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Gedruckt und verlegt in der Duchdruckerei des verein, cv. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: ®. Schrecke: in Hanau,
^T« 210. Fernsvrechanschluß Nr. 6V5.
Dienstag den 9. September.
Fernsprechanschlnß Nr. 605»
1902
Amtliches.
Landkreis hanau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Langenselbold gilt die Schweinerothlauf- seuche als erloschen.
Die über das Gehöft des Taglöhners Anton Raab II. daselbst verhängte Sperre wurde aufgehoben.
Hanau den 8. September 1902.
Der Königliche Landrath.
V 8706 v. Beckerath.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Brille mit Futteral.
Verloren: 1 silberne Brosche mit silbernem Kranz, bestehend aus einem Zweimarkstück, 1 schwarzer Sammetgürtel mit gelber Schnalle.
Entlaufen: 1 gelbbrauner Metzgerhund mit weißer Schwanzspitze m. Geschl.
Vom Wasenmeister am 8. d. Mts. eingefangen: 1 gelber Bastard mit grauer Schnauze, 1 weißer Bastard mit schwarzen Ohren, beide m. Geschl.
Hanau den 9. September 1902.
Hue Stadt und Land.
Han an, 9. September.
2 Nach einem Erlaß des Eisenbahnministers sind die Bahnhofswirthe zu veranlassen, zur Erfrischung von Reisenden und Bahnbediensteten, die den Genuß von Trink- wasser und alkoholischen Getränken vermeiden möchten, der Jahreszeit entsprechendes Obst in ausreichender Menge und zu angemessenen Preisen feilzuhalten. — Das ist bisher schon vielfach geschehen.
* Geflaggt haben heute Vormittag die militärischen Gebäude, da der kommandirende General v. Linde quist auf dem Wege in das Manövergelände unsere Stadt berührt.
* Manöver. Die 166er biwakirten während der verflossenen Nacht unweit Ravolzhausen.
* Eisenbahn-Personalnachrichten. Die Prüfung hat bestanden zum Stations - Vorsteher und Güterexpedienten: der Stations-Assistent Hoffe rberth zu Hanau. — Pensio- nirt wurde: Lokomotivführer Altstadt zu Hanau.
* Vom Metzgergewerbe. Gestern Morgen von 11 Uhr ab fand im hiesigen Schlachthaus die L e h r l i n g s p r ü- fung der Metzger statt. Der Prüfung unterzog sich der Lehrling Michael B r e i t i n g e r bei Herrn Metzgermeister Jean Glinder. — Der Prüfungsausschuß in Gemeinschaft mit dem Vorstände der Metzger-Innung beschloß einhellig, daß die Lehrlinge des Fleischerhandwerks die gewerbliche Fortbildungsschule dahier schon vom 1. Oktober d. I. ab besuchen sollen.
* Obstverwerthnng. Nach dem Wochenbericht der Frankfurter Zentra'stelle für Obstverwerthung war in der Woche vom 1. bis 6. September das Geschäft recht lebhaft. Angebote und Nachfragen liefen in zufriedenstellender Höhe ein. Abschlüsse in Mostäpfeln sind auch jetzt noch nicht zu verzeichnen, da die Akpfelweinproduzenten sich noch abwartend verhalten. Die Durchschnittspreise betrugen für: Preißelbeeren 18—20 Mk., Mirabellen 16—18 Mk., Reineklauden 16—18 Mk., Frühzwetschen 10 Mk., Frühäpfel 9-15 Mk., Früh- birnen 8—16 Mk., Himbeeren 22 Mk., Pfirsiche 30-35 Mk. per Zentner..
)( Sommerfest. Der verflossene Sonntag war in rudersportlicher Beziehung von besonderem Interesse. Am Morgen fand das Dauerrudern nach hier statt, über das wir schon an anderer Stelle berichtet haben. Schon früh versammelten sich am Bootshaus der „Hanauer Rudergesellschaft 1879" eine große Anzahl auswärtiger und hiesiger Ruderer zu einem gemüthlichen Frühschoppen. Am Nachmittag veran- staltete dann obiger Verein zu Ehren der Gäste eine interne Regatta. Das Ziel war der Schwanengarten zu Kesselstadt. Gefahren wurden: Begrüßungseiner, Juniorvierer, Gastvierer, Ermunterungsvierer und Herausforderungsvierer. Das Publikum hatte sich recht zahlreich eingefunden und beobachtete die Rennen mit sichtlichem Interesse. Die, Hanauer Rudergesellschaft verfügte über eine reiche Anzahl jugendlicher Kräfte, die sportlich fzu den besten Hoffnungen berechtigen. Besonderes Vergnügen bot das Faßrennen. Abends vereinigte die zahlreichen Anwesenden ein gemüthliches Tänzchen. Wir wünschen, daß dieser schöne und gesunde Sport in weiten Kreisen der Hanauer Bürgerschaft ein wärmeres Interesse erfahren möge.
