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Erstes Blatt.

Hanauer U Anzeiger

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- »ärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. :-

Etdruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für AM- und Landkreis Kanau.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwortl. Nevakteur: G. Schrecker in Hanau,

Nr. 183. FernspreLanschlnß Nr. 605*

Freitag den 8. August.

Fernsprechanschluß Nr. 605.

1902

Amtliches.

Stadt- und Landkreis Hanau.

Für die Schaffung einer Auswanderer-Auskunftsstelle ist der Deutschen. Kolonialgesellschaft für das Rechnungsjahr 1902 ein Reichszuschuß bewilligt worden. Die Kolonialgesellschaft hat daraufhin die unter der Oberaufsicht des Reiches stehende Central-Auskunftsstelle für Auswanderer in Berlin errichtet, die auf mündliche oder schriftliche Anfragen auswanderungs- lustigen Personen unentgeltlich Auskunft über die in Aussicht genommenen Auswanderungsziele ertheilt.

Die Geschäftsräume befinden sich in Berlin W. 9, Schelling- straße 4.

Interessenten werden hierauf aufmerksam gemacht.

Hanau den 6. August 1902.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.

Landkreis Danau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Großkrotzenburg gilt die Schweineroth- laufseuche als erloschen. Die über das Gehöft des Metzgers Joseph Maikler daselbst verhängte Sperre wurde aufgehoben.

Hanau den 8. August 1902.

Der Königliche Landrath.

V. 7604 I. V.: Valentiner, Reg.-Affessor.

Genoffenschaftsregister.

Nr. 10 Genossenschaft: Oherrodenbacher Darlehns- knfsenverein, eingetragene Genossenschaft mit un­beschränkter Haftpflicht, Oberrodenbach:

A u g u st Dörner I ist aus dem Vorstände aus­geschieden und an seine Stelle Nikolaus Müller zu Oberrodenbach in den Vorstand gewählt worden.

Hanau den 1. August 1902.

Königliches Amtsgericht 5. 13590

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 graue Hose, 1 gelbgrauer Damenhand- schuh (rechter), 1 schwarzer Sammetgürtel, am Samstag in Wilhelmsbad 1 kleines goldenes Medaillon in Herzform, in welchem sich 1 Kinderphotographie und 1 Locke von hellblonden Haaren befindet auf der Vorderseite gravirt und mit 3 weißen Perlchen verziert, auf der Rückseite die Buchstaben E. R.

Entflogen: 1 Kanarienvogel.

Hanau den 8. August 1902.

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Feuilleton.

Der SternschmiMn-SchNuirm der Perseiden.

In den Nächten vom 10. bis 13. August bietet sich den Freunden des gestirnten Himmels ein anziehendes Schauspiel es stellen sich, reichlicher als sonst, Sternschnuppen ein, die in ihrer Mehrzahl ihren Ausgang vom Sternbilde des Perseus zu nehmen scheinen, und die deswegenPerseiden" genannt werden, gerade so wie die Sternschnuppen im November, die aus dem Bilde des großen Löwen herzukommen scheinen, Leoniden" heißen. Der Volksmund hat übrigens den August- Meteoren noch einen anderen Namen gegeben; weil nämlich der 10. August, an dem sie zuerst aufzutreten pflegen, im Kalender dem heiligen Laurentius zugeeignet ist, nennt er sie die Thränen des heiligen Laurentius". Daß diese Stern­schnuppen jährlich an den bestimmten Tagen mit großer Regel­mäßigkeit sich einstellen, konnte den Himmelsforschern nicht lange verborgen bleiben. Doch dauerte es geraume Zeit, bis man über die Ursache ihrer regelmäßigen Wiederkehr ins Klare kam.

