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Hanauer G Anzeiger

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Derantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

Nr. 209.

Fernsprechanschluß Nr. 605.

Montag den 8. September.

Fernsprechanschluß Nr. 605

1902

Amtliches.

Candkme Ban au.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Der Herr Regierungs-Präsident in Cassel hat gemäß § 1 Abs. 2 der Verordnung vom 30. Dezember 1823, die gemein- heitlichen Verhältnisse der Jsraeliten betreffend, zunächst auf die Dauer von 3 Jahren angeordnet, daß die in Großauheim wohnenden Jsraeliten der Synagogengemeinde Großkrotzenburg zugetheilt werden.

Hanau den 4. September 1902.

Der Königliche Landrath.

V 8635 I. V.: Schneider, Kreissekretär.

Nach Mittheilung des Kgl. Bezirksamtes Alzenau ist die Rothlaufseuche unter den Schweinen des Vinzenz Steigerwuld in R o t t e n b e r g erloschen. Die an- geordneten Sperrmaßregeln sind aufgehoben.

Hanau den 5. September 1902.

Der Königliche Landrath.

V 8664 I. V.: Schneider, Kreissekreiär.

Gefundene und verlorene Gegcnstitndc 2t.

Gefunden: 1 Metzgertuch gez. M. W.

Verloren: 1 braunes Anhängetäschchen mit 1 Taschen­tuch und 1 Portemonnaie mit ca. 3 Mark Inhalt.

Zugelaufen: 1 grauer Metzgerhund mit schwarzen Flecken m. Geschl.

Vom Wasenmeister am 8. d. Mts. ein gefangen: 1 dunkelbraune Dogge und 1 gelber Metzgerhund, beide m. Geschl.

Hanau den 8. September 1902.

Hue Stadt und £and.

Hanau, 8. September.

Lokal-historische Notizen.

8 . Septbr. 1470» Ausbruch einer Seuche im Hessen­lande, welche nach der Erzählung der Chronisten dadurch zum Voraus angedeutet sein sollte, daß um Pfingsten dieses Jahres alle Elstern aus dem Lande flogen (na­mentlich bei Cassel, Fritzlar, Wildungen) und erst um Maria Geburt sich in großen Schaaren wieder einfanden. Die Seuche (Pest) dauerte zwei Jahre und wüthete am Schlimmsten im Jahre 1472also daß auch alle Lieb" und Treue darüber erkaltet, die Eheleute einander ver­lassen, die Kinder von den Eltern und die Eltern von den Kindern gewichen, daß auch viele Menschen, die noch hätten genesen können, aus Abgang der Wartung elendig umkommen müssen.

*

*

* Ernannt. Herr Regierungsassessor Dr. Wenke von der hiesigen Spezialkommission wurde zum Regierungs­rath ernannt.

* Vom Manöver. Einem großen Feldlager glich gestern unsere Stadt. Fast alle Truppengattungen waren hier vertreten. Besonders freudig wurden die 80er ausge­nommen, mit denen sich bekanntlich noch vielfache Beziehungen aus früheren Zeiten verknüpfen. Heute Morgen ging es ins Manöver. Die 42. Infanterie-Brigade, zu der unsere 166er gehören, führt heute und morgen Herr Oberst v. T e m p s k y. Die 166er bilden heute die Vorpostenstellung und beziehen deshalb heute Abend unweit Langenselbolo Biwack; der Gegner, die 41. Infanterie-Brigade, läßt seine Vorposten, von einem Bataillon der 81er gebildet, bei Windecken Biwak beziehen. Die Brigademanöver währen bis zum Mittwoch, am Donners­tag ist Ruhetag. Dann beginnen die Divisionsmanöver.

* Pensronirt. Zahlmeister Lösch vom Dragoner- Regiment Freiherr von Manteuffel (Rhein.) Nr. 5 früher in Hanau) ist auf seinen Antrag zum 1. Dezember 1902 mit Pension in den Ruhestand versetzt.

