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Erstes Blatt.

Hanauer M Amemer

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sana«.

Einrückuugsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zelle 25 Pfg^ für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwortl. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau,

Nr. 158.

Fernsprechanschluß Nr. 605»

Donnerstag den 10. Juli.

Fernsprechanschlnß Nr. 605.

1902

Amtliches.

Königliche Zeichen-Akademie.

Unter dem 1. Juli 1902 hat die hiesige Firma Wilh. Behrens nachfolgende Stiftung für die Schüler der König­lichen Zeichen-Akademie errichtet. Indem der Wortlaut sowie die nächste Preisaufgabe hiermit zur allgemeinen Kenntniß ge­bracht wird, spricht die Direktion der Firma B e h r e n s für die hochherzige Stiftung, die gewiß reichen Nutzen stiften wird, ihren wärmsten Dank aus.

Sttftnngs - Bestimmungen.

8 i.

Die Firma W. Behrens inHanau errichtet am heutigen Lage unter dem Namen:

Wilhelm Behrens-Stiftung" ein Stipendium für besonders talentvolle und strebsame Schüler der Königlichen Zeichen-Akademie.

§ 2.

Das Stipendium soll zugleich zur Anregung und Förde­rung der Hanauer Goldwaaren-Jndustrie dienen, und deshalb in Form von Preisen für die besten'ungen einer Aufgabe aus der Goldarbeit nach den in § 4 festgesetzten Bestimmungen zur Vergebung gelangen.

§ 3.

Die Firma W. Behrens verpflichtet sich, der Königlichen Zeichen-Akademie in Hanau jährlich den Betrag von Mk. 150 in Worten Einhundertfünfzig Mark bis auf Widerruf zur Verfügung zu stellen.

§ 4.

Die Königliche Zeichen-Akademie veranstaltet alljährlich einen Wettbewerb über eine von dem Lehrerkollegium der Zeichen-Akademie gestellte und von der Firma W. Behrens genehmigte Aufgabe aus der Goldwaaren-Jndustrie und ge­langen dabei 2 Preise:

der erste Preis mit Mark 100.

der zweite Preis mit Mark 50. zur Vertheilung.

Die eingehenden Arbeiten werden wenigstens 8 Tage nach erfolgter Preis vertheilung in der Königlichen Zeichen-Akademie öffentlich ausgestellt. Die prämiirten Arbeiten werden Eigen­thum der Königlichen Zeichen-Akademie.

§ o.

Das Preisrichteramt wird gebildet aus:

1) dem Direktor und dem Lehrerkollegium der Königlichen Zeichen-Akademie,

2) einem Mitglied der Firma W. Behrens, und erfolgt auf Grund deren Abstimmung die Preisvertheilung, wobei einfache Stimmenmehrheit entscheidet.

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Feuilleton.

Düsseldorf und seine Ausstellung 1902.

IV.

Deutscher Arbeiter-Hausrath.

Schon im November vorigen Jahres wurden im Düssel­dorfer Kunstgewerbe-Mllseum eine Reihe von farbigen Ent­würfen nebst Holzproben zu Möbeln für Arbeiter-Wohnungen ausgestellt. Es handelte sich dabei um das Ergebniß eines Preis-Ausschreibens, das Excellenz Krupp gemeinsam mit dem rheinischen Verein für Arbeiter-Wohlfahrtswesen erlassen hatte. Von den etwa 120 eingegangenen Entwürfen wurden fünf mit Preisen ausgezeichnet, und die ersten vier sind nun in vollständiger Ausführung in den freundlichen, kleinen Arbeiter- Wohnungen hinter der Krupphalle auf der Düsseldorfer Aus­stellung dem Publikum zugänglich. Maßgebend für das außer­ordentlich zeitgemäße Unternehmen war die Erkenntniß, daß die modernen Fabrikmöbel mit ihrem aufgeleimten äußern Auf­putz wegen ihrer geringen Haltbarkeit sehr bald dem Arbeiter­heim ein gar unbehagliches Aussehen geben. Hier ist nun mit dem Prinzip der angeleimten Schnörkel vollständig gebrochen, und klare, einfache, aber nicht ungefällige Formen treten an die Stelle der kleinlichen Anhängsel, die lediglich das Sauber­halten erschweren. Genau wie in den allerreichsten deutschen Haushaltungen gegenwärtig die denkbar größte Schlichtheit herrscht (wer das Fürstenzimmer im Haupt-Weinrestaurant der Düsseldorfer Ausstellung betritt, kann sich davon überzeugen), so will man auch im Arbeiterheim der schlichten, gefällig ge­gliederten Linie den Vorzug geben, und man fordert gleich­zeitig die denkbar solideste Herstellungsart.

