Erstes Blatt
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Bezugspreis:
Biertelfährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- »ärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Beantwort!» Redakteur; G. Schreckte in Hanau,
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- u^b Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EinruckungSgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Rcklameuiheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev,
Waisenhauses in Hanau,
Nk. 284. FernfpreLauiSluß Nr. 605*
Areitag den 5. Dezember
Fernsprechanfchlvß Nr. 605*
1902
Amtliches.
Eandkms Sanau.
Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
Infolge eines Einzelfalles mache ich die Ortspolizeibe- 35rbfn darauf aufmerksam, daß zu polizeilichen Erlaubniß- scheinen zum Erwerb von Gift nur die in Anlage III der ministeriellen Polizei-Verordnung vom 24. August 1895 über den Handel mit Giften vorgeschriebenen Formulare zu verwenden sind. Etwa noch vorhandene «»vorschriftsmäßige Formulare sind zu vernichten.
Die genannte Verordnung, deren Bestimmungen hiermit in Erinnerung gebracht werden, ist in einer Extrabeilage zum Regierungs-Amtsblatt Nr. 45 für 1895 abgedruckt.
Hanau den 1. Dezewber 1902.
Der Königliche Landrath.
V 11825 v. Beckerath.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit 1,25 Mark Inhalt.
Verloren: 1 Trauring gez. J. H. 27. 2. 98., 1 wasserdichte Pferdedecke auf der Straße Ostheim—Hanau, 1 Karton mit 2 weißen gemusterten Betidecken mit gestickten Bogen auf der Straße Hanau—Wachenbuchen.
Zugelaufen: 1 junger schwarzer Hund m. Gcschl., 1 grauer Rattenpinscher m. Geschl.
Hanau den 5. Dezember 1902.
Mus Stadt und Land*
Hanau, 5. Dezember.
* VranbAeusr. Der Direktor der Hessischen Brand- verstcherungs-Ansiolt, Herr Dr. Knorz, macht bekannt, daß die Braut steuer für das Jabr 1903 durch Beschluß des Landesaus'chusses vom 27. November auf den seitherigen Betrag von 18 Pfg. für je 100 Mk. des Umlage-Kapitals festgesetzt worden ist. Die Brandsteuer beträgt hiernach für je 1000 Mk. der Versicherungs-Summe
in Bauart-Klasse I 90 Pfg., , „ II 1 Mk. 26 „
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* Streue« bei Glatteis. Unter Hinweis auf die von der Königlichen Polizeidirektion gestern veröffentlichten Polizeiverordnung vom 8. Februar 1™: machen wir unsere Lestr darauf aufmeckiam, daß bei Glatteis auch die Bürgersteige vor den außerhalb der Stadtgräben belegenen Wohn- gebäuden und Grundstücken zu bestreuen sind. Die Unterhaltung und Reinigung dieser Bürgersteige liegt, wie bekannt sein dürfte, der Stasi ob, jedoch ist die Stadt nicht verpflichtet, bei Glatteis zu streuen, da ihr dies rechtzeitig zu thun bei der Ausdehnung die'er Bürgersteige unmöglich ist. Mit Rücksicht auf die Haftpflicht für Unfälle, die auf das nicht rechtzeitige Bestreuen der Dürgersteige bei Glatteis zurück- zuführen sind, können wir unseren Lesern die strenge Beachtung besagter Polizeiverordnung nicht dringend genug empfehlen.
* Das Treiben von Vieh. Der Herr Regierungspräsident hat mit Zustimmung des Bezirksausschusses für den Regierungsbezirk Cassel folgende Polizeiverordnung erlassen: § 1. Der § 3 der Polizeiverordnung über die äußere Heilig- Haltung der Sonn- und Feiertage vom 31. Dezember “1896 (Amtsblatt 1897 S. 3 ff.) erhält folgenden Zusatz: Ferner werden die im ersten Ab atze dieses Paragraphen genannten Behörden ermächtigt, im Bedarfsfälle das Fahren und Treiben von Vieh zu den am folgenden Tage stattfindenden Diehmärkten von 3 Uhr nachmittags an allgemein zuzulassen. § 2. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung (26. November) in Kraft.