Der große Mailänder Astronom Schiaparelli brächte endlich des Räthsels Lösung. Er wies nach, daß diese Meteore Glieder eines großen Ringes sind, der aus vielen Mil­lionen kleiner Körperchen besteht, die sich in geschlossenen Bahnen um die Sonne bewegen, in gleicher Weise wie die Planeten. Ursprünglich mögen diese Körperchen ganz nahe zusammen gewesen sein und eine dichte Wolke gebildet haben, die unter Umständen, wenn sie nämlich in die richtige Stellung zu Sonne und Erde kam, von Letzterer aus als Komet gesehen wurde. Im Laufe der Jahr­tausende breiteten sich die Körperchen aus, bei der enormen Geschwindigkeit, mit der der Komet in der Sonnennähe

Hue Stadt und Land.

Hanau, 8. August.

* Das Neichsversicherungsamt hat in einer kürzlich ergangenen Revisions-Entscheidung den bereits früher ver­tretenen Standpunkt aufrecht erhalten, daß eine Ehefrau, die mit einem wesentlichen Theile der von ihrem Ehemann über­nommenen Arbeiten beschäftigt wird, zu dem Auftraggeber in ein versicherungspflichtiges Arbeitsverhältniß tritt, ohne daß mit ihr eine unmittelbare Abmachung getroffen oder eine be­sondere Vergütung für ihre Leistungen ausgeworfen ist.

* Knrhessische Staatsanleihen. Sämmtliche vor­mals Kurhessischen Staatsanleihen sind zur Rückzahlung ge­kündigt worden. Die Inhaber der noch nicht eingelösten Schuldverschreibungen und Prämienscheine werden aufgefordert, sie bei der Regierungs-Hauptkasse zu Cassel zur Einlösung einzureichen.

* Für Jäger. Der Bezirksausschuß hat die Eröffnung der Jagd für Rebhühner, Haselwilb und Wachteln auf den 25. August d. Zs. und für Hasen-, Auer-, Birk- und Fasanen- Hennen auf den 15. September d. Js. für den Regierungs­bezirk Cassel festgesetzt.

* Ueber Beihilfen für Lehrer der höheren Lehr­anstalten zur Förderung ihrer Fortbildung und ihrer wissen­schaftlichen Arbeiten besagt ein Erlaß des Kultusministers: Durch den Staatshaushaltsetat für 1902 sind bei dem Fonds Kapitel 120 Titel 6 zur Förderung wissenschaftlicher Bestre­bungen in dem höheren Lehrerstande 25000 Mk. bereit gestellt worden. AIs Verwendungszwecke habe ich zunächst in Aus­sicht genommen: 1. Beihilfen zu Studienreisen mit Ausnahme solcher Reisen, für welche bereits bei Kapitel 120 Titel 10 Mittel vorhanden sind; 2. Beihilfen, um die Beurlaubung eines Lehrers für wissenschaftliche Zwecke zu ermöglichen; 3. Beihilfen, um die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Ar­beiten zu ermöglichen; 4. Prämien für besonders der Aner­kennung würdige wissenschaftliche Arbeiten; 5. Beihilfen zur Theilnahme an Ferien- und Fortbildungskursen. Außer den Oberlehrern können auch die Direktoren der höheren Lehr­anstalten und außer den an staatlichen auch an nichtstaatlichen höheren Lehranstalten Angestellte Berücksichtigung finden. Je­doch sollen Zuwendungen an Direktoren und Lehrer höherer Unterrichtsanstalten, deren Unterhaltung leistungsfähigen Ge­meinden obliegt, nur in einzelnen, besonderen Ausnahmefällen stattfinden." . .

* Preisabschlag. Infolge der anhaltenden hohen Viehpreise sind die hiesigen Ochsen- und Rindsmetzger genöthigt, einen Preisaufschlag eintreten zu lassen. Vom 9. d. M. kostet das Pfund Ochsenfleisch 75 Pfg., Bauchfleisch 65 Pfg., Rindfleisch 65 Pfg. (Siehe Jnseratentheil.) Nicht sehr erfreulich!

dahinraste, blieben immer mehr von ihnen zurück, so daß sich die Kometenmasse allmählich über die ganze Bahn zerstreute und einen gewaltigen Ring bildet.