Dabei sind nun erfreulicherweise so hübsche Möbelformen zu Stande gekommen, daß gewiß manche Familie aus dem Mittelstände durchaus nicht verschmähen würde, sich ähnliche

§ 6.

Zu dem Wettbewerb sind einzureichen:

gezeichnete Entwürfe, oder Modelle in Wachs bezw. Metall ausgeführt.

Hanau den 1. Juli 1902.

gez. W. Behrens.

Aufgabe für die Schüler der Königlichen Zeichen-Akademie:

2 Herrenringe für 1 Brillant,

2 Herrenringe zum Siegeln,

2 Damenringe, Fantasiemuster,

2 Damenringe, originelle Marquisenfatzvns in gravirten oder ciselirten Mustern, die beiden letzteren unter Anwendung von Steinen. Werden Zeichnungen eingereicht, so müssen diese von jedem Ringe 3 Ansichten, nämlich: 1) Ab­wickelung, 2) Profil und 3) perspektivische Darstellung geben. Der Termin für die Ablieferung der Arbeiten ist auf den

1 . November 1902 festgesetzt. 11881

Die Direktion.

Gesundem! und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 schwarzer Damengürtel mit gelber Schnalle, 1 unechte Korallenkette mit goldenem Schlößchen, 1 Muster Bettdrell, 1 Quittungsbuch des Kranlen-Unter- stützungs-Bundes der Schneider für Heinrich Ruppert.

Verloren: zwischen Kaiserhof und Wilhelmsbrücke 1 Portemonnaie mit folgendem Inhalt: 1 Zwanzigmarkschein, Schlüsseln, 1 Uhrschlüssel, 1 Zehnpfennigstück und 1 Denk­münze, 1 schwarzer Atlasgürtel^mit Jetschloß.

Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.

Vom Wasenmeister am 9. d. Mts. ein gefangen:

1 grauer Spitzhund m. Geschl.

Hanau den 10. Juli 1902.

Hue Stadt und £and.

Hanau, 10. Juli.

* Gesellenprüfung für Schuhmacher. Gestern Nachmittag wurde die zweite Gesellenprüfung abgehalten. Es hatten sich zwei Lehrlinge zu derselben gemeldet, Wilhelm Gaul von Groß-Auheim, in der Lehre bei- Schuhmachermeister Schüler daselbst, und Wilhelm Krähling, bei Schuhmacher­meister Goerke hier. Die praktische Prüfung bewies, daß die Lehrlinge ihre Lehrzeit gut ausgenützt hatten, sodaß ihre Arbeit von der Prüfungskommission mit gut bezeichnet werden konnte. Zum Schluß ermähnte der Vorsitzende, Herr Schuhmacher­meister Reußwig, die neuen Gesellen, sich durch Mühe, Fleiß und Ausdauer immer mehr zu vervollkommnen und sich zu

