anauer M Anzeiger
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General-Anzeiger
««t?^^ Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Hanau
LaffenhaufeZ in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Kinrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanan 10 Pfg. die fünf« . gefpalrene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
^T. 35 Bezlrks-Fernsprechanschlnß Nr. 98.
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Amtliches.
Candkreis ßanau.
Bekanntmachnnqen des Köniql. Landrathsamtes.
Der Domänenpächter Vogelweier ist zum zweiten stellvertretenden Gutsvorsteber für den aus den domänenfiskalischen Gutsbezirken Wilhelmsbaderhof und Wilhelmsbad gebildeten domänenfiskalischen Gutsbezirk Wilhelmsbad bestellt worden.
Hanau den 8. Februar 1902.
Der Königliche Landrath.
A 710 v. Scheück.
BekanntMachung.
Gemäß Verfügung der Kaiserlichen Ober-Postdirektion in Cassel vom 5. d. Mts. sind fernerhin für Ferngespräche, welche mit den öffentlichen Fernstirechstellen in Langendiebach, Rückingen, Niederrodenbach und Hüttenoeiäß hier gewechselt werden, die Gebühren wie für Stadtgespräche zu erheben. Danach werden für Gelpräche von den zur Stadt- fernsprecheinrichtung Bier gehörenden Theilnehmersprechstellen aus teine Gesprächsgebühren, von den öffentlichen Sprech- stellen hier, in Langendiebach, Rückingen, Niederrodenbach und Hüttengesäß aus nur 10 Pfg. an Gesprächsgebühren erhoben. Denselben treten unter Umständen noch 25 Pfg. für das Herbeirufen des gewünschten Tbeilnehmers hinzu.
Langenselbold den 10. Februar 1902.
Kaiserliches Postamt.
B l u m.
Hue Stadt und £and.
Hauau, 11. Februar.
* Reichsbauknebeustelle. Am 1. März ds. Js. wird in E u s k i r ch e n eine Reichsbank-Nebenstelle eröffnet werden.
* Wilhelm Dietz P. Im 87. Lebensjahre stehend, verschied am Samstag Morgen der pensionirte Real-Gymnasiallehrer Wilhelm Dietz. Mit Wehmuth wird der kleine Kreis seiner Altersgenossen und jüngeren Freunde, in dankbarer Liebe die zahlreiche Schaar seiner ehemaligen Schüler inStadt- und Landkreis Hanau, in Frankfurt a. M. und im fernsten Auslande (England, Amerika, Japan) dieses nun Heimgegangenen wackeren Mannes gedenken. Nach Vollendung seiner Schul- und kaufmännischen Lehr-Zeit in Hanau verbrachte der Verblichene mehrere Jahre zu seiner weiteren Ausbildung im Ausland und eignete sich gründliches Können fremder Sprachen und Handclswissenschafi an. Die Ereignisse des Jahres 1848
Feuilleton.
Anekdoten nus der Höhere» MiMduug.
Mitzverftändnitz.
Das Fuldaer Ländchen war ehedem ein kleines geistliches Fürstenthum, hatte wenig Soldaten und keine hohe militärische Chargen. Daher Habens die Fuldaer niemals zu Obersten oder Generalen bringen können. Einer ist aber doch durch Mißverständnis; General geworden. Dies kam so. Bei der Wiederherstellung des Bisthums Fulda im Jahre 1829 hatte der Kurfürst den katholischen Pfarrer Johann Adam Zieger in Cassel als ersten Bischof ernannt und dem Papst zur Bestätigung vorgeschlagen. Der Papst beauftragte den Generalvikar von Kempf mit der Führung des Jnformationsprozesses, d. h. mit der Untersuchung und Feststellung, ob biete zum Bischof vorgeschlagene Pfarrer auch zu dem Amte tauglich sei. Zu diesem Zwecke fuhr Herr v. Kempf in eigenem Wagen nach Cassel." Da war es nun Sitte, daß am Tbore von dem wachthabenden Unteroffizier jeder Zureisende nach Name, Stand und Verrichtung examinirt wurde, was Alles dem Kurfürsten raporttrt und auch veröffentlicht wurde. Diesem Examen unterwarf sich auch der Generalvikar von Kempf, der Unteroffizier schrieb ihn aber auf als General Fikar von Genf. Dieses Mißverständniß soll dem Kurfürsten Wilhelm IL viel Spaß gemacht haben.