Diesen Ring durchschneidet nun die Erde bei ihrem Laufe um die Sonne am 10. August. Dabei geräth eine Anzahl der kleinen Körperchen in unsere Atmosphäre, erhitzt sich hier infolge der schnellen Bewegung und der dadurch verursachten Reibung bis zum Glühen und erscheint uns als Stern­schnuppen. Je nachdem nun gerade eine dichtere oder weniger dichte Stelle des Schwarms mit unserer Erde zusammentrifft, fallen mehr oder weniger Sternschnuppen. Denn die Körper­chen sind noch nicht ganz gleichmäßig in der Bahn vertheilt, es gibt noch Anhäufungen dieser Meteore, wenigstens ist eine solche Anhäufung direkt beobachtet worden. Im Jahre 1862 entdeckte Tuttle einen Kometen, der ziemlich hell erschien und sich nach Oppoltzers Berechnung in ^iVs Jahren um die Sonne bewegte. Die Bahn, die er durchlief, stimmte so genau mit der für die August-Meteore berechneten überein, daß an der Zusammengehörigkeit Beider kein Zweifel bestehen konnte.

Im Jahre 1866 traf denn auch unsere Erde direkt mit der Anhäufung, die uns als Komet erschienen war, zusammen ; es fielen deshalb in diesem Jahre auch die Perseiden reichlicher als sonst. Wenn der Tuttlesche Komet die einzige Verdichtung in dem Perseiden-Ringe war, dann würden erst im Jahre 1987 wieder August-Meteore in größerer Anzahl zu erwarten sein. Bis dahin ist aber die Auflösung des Schwarms weiter fortgeschritten, der Komet von 1862 wird, wenn er überhaupt wieder gesehen wird, einen großen Theil seiner Masse wieder eingebüßt haben, und dann fallen die Perseiden Jahr für Jahr in gleicher Weise langsam an Zahl _ abnehmend, bis auch das letzte Körperchen in unserer Atmosphäre verbrannt ist. Dadurch unterscheiden sich die Perseiden von den November-Meteoren, den Leoniden. In dem Ringe, den diese bilden, ist noch eine erhebliche Verdichtung vorhanden, die in Zwischenräumen von etwa 33 Jahren ein prächtiges

* Deutsch - Amerikanisches Orchester. Gestern Abend gab es imKaiserhof" vorwiegend Pankee-Melodien zu hören, ein Verdienst des rührigen Pächters, dessen Be­mühen dahin geht, seinen Besuchern nur das Beste zu bieten und daneben auch die nöthige Abwechslung im Auge zu be­halten. Er hatte sich den Kapellmeister Max Gabriel von jenseits dergroßen Pitsche" für einen Abend gesichert und damit den Gästen sicherlich einen Genuß bereitet. Der Garten war überaus stark besetzt und da auch die abendliche Kühle ausgeblieben war und die angenehme warme Temperatur bis zuletzt anhielt, war der Aufenthalt nach jeder Richtung ein angenehmer. Das gut geschulte Streich-Orchester brächte u. A. auch ein von dem genannten Kapellmeister zusammengestelltes Tongemälde:Die Reise des Prinzen Heinrich durch die Ver­einigten Staaten" zur Aufführung, das sich natürlich besonderen Beifalls zu erfreuen hatte. Die dezente Vortragsweise, die der Kapelle anderwärts nachgerühmt ward, konnte auch hier konstatirt werden. Der temperamentvolle Dirigent leitete seine Kapelle wie am Schnürchen, was sich besonders auch bei dem Vortrag derWashington-Post" kundgab, durch die sein amerikanischer Kollege Sousa so rasch berühmt geworden ist. Das bereits gestern mitgetheilte reichhaltige und abwechselungs- volle Programm wurde flott abgewickelt, es mußte infolge reichlichen Beifalls noch um etliche Zugaben verstärkt werden.