Sachen anzuschaffen. Die Abbildungen der preisgekrönten Ent­würfe sind mit Erlaubniß des Rheinischen Vereins für Ar­beiter-Wohnungswesen bereits in den Februar- und März­heften derDeutschen Tapeziererzeitung" veröffentlicht worden, und wer sich dafür interessirt, sollte sich die Hefte kommen lassen. Hübscher ist es freilich, sie in der Ausführung zu be­trachten. Das Arbeiter-Doppelwohnhaus der Firma Krupp enthält z. B. die Möbel nach Entwürfen von Architekt Mieritz in Charlottenburg (erster Preis) und von Architekt Stehn, ebendort (vierter Preis). Jedes dieser beiden Häuser, die unter gemeinsamem Dache in freundlichster Ausstattung je in einem kleinen Garten liegen, hat im Untergeschoß eine Küche und ein Wohnzimmer, oben zwei Schlafzimmer. Jede Familie hat mithin eine völlig in sich abgeschlossene Wohnung, denn jedes hat seinen besonderen Eingang von der Seite durch den Garten her. Die Küche ist nach echt rheinischer Weise so ausgestattet, daß sie als Eßzimmer, wohl auch als Wohnzim­mer dienen kann. Gepolsterte Sophabänke mit einfarbigem Bezug und darauf gelegten Rückenkissen in schlichtester mo­derner Stickerei nebst einem netten beweglichen Tisch pflegen dazu zu gehören, und in die Küchenschränke wird eine Ver­schlußthür so eingefügt, wie an den Sekretären der guten alten Zeit. In den Kruppschen Häusern ist diese Mechanik mit ganz besonderer Sorgfalt durchgeführt, so daß eine sehr feste Schreibunterlage gewonnen wird, wo die Hausfrau ihre täg­lichen Ausgaben aufzeichnet und wo man auch behaglich genug sitzt, um dann und wann einen Brief abzufassen.

Die Einrichtung Mieritz, die den ersten Preis erhielt, ist in dunkelbraunem Holz gehalten, alle Griffe schmiegen sich der Form der Hand an, alle Ecken sind abgerundet, jeder leidige Schnörkelkram fällt weg, aber die ruhige, klare Linienführung übt eine anheimelnde Wirkung aus: man fühlt es wohl, hier ersteht neu der traute Zauber des deutschen Heims, den uns die Schleuderarbeit raubte, die nur allzulange den deutschen Möbelmarkt beherrscht hat. Sehr wesentlich wird der behag­liche Eindruck der ganzen Wohnung erhöht durch den reichen

tüchtigen Meistern heranzubilden. Ferner legte er ihnen in warmen Worten ans Herz, stets treu zum Handwerk zu hal­ten und sich in sittlicher und religiöser Beziehung von schäd­lichen Einflüssen fernzuhalten. Mit Ueberreichung der Gesellen­briefe fand die kleine Feier ihren Abschluß.

* Theuere Nüsse wird es kommende Weihnachten geben. Die diesjährige Nußernte ist infolge der starken Mai­fröste vielfach ganz verloren gegangen. Die Nußbäume stehen zum Theil kahl da und treiben jetzt wieder frische Blätter an Stelle der erfrorenen.

* Fahnenweihe. Der GesangvereinH u m o r"- Kesselstadt begeht am 19., 20. und 21. Juli d. Js. auf dem Sportplatz des Herrn Jankowsky (hinter derSchönen Aus­sicht") sein Fahnenweihfest und hat zu dieser Veranstaltung ein recht abwechselungsreiches Programm zusammengestellt, über dessen Einzelheiten das in der gestrigen Nummer unseres Blattes enthaltene Inserat vollen Aufschluß gibt. Da der­gleichen Feste sich schon seit längerer Zeit allgemeiner Beliebt­heit erfreuen und da auch diese Veranstaltung den Charakter eines echten Volksfestes tragen wird, so ist wohl an einem glänzenden Verlauf desselben nicht zu zweifeln. Auch über die Kartenvorverkaufsstellen unterrichtet die erwähnte Annonce.

* Kriegsgericht. Ein Unteroffizier des 166. Regi­ments hat einem Musketier während des Turnens einen leich­ten Schlag mit dem Handrücken gegen das Ohr versetzt. In­folge des Schlages erkrankte der Musketier, der schon früher gehörleidend war, an einer leichten Trommelfellentzündung. Der Unteroffizier wurde gestern wegen Mißhandlung eines Untergebenen zu 8 Tagen gelinden Arrests verurtheilt.