* Gustav-Adolf-Stiftung. Mittwoch den 10. Sep­tember cr. findet nachmittags 4 Uhr im Solchen des Gast­hauseszur Post" die Generalversammlung des Hanauer Bezirksvereins der Gustav-Adolf-Stiftung statt. Auf der Tagesordnung stehen neben dem Jahres- und Rechenschafts­bericht und einem Bericht über die Einnahme der Beträge ein Antrag des Vorstandes über Unterstützungsbewlllrgungen an die nachsuchenden Diassporagemeinden. Ferner wird über die Liebesgabe an den Centralverein und etwaige ~^l0mmung von größeren Beträgen aus derselben an bedrängte Gemeinden be­richtet. Sodann folgt Delegirtenwahl für die Genpralner-

sammlung des Haupt-Vereins und Neuwahl statutengemäß ausscheidender Vorstandsmitglieder.

* Probe. Im Johanneskirchenchor nehmen die regel­mäßigen Proben wieder ihren Anfang. Die erste findet heute Abend im Uebungssaal der Kirche statt (s. Annonce).

-t. Vom Geschichtsverein. Mit dem größten Theil seiner prähistorischen Funde ist der Hanauer Geschichts- verein in das ehrwürdige, ihm zu diesem Zweck überwiesene 2. Rathhaus derAlten Stadt Hanau" eingezogen und er hat sich bemüht, den Besuchern und Zeitgenossen die Zeugen längstvergangener Zeiten, kulturhistorisch von großem Interesse, in geordnetem und, wo es galt, in ursprünglich wieder herge­stelltem Zustande vor Augen zu führen und zugänglich zu er­halten. Guter Nachricht zufolge ist aber jetzt auch Aussicht vorhanden, daß die Gegenstände und Funde einer jüngeren Periode, welche dem Vereine überwiesen oder von ihm er­worben worden sind und zum größten Theil unserer Vater­stadt oder unserem engeren Vaterlande angehören, in der nächsten Zeit nach der Centralstelle, dem alten Rathhause, ver­bracht und aufgestellt werden können. Diese Gegenstände sind neu inventarisirt und haben die Zahl von 360 Nummern er­reicht. Viele interessante ganz vollständige Stücke sind da zu­sammen gekommen: Fahnen, Zunftinsignien, Ofenkacheln, Eisen­theile, Gebrauchsgegenstände aller Art, Grabkreuze und Grab­steine berühmter Männer, und unter den ersteren Stücke aus dem 16. und 17. Jahrhundert; aber auch solche, die, unvoll­ständig in Form und Gestalt, Zeugniß ablegen von schlechter Behandlung zur Zeit ihrer Benutzung. Immerhin sind sie dankbar entgegengenommen und aufbewahrt worden, denn nichts soll zurückgewiesen werden, wenn eS geschichtlich werth­voll ist. Wie viele schöne und interessante Stücke befinden sich aber noch im Privatbesitz, die vom Ur-Ur oder Urgroßvater und älterer Zeit stammen, sie sind geerbt, auch vielleicht er­worben worden, aber jetzt in unserer geschäftlich so sehr in Anspruch genommenen Zeit liegen sie versteckt in Schränk oder Schieblade, hängen unbeachtet an der Wand und sind doch in ihrer Eigenart und Schönheit nur dem Eigenthümer und dessen Angehörigen zugänglich. Durch die charakteristische Gestalt oder die besondere Art der Ausführung geben sie viel­leicht einer frühen Zeitepoche besonderen Ausdruck, oder sie bezeichnen patriotische Gedenktage, sind vielleicht mustergiltig und können der Allgemeinheit als Vorbilder dienen, umgekehrt lehren sie, was man nicht machen soll, sie find aber vergraben und der Oeffentlichkeit entzogen. Heraus mit diesen Sachen! Wer sie hat und zweifelhaft ist, ob sie sich zur Ausstellung eignen oder ob sie historische Bedeutung haben, der lasse sie doch einmal beschauen, er stelle sie aber dem Geschichtsverein zur Verfügung und entziehe sie nicht länger demjenigen Mit­bürger, der durch sein Interesse an vaterländischen Produkten ein Recht zum Beschauen hat. Wer Bedenken trägt, mag die Gegenstände dem Geschichtsverein unter Vorbehalt des Eigen­thumsrechtes überweisen, sie werden sorgsam behütet und können jederzeit zurückgefordert werden. Nur auf solche Weise wird nach und nach das Museum bereichert und vervollständigt, ein unserer Vaterstadt würdiges Institut geschaffen und es kann nur Jedem zur Ehre gereichen, wenn er daran theilgenom- men hat.