* Bereins-Wetttnrnen. Dem am Sonntag abgehaltenen Sommerfest der Turngesellschaft ging vormittags ein
Vereinswettturnen voraus, das folgendes Resultat zeitigte: Zöglinge im Alter von 14—16 Jahren: 1. Preis mit 43^6 Punkten Adolf Herbert, 2. Preis mit 424/s P. Carl Rosen- berger, 3. Pr. mit 39*/e P. Joseph von der Au, 4. Pr. mit 39'76 P. Jean Maisch, 5. Pr. mit 37 P. Adam Kraushaar. Jugendabtheilung: 1. Preis mit 59*/e P. Wilhelm Spähn, 2. Pr. mit 555/g P. Theodor Gemmer, 3. Pr. mit 54 P. Richard König, 4. Pr. mit 53 P. Otto Nicolans, 5. Preis mit 52 P. Joseph Grob. Das Sonderwettturnen zerfiel in 2 Klassen. 2. Klasse (mittelrheinisches Maaß.) Der 1. Pr. wurde mit 49 Punkte, der 2. Pr. mit 44 P., der 3. Pr. mit 41 P. vertheilt. 1. Klasse (deutsches Maaß.) Den 1. Preis mit 35 P. errang Heinrich Lorey, den 2. Preis mit 33^ P. errang Jean Bozem.
* Stiftungsfest. Wie schon erwähnt, fand am So »mag das 2. Stiftungsfest des „Club Saxonia" in den ^alm der „Centralhalle" statt. Die Darbietungen des jungen Clubs waren stauuenswerlh. Zuerst begrüßte der Vorstand die Anwesenden und wies auf die Bedeutung des Abends hin, daran schloffen sich komische Vorträge, die großen Beifall ernteten. Herborzuheben ist das Duett: „Die beiden verliebten Müllergesellen". Mit stürmischem Applaus ivnrden auch die Zitherauartetts ausgenommen und mußten die Vortragenden sich stets zu Wiederholungen verstehen. Den Glanzpunkt des Abends bildete das Theaterstück „Katzenjammer", welches als sehr gelungen bezeichnet werden kann. Auch leistete die hiesige Infantriekapelle, wie gewohnt, Vortreffliches. Der gut arrangirte Ball hielt die Anwesenden bis zur frühen Morgenstunde beisammen, ein Beweis dafür, daß sich Jung und Alt recht gut amüsirte. Der Club kann somit mit Stolz aus sein diesjähriges Stiftungsfest zurückblicken.
* Sportfest. Bei dem am vergangenen Sonntag auf dem Exerzierplätze ffattgefundenen Sportfest der Hanauer „Fußballgesell- schast lb99" gingen folgende Herren als Sieger hervor: 50 Meter- Laufen: 1. Preis Jean Wolf, Zeit 6% Set., 2. Pr. Georg Wolf, Z. 63/s Sek. 100 Meter-Jnniorlaufcn: 1. Pr. Karl Kamandel, Z. 145% Sek., 2. stail. Gläser, Z. 1434 ecL 3, Pr. Duo Heck, Z. 14*4 sek. 400 Meter-Laufen: 1. Pr. Jean Wolf, Z. 61 * 3 SCL, 2. Pr. Karl Koch, Z. 62V2 Sek. 1500 Nieter-Laufen: 1. Pr. Heinrich Spergel, Zeit 4 Min. 57 Sek., 2. Pr. Karl Roodc, Z. 5 Mn. 10 Sek. 200 Meter-Trostlaufen: 1. Pr. Theodor Sirohlchniticr, Z. 30 Sek., 2. Pr. Adam Lotz, 30'/° Sek., 3. Pr. Heinrich Hartwig, Z. 81 Sek. Ball- wcitstoß: 1. Pr. Philipp Böhm 44,90 in, 2. Pr. Georg Wolf 44,30 m, 3. Pr. Theodor Strohschnitter 43,10 m. Ascit'prung: 1. Pr. Jean Wolf 5,35 m, 2. Pr. Georg Wolf 5,30 in. Am Nachmittag fand dann ein Ausflug nach Kesselstadt in das Restaurant „Zum Anker" statt, wobei die Preisvertbeilung erfolgte.
