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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Altsnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Derantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Nr. 233.
Fernsvre^ans^lnß Nr. 605»
Montag den 6. Oktober
FernlvreKanlkbluß Nr. 605
1902
Amtliches.
Landkreis Banau.
Bekannimachnnqen des fWiqL Landrathsamtes.
Mit der Berichterstattung auf meine Verfügung vom 23. Juni 1884 — V 5651 — betreffend Ausräumung der Fluth- und Entwässerungsgräben sind noch eine Anzahl Bürgermeister und Gutsvorsteher im Rückstände. Es wird daher die Erledigung der genannten Verkü ung in Erinnerung gebracht. Hanau am i. Oktober 1902.
Der Königliche Landrath.
V« 9568 v. Beckerath.
In einem Gehöfte zu Udenhain, Kreis Gelnhausen, ist Milzbrand festgestellt worden.
Hanau den 6. Oktober 1902.
Der Königliche Landratb.
V 9705 I. V.: Schneider, Kreissekretär.
Stadtkreis Banau, BelalmtmaKunaen des Oberbiirqermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Im Interesse einer baldigen Abrechnung beir. die Zah- litng der Verhütung für QuarLierleisLunaen re. werden die Belheiligten ersucht, in den nächsten Tagen die Ouartierzettel zwecks Zahlung der Beträge im Zimmer 20 bes Rathhauses vormittags von 18—18^/- Nhr vor- zulegen.
Diejerigen, welche die £uariier$eiid^ werden ersucht, die ihnen zustehende Verqüumg ebenfalls in der angegebenen Zeit in Empfang zu nehmen.
Hanau den 4. Oktober 1902.
Der Magistrat.
Dr. Gebe! chus, 17208
Handelskammer in Hanau.
Plenarsitzung
Mittwoch den 8. Oktober, nachmittags 4^ Uhr, im Sitzungssaal der Handelskammer (Stadtschloß).
Tagesordnung:
1. Neubesetzung des Sekretariats.
2. Ministenalerlasse.
3. Mittheilungen.
4. Erhebungen über die Lage des Arbeitsmarktes.
5. Handel iubventionirter Kornhäuser rc. in landwirthschaft- licken Erzeuan-ssen und Düngemitteln mit Nichtmitgliedern.
6. Zoll auf Sägeblätter.
7. Regelung der Nabrungsmitielkonirollc.
8. Schwefeln von Dörrobst.
9. Ausführung des Fieischbeschauaeketzes.
10. Sonntagsruhe und zu Endebedienen an Sonntagen.
11. Ruhezeit der Angestellten im Handelsgewerbe.
12. Erlaß eines Gesetzes über die zoll- und steueramtliche Behandlung der Geschäftsreisenden und ihrer Muster.
13. Frankawrzwang für leere Emballagen.
14. Reform der Per'onentarife.
15. Verschiedene Verkehrsangelegenheiten.
16. Vertrauliche Sitzung.
DieHandelskammer, 17265
Gcflindcnc und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Manschette mit Knopf, im Mittelbucher Bälde 1 goldener Kneifer.
Dom Walenmeister am 4. d. Mts. eingefangen: 1 weißer Foxterrier mit gelben Abzeichen, 1 schwarzer Pudel beide m. G schl.
Hanau den 5. Oktober 1902.
Hub Stadt und Land.
Hanan, 6. Oktober.