* Verband süd- und westdeutscher Detaillisten- Vereine. Vor zwei Jahren hatte die Konferenz der süd- westdeutschen Detaillisten-Vereine, welche hier im Hotel zum Riesen tagte, eine festere Organisation dieser Vereine beschlossen. Inzwischen haben die Erfahrungen gelehrt, daß die vereinbarte Organisation noch mit manchen Mängeln behaftet war, welche der Entfaltung einer lebhafteren Thätigkeit des Verbandes hinderlich waren. Namentlich machte es sich in mißlicher Weise fühlbar, daß die Geschäftsführung des Verbandes nach bisheriger Organisation unter den angeschlossenen Vereinen alternirte, keine rechte Stetigkeit in den Verbandsarbeiten zu erzielen war; ferner fehlten für eine thatkräftige Wirksamkeit im Interesse des Detaillistenstandes aber auch die erforderlichen Mittel, da die Hanauer Konferenz sich nicht dazu hatte entschließen können, über einen Jahres-Betrag von 30 Pfg. für den Kopf des Vereinsmitglirdes Hinauszugehen. Die beobachteten Mißstände und Hindernisse bildeten den Anlaß zur Berufung einer Delegirtenkonfrrenz süd- und westdeutscher Detaillisten-Vereine nach Frankfurt a. M. Auf dieser gestrigen Konferenz waren die Vereine Bockenheim, Darmstadt, Frank­furt a. M., Gießen, Hanau, Höchst a. M., Karlsruhe, Oberstein und Würzburg vertreten; die Vereine Metz, Pirma- sens, Wetzlar und Worms hatten ihre Zustimmung zu einer zweckdienlichen anderen Organisation schriftlich zu erkennen ge­geben. Verschiedene andere Vereine, wie in Friedberg und Koburg, gedenken sich anzuschließen,sobald ihreeigeneOrganisation eine festere geworden ist. Für die neue Verfassung des Verbandes wurden die folgenden Grundzüge festgestellt: Der Sitz des Ver­bandes soll Frankfurt a. M. und aus dort wohnhaften Mit­

gliedern des Frankfurter Detaillisten-Vereins soll der Vorstand gebildet werden. Zum 1. Vorsitzenden wurde Herr Klappert, der auch die gestrigen Verhandlungen leitete, zum 2. Vor­sitzenden Herr Oestrich, zum Rechnungsführer Herr Hirschhorn und zum Schriftführer Herr Wolfs designirt. Letzterer soll zugleich als Geschäftsführer des Verbandes fest angestellt werden. Der Ausschuß des Verbandes soll außer aus den Mitgliedern des Vorstandes aus Vertretern der angeschlossenen Vereine bestehen; jeder Verein bestimmt dafür einen Vertreter und einen Ersatzmann im Voraus; der Ausschuß soll auf Einberufung durch den Vorstand oder auf Antrag von mindestens 3 Vereinsvertretern, mindestens aber einmal im Jahre zusammentreten. Die Hauptversammlung des Verbandes (Verbandstag) soll im Herbst jedes Jahres einberufen werden. Alle Abstimmungen sollen nach der Zahl der Mitglieder der Vereine durch die Vereinsvertreter erfolgen. Der Beitrag soll für jedes Vereinsmitglied 1 Mk. betragen; treten Einzel­mitglieder dem Verbände direkt bei, was nur zulässig ist, wenn an dem Orte des Betreffenden kein Detaillistenverein besteht, so soll dessen Jahresbeitrag mit 6 Mk. bemessen werden. Der Verband soll in das Vereinsregister eingetragen werden. Die sämmtlichen Herren, welche an der gestrigen Konferenz Teil­nahmen, glaubten, daß nach Durchführung einer derartigen Organisation der Verband festgefügt und ferner endlich auch leistungsfähig sein werde, um die Wahrnehmung der allge­meinen (nicht bloß örtlichen) Interessen des Detaillistenstandes mit Nachdruck und mit der Aussicht auf guten Erfolg in die Hand nehmen zu können. Daß dies geschehe, wurde im Hin­blick auf die Thätigkeit der Interessenvertretungen anderer Erwerbsstände als außerordentlich wichtig und bedeutsam be­zeichnet. Die zum Ausdruck gegebene Zuversicht wird gewiß berechtigt sein, daß die Vorstände und Hauptversammlungen der betheiligten Vereine gern der neu vereinbarten Verbands­verfassung zustimmen werden.