Noch ein Mitzverftänndih.
(Gerichts-Anckdote.)
Im Jahre 1859 stand vor dem Schwurgericht zu Fulda ein Tagelöhner aus dem Haungrunde, der sich an einer Schlägerei beiheiligt hatte. Der Präsident des Schwurgerichts verlas den Anklageakt und nahm das Verhör mit dem Angeklagten und den Zeugen vor. Hierauf sprach der Staatspro
Dienstag den 11. Februar
führten ihn mit der zahlreichen Hanauer Turuerschaar mit «ach Baden. Im Jahre 1851 vermählte er sich mit Dorothea Lautenschläger; die treue Lebensgefährtin stand ihm 49 Jahre in glücklichster Ehe zur Seite. W. Dietz begründete 1859 die Handelsschule zu Hanau und leitete dieses Prioat-Jnstitut bis 1871. Im Jahre 1872 siedelte der Verstorbene nach Frankfurt a. M. über und war bis 1886 als Vorsteher an der „Ausländer-Klasse" der Wöhlerschule mit bestem Erfolge thätig. Ehre seinem Angedenken!
** Krtnstberein. Nachdem durch die vor kurzer Zeit in der Aula der Königl. Zeichenakademie beschlossene erste diesjährige Gemälde-Ausstellung hiesigen Kunstkennern und -Freunden ein hoher Genuß bereitet worden war, hat der Kunstverein abermals zwei prächtige Bilder — der Verbindung für historische Kunst gehörend — dem kunstliebenden Publikum zur Augenweide dargeboten. Der geschätzte Geschichts- und Schlachtenmaler C. Röchling-Berlin zeigt in seiner Schöpfung die todesmuthige Batterie Gnügge in der heißen Schlacht bei Gravelotte. Der blutige Charakter des Kampfers gibt sich offen in der meisterhaften Darstellung einzelner Krieger kund, die in hingebender Tapferkeit ihre Pflicht erfüllen. Mit dem Aus- drucke der Begeisterung und Energie, die er seinen Gestalten verleiht, verbindet sich die größte Lebendigkeit und Wahrheit der Erscheinung. Besonders vermag die fabelhaft naturgetreu wirkende Wiedergabe der von Pu'verrauch und Staub erfüllten Luft — von der Sonne goldig durchleuchtet — ein schaurig- schönes Entzücken zu verursachen. In dieser Komposition zeigt Röchling seine große Gewandtheit in der Technik (Tempera- farbe), die sich vornehmlich in prächtigen Lichteffekten — die mit wenig Mitteln erreicht sind — offenbart. Das zweite Gemälde, von I. Leonhard mitOelfarben geschaffen, stellt eine Sirene, eins jener dämonischen Wesen der griechischen Mythologie dar, die das verführerische und zugleich verderbliche Wesen des Meeres verkörperten. Durch eine geflügelte Jungfrau, aus deren Gesichtsausdruck so etwas Schmeichelhaft-Lockendes spricht, hat der Künstler sein mythisches Vorbild vollendet zur Erscheinung gebracht. Die Besichtigung beider Werke sönnen wir allen Kunstliebhabern dringend empfehlen.
* Der Sprechverkehr von Bergen (Kr. Hanau) ist auf Neuses, Somborn, Altenmittlau, Horbach, Bernbach, Langenselbold, Hüttengesäß, Rückingen, Niederrodenbach, Langendiebach, Hanau, Lieblos, Kaffel (Kr. Gelnhausen), Roßbach (Kr. Gelnhausen), Bieber (Kr. Gelnhausen), Kempfenbrunn, Lohrhaupten, sowie auf Niederdorfelden und Niedererlenbach ausgedehnt worden.