* Wettspiel. Das für vorgestern Mittag angesägte Wettspiel der ersten Mannschaft des Fußballsportvereins Frankfurt gegen Viktoria- Hanau nahm Punkt 4 Uhr seinen Anfang. Fast schien es, als ob Frankfurt, das mit einer schönen gleichmäßigen Mannschaft antrat und sofort mit Ungestüm angriff, Viktoria überlegen wäre. Endlich, 15 Minuten nach Anfang, gelang es Hanau nach hartem Kampfe den Ball ins feindliche Goal zu treten, den: 3 Minuten später Frankfurt ein Goal seinerseits cutgegenseme. Mit diesem Resultat wechselren die Mannschaften itadj 10 Minuten Pause die Plätze. Erst jetzt konnte man das sachliche Zusammenspiel der Hanauer Spieler beobachten; das schöne Zuspiel der Hintermannschaft und das vorzügliche Spielen der Stürmer brächte Viktoria noch 3 Bälle ins Netz der Frankfurter und endete so das Spiel zu Gunsten Viktoria Hanau mit 4:1.
* Gartenfest. Vergangenen Sonntag neranfiaUeie der Sängerchor des Allgemeinen Eisenbahn-Vereins in dem Lokale der Restauration „zum Braustüb'l" ein Gartenfest, welches in seinem Verlauf alle Erschienenen voll befriedigte. Die Musik, gestellt von der Centner'schen Kapelle, war unermüdlich und erntete nach jedem Stücke reichlichen Beifall. Die von dem etwa 24 Mann starken Sängerchor gesungenen Lieder wurden gut und mit Präzision vorgetragen und fanden dankbare Zuhörer. Herr Weil erregte durch seine recht humorvollen Kouplets und gute Vortragsweise die Lachmuskeln aller Anwesenden und fand ebenfalls reichlichen Beifall. In Anbetracht' dessen, daß der Sängerchor noch nicht ein volles Jahr besteht, verdient derselbe alles Lob, wie auch das Dargeboiene auf regen Fleiß der Sänger wie auf eine gute Leitung des Dirigenten, Herrn Vetter, schließen lassen. Abends vereinigten sich die jüngeren Theilnehmer zum Tanz im Saale genannten Restaurants, sodaß das erste Gartenfest des Vereins, wie schon erwähnt, alle Erschienenen vollauf zufrieden stellte und als gelungen betrachtet werden darf. Dem Sängerchor, dessen Mitgliederzahl bis jetzt zu der Größe des Vereins in keinem Verhältniß steht, wünschen wir ein stetes Erstarken und weiteres Blühen.
* Die Stare. Von allen Vögeln, welche den großen Zug gen Süden mitmachen, sind die Stare die eifrigsten. Noch sind wir im Sommer, noch reifen nicht einmal alle Früchte, da gemahnt uns mit rauher Auffälligkeit der _ kleine schwarze Geselle, dem wir im März fürsorglich zum Nesterbau verhalfeu und dessen Gezwitscher wir als einen der ersten Frühlingsgrüße bejubelten, an das Ende der schönen Jahreszeit. Die Stunden rollen, und wo wir in gefälligem Selbstbetrug uns täuschen möchten, da kennt der gebieterische Instinkt des Zugvogels keine sentimentale Schonung. Er muß nach Süden, sein Weg ist weit, sein Flug ist verhältnißmäßig langsam, darum ist er gezwungen, zeitig sein Sommerlager bei uns abzubrechen und in diesen Tagen tritt er den Marsch — richtiger den Zug — an. Im ersten Drittel des September, um Mariä Geburt, ziehen, so heißt es im Bauernspruche, die
Schwalben fort, und diese Vögel werden meist mehr beachtet, ihr Abschied wird in vielen Liedern besungen: Wenn die Schwalben heimwärts ziehn . . . .! Dennoch sind sie nicht die ersten Mahnerinnen zur Herbststimmung, sondern dieses Amtes walten die Stare. Es ist interessant und lehrreich, jetzt die Reiserüstungen zu beobachten. Nicht nur unsere Sportswelt, sondern auch das Thierreich trainirt. In gewaltigen Dauerflügen üben sich ganze Vogelvölker die Schwingen zur großen Kraftleistung ein und die diesjährigen Hiergeborenen, denen der Meeresflug zum ersten Male bevorsteht, müssen sich an straffe Disziplin gewöhnen, welche während der Reise herrscht und an der ein Milizheer lernen könnte. Ein einheitlicher Wille beflügelt alle, die kundige Erfahrung eines Wegweisers leitet den Zug, und eben jetzt sind die Herbstmanöver der Zugvögel im Allgemeinen und des Vortrabs der Stare im besonderen. Glückliche Fahrt den munteren Gesellen und eine frohe Wiederkehr im nächsten Jahre, wenn die Saaten sprießen und die Knospen schwellen!
