schlummernden Ver- kehrsbedürfniffen angepaßt sind.
Die hier berührten Grundfragen unseres Eisenbahnwesens standen am Mittwoch im Mittelpunkte der parlamentarischen Erörterung. Die Minister für Eisenbahnen und Finanzen traten den Wünschen nach weitgehenden Reformen mit Hinweisen auf die Wichtigkeit, ja Unentbehrlichkeit der Eisenbahneinnahmen für die allgemeinen Staatsabgaben und das Bedenkliche beliebiger Tarif-Ermäßigungen entgegen. Unsere Eisenbahntarife sind im Uebrigen kein starres Gebilde, sondern unterliegen fortgesetzt einer den veränderten realen Verhältnissen angepaßten Umarbeitung. Die Eisenbahnverwaltung ist auch willens, wie u. A. die kürzlich eingeführte Neuordnung der Rückfahrkarten erkennen läßt, verständigen Verkehrs-Er- leichterungen und Tarif-Ermäßigungen die Wege zu bahnen, zu radikalen Maßnahmen hingegen, wie sie beispielsweise von der äußersten Linken befürwortet wurden, will und kann sie die Hand nicht bieten. Man wird auch zugeben können, daß noch manche nützliche Reform ihrer allmählichen Verwirklichung harrt, im Großen und Ganzen aber wird der gegenwärtig gegebene Rahmen innezuhalten sein. Jedenfalls hat das preußische Eisenbahnwesen in. seiner derzeitigen Verfassung den Vergleich mit keinem Eisenbahnsystem anderer Staaten zu scheuen. Das war im Wesentlichen das Ergebniß der Verhandlungen im Abgeordnetenhaus für Diejenigen, welche mit einem gerechten Maßstab zu messen sich angelegen sein lassen.
Hub Stadt und Cand.
Hanau den 11. April.
2 Dritte Planstelle an der Marienkirche. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, ist die dritte Pfarrstelle der Marienkirche vom 1. August d. I. ab dem seitherigen Garnisonspfarrer in Mainz, HerrnWohl- fahrt, übertragen. Es fand diesmal die Besetzung nicht direkt durch das Konsistorium zu Cassel statt, sondern durch Mitwirkung des Kultusministeriums zu Berlin. *
* Gouvernementspfarrer. Der evangelische Missionspfarrer Lic. theol. Wilhelm Schüler, geborener Kurhesse, ist zum Gouvernementspfarrer beim Kaiserlichen Gouvernement von Kiautschou ernannt worden.
* Musterung. Samstag den 12. April: Musterung der Militärpflichtigen der Stadt Hanau, welche im Jahre 1881 gekoren sind und deren Familiennamen mit dens Buchstaben G bis einschließlich Z beginnt.
♦ Gesellenprüfung. Diejenigen Lehrlinge des Stadt- und Landkreises Hanau, welche das Weißbinder-, Maler- und Lackirer-Handwerk erlernt und ihre Lehrzeit dieses Jahr been
det^ haben, müssen sich spätestens bis zum 1. Mai d. I. zur Prüfung melden. Gehilfen älterer Jahrgänge, welche späterhin die Berechtigung zur Ausbildung von Lehrlingen, sowie zur Erlangung des Meistertitels erwerben wollen, können sich ebenfalls zu den stattfindenden Prüfungen melden. Die Anmeldung hat bei Herrn Heinrich Fucker, Weißbindermeister, Nordstraße 13 dahier, zu erfolgen.
F. Oberkriegsgericht des 18. Armeekorps. Der vor einigen Wochen wegen Mißhandlung Untergebener in 103 Fä llen, vorschriftswidriger Behandlung in 5 Fällen und Mißbrauchs der Dienstgewalt vom Kriegsgericht der 2L Division zu 1 Jahr Gefängniß und Degradation verurtheilte Unteroffizier Richard Krafft von der 2. Komp. 88. Jnf.- Regts. (Mainz), gebürtig aus Brandoberndorf, Kr. Usingen, hat gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt, die sich hauptsächlich gegen die Höhe der Gesammlstrafe und gegen die Degradation richtet. Auch bestreitet er, die Leute von der Beschwerdeführung abgehalten zu haben. Einige andere Punkte des ersten Urtheils, die er angefochten hat, sind unwesentlich. Das Oberkriegsgericht kam zu denselben Feststellungen wie daS Kriegsgericht und verwarf die Berufung in ihrem vollen Umfange. Auch bei der Degradation hat es sein Bewenden. Krafft hat bis zum 30. September 1906 als Gemeiner nach- zudienen, da er sich als Unteroffiziersschüler auf 8 Jahre verpflichtet hat.
* Monatsoper in Hanau. Heute Freitag geht, wie bereits mitgetheilt, erstmalig Millöcker's „Verwunschenes Schloß" in Szene, die Schwesteroperette vom „Bettelstudent", welche sich diesem getrost an die Seite stellen kann. Das Werk ist für Hanau neu, behandelt ein reizendes Sujet und entwickelt gesunden Humor. — Sonntag: Erstaufführung von „Waldmeister".
* * *
V Laugendiebach, 11. April. (Zum Leichen- f u n d.) Die Besichtigung der dahier in der Fallbach gefundenen Leiche hat ergeben, daß ein Verbrechen, wie vielfach angenommen wurde, nicht vorliegt, vielmehr ein Unfall stetige# funden hat. Heute findet die Sektion der Leiche statt.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 11. April, 9 Uhr 40 Min.
Ein Maximum über 775 mm erstreckt sich von Jnner- rußland bis Mittelskandinavien, eine Depression vom Ozean bis zur Mitte Kontinentaleuropas, unter 755 mm über dem Biscayasee. In Deutschland ist das Wetter trübe, im Norden heiter, im Binnenland wärmer.
Prognose für den 12. April: Meist wärmeres Wetter, in Süden stellenweise Niederschläge wahrscheinlich.
Barometerstand
mittags 12 Uhr am 10./4.
11./4.
Sehr trocken Beständig
Schön Veränderlich
Regen (Wind)
Viel Regen Sturm
Hanauer Uereins- u. Uergnügungsuachrichteu
für Freitag den 11 April
Verein für gemeinnützige Zwecke: Abend» 7 Uhr: Ordentliche Generalversammlung im Verein6 iofal Frankfurterstraße 16.
MonatSover in Hanau: „Dar verwunschene Schloß", Operette in 3 Akten von Millöcker; Anfang 7", Uhr.
Gesangoerein .Tonbluthe": Abend« 81/* Uhr: Generalprobe in der „Centralhalle".
Evang. Männer- und JünglingSverein: UnterhaltungSabend (Evans. VereinShauS).
MerkeS'scher Stenographen- Verein: FortbildungSkursuS im Restaurant „zur Sonne"
Turn- u. Fechtklub: Fechten und Turnen.
Klub der „Harmlose»": Gemüthl. Zusammenkunft im „Frankfurter Bau".
Verein für Homöopathie und Naturheilkunde: VereinSabend in der „goldenen Gerste".
Männerabtbeilung der Turngemeinde: Turnen.