* Haftpflichtkaste Deutscher Gastwirthe. Diese von Hotelbesitzern und Gastwirthen im April v. I. mit dem Sitze in Darmstadt begründete Kasse hat für die ersten 9 Monate ihres Geschäftsbetriebes gute Resultate zu verzeichnen.
kurator und der Vertheidiger. Als dieser seine Rede geschlossen hatte, stellte der Präsident die Frage an den Angeklagten: „Haben Sie noch etwas zuzusetzen?" worauf dieser wehmüthig antwortete: „Ach Gott! Ein armer Tagelöhner, der des Tags nur vier gute Groschen verdient, wie kann der etwas zuzusetzen haben.
Galgenhumor.
1726 wurde in Gießen eine große Räuberbande, meist aus Zigeunern bestehend, die Bande des Hemperla genannt, hingerichtet. Fünf, unter ihnen der Anführer, Johannes la Fortane, gemeiniglich Hemperla genannt, wurden gerädert, neun gehängt, elf, unter welchen acht Weiber, enthauptet. Diese Bande hatte die ganze Wetterau sieben Jahre lang unsicher gemacht, ganze Dörfer (z. B. Hosenfeld bei Fulda) am hellen Tage überfallen, mit den Landreitern förmliche Treffen geliefert und eine Unzahl von Räubereien, auch viele Mordthaten begangen, z. B. den Pfarrer zu Dörsbach im Nassauischen, Heinsius nebst dessen Frau, sowie den Darmstädtischen Landlieutenant Emmeraner auf der Glashütte bei Hirzenhain erschossen. Im Januar und Februar 1725 gelang es endlich, die Bande einzufangen. Die Exekution wurde an zwei Tagen, am 14. und 15. November, vollzogen. Hemperla selbst wurde am zweiten Tage hingerichtet; als an ihn die Reihe kam, rief er von der Richtstätte herab: „er sei allezeit ein guter katholischer Christ gewesen, und wenn gute Katholische unter den Zuschauern wären, möchten sie etliche Seelenmessen für ihn lesen lassen, und davon, daß sie solches thun wollten, ein Zeichen mit Schwenkung des Hutes geben," was auch von mehreren Zuschauern geschah. Am Tage vor der Exekution wurden den Weibern die Kinder weggenommen, worüber sie in die äußerste Verzweiflung geriethen und die eigenthümliche Drohung ausstießen: sie wollten nach ihrer Hinrichtung wieder kommen und mit ihren abgehauenen Köpfen in ganz Gießen die Fenster einwerfen.
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1902
Die Mitgliederzahl beträgt, trotz des kurzen Bestehens der Kasse, bereits nahezu 500 mit ca. 8000 Mk. Jahreseinnahme an Beiträgen. Auch besitzt die Kasse, außer ihrem erheblichen Reservefonds, einen Garantiefonds in Höhe von 60 000 Mk., auf welchen die gesetzlich vorgeschriebenen Einzahlungen bereits erfolgt sind. Diese neue Haftpflichtkasse zeichnet sich durch niedrige Beiträge, volle Versicherung und koulante Schaden- regulirung vortheilhaft aus, weshalb wohl auch täglich Neu- anmeldungen erfolgen. Liegt es doch auch im eigenen Interesse der deutschen Hoteliers und Gastwirthe, diesem Institute beizutreten. Es darf daher wohl der auf der Selbsthilfe beruhenden und sich durch ihre besonderen Vortheile auszeichnenden Kasse eine gute Zukunft vorausgesagt werden, besonders, wo deren Ausdehnung auf einen großen Theil Deutschlands in sicherer Aussicht steht.
* Hochwaffer. Der Mainpegel zeigte heute Mittag 3,76 Meter, sodaß wieder eine Steigung des Hochwassers stattgefunden hat. Auch aus Lohr wird steigendes Hochwasser gemeldet.