* Viffsttterle-Ginfustr nach Terbken. Nach amtlichen Mittheilungen ist die Einfuhr von Schmuck achen aus Gold, Platina, Perlen und Edelsteinen von 420 197 Fr. in 1900 auf 184 241 Fr. im Jahre 1901 zurückgegangen. Der Gesammihandel Serbiens ist in der Einfuhr um mehr als 10 Millionen Dinar (Fr.), in der Ausfuhr um 1 Million zurück
gegangen. ~ ,
* Ernennung. Der auf dem Ltadtbauamt beichäftigie Diplomingenieur, Herr Ivan ini, ist vom Magistrat zum Stadrbaumeister ernannt worden. v
* Freigerichter Kleinbahn. Nach einer in Gelnhausen eingetroffenen Nachricht hat der Herr Minister die erbetenen Mittel für den Bau der Freigerichter Kleinbahn bewilligt, womit das Zustandekommen der vom Kreistag des Kreises Gelnhausen im März v. J. beschlossenen Bahn gesichert ist. „ Die Linie der Freigerichter Kleinbahn wirb von Gelnhausen über Hailer, Meerholz, Niedermitilau, Bernbach, Alten- mittlau, Neuses, Somborn, Gondsroth, Neuenhastlau nach dem Stagtsbahnhgse Langenselbold geführt werden. Die Baukosten sind bekanntlich auf 1138 OOÖ Mk. veranschlagt.
* Schuhmannschaft. Die seither probeweise beschäftigten Schutzleute Pfahlbusch und Ludwig wurden zum 1. Oktober d. J. definitiv angestellt.
* Stadttheater. Wochenspielplan: Mittwoch: Zum 1. Male: „Haus Rosenhagen", Drama von Max Halbe. Freitag: „Die Zwillingsschwester". Sonntag: „Im weißen Rößl". — Einer der begabtesten unserer modernen Dramatiker Max Halbe kommt nächsten Mittwoch mit seinem erfolgreichen Schauspiel „Haus Rosenhagen" zu Worte. Die packende Lebenswahrheit der ergreifenden Handlung, die mit seltener Schärfe gezeichneten Charaktere und die knappe natürliche Sprache werden auch bier — wie allerorten — dem interessanten Drama den gewohnten Erfolg verschaffen. Die darstellerischen Stützen desselben sind die Damen Tor an, Rieger und Hieber, sowie die Herren Feist, Jungk, Retzbach und Gebrmann.
* Abnormität und Wissenschaft. Eine hochinteressante wissenschaftliche Demonstration verunstaltete am Donnerstag Abend der „Frankfurter ärztliche Verein" unter dem Vorsitz* seines Präsidenten, des Herrn Sanitätsrath Dr. Daube in CastanS Panoptikum. Die dort weilenden zusammengewachsenen AwiltiirgsHweslern Roia und JMHg Blaze^ wtrrden von ca. 200 Frankfurter Medizinern und (ZurUrgen, unter denen sich die vorzüglichsten Repräsentanten der medizinischen Wissenschaft befanden, eingehend besichtigt und ihre eigenartigen anatomischen Verhältnisse demonstrirt. Herr Dr. Friedrich Adolf, A sistenz- arzt. am städtischen Krankenhause, der vor Jahren in seiner Dissertationsarbeit die überaus seltenen Fälle von Pygovagie behandelt hatte, unter denen wir bei den wenigen, der wissenschaftlichen Untersuchung zugänglichen Exemplaren auch die gegenwärtig im Panoptikum uustretenden Zwillingsschwestern Rosa und Josepha Blazek befanden, erörterte in nahezu ein» ständigem Vortrag das Wesen dieser eigenthümlichen Abnormität, die zum 1. Male im Jahre 1582 bekannt wurde und seit dem elf Mal beobachtet wurde. Die böhmischen Zwillingsschwestern sind der 12. Fall. Berühmte Pygopagen waren die ungarischen Mädchen Helena und Judith, welche in Szony am 26. Oktober 1701 geboren wurden und ein Alter von 22 Jahren erreichten ebenso die amerikanischen Nachtigallen. In den meisten Fällen wurden die zusammengewachsenen Geburten nicht alt, oft starben sie schon während des Geburisakies. Die körperlich bestentwickellen zusammengewachsenen Zw-llinqe sind nach übereinstimmendem Urtheil wissenschaftlicher Kapacitäten die im Panoptikum auftretenden böhmischen Schwester Blazek. Die körperliche Untersuchung der Mädchen ergab eigenartige physiologische Veränderungen, von welchen die Aerzte mit großem Interesse Kenntniß nahmen. Oberkörper und untere Extremitäten sind vollständig getrennt, in der Hüftgegend sind die Mädchen durch Verschmelzung der Beckenränder vereinigt. Die Untersuchung war eine sehr eingehende und befriedigte die Mediziner in hohem Maße. Herr Dr. Lageur untersuchte die Zwillinge nochmals besonders auf ihre Nerventhäugkeit und stellte die Empfindungsgrenze beider Oracmismen fest. Zürn Schluß sprach Herr Sanitätsrath Dr. Daube sowohl Herrn Dr. Adolf, wie der Direktion des Panöptjkums den Dank der Versammlung für die interessante wissenschaftlichezVorführung auS.