* Alpenvereirr. Nächsten Sonntag wird der Alpen- verein seine letzte Tour in diesem Jahre machen. Die Abfahrt findet vormittags 10 Uhr vom Westbahnhofe statt und wird die erste Pause in dem allen Touristen so lieb gewordenen Hahnenkammhaus gemacht. Don da geht die Wanderung über JohanneSberg nach Aichaffenburg, was stets eine angenehme Schlußstation bildet.
** Bolksvorlesung. Im Stadttheater hielt gestern Abeno Herr Dr. Mannheimer aus Frankfurt a.M. seinen zweiien Vortrag über Kunst. In leichtfahlicher Form erklärte ^r Redner das Wirken und Schaffen der größten nieder- 'indischen Meister des 17. Jahrhunderts und erläuterte an der Hand von Lichtbildern ihre Eigenart und ihr tiefes künst- -erisches Empfinden. Zunächst von Rembrandt, dem unübertroffenen Meister in der Behandlung des Helldunkels, dann
von Rubens, dem Hauptmeister der Schule von Brabant, führte Redner die hervorragendsten Bilder vor, weiter vom unübertroffenen Landschaftsmaler Ruyidael und schilderte ferner die Genremaler Adrian von Astade, Teniers, Dau u. A. Im Vergleich zu ihnen folgten die Werke der deutschen Meister Holbein und Dürer, von denen ebenfalls viele Bilder vorgeführt wurden. Den Schluß bildete die Vorführung einiger Bilder über Style in der Baukunst. Reiher wurde der Vortrag etwas beeinträchtigt durch das zeitweilig schlechte Funktio- niren des Lichtbilder-ApparateS. Reicher Beifall lohnte den Redner für seinen interessanten Vertrag.
* Ein« neue Zierde des Schloßparks. Wie an dieser Stelle bereits mitgetheilt wurde, hat der Der- schönerungSverein beschlossen, sein Augenmerk weiter dem Schloßpark zuzuwenden, sodaß der schon von unserer Stadtverwaltung so liebevoll und kunstsinnig gepflegte Platz stets größere Anziehungskraft ausüben wird. In seiner gestrigen Vorstands sitzung erklärte sich der Verschönerungsverein für Beschaffung und Aufstellung einer kunstvollen Vase, die in Anbetracht der im nächsten Jahre statlfindenden Altstadt- Jubelfeier jedenfalls eine auf diese Feier bezügliche Wid- ! mung erhalten wird. Wir nehmen an, daß dieses Vorhaben in den weitesten Kreisen Interesse erregen und dem Verein auch nach jeder Seite hin Stärkung und Unterstützung zu Theil werden wird.
* Thierschußverein. Die letzte Vorstand-sitzung wurde damit eröffnet, daß der 1. Vorsitzende, Professor Dr. Scheer, davon Mittheilung machte, daß dem Vereine von der Wittwe deS SchreinermeisterS Jmmenhäuser ein Legat von 25 Mk. testamentarisch vermacht und ausgezahlt worden sei. Der Vorsitzende hob hervor, daß es so erfreulich sei, daß diese Wittwe solche edle Gesinnung und solches Interesse an den Bestrebungen deS VereineS diesem entgegen gebracht habe. Um diese That d?r Verstorbenen zu ehren, erhoben sich die anwesenden Vorstandsmitglieder von ihren Sitzen. Dann wurden 5 FahrSurschen ausgewählt, welche der Pramiirung durch den Verein für würdig erachtet wurden, weil sie sich durch gute Wartung und Pflege der ihnen anvertrauten Thiere sehr verdient gemacht und Anderen ein gutes Beispiel gegeben hätten. Dann wurde auch beschlossen, im kommenden Winter einen Versuch mit den Futterbäumen zu machen, die Herr Dr. Berlepsch eingerichtet und sehr empfohlen hat. Man stellt einen Christbaum nach dem Feste fest in den Garten und schüttet ein Gemisch von Talg und den naturgemäßen Futterstoffen für Vögel auf die Zweige deS Baumes. Diese Masse muß natürlich in einer Pfanne erwärmt sein, erkaltet auf den Zweigen aber bald und kittet sich fest. Dann kommen die Meisen und andere zahlreiche Vögel und picken die Speise auf. Unter dem Baume Hüpfen dann die Finken umher, welche dann auf dem Schnee die Körnchen aufsuchen, welche von oben herabfallen. Der Vortheil dieser Fütterung besteht in einem spärlichen Verbrauche deS Futters, sowie darin, daß dieses bei jedem Wetter den Vögeln zugänglich bleibt. Dies« Masse, welche auf die Zweige geschüttet wird, kann man auch beziehen unter den Ramm „Futtersteine", hergestcllt von der Firma Hermann Scheid in Büren in Westfalen. Der Preis dafür ist ein geringer.