* Schutz gegen die Rauchgefahr. Das Steigerkorps unserer freiwilligen Feuerwehr probirte kürzlich einen neuen Apparat, der den Feuerwehrmannschaften bei Brand- katastrophen Schutz gegen die Rauchgefahr gewähren soll. Dem Vernehmen nach hat die Probe die Zweckmäßigkeit des Apparates dargethan.
* Grober Nufug wurde gestern Abend in der Nordstraße sowie in dem Hausflur eines dortigen Grundstücks von einem sich hier ohne festen Wohnsitz herumtreibenden Knechte Adam S. verübt, sodaß ihn die Schutzmannschaft zu seiner eigenen Sicherheit und behufs Beendigung des Skaudalirens vorläufig ins Polizeigefängniß Überfuhren mußte. Auf dem Transporte nach dort spielte sich derselbe als „wilder Mann" auf, warf sich am Altstädter Markte zur Erde und mußte dann unter Beihilfe von Civilpersonen auf einen Handwagen geladen und seinem vorläufigen Bestimmungsorte zugeführt werden.
* Stadttheater. (Benefiz Gypen.) Da der Kaufmännische Verein in liebenswürdiger Weise den betreffenden Vortrag verschoben hat, so findet das Benefiz der beliebten Darstellerin am nächsten Freitag den 14. d. M. statt. Zur Aufführung gelangt das neue Schauspiel „Alt-Heidelbe r g" von Meyer-Förster, das gegenwärtig mit ungewöhnlichem Erfolg über alle Bühnen geht.
* Kaufmännischer Verein. Wie man uns mittheilt, hat der Kaufmännische Verein über seinen nächsten Vortragsabend überhaupt noch keine Bestimmungen getroffen.
* Hanauer Geschichtsverein. In dem gestrigen Berichte muß es bei Beschreibung der freigelegten Räume statt „Milchkammer" heißen: „Mischkammer einer Centralheizung".
Kittsrarisches.
Altfränkische Chronik. Im Verlage der „Ant i- q u i t ü t e n - Z e i t un g" Stuttgart (Zeniralorgan für Sammelwesen, Versteigerungen und Alterthumskunde) erschien kürzlich die „Altfränkische Chronik in Wort und Bild" von Stefan Wehnert, Würzburg. Das künstlerisch ausgestattete und reich illustrirte Heft enthält eine Reihe wohlgelungener Abbildungen von Bau-Denkmälern und Statuen der unteren Maingegend, so der Deutschhauskirche in Würzburg, das Nicolaithor in Heidingsfeld bei Würzburg, eine alte Ansicht der Stadt Kitzingeu aus dem Jahre 1705, Steindenkmäler aus dem Römerkastell bei Stockstadt, das Rathhaus zu Markt- breit, ferner das Albrecht Dürer-Haus in Nürnberg u. A. mehr. Weiter finden wir in demselben die verkleinerten Darstellungen mehrerer Kunstblätter, wie „Die Flucht nach Aegyp- ten" von Dominik Tiepolo, Tilmann Riemenschneiders Meisterwerke „Adam und Eva" rc. rc. Die Beigabe von erklärenden Artikeln aus der Feder bewährter Fachschriftsteller macht das mit einem Kalendarium versehene Werkchen zu einem wirklich empfehlenswerthen. Der Preis desselben ist ein sehr mäßiger und zwar versendet die „Antiquitätenzeitung" in Stuttgart dasselbe gegen Uebermittlung von 60 Pfennig sranco.
Albnmblätter.
Jugend ohne Begeisterung ist so traurig wie Alter ohne Erfahrung.
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Es ist ein wundersam Ding um des Menschen Seele, und des Menschen Herz kann sehr oft am glücklichsten sein, wenn es sich so recht sehnt.
Die seitwärts abführenden Holzwege laufen alle der großen Straße wieder zu, nachdem sie an irgend einer schönen merkwürdigen, lehrreichen Stelle vorübergeführt haben.
W. Raabe.