* Fuffballsport. Am Sonntag den 10. August begeht derHanauer Fußballklub Viktoria 1894" sein 8. Stiftungs­fest im Lokale zumHanauer Hof" in Klein-Steinheim. Dem Stiftungsfest voraus geht morgens um OVa Uhr ein Vereins­sportfest auf dem hiesigen Exerzierplätze. Die einzelnen Num­mern der sportlichen Veranstaltung sind 100 Meter-Laufen, Junior-Freiweitsprung, Ballweitstoß, 50 Meter-Laufen, 800 Meter, 1500 Meter, sowie 400 Meter für Junior, und Tau­ziehen. Freunde und Gönner sowie Interessenten des Klubs sind höflichst eingeladen. Das Stiftungsfest beginnt um 4 Uhr. An Unterhaltung und Tanz sowie Gesang und humoristischen Vorträgen wird es nicht fehlen. Die Preisvertheilung findet um 8 Uhr statt.

* Villenkolonie. Unserer kürzlichen Notiz über die Villenkolonie haben wir infolge zahlreicher Nachfragen noch hinzuzufügen, daß die Firma Jäger u. Rumpf nicht nur das eine seither im Lageplan angegebene Quadrat zur Er­bauung von Villen vorgesehen hat, sondern, daß auf Wunsch von Interessenten auch Villen direkt an der Frankfurter Land­straße erbaut werden, wie dies auch jetzt aus dem Lageplan zu ersehen ist.

* Aus dem Frankfurter Zoologischen Garten. Mit einer Kollektion ausländischer Reptilien ist eine merk­würdige Natter, aus dem tropischen Amerika stammend, im Zoologischen Garten eingetroffen. In den heißen Gegenden

Schauspiel gewährt haben. 1799, 1833 und 1866 fielen d e Meteore stellenweise wie Regentropfen, so daß man von einem Sternschnuppen-Regen" spricht. Im Jahre 1899 oder 1900, wo man diese Meteore wieder erwartete, blieben sie allerdings aus, so daß man annehmen muß, daß auch diese Meteorwolke sich aufgelöst hat, wenn sie nicht etwa durch Annäherung an den Jupiter eine solche Aenderung ihrer Bewegung erfahren hat, daß sie mit unserer Atmosphäre nicht mehr in Berührung kommt.

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Litterarisches.

Blumen am Wege. Gedichte von Marie Pasch ke- D i er garten. Druck und Verlag von W. Crone jr. in Lüdenscheid. 142 S. Preis elegant gebunden mit Gold­schnitt 2.50 Mk. Zu beziehen durch jede Buchhandlung, sowie direkt vom Verleger und auch von der Verfasserin: Frau Marie Paschke-Diergarten in Kiel.

Blumen am Wege" nennt die Verfasserin ihre Gedichte, und wahrlich, ein sehr reizvoller Strauß ist es, den sie dem Leser bietet. Nicht geschraubte, hypermoderne Empfindungen bringt Marie Paschke- Diergarten in diesem Buche zum Ausdruck, es -klingt vielmehr alles so schlicht, so selbstverständlich, was sie uns zu sagen hat. Man fühlt, daß es nicht mit Kunst gemacht, sondern ohne Kunst empfunden ist. Und gerade darum sind die Lieder so schön, weil sie so einfach sind und die Sprache sich so zwanglos dem Versmaß anpaßt; einige fordern geradezu zum Komponieren heraus. Liebeslust und -Leid, fülle Resig- naiion, biltres Heimweh nach dem Grabe der Mutter und neu ge­fundenes inniges Glück, für all diese Empfindungen weiß die Dichterin so warme Herzenstöne anzuschlagen, daß wir mit ihr trauern, mit ihr jauchzen müssen. Allen Freunden guter Poesie und besonders den Frauen sei das auch sehr geschmackvoll ausgestattete, auf fein satmirtem Papier gedruckte und mit zierlichen Vignetten geschmückte Büchlein warm empfohlen. Daß von der Verfasserin schon früher in dem obigen Verlage eine Sammlnng GedichteHerbststürme" erschienen ist, die bereits die zweite Auflage erlebt hat, wollen wir hier noch mit dem Wunsche erwähnen, daß die gleiche Verbreitung dem uns vorliegenden Buche sowohl im Interesse der Verfasserin, als wie auch um der Ge­dichte selbst willen beschieden sein möchte.