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«i» Kesfelstadt, 8. Sept. (Sport.) Der hiesige Radfahrer-Verein „Adler" hielt gestern früh 7 Uhr ein Straßenrennen ab, welches sich über Bruchköbel, Mittelbuchen, Wilhelmsbad, Wachenbuchen, Hochstadt und Dörnigheim erstreckte, am Rennen nahmen 10 Fahrer theil. Der vom Verein gestiftete Ehrenpokal und goldene Medaille wurde von Herrn Karl Klaus errungen, den anderen Fahrern wurden Zeitmedaillen zu Theil. Ferner wurde ein Langsamfahren veran- staltet und erhielt den 1. Preis Herr Chr. Biba, den 2. Herr Ernst Nagel, den 3. Herr Franz Meer bott. Sämmtliche Preise gelangen bei dem am Sonntag den 14. d. Mts. im Gasthaus „zum Schwanen" stattfindenden Stiftungsfeste zur Venheilung.
Aus &m G-rrchtssaal.
Sitzung der Fertenstrafkammer vom 8. Septbr.
In geheimer Sitzung wird gegen den Spengler A. von Enkheim verhandelt, welcher des Vergehens gegen § 175 des R.-St.-G.-B. angeklagt ist. Der Angeklagte erhält 7 Monate Gefängniß.
Eine ungelegene Bestell«ng.
Am Abend des 19. Juni stand der Alexander H. zu Ulmbach im Hausgang bei einem Mädchen, als der Alwin K. an ihm vorbeiging und ihm von seinem (des H.) früheren Mädchen einen Gruß ausrichtete und die Bestellung brächte, er möge mal zu ihr kommen. Der K. hatte diese Bestellung aus Bosheit ersonnen, um den H. bei seinem gegenwärtigen Mädchen in Mißkredit zu bringen. H. reagirte auf diese Bosheit mit etlichen echt Ulmbacher Kernsprüchen, worin er dem K. das „Backenzähneschlucken" in Aussicht stellte und dann, als K. eine saftige Erwiderung gab, seine« Worten auch die That folgen ließ und dem K. eine derart gesalzene Ohrfeige gab, daß ihm die Nase blutete. Die beiden Gegner wurden, nun zunächst getrennt und der K. in die Stube, der H. vor die Thüre gebracht. K. konnte die erhaltene Lektion aber so leicht nicht verschmerzen und traf mit feinem Gegner alsbald wieder auf der Straße zusammen, woselbst er ein kleines Taschenmesser in der Hand zeigte. Nach einigem Hin und Her packten sich die Zwei wieder und fielen zusammen auf die Erde, wobei der K. unten hin zu liegen kam. K. will hierbei von dem H. ins Auge gegriffen worden sein und einen so heftigen Schmerz verspürt haben, daß er schleunigst zur Abwehr schreiten mußte. Er versetzte dem H. zwei sehr heftige und gefährliche Stiche in die Wade und die Kniekehle, womit dann das Intermezzo beendet war. Der K. sitzt auf der Anklagebank wegen gefährlicher Körperverletzung, beruft sich aber auf Nothwehr. Das Gericht ist der Meinung, daß er dieselbe erheblich überschritten habe und erkennt auf 3 Monate Gefängniß.
Eine Rohheit.
Zwei Jahre hatte der vielfach vorbestrafte, meist vom Betteln lebende „Taglöhner" H. von Wellenhausen im Arbeitshause zugebracht. Am 30. Juli morgens schlug für ihn die Stunde der Freiheit, in der er den Mauern Dieburgsden Rücken kehrte und sich Hanau zuwandte. Selbstverständlich wurde das im Arbeitshause verdiente Geld hier sogleich in Schnaps umgesetzt, was zur Folge hatte, daß H. am Abend schon die Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörde durch sein drohendes Benehmen auf sich lenkte. Als in der Nacht zwei Schutzleute in die Friedrichstraße kamen, fanden sie einen Mann quer über dem Trottoir liegen und glaubten infolge der grunzenden Töne, die er hören ließ, daß er schlafe. Kaum hatte ihn einer der Schutzleute angefaßt und aufgefordert, sich zu entfernen, als der sonderbare Schläfer auch schon aufsprang, den Schutzmann an der Gurgel faßte und ihm mit einem