* Stadttheater in Hanau. Die Eröffnung der Spielzeit 1902/1903 erfolgt am Sonntag den 28. September mit der ersten Abonnementsvorstellung. Per- sonal-Verzeichniß: Ober-Regie: Hermann I a r i tz und Max O p p m a r. Regie des Schau- und Lustspiels: Paul I u n g k, Hans Schwarz und Arthur R e tz b a ch. Regisseur der Posse und des Singspiels: Paul Gehrmann. Kapell­meister : Carl Schmidt. Damen: Frl. Elisabeth T o r a n, 1. Helden-Liebhaberin und Salondame (vom kaiserl. subv. Stadtth. Kiel), Frl. Helene H ohenfels, 1. Liebh. (vom Stadtth. Gießen), Frl. Mathilde H i e b e r, sent. Liebh. (vom Stadtth. Bielefeld), Frl. Elfe L e o n i, muntere Liebh., Frl. Helene L e n n e ck, 1. Soubr. (v. Wilhelmth. Magdeburg), Frl. Emmy N e b e, Soubr. (vom Residenztheater Wiesbaden), Frl. E. L o r e n z, Frl. Alice V e r d e n, 2. Liebh. (vom Stadtth. Frankfurt a. M.), Frau Fr. Sch w arz - Rie g er, Frau Margarethe H a n t k e, Mütter-Rollen, E. H a n t k e, M. Werner, Kinder-Rollen. Herren: Direktor I a r i tz, Direktor O p p m ar. Hans Schwarz, Bonivants, Richard Frist, Helden und Liebh. (vom Stadttheater Hermannstadt), Karl Becker, jug. Helden und Liebh. (vom Hofth. Darm­stadt), Paul Jungk, Heldenväter und Charaterrollen (vom königl. Schausp. Potsdam), Arthur R e tz b a ch, Jntrig. und Charakterrolle!:, Paul Gehrmann, Charakter-Komiker, Fritz N y g r i n, jug. Komiker (vom Stadtth. Wesel), Arthur Schwersensky, Vater und Chargen (vom Stadtheater Schleswig), Fritz H e y d e n, Chargen (Hamburg), Joseph F i r m a n s, jug. Liebhaber (vom Stadtth. Northeim), Walter Krug, Hans E i s e n m a n n, Chargen. Vorläufig zur Aufführung bestimmte Novitäten:Es lebe das Leben", Schau­spiel von Sudermann,Haus Rosenhagen", Drama von Max Halbe,Der Heerohme", bürgerl. Schauspiel von Jos. Lauff, Abschied vom Regiment", Offiziersdrama von O. E. Hart­leben,Ueber den Wassern", Drama von Georg Engel, Herbst", Dramolet von Schmidt-Häßler,Die ZwillingS- schwester", Lustspiel von Ludwig Fulda,So leben wir", Lustspiel von Leon Leipziger.Der Vielgeprüfte", Lustspiel von W. Meyer-Förster,Herbstzauber", von Rudolf Presber, Sein Doppelgänger" (Le coup de fouet), Schwank von Hennehnin und Duval,Die Hasenpfote", Burleske von Brennert. Weitere erfolgreiche Novitäten werden während der laufenden Spielzeit erworben.

* Dauer-Rudern. Gestern wurde das ebenfalls in jedem Jahre stattfindende Dauer-Rudern abgehalten. Wie der Titel schon besagt, kommt es dabei hauptsächlich auf die Aus­dauer an. Der Start lag in Offenbach, das Ziel in Hanau. Die Strecke war ca. 17 Kilometer lang. Hierbei der Verlauf: 1. Franks. Rud.-Ges.Sachsenhausen" 1 Std. 14 Min. 573/6 Sek.; 2. Franks. Rud.-Klub 1 Std. 17 Min. 38^5 Sek.; 3. Offenb. Rud.-Verein 1 Std. 19 Min. 6* Sek.; 4. Rud.-VereinHellas" Offenbach 1 Std. 23 Min. 88/s Sek.; 5. Franks. Rud.-Ges.Oberrad" 1 Std. 26 Min.