* Ein Fahrrad-Prozetz. Vor der Strafkammer in Frankfurt a. M. wurde gestern ein Fahrradprozeß verhandelt, dessen Vorgeschichte seiner Zeit großes Aufsehen erregte.. Zahl­reiche Fahrradhändler aus der Umgegend waren im Zuschauer­raum anwesend. Es handelte sich um angebliche Veruntreu­ungen in den Adler-Fahrradwerken. Ein Kommis ist ange­klagt wegen Diebstahls von Fahrrädern und Fahrradtheilen im Werthe von ungefähr 11000 Mark. Ein Mechaniker H. in Offenbach, sowie ein Geschäftsführer K. in Hanau sollen sich der Hehlerei schuldig gemacht haben. Der in der Fahrrad» febril angestellte Kommis war Vorsteher des Versandtmagazins für die Fahrradtheile, eine Stellung, die es mit sich brächte, daß alle Bestellungen durch seine Hände gingen. Er soll nun seit einer Reihe von Jahren fortgesetzt Fahrradmaterial an den Vertreter der Fabrik in Offenbach, den angeklagten Mechaniker, geliefert haben, wobei dieser wußte, daß jene Materialien nicht durch die Bücher der Fabrik gegangen waren, und dieser Angeklagte soll nun weiter solches Material an den Vertreter seiner Filiale in Hanau, den dritten Angeklagten, abgegeben haben, der ebenfalls wußte, welche Bewandtniß es mit den »»«»»-«-^»^mmmbmwm^

Bilderschmuck in einfachstem Rahmen zum Theil von Ar-' beiteru in ihren Mußestunden verfertigt. Hier sind neben Künstlerpostkarten Dürersche und Ludwig Richtersche Holz­schnitte und moderne Dreifarbendrucke, alles Sachen von her­vorragenden Künstlern, kein einziges Stück sentimentales Mittelgut, das irgend welcher krankhaften Gefühlsduselei Vor­schub leisten könnte. Vor Allem sind auch in dem zweiten Hause, wo der Bilderschmuck theilweise auf katholisches Em­pfinden Rücksicht nimmt, eben die Bilder nur erstklassig in der künstlerischen Qualität ein Punkt, der in katholischen Kreisen berücksichtigt und zielbewußt ausgebaut werden sollte. Uebrigens sind die Möbel dieser zweiten Wohnung hell polirt und mit kleinen Kupferbeschlägen verziert, was einen außer­ordentlich freundlichen Eindruck macht.

In Bezug auf Raum-Ausnutzung kann auch die Frau des Mittelstandes hier viel Nützliches lernen, und es ist sehr er­freulich, daß diese Einrichtungen mit genauen Preisangaben ungefähre Grenze für alles zusammen 1000 Mark als Musterhäuser für die Kruppschen Arbeiter ausgestellt wer­den sollen. Auch die übrigen Häuser enthalten bei verwandtem Grundcharakter jedes in seiner Art interessante und lehrreiche Anregungen in Fülle. Da findet man z. B. im Hause des gemeinnützigen Bauvereins Rheydt neben vielen anderen Dingen ein schlichtes Kaffeeservice mit modernem Ornament von so schlichter und bestechender Liebenswürdigkeit, daß es ge­eignet erscheint, vielen Frauen alle ältern Muster und Zeich­nungen auf diesem Gebiete zu verleiden. Dann wieder ist das Haus der Arbeiterwohnungs-Genossenschaft Köln-Süd beson­ders liebevoll und eingehend durchdacht. Hier herrscht ganz besonders gefällige Anmuth, und wer mit der Eigenart der ältern niederrheinischen Kunst vertraut ist, verspürt hier trotz aller Modernität etwas von ihrem Hauche. Der Entwurf stammt von Architekt Wellhansen-Hannover. Ein innerlich vornehmes Gepräge trägt die Einrichtung des Hauses der Odenkirchener Aktien-Baugesellschaft, die von dem Architekten Obermann in Odenkirchen herrührt. Im Hause des gemein-