* Geistesgestört. Ein Spezereibändler K. und ein Gastmirth C. von hier mußten auf Wunsch ihrer Angehörigen wegen sich bemerkbar machender Geistesgeslörtheit ins Land- krankenbaus gebracht werden.
* Silberne Hochzeit. Morgen feiern der durch seine Gänsemä'terei in weiten Kreisen bekannte und beliebte, Hochstädter Landstraße 32 wohnende Herr Alexander Flach und dessen Ehefrau Auguste geb. Pgppert das Fest der silbernen Hochskit.
' Projettiaus-Bortrag. Wie aus dem Auzeigeutkeil ersichtlich, wird HL'r Recit'tor Hemp aus Wiesbaden Mittwoch den 8. Oft. in dem evangelischen Vereinssaale einen Rceiiatiaus-Avend veranstalten. Das Thema ist „Luther im deutschen Lied" »fit 30 Lichtbildern aus Luthers Leben. Bon den vieler: Besprechungen über die Leistungen des Herrn Hemp sei hier eine erwähnt, die chic folgt lautet: Zweibrücken, 19. Juni. Herr Hemv aus Wiesbaden trug heure in hiesiger protestantischer Kirche das Luthersesttpiel von Herrig vor. Mit vollendeter Meisterschaft führte uns derselbe die einzelnen Bilder aus Luthers Leben vor Augen, sein Kämpfen und Ringen in der stillen Klosterzelle zu Erkurt, sein mannhaftes Auftreten bar Kaiser und Reich zu Worms sein m sterhaftes Familienleben u. s. io. Man fühlt es dem Lor' legenden nach, daß cr^sich volluäudig in den Geist der Dichtung' senkt und in die innere Entwicklung Luthers ; i. >. . 5;: t
Vortrag kam aus der Tiefe eines für den aronen Rekorluator be geisterten Gemüthes: er fand denn auch begeisterte Aufnahme bei den dicht gedrängt er chienenen Zuhörern, welche zwei Stunden lang voll Andacht und mit tiefer Ergriffenheit den Worten des Redners lauschten. Möge es Herrn Hemp vergönnt sein, in recht vielen Gotteshäntem der^Pfalz das Festtpiel vorzutragen, zur Stärkung evangelischen Bewußtseins. zur Ehre unserer protestantischen Kirche!
* Trinker-HeMätte. Gestern Mittag ging die Er- öffnlmgsfereer der auf dem Burgberg bei B i e b e r (Kreis Gelnhausen) errichteten Trinker-Heilstätte vor sich und zwar mij gemeinsamem Gesang, Begrüßung durch den Vorsitzenden' Weiherede und Bericht des Vorsitzenden.
* Gaslichtftärke. Gaslichtstärke in der Zeit vom 16, bis 30. September 1902: _ m
Deutsche Veremskerze. . jefner Licht.
16.
Septbr.
Abends 6
Uhr —
20,5
24,60
17.
If
6
If
—
20,3
24,36
18.
H
If
6
If
20,5
24,60
19.
If
If
7
If
DU
20,i
24,12
20.
11
If
510
If
—
20,5
24,60
22.
If
650
If
20,5
24,60
23.
If
610
If
20,7
24,84
24.
U
If
650
If
—
20,5
24,60
25.
^
If
634
If
—
20,s
24,96
26.
If
If
6
If
20,5
24,60
27.
II
If
620
If
20,3
24,36
29.
If
If
610
If
20,5
24,60
30.