* Der Kutscherverein „Germania" hält morgen in der „Centralhalle" sein 9. Stiftungsfest ab.
* Die Kälte. Nach einer Periode milderen Wetters ist wieder scharfe Kälte mit schneidendem Osiwind eingetreten. Heute Morgen zeigte das Thermometer 12 Grad C. Der Main führt starkes Treibeis.
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4< Fechenheim, 4. Dezbr. (Verschiedenes.) Einem lang gehegten Wunsche unserer hiesigen jüdischen Mitbürger entsprechend, wird nun auf Betreiben der israelitischen Kultusbehörde zu Hanau seit dem 1. d. M. an hiesige jüdische Kinder besonderer Religionsunterricht durch Herrn Lehrer Heinemann aus Bergen ertheilt. In dankevSwerther Weise hat die hiesige Schul- und Gemeindebehörde ein Klassenzimmer der neuen eoangel. Schule bereitwilligst zur Verfügung gestellt, in welchem gegenwärtig 7 schulpflichtige Kinder Mittwochs und Sonntags von 2—4 Uhr unterrichtet werden. — Ein erfreulicher Beweis für guten Erfolg in der Geflügelzucht auch in unserer Gemeinde sind die verschiedenen hiesigen Ausstellern bei der internationalen Geflügel-Ausstellung zu Paris zu theil gewordenen Auszeichnungen. So erhielt Herr Christian Hafner für Enten die goldene Akdaille und 2 Ehrenpreise, ferner Herr Jean Müller für Enten einen 1. Preis und Herr Wilhelm Berg eine lobende Anerkennung. Diese Auszeichnungen sind zugleich ehrend für den hiesigen Geflügelzucht- vrrein, der demnächst wieder eine lokale Ausstellung beabsichtigt.
Q Fechenhttm,L. Dezbr. (Was nun?) In ihrer letzten Sitzung hatte die hiesige Gemeindevertretung sich erneut
Imit dem Geländeverkauf an die Firma Mayfarth u. Cie. zu beschäftigen, welcher, nun schon fast 3 Jahre im Gange, noch immer nicht zum Abschluß gekommen ist. Wie bereits früher eingehend mitgetheilt, hatte der Kreisausschuß den Verkauf in dem ursprünglichen Umfang — ca. 40 Morgen & 10 000 M. — nicht genehmigt, sondern nur den von etwa 16 Morgen — da auch diese nur vorerst seitens der gen. Firma benöthigt sind — sowie die pachtweise Ueberlassung des übrigen Geländes auf 5 Jahre, nach deren Ablauf auch dieses zu demselben Preise von ihr käuflich erworben werden kann. Die Firma Mayfarth erklärte sich mit dieser Abänderung des Kaufes einverstanden nnd legte darauf s. Z. der hiesigen Ge- meindebehörde einen dahin abgeänderten neuen Kaufvertrag vor und diese wieder der Gemeindevertretung zur Berathung bezw. Beschlußfassung hierüber. Während die meisten Festsetzungen deS neuen Kaufvertrages Zustimmung fanden, beanstandete man dagegen u. a. die Forderung der Käuferin, daß die Verkäuferin auch diesmal gehalten sei, außer für den Zufahrtsweg zum Gelände der Firma auch für ein Verbindungs- geleise mit der Station Sorge tragen zu sollen, und das trotz der überaus hohen Kosten — es ist ein etwa 1600 Mtr. ' langer und 8 Mtr. breiter Damm aufzuschütten — die zum I Erlös für das jetzt mehr als die Hälfte geringere Kaufobjekt in keinem Verhältniß stehen, ja sogar möglicher Weise denselben noch übertreffen werden. Weiter erbot sich die Ge-
I meindeverl-etvng — und dies ebenfalls entgegen einer weitergehenden Forderung der Käuferin — im Falle einer bei der Verhandlung mit der Eisenbahnbehörde von dieser ausdrücklich vorbehaltenen Kündigung der Schienenverbindung und daraus folgenden Verlegung derselben nur für Stellung des Geländes und zwar aus eigenem Besitz nach genauer Angabe der Lage desselben. Endlich wurde auch die weitere Forderung der Unterhaltung deS SchienengeleiseS, sowie die Abhängigmachung der Gewährung des Anschlusses weiterer industrieller Etablissements an dasselbe ausschließlich von der Zustimmung der Käuferin, abgelehnt und statt dessen die Gewährung auf Verlangen der Verkäuferin gefordert. Die Firma Mayfarth hat nun durch Zuschrift ihr Einverständniß zu diesen Beschlüssen bezw. Abänderungen seitens der Gemeindevertretung verweigert und diese in ihrer letzten Sitzuug beschlossen, trotzdem bei denselben zu verharren.
Stlmdrsamtl che Nachrichten aus Kesselstadt pro Monat November 1902.
Eheschließungen.
Der Schuhmacher Heinrich Ludwig Seegräber zu Klein-Strinheim und die Frieda Wilhelmine P a u l s o n zu Kesselstadt. Der Schreiner Ferdinand Karl R e u ß zu Kessä- stadt und die Johanna Martina Schmidt, Poliseuse, zu Hanau. Der Schreiner August Müller und das Hausmädchen Sophie Wilhelmine Stabiler zu Kesselstadt, Geburten.
Am 3. November. Emil, S. des Ciseleurs Friedrich Bott. 6. Margarethe Sophie, T. des Gasarbeiters Georg Ullrich. 9. Anna Dorothea Henriette Hedwig, T. des Bäckermeisters Heinrich Jünger. 44. Wilhelmine, T. des Formenstechers Friedrich Rückert. 19. Anna, T. des Bureaugehilfen Theodor Cramer.
Sterbefälle.
Am 8. November. Bernhard Rhein, Privatier, alt 68 I. 1 M. 27. Peter Joseph Rüttgers, Formstechereibesitzer, alt 53 I. 9 M.
Kauauer Uereius- u. Nrrs«ugu«gsuachrrchten
für Freitag bett 5. Dezember.
Kunjkerem: In der Aula »er Königl. Zeichenakademie: Ausstellung von Lemälden unv Bildwerken.
Stadttheater in Hanau: „Der Mm« im Monde', Posse mit Gesang in 3 Auszüqen' Anfang 7 Uhr.
Evang. Männer- und JünglingSverein: UnterhaltungSabend (Evang. VereinShauS).
Hanauer Kellnerverein' Vereinsabend in der Restauration Ulfämer.
Turn- « Fechtktnb: Fechten uns Turnen.
Männerabtheilung der Turngemeinde - Turner:.
Verein für Homöopathie und Naturheilkunde: Vereinsabend in der „goldenen (Berste".
Verein der Bayern: BeretuSabend im Gasthaus „zur Sonne'.
Klub „Amleitia': Vereinsabend im Restaurant „z. großen Kurfürsten'. Stuf der „Harmlosen': Gemüthl. Zusaunnenkrmtt tm ^Frankfurter Ban'. Klub „Schlarassta': Vereinsabenü m Der Restauration „Alemannia'. B>cvcle.Ktub 1896: Klubabend im „Kaiser Friedrich'.
GeieUfchaft „Schar,« Eck': Monatzversammluna.
Btcv'leklub „Hannovia'; Klubabend in der „ReSauration Carlsberg". Hanau« SÄüsenvereiu: Abends 9 Uhr: Zimmcruutzenschieken.
Französischer Club: Sitzung präziS l/a9 Uhr im Restaurant Carlsberg.
Athteienklub -Germania': Riegenstemmen und Ringen der 1«, 2. und 8. Klasse (Restauration. Wagenbach, Paradeplatz).