If
If
6
If
—
20,3
24,36
Mithin durchschnittlich
20,5 '
24,55
**HevrettabettddesGesangvererns„Germania" Wenn ein ganz außerordentlicher Andrang zum Besuch einer Festlichkeit einen Maßstab für die Beliebtheit und Tüchtigkeit des sie veranstaliendeu Vereins bilden kann, dann hat am Samstag Abend, der Geängverein „Germania" ein schönes und ehrendes Zeugniß erhalten. Die „Centralballe" war zum Bersten voll, die entlegenste Ecke wies kein Plätzchen mehr zum Unterkommen auf und so mußte mancher Erschienene wieder umkehren. Den Zudrang zu dem Abend rechtfertigte aber auch in jeder Beziehung das Gebotene, es zeigte sich auch, was die unuerbrof] ne Energie eines Mannes aus dem vor einigen Jahren noch schwachen Verein zu machen verstanden hat. Der Vertrag der Chöre zeigte treffliche Schulung der Sänger, wie feinst poitttirie Ausarbeitung der einzelnen Kompositionen. Die zu G?hör gebrachten Chöre betitelten sich: „Das deutsche Lied" von Sittenlosen, „Sehnsucht" (5stimmig) von Schubert, „Eine alte Weise" von Pache, „Phyllis und die Mutter" von Bühren und — last not kast — der Walzer mit Orchesterbegleitung „Der erste Ball" von Kirchl. Von heimischen Komponisten waren vertreten Herr Lehrer Pauli von Fechenheim mit einem reizenden Chor „Schlaf wohl wie Gott es will", Herr Lehrer Appel mit einer sehr gefälligen Komposition „Mägdlein hab' acht" und Herr Lehrer Breidenbach mit zwei anmutigen Siebern „Süße Klänge" und „In der Heimath". Rauschenden Beifall ernteten die Herren Frischkorn und Gräbener mit den Duetten für Tenor und Bariton: „Herbstlied", „Ländliche? Lied" und „Auf der Alm", sowie der Tenorist allein mit zwei Soli. Als Gesangshumoristen glänzten die Herren Reis, Schilling und Wegmann. Vor eine sehr gewagte und unseres Wissens von einem ähnlichen Verein noch nicht unternommene Aufgabe hatte sich die „Germania" mit der Aufführung eines vieraktigen Drama's „Studenten und Lützower" gestellt, die nichtsdestoweniger ausgezeichnet gelöst wurde, was um so mehr anzuerkennen ist, als nur eigen: Kräfte darin beschäftigt waren. Wie schon der Titel besagt, stellt die Handlung die geschichtlichen Vorgänge aus der Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands und der darauf folgenden Erhebung, den Freiheitskriegen von 1813, dar. Der begeisternde patriotische Inhalt entfesselte laute Beifalls- stürme. In größeren Rollen waren darin beschäftigt Fräulein Schnee, sowie die Herren Kreß, Strohschnitter, Schilling, Reis und Wohlfahrt. Aus dem Füllhorn ihres reichen RepertoirS streute die Ulanenkapelle köstliche Piecen ein,^ die sich den übrigen Darbietungen würdig anschlossen. Herr Lehrer Wagner hat als Dirigent wieder einmal einen prächtigen Abend zu arraugiren verstanden, den Alle hoch- befriedigt verließet:.
* Mamttienabend der „Turngemeinde". Mit beut Beqiun der Winteriaison arrangirt die „Turngemeinde" alljährlich einen Familienabend, der auch diesesmal wieder seine Anziehungskraft bewährt hat. Vielleicht war der gestern besonders zahlreiche Besuch auch dem Umstand aufs Konto zu setzen, daß die mehr interne Feier zum ersten Mal im neuen Heim stattfand. Der Verlauf war der übliche, b. h. es wurde geturnt, gelungen, getanzt und gescherzt und an den einzelnen Tischen war es urgemülhlich, vielleicht noch etwas mehr wie sonst, wenn hierin überhaupt noch eine Steigerung, möglich ist. Man sah es, daß das Bewußtsein mitspielte, im